will, ſo kann ich nicht mit ihm gehen.
Ordnung und Reihenfolge, wie er ihn betreten hatte. Die ſehr zahl⸗ reiche Verſammlung wogte hinterdrein, nur mühſam vermochten die Trabanten die Ordnung aufrecht zu erhalten, und erſt durch das Oeffnen aller Thüren gelang es, den Menſchenſtrom abfluten zu laſſen, der ſich über die Corridore und Treppen bis in die Höfe des Schloſſes ergoß. Hier wurden die Wagen, die Sänften gerufen, ein buntes Treiben begann, die Deputationen der Städte drängten ſich hinaus unter das Volk, welches ſie mit Hurrah! begrüßte und dafür von den Stockmeiſtern auseinander gejagt ward.
Von ſeinen beiden Heiducken in ungariſcher Tracht geleitet, konnte der kaiſerlich öſterreichiſche Geſandte, Baron Freitag, natür⸗ licher Weiſe ſchneller durch das Gedränge kommen, als ſeine Collegen. Der Baron, einer derjenigen Diplomaten, welche ſchon ſeit geraumer Zeit am Hofe von Berlin accreditirt waren, kannte deshalb die Locali⸗ täten genau. Er hatte ſeinen Wagen nicht auf dem Donplatze halten laſſen, ſondern denſelben dahin beordert, wo heutzutage eine kleine
Allee von Bäumen vor dem Seitenflügel des Schloſſes: die Schloß⸗
apotheke genannt, ſich hinzieht. Von hier aus ging ein ſchmaler Fahrweg bis zu dem Luſthauſe, an der Stelle der alten berliner Börſe, zwiſchen Mandelhecken entlang und über einen mit Taxushecken be⸗ pflanzten Damm zur kleinen Brücke bis an das Orangerie⸗ oder Pommeranzenhaus“)! Man konnte dann rechts abbiegen und, zwiſchen den ſogenannten Laboratorienhäuſern hindurchfahrend, auf den Friedrichswerder gelangen. Der Weg war allerdings weit, denn der Geſandte wohnte in der Brüderſtraße, aber es hätte bei der Volksmenge einer langen Zeit bedurft, um ſich Bahn zu machen, und Baron Freitag ſetzte ſich außerdem nur ungern den Bemerkungen der Berliner aus. Er ging alſo eilig auf ſeinen Wagen zu, der vor dem genannten Seitenflügel des Schloſſes hielt, welcher im Jahre 1688 die Bibliothek enthielt. Die Heiducken wollten eben den Schlag niederlaſſen, um dem Geſandten in den Wagen zu helfen, als plötzlich aus den Gebüſchen ein dunkelgekleideter Mann trat, der, ohne auf die Bedienten zu achten, die Schulter des Geſandten berührte.
Baron Freitag wendete ſich betroffen um. Der Mann ſagte kein Wort der Entſchuldigung, ſondern lüftete nur leicht die breite Krempe ſeines Hutes, welche ſein Antlitz faſt verdeckte. Kaum hatte Freitag die Züge des Fremden erblickt, als er ſchnell den ſchon auf dem Wagentritt ſtehenden Fuß zurückzog, ſich haſtig umwandte, mit einer gebieteriſchen Handbewegung die Heiducken entfernte und dann mit halblauter, faſt zitternder Stimme ſagte:„Iſt es Täuſchung oder
*) Später die noch ſtehenden Gebäude der Geſundheitsgeſchirr⸗Niederlage.
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Sie ſind in Berlin, Herr Pater?“ Der Angeredete lächelte ſeltſam.„Ich bin überall, wo es meine Pflicht erheiſcht, Herr Baron,“ ſagte er.„Ich kann an drei Orten zugleich ſein. Ich komme im Auftrage meiner Oberen und aus eignem Antriebe. Hier gilt es zu handeln. Schon habe ich ein gutes Stück Arbeit gemacht— Sie wiſſen ohne Zweifel bereits davon.“—„Ich ahne, daß Sie die Hand im Spiele haben,“ ſagte der Baron.„Wie machten Sie es möglich?“—„Unſere Wege ſind dunkel, ſie kreuzen ſich vielfach, aber wir finden helfende Hände überall. Ich bin ſeit
Wirklichkeit? Sie ſind es?
zwei Tagen in Berlin, allein das genügte mir, um meine Arbeit de M rechten Weg gehen zu laſſen. Ich kenne das Terrain genau, auf dem ich eine Schlacht liefern will, war ich doch lange genug vorher in
Berlin, als ich die Ehre hatte, Ihr Geſandtſchaftskaplan zu ſein.“
Wenn Oelven oder Henning Ringwald dieſe Unterredung be⸗
lauſcht hätten, ſo würden ſie auf den erſten Blick in dem Fremden jenen Mann wiedererkannt haben, dem ſie am Todesabende des großen Kurfürſten im Rackemannſchen Garten begegneten, als er das zer⸗ brochene Rad ſeines Wagens ausbeſſern ließ, den ſeine Begleiter „Herr Rath“ titulirten, und der, wie wir wiſſen, eigenthümliche Zeichen mit ſeinen Genoſſen wechſelte. von Ihnen?“„So iſt es.“„Wer wagte es, das dritte Dokument in die Hände des Kurfürſten zu ſpielen?“
Baron Freitag biß ſich leicht die Lippe. „Sie werden mit mir zu⸗ „Auch ich habe genügend
denburgiſchen Dienſten?“ „Wie konnte ich ihn vergeſſen,“ ſagte er. frieden ſein, mein Vater,“ fuhr er fort. gearbeitet.
beſſer experimentiren können,“ ſagte der Fremde,„doch davon ein ander Mal. Wann ſpreche ich Sie.“„Zu jeder Zeit iſt der hoch⸗ weiſe, ehrwürdige Pater Wolff willkommen.“„Ich verweile eine Zeit lang in Berlin; aber ich ſehe Sie nur zur Nachtzeit. Die Blicke der Späher ſind wachſam. Danckelmann zu beſiegen.“ ſich ehrfurchtsvoll verbeugend.
