der Natur, wie droben in den höchſten Alpenregionen. Wo letztes Jahr tiefe Mulden oder Schneebecken ſich zeigten, können ſich heuer gewaltige Schneeweheten und kleine Schneeberge emporthürmen, und während man in dem einen Sommer ganz bequem über Firnhalden emporſtieg, findet man im nächſten Jahrgang, wenn er ſchneearm und heiß iſt, daſelbſt nackte, ſchroffe Felſenriffe, die ſelbſt den tüchtigſten Führer in Verwirrung bringen können. In dem Zurechtfinden bei ſolchen Verän⸗ derungen bekun⸗ det ſich das rechte——/— Alpenführerta⸗— lent und ein ſol⸗ 5 ches bewährte 4
neben Jakob Leuthold auch ganz beſonders
der Führer Ma⸗ duz von Matt im Kleinthal im Canton Gla⸗ rus. Er war ur⸗ ſprünglich ein Schwabe, aber mit ſeinem war⸗ men und offenen Sinn für die großartigen Na⸗ turſchönheiten der Alpenwelt war dieſe ſeine Heimat geworden. Mit einem bewunde⸗ rungswürdigen Ortsſinn wußte er ſich in den Eis⸗ wüſten und Fel⸗ ſenlabyrinthen überall zurechtzu⸗ finden und war ſtets mit gutem Nathe bereit. Er begleitete die Pro⸗ feſſoren Nuder von Bern und M. Ulrich von Zürich, als die⸗ ſelben zum erſten⸗ mal den Monte Leone im Wallis beſtiegen. Ebenſo
den Profeſſor Oswald Heer von Zürich,
als derſelbe zum erſten Mal den Piz Sinard im Unterengadin be⸗ zwang.
Maduz war vorher nie weder in der einen, noch in der andern Gegend geweſen, aber er fuhrte ſie deunoch ſicher und wohlbehalten hinauf. Ebenſo außerordentlich beſorgt und opferfähig für die ihm Anvertrauten, wie Maduz, war Jakob Leuthold, der vieljährige Begleiter Hugis und Agaſſizs auf ihren Wagfahrten aufs Finſteraarhorn, auf die Jungfrau, die Schreckhörner und alle andern Alpenſpitzen erſten Ranges, welche er alle mit der größten Um⸗ ſicht leitete.
Hiervon einige ſprechende Beiſpiele. Nach dem erſten Verſuche
der Beſteigung des Finſteraarhorus unter Hugi, ſchritt Leuthold über
den jäh abfallenden Gletſcher, forſchend, der Geſellſchaft voran, und ſtand eben am Rande des Abgrundes, als weiter zurück Profeſſor Hugi ausglitt und pfeilgeſchwind auf dem Rücken dem Abgrunde zuflog. Raſch ſchlägt Leuthold ſeinen eiſenbeſchlagenen Alpenſtock
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Moritz Andenmatten. Originalzeichnung von A. Mosengel.
tief ins Eis, ſtützt den Fuß daran und faßt mit eiſernem Griffe den Verunglückten beim Kragen, als er ſchon mit dem halben Körper in der Luft über dem Abgrunde ſchwebte. Bei dem dritten Verſuche der Erſteigung des 13,160 Fuß hohen Finſteraarhorns den 10. Auguſt 1829, war Hugi bis auf den hangenden Hochfirn gekommen, den man in der ganzen nördlichen Schweiz ſehen kann. Um zum Mittelfelſen
des oberſten Horns zu gelangen, mußte eine vollſtändig e Eisfläche 3
klommen werden. Das konnte nur mittelſt einge⸗ hauener Fußtritte geſchehen. Da machte ſich Leut⸗ hold mit ſeinem Kamerad Wäh⸗ ren ſogleich ent⸗ ſchloſſen ans Werk. Sie ſchlugen den Fuß feſt in die eingehauene Stu⸗ fe und meißelten dann weiter. Es war ein haar⸗ ſträubender An⸗ blick, die uner⸗ ſchrockenen Füh⸗ rer wie Fliegen hangend, an der Eiswand zu er⸗ blicken. Endlich war die gefähr⸗ liche Arbeit ze— than, und die Ueberſchreitung ſollte vor ſich gehen. Leuthold
erklärte jedoch, daß jeder Fehl⸗ tritt den unver⸗ meidlichen Tod zur Folge haben werde. Nach viel fachen Verſuchen wagte keiner der geübten Bergſtei⸗ ger die lebensge⸗ fährliche Ueber⸗
* kern Leuthold und Währen, welche einzig die ſchwin⸗
delnde Höhe er⸗
ſchreitung, außer den beiden Füh⸗
möge raſch und wie bie ührer 1
ure lin,
mit deren bife ſch diſſr vorſch⸗ iig aus dem ſchwe⸗ benden Sibe em⸗ hurhob und rek— tete. Das Gleiche lhat nach ihn peter Balmat Das kühn Wnguiß, das i der Erſteigun unſerer höchſte Bergſpitzen liegt die uähe Ausdauer and die rühige Entſchoſſenheit nit welcher ſelbe ausgeführt wird, macht die Leiſtun⸗ gen lüchtiger Bergführer in den Augen des Volkes achtungswerth, weil dieſelber neben dem beſchei⸗ denen Erwerbe fürdie Familiezu⸗ gleich der Wiſſen⸗ ſchaft denen und geſaßten Man nesmuth bekun den, den da Schweizervolk
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nen Helden ehrt. Die heige⸗ gebene Iluſtra⸗
toon zeigt einen
Wuliſer Glet— ſchenhrer, No⸗ rit Anden⸗ matten, unter dan jett lebenden Ane Drrhme heit In Visbach wo das Rhpne.
ſtiegen. 2 tal anfängt ſe
Leutholds in die Breite z.
Scharfſinn bei je⸗ kana und 61
der neuen, drohen⸗ niidere keie
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den Gefahr bewährte ſich denn auch in entſprechender Weiſe bei der Rück⸗ das Maiskorn 1 kehr Hugis vom Finſteraarhorn, den 4. Auguſt 1829. Der Schnee war von Reben ur von der warmen Temperatur ganz aufgeweicht und daher ſanken die ſer in ſiler Ab— am Seil befeſtigten Reiſenden jeden Augenblick in die nur loſe zuge⸗ ene lomuen 6 deckten Gletſcherſpalten bis an die Bruſt ein. Da ordnete Leuthold men all
an, ſich platt auf den Bauch zu legen und ſo kriechend und rutſchend über die gräßlichen Abgründe zu ſetzen, indem ſo durch Vertheilung der Gefahr, mit einer trüglichen


