Jahrgang 
13-26 (1867)
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und eine Stimme, die aus einem Violoncello zu kommen ſcheint, ſagt:Nanu, wat will Jie von mi?

Aber kaum iſt der letzte Ton den Lippen entfahren, als auch ſchon dieſelben Lippen ſich wieder an den Rand der dampfenden Schüſſel gelegt haben und wiederum nur ein Paar graue Augen dem Barone ſichtbar ſind. Dieſer hat begriffen, daß er den Kutſcher vor ſich habe und kann ſich des Lachens beim Anblick der originellen Figur nicht enthalten.

Iſt er der Kutſcher? fragt er. aus der Schüſſel.

In welchem Aufzuge iſt Er denn? fragt der Baron.

Uptug? Nee, ik bin bi de Pär(Pferde) weeſt, und bei dieſen Worten nimmt er mit merkwürdiger Geſchicklichkeit einen Löffel, den er feſt unter den Arm gedrückt hatte, ſetzt die Schüſſel auf ſeinen ge⸗ krümmten Arm, und mit der jetzt freien Hand holt er mit energiſcher Schnelligkeit dieMehlklieben aus derſelben hervor und läßt ſie in ſeinem Munde verſchwinden.

Kann Er denn nicht das Eſſen unten laſſen? ruft der Baron.

Ohne ſich im geringſten ſtören zu laſſen, ſieht jener ihn an, lächelt auf eine grauſenhafte Weiſe und ſagt endlich mit immer ge⸗ fülltem Munde:Nee, dat wer' ik ſchonſt bliewen laoten! Doch während er dies ſagt, hat er endlich den Kopf erhoben und ſo dem Baron ſein ganzes Geſicht gezeigt. Dieſer fixirt ihn ſcharf, tritt plötzlich einen Schritt zurück, furcht die Stirn, und mit barſcher Stimme ruft er:Landwehrmann Joachim Hirſekorn, antreten!

Was nun geſchieht, iſt unmöglich, zu beſchreiben; die Hand mit dem Löffel geht pfeilſchnell vom Munde bis zum rechten Beine hinunter; mit kräftigem Griff erfaßt die linke die Schüſſel und führt

Dat bin ick! ertönt es

ſie bis zum linken Bein, eine Kliebe geht von ſelbſt glücklicher⸗

weiſe durch den Hals, während eine andere, ungewiß, was aus ihr werden ſoll, zwiſchen Zähnen und Zunge liegen bleibt; das Geſicht hat einen unbeſchreiblich erſchreckten Ausdruck, und die weit aufge⸗ ſperrten Augen glotzen den Baron an. Endlich ſcheint er ihn zu erkennen und mit jener ungewöhnlich tiefen Stimme, welche durch die Kliebe im Halſe und den Klos im Munde gar eigenthümliche Modulationen erhält, ſtottert er:

To Befehl, Herr Rittmeeſterl

Dabei wird er aber faſt blau im Geſicht, und der Baron, der

Runterſchlucken!

Joachim Hirſekorn führt dies Manöver mit bemerkenswerther Geſchwindigkeit aus; immer kerzengerade in ſeinem engen Livreerocke daſtehend, brauſt er jetzt mit vollem Organe:

õʒÿxÿyÿᷓ

Zu Befehl, Herr Rittmeiſter!

Stell Er die Schüſſel ſort und komm Er hinein! ſagt der

Baron. Joachim gehorcht, doch indem er die Schüſſel auf die Erde ſtellt, wirft er einen ſehnſüchtigen Blick auf die immer noch darin liegenden Klieben; dann tritt er ins Zimmer, und als der Baron ihm ein Zeichen macht, die Thüre zu ſchließen, gehorcht er dieſem Befehl mit ſolcher Energie und Kraft, daß alle Fenſter im Hauſe davon er⸗ zittern.

Iſt Er von ſeinem gnädigen Herrn hergeſchickt worden, um den Heern, der von Berlin kommt, abzuholen?

Zu Befehlen, nee! ſagt Joachim,ick bin nur man blot mit⸗ föhrt, wiel de Kutſcher up den halben Wech int Dörb bi ſiene Mutter bliwen wull; ick ſchall dat nich nohſägen, ſüſten ſchimpt oos Oller; nu ſchall ick den Herrn von de Eiſenbohn awholen, un in ſien Dörb will de Kutſcher widder upſtiegen un to Hus föhren; ick ſchall dat

. 3 3 äwerſten nich nohſäggen, oos Oller is gaor to ſchlimm.

Der Baron hat ihm lächelnd zugehört und kann ſeinen Blick

nicht von dem Livreerock wenden, der ſicherlich nicht für Joachim ge⸗

macht iſt und aus allen Nähten zu gehen droht. Na, dann wird er mich auch wohl ein Stück Weges mitnehmen können! Zu Befehl, Herr Rittmeiſter, dat kann nich ſin! Warum denn nich, Kerl? Ich werde es ſchon bei ſeinem Herrn verantworten. Joachim nimmt ſich die Freiheit, ſeinem Vorge⸗ ſetzten gegenüber zu lächeln und mit ſtillvergnügtem Geſichte ſagt er: eMee, dat geiht nich, ick hebb ja de Kutſch entwee föhrt.Was,

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eine Erſtickung fürchtet, beißt ſich in die Lippen und commandirt:

