iſt die Beſcheerung da!.
einer zu Theil geworden... Hm!.. Freund reiſt Du wirklich heute ab?“
„Ja, heute Abend mit dem letzten Zuge— willſt Du mich zum Bahnhofe begleiten?“
„Danke beſtens, lieber Freund gehe regelmäßig früh zu Bette, ſeitdem ich aus Böhmen zurückbin— habe einen andern Sommer, wie Ihr, durchgemacht wahrhaftig! und muß mich jetzt ausruhen!“
„Apropos—“ rief der Aſſeſſor, der ſeine ganze Geiſtes gegenwart wiedergefunden hatte, lachend„der Herr Baron moq nirt ſich über die Pommern und hat eine Pommerſche Landwehr⸗ ſchwadron im letzten Kriege geführt—“
„Bitte! bitte! ich habe kein Wort gegen die Pommern geſagt— kreuzbraves Volk— nur Pommerland...„Pommerland iſt ab⸗ gebrannt—“ ſummte er in der bekannten Weiſe; dann die Hand des Aſſeſſors herzlich drückend und ſich gegen die beiden Referendaren verbeugend, verließ er das Zimmer.
Auf dem Flur ſah er einen vierſchrötigen Burſchen, der auf und abging.
„Suchen Sie hier jemanden? fragte er.„Mein junger Herr iſt dadrin,“ erwiderte jener.—„So ſo! der Herr Referendar.“—„Zu die⸗ nen.“—„Sind Sie ſchon lange bei ihm?—“„J— ich bin ja
Nun, dann leb wohl, alter
vom Gut!—“„So!— na, was macht denn das gnädige Fräu⸗ ) gnädig
lein?— ich vergaß, danach zu fragen.—“„Wer? Fräulein Hulda?“—„Ja... die... na... die...—“*„Die Schweſter des jungen Herrn?—“*„Verſteht ſich!—“„Schön!— freut mich — Empfehlen Sie mich!...“
Und noch einige Worte vor ſich hinbrummend, ſtieg der Baron die Treppe hinunter. Unten hielt er einen Augenblick ſtill...„Es ſtimmt,“ ſagte er,„eine Brautreiſe, oder vielmehr eine Reiſe, um Bräutigam zu werden... zu Weihnachten!... Hm... die Welt
iſt doch ein eigenthümliches Inſtitut, oder doch nicht, die Welt iſt ganz
gut... aber die Menſchen, ja die Menſchen, alle Wetter... will der Menſch ſich verloben!... Hm... die Menſchen ſind wahrhaftig nicht viel werth— das muß ihnen der Neid nachſagen. Der Baron durchſchritt die Straße. Im Augenblick, wo er um die Ecke bog, hielt ein eleganter Wagen vor einem der größten Läden der Haupt⸗ ſtadt ſtill, deſſen Schaufenſter, der Weihnachtszeit halber, prächtig ausgeſchmückt waren und vor denen ſich eine Menge Neugieriger ver⸗ ſammelt hatte.
Eine alte Dame, feſt in ihren Pelz gehüllt, ſtieg mit Hilfe der Bedienten aus dem Wagen; ihr folgte ein ziemlich einfach gekleidetes junges Mädchen, das ihr ſogleich den Arm anbot, nachdem es den Wagen verlaſſen hatte, und ſie in den Laden führte. Man begriff gleich, daß letztere die Geſellſchafterin der alten Dame wäre.
Der Baron war wie angewurzelt ſtehen geblieben, als er die beiden Damen erblickt hatte, aber kaum waren ſie im Laden verſchwun⸗ den, als er heftig mit dem Fuße ſtampfte.
„Da!“ brummtte er,„nicht einmal denken darf ich's, und gleich .. Sieht aus wie eine Todte, das arme Weſen, ſchnürt mir das Herz zuſammen, ſo jung, ſo gut, ſo ſchön, muß ihre Jugend da mit der alten Excellenz verbringen. Auch kein Roſenbett!... Wird einen ſchönen Weihnachten haben, das arme Ding, wenn ſie von der Reiſe des Herrn Aſſeſſors hören wird! Hm! wird's erſt zu Neujahr erfahren, es iſt eine Schande, wahrhaftig!“
Er ging einige Schritte vorwärts, dann blieb er wieder ſtehen. „Das arme blaſſe Mädchen wird mir die ganzen Feiertage verderben! Es iſt mir als... als wenn ich das nicht leiden dürfte. Ja, einen ſchlechten Streich nicht verhindern, iſt faſt die Hälſte ſo viel werth, als ihn ſelbſt begehen, ja ſogar beinahe drei Viertel, ach was, das iſt ganz daſſelbe!... Hm! Doch was geht das mich an, wenn der Aſſeſſor nach Pommerland reiſt und ſich eine Braut beſcheert? Nichts geht's mich an. Ja, aber ich kann doch nicht das arme Mädchen, das
weder Vater noch Mutter hat, ſich zu Tod grämen laſſen!... Hm .. Nein, das kann, das darf ich nicht!... Aber was thun? Ja,
wenn ich ein Diplomat wäre!“ Wiederum ging der Baron einige Schritte vorwärts, dann blieb lächelnd ſtehen und murmelte:„Da war ein Major bei der Pom⸗ iſchen Landwehrcavallerie, wenn der mir einen Rath geben könnte! her verſteht es, das Getrennte zu vereinigen, und das Rereinigte zu trennen hm, hm!— und ich ſtehe da wie ein
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iſt wahrhaftig eine Schande für die ganze Landwehrcavallerie, hm! armes Mädel!...“
Der Baron ging einige Minuten ſinnend vorwärts, er plötzlich den Kopf in die Höhe und ſagte:
„J was! nur friſch drauf! Was ein Major im großen aus⸗ führt, muß ein Rittmeiſter im kleinen können! Nur Muth! Vor allen Dingen das Terrain recognosciren!... da... halt... da fällt mir ja ein, daß ich einen Onkel im Pommerlande habe... Hurrah! ... Schwadron, Galopp!... Warten Sie, Herr Aſſeſſor, wir Land⸗ wehrcavallerieofficiere ſind eigenthümliche Kerls!... wir bauen den Leuten in Deutſchland gar merkwürdige Weihnachtsbäume auf!... Warten Sie nur!“
Und haſtigen Schrittes eilte er ſeiner Wohnung zu.