„Auf Wiederſehen denn,“ ſagte Freitag Der Pater Wolff verneigte ſich eben⸗
falls und trat hinter die Büſche des Gartenweges. Der Baron winkte
den Dienern, ſchwang ſich in den Wagen und rollte auf die Brücke Irief: Um Ge
zu, welche den Spreearm überſpannte und die kleine Inſel, in deren Mitte das Orangeriehaus ſtand, mit dem Luſtgarten verband.
(Fortſetzung folgt.) 4
Bürgers Lenore und der Göttinger Hainbund.
Ein Charakterbild aus der Sturm⸗ und Drangperiode der deutſchen Literatur. (Hierzu das Bild auf Seite 261.)
(Schluß.)
„Richtig, lieber Junge,“ ſagte Boie,„nur glaube ich, würde Bürger mit Dir nicht ganz harmoniren. Du denkſt an Gedichte im Tone eines klopſtockiſchen Bardiets, aber Bürger will Volkslieder, ſein Ideal ſind ſolche Romanzen, die bei Hofe und auf dem gräflichen Schloſſe gefallen, und die die Dienſtmagd in der Spinnſtube und der Stallknecht beim Miſten mit gleicher Begeiſterung müßten ſingen können. Sein Ideal iſt, daß dergleichen Poeſie auf den Märkten und Kirmſen von den Leierkaſtenmännern und Bänkelſängern unter das Volk gebracht werde. Volksthümlich und planverſtändlich ſind ihm gleichbedeutend.“
„Nein“, ſagte Voß,„wenn er damit alle andere Poeſie verwerfen Liebeslieder und Volksballa⸗ den mögen meinethalben allgemeinverſtändlich ſein. Aber die Oden⸗ poeſie laſſe ich mir nicht anfechten. Es iſt durchaus kein Fehler, wenn man eine Ode nicht gleich das erſte Mal verſteht. Die Art der Ode, das Große, Heftige, Unordentliche, Abgebrochene, das doch auch alles in der Natur begründet iſt, widerſtreitet ſchon. Wenn die Dunkelheit nur nicht in der Sache, ſondern in dem Uebermaße der Begeiſterung liegt, ſo kann ſie bald aufgelöſt werden, und deſto größer iſt dann das Vergnügen. Ueberhaupt, warun ſollte die Poeſie, dieſe Schatzkammer der Sprache und erhabener Gedanken, nicht auch ein Studium verdienen? Die griechiſche Poeſie, ein Homer, ein Anakreon,
ein Tyrtäus, war gewiß auch volksthümlich. Aber in den griechiſchen
Schulen erklärte man die Dichter. Bei uns will man ihnen blos
den Nachtiſch einräumen!“
„Aber“, meinte Gotter,„in der Dichtkunſt iſt doch eigentlich der Nutzen die Hauptſache; nützlich zu ſein, iſt auch für den Dichter allein wahre Größe; daher Allgemeinverſtändlichkeit die erſte ſo wohl Pflicht als Tugend.“
„Hebe Dich weg, Satan,“ ſchrie Voß,„was bringſt Du mir da für proſaiſche Philiſtereien in den heiligen Hain der Muſen! Nein, vor ſolcher Poeſie, wenn ſie ausſchließlich ſein will, behüte uns Gott. Nach Deinen Grundſätzen wäre Gellert, wäre Schmolcke mehr als Klopſtock; denn beide werden mehr geleſen und verſtanden.“
„Ja, Gellert“, meinte Gotter,„ſtelle ich wie als Dichter.“
„Ich laſſe Gellert gern ſeine Ehre,“ erwiderte Voß,„er iſt ein guter, ein unterhaltender, ein belehrender Schriftſteller. Aber den Ruhm, den er bei ſeinen Zeitgenoſſen verdiente, verdient er jetzt in dem Grade nicht mehr. Als Dichter betrachtet, iſt er nicht viel mehr als Schmolcke. Sprüche? Geht die Rührung weiter, verſchafft? Ich tadle Gellert nicht: vortrefflich.
als ſie die gewöhnlichſte Poſtille er iſt für ſeine Leſer nützlich,
„Alſo,“ fuhr Freitag fort, „kam jener Zettel, den ich geſtern früh auf geheimnißvolle Art erhielt,
„Wie? Sie, der Geſandte des Kaiſers, fragen noch? Steht nicht Graf Ernſt Metternich in bran⸗
Das Teſtament Kurfürſt Friedrich Wilhelms iſt nichtig. Der Kaiſer erhält ſeine Länder zurück.“—„Vielleicht hätten Sie noch
Bedenken Sie! Wir haben Herrn von I näglich, daß Me
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