Im Kutſche iſt zerbrochen?Zu Befehl; gegen den Eckſteen bi

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denn ollen dämlichen Gaſthof.Na, was ſoll denn daraus werden?Zu Befehl, dat weet ick noch alleene nich.Hat Er denn zum Stellmacher geſchickt.J nee, Herr Rittmeiſter, dat duh ick nich; der Olle is immer ſo falſch, wenn wat tebroken geiht.Aber wie ſoll denn der Herr nach dem Gute hinkommen? Ja, Herr Rittmeiſter, det weet ik och nich. Der Baron ſtampft mit dem FußSo lauf Er hin, Kerl und beſtell Er Extra⸗ poſt zur Ankunft des Zuges, aber ſchnell; es iſt 11 Uhr vorbei. Zu Befehl, Herr Rittmeiſter! und Joachim macht rechtsum Kehrt, ſtürmt zur Stube hinaus; aber der Baron bemerkt wohl, daß der Exlandwehrmann nicht vergißt, die Schüſſel mitzunehmen und hört deutlich, wie auf der Treppe die übriggebliebenen Klieben das Schick⸗ ſal ihrer Vorgänger theilen..

Das Erſcheinen des komiſchen Kauzes, welcher ſchon beim Re⸗ gimente während der ganzen Campagne Officiere und Soldaten be⸗ luſtigte, hat dem Baron einen Theil ſeines guten Humors wiederge⸗ geben; er wirft ſich aufs Sopha, zündet eine Cigarre an, und ſeine Gedanken werden klarer und heller. Er meint, daß oſt im letzten Augenblicke Gottes Hilfe naht und alle menſchliche Berechnungen dann über den Haufen fallen; er verſpricht ſich, ſeine Pflicht zu thun, bis zum alleräußerſten es mit dem Aſſeſſor zu bringen, und dann, wenn es ihm nicht gelingen ſollte, ihn zum Weg der Pflicht zurückzurufen ja dann... wie Gott will!

Ein furchtbares Gepolter auf der Treppe erweckt ihn aus ſeinen Gedanken Joachim ſteht in der Thür.

Ick melde mie zurück von die Extrapoſt!So, alles gut beſtellt?Zu Befehl, Herr Rittmeiſter!Um 4 Uhr an der Station?Zu Befehl; awerſt....Aber was? De Poſtmeeſter ſägt, he har keene Pär t'Hus!Donnerwetter, Kerl! womit ſoll denn die Kutſche gezogen werden?Joh, dat weet ik och nich, Herr Rittmeiſter.Sind denn gar keine Pferde da?Pär nich, blos man de dolle Jochim.Was? wer? Herr Rittmeiſter, weeten's denn nich, mienen witten Schimmel, denn ik in Böhmen har, den kennt jo de ganze Armee.Kerl! was ſchwatzt Er?Mienen witten Schimmel, Herr Rittmeiſter, die dull Jochim.

Der Baron kann nicht ohne Lachen das erzkomiſche Geſicht des früheren Landwehrmanns anſehen.Aber Er ſelbſt heißt ja Jochim? ſagte er. Das Geſicht des improviſirten Kutſchers verzerrt ſich zu einem haarſträubenden Lächeln.

O, ſagt er,to me ſäden die Cameraden, de ſeuten(ſüßen) Jochim. Meen Pär was die dulle Jochim; dat het dee Poſtmeeſter bei dieDemobiliſirmachung köft un....

Gut, gut, unterbricht ihn der Baron,nun will ich Ihm ſagen, was Er zu thun hat. Lauf Er zum Poſtmeiſter zurück, ſag' Er ihm, er ſoll die Chaiſe bereit halten, und ſpann Er die beiden Pferde ſeines Herrn vor, und da der Weg ſchlecht und die Chaiſe ſchwer iſt, kann Er auch noch ſeinen tollen Jochim vorſpannen. Verſtanden? Und nun laſſe Er mich ſchlafen, und um ½ 4 komm Er her und wecke Er mich auf!

Zu Befehl, Herr Rittmeiſter.

Jochim ſtolpert die Treppe hinunter, und der Baron wirft ſich angekleidet auſs Bett, um wo möglich noch einige Stunden zu ſchlafen.

III.

0 Es iſt ein eiskalter, nebeliger Morgen und noch nicht 5 Uhr, als die Poſtkutſche, von drei kräftigen Pferden gezogen, zum Städtchen hinausbrauſt. Auf dem Bocke ſitzen der Poſtillon und Jochim, der wahrſcheinlich keine Zeit gehabt hat, ſein Frühſtück in Ruhe zu ver⸗ zehren, und mit vollem Munde in die Morgenluft hinausfährt. Im Innern ſitzen zwei dicht in Pelze gehüllte Männer, die verſuchen, während des Geraſſels auf dem Straßendamm ihre begonnene Unter⸗ haltung fortzuſetzen, aber, da ihnen das nicht gelingt, warten, bis der Wagen anfängt, auf der Landſtraße langſam und immer langſamer zu fahren. Ich kann mich von meinem Erſtaunen noch nicht erholen, ſagt der Aſſeſſor,Dich Dich in einer Poſtkutſche am Bahn⸗

hofe mich erwartend zu finden; das wäre mir wahrhaftig nicht im

Traume eingefallen. Statt Dich zu verwundern, bedanke Dich,

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