dann hob
II.
„Wollen der Herr über Nacht hier bleiben?—„Wahrſcheinlich!“ „Wollen der Herr zu Abend ſpeiſen?“—„Kann ſein!“— „Haben der Herr irgend etwas zu befehlen?“—„Nichts!... doch ſagen Sie mir, wann kommt der Nachtzug an?,—„Um 4 Uhr 35; wollen der Herr denn weiterreiſen?“—„Sagen Sie mal, Kellner, nein, ſcheeren Sie ſich zum Kukuk, ich werde Sie rufen laſſen, wenn ich Ihrer bedarf.“—„Wie der Herr befehlen! der Herr ſind vielleicht der Herr aus Berlin?“—„Kümmert Sie nicht. Erwarten Sie hier einen Herrn aus Berlin?“— Sicherlich, einen Herrn Aſſeſſor, der aufs Gut will.—„So! und wie weit iſt es von hier bis zum Gute?“—„O beinahe 3 Meilen, und bei dem ſchlechten Wege, muß man wohl auf 4 Stunden Weges rechnen, obgleich der gnädige Herr zwei tüchtige Pferde mit der Kutſche geſchickt hat!“— „So... der gnädige Herr hat die Kutſche... hm!... vier Stun⸗ den... alſo um 4 Uhr 35 Minuten kommt der Zug an... hm!“ Und der Herr geht berechnend auf und ab und murmelt leiſe vor ſich hin:„Mein Telegramm kann erſt morgen früh im Schloſſe ſein, denn es muß von hier aus per Poſt weiter befördert werden; alſo um 8 Uhr werden ſie mir den Wagen entgegenſchicken, und wenn . es ſtimmt!... Kellner!“ Zu befehlen?“—„Schicken Sie mir einmal den Kutſcher vom Gute herauf!“—„Gleich, aber ver⸗ ſtehen der Herr auch Pommerſch Platt?“—„Das geht mich an!“ „Sonſt könnt' ich dem Herrn als Dolmetſcher dienen!“—„Um zu hören, was ich mit dem Kutſcher zu verhandeln habe, nicht wahr? nun genug! abmarſchirt!“
Der Kellner verläßt das Gemach, und der Fremde, in welchem der Leſer wohl ſchon unſeren Baron erkaunt haben wird, der einen ſchnellen Entſchluß gefaßt hatte und mit dem Nachmittagszuge abge⸗ reiſt war, der Baron fängt, Abgehen einen Monolog an.
„Was ich eigentlich hier will, iſt mir völlig unklar,“ ſagt er, „hab' auf der ganzen langweiligen Fahrt einen Plan ausdenken wollen und hab' keinen gefunden! Bin doch ein gewaltig ungeſchicktes Individuum, hab' nicht für ſechs Pfennige erfinderiſchen Geiſt! Gott ſei Dank, daß ich nicht für meinen Lebensunterhalt Sorge zu tragen brauche, wäre ſonſt verhungert! Ja, nun bin ich hier, bin in Pommer⸗ land und was nun? In ſechs Stunden kömmt der Aſſeſſor, wird ſich wundern, mich hier zu finden, aber was mit ihm anfangen? Nichts, nichts! leeren Kopf, es iſt zum.... und dabei ſehe ich immer noch das arme, blaſſe Kind von heute morgen vor den Augen, und wenn ich denke, daß...“
Schwere Tritte laſſen ſich auf der Treppe hören und unter⸗ brechen den Baron in ſeinem Monologe. Die Tritte nähern ſich der Thür, plötzlich ertönt ein heftiger Fußſtoß mit einem Holzſchuh gegen die Thür, und eine Stimme... nein ein Orkan erhebt ſich, aus dem der erſchreckte Baron nur die Worte:„De Döhr up⸗ moken“ heraushört..
Der Baron öffnet die Thür und... ſieht eine unvergleichbare Geſtalt vor ſich ſtehen. Ein Menſch, der ziemlich groß, aber dennoch faſt ebenſo breit als groß iſt, ſteht da, er hat einen blauen Livreerock mit ſilbernen Knöpfen an, der ihm aber zu eng zu ſein ſcheint, Holz⸗ „pantinen an den Füßen, und in beiden Händen eine tiefe Schüſſel
na, ich will das Muͤmagd auf bu und finde keinen Ausweg! Es
ſchlürft. Der Baron kann auf dieſe Weiſe nur die beiden Augen des komiſchen Menſchen ſehen und ſeinen dicken, ganz mit Milch be⸗ deckten Schnurrbart. Endlich erhebt ſich das Geſicht von der Schüſſel
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ſeiner Gewohnheit gemäß, im Auf⸗- und—
voll Milchſuppe, die er an den Mund hält und begierig hinunter⸗
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