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per bewerkſtelligen konnte. Ihr Schwanz war um meinen linken Schenkel, der übrige Theil ihres Leibes zweimalum meinen gewunden— ihr Kopf wieder gegenüber meinem Geſichte. Nun ſchlug ſie nach meinem Munde, was mich heftig ſchmerzte. So oft ich nach ihr griff, ſchnürte ſie ſich enger um meinen Leib. Ich verſuchte, ihren Kopf mit der linken Hand zurückzuſtoßen und zu verſuchen, ob ich ihn von hinten mit der rechten erreichen und ſo herunter⸗ winden könnte. Aber unmöglich— wohl konnte ich den Kopf unter meinen Arm drücken, aber weiter brachte ich ihn nicht. Noch immer hoffte ich— war ich mir doch der Stärke meiner Arme bewußt— ſollte die Schlange wirklich ſtärker ſein? Sie war es— ich kam keinen Schritt weiter, und mein Jagd⸗ meſſer konnte ich auch nicht aus der Taſche ziehen— die Schlange preßte es feſt mit einer ihrer Windungen.
Nun fing ich an, um Hilfe zu ruſen— ich ſchrie, ich brüllte, aber wer ſollte mich hören? Und immer noch rang ich mit dem Ungethüm— ich packte es bei dem Leibe und zog daran und ſuchte, es zu zerreißen, aber ebenſo gut hätte ich ein Tau durch Hin⸗ und Herbiegen zerreißen können.
Minute um Minute verſtrich. Die Schlange ſchien immer ſchlanker, länger, kräftiger zu werden, ich fühlte, daß ich allmählich ſchwach und ſchwächer ward. Eine wahre Wuth kam über mich— ich ſprang auf und ab, ſchrie wieder ſo laut ich konnte, packte noch einmal die Schlange mit aller Kraſt — alles vergeblich! Sie entſchlüpfte meiner matten Hand, ſchlug mir ins Geſicht und verletzte meine geſchloſſenen Lippen aufs ſchmerzlichſte.
Und immer enger und enger wand es ſich um meinen Leib, und immer ſchwächer und ſchwächer ward mein Athem. Die Schlange war ſo eng auf⸗ gewunden, daß der mittlere Theil nicht dicker als ihr Kopf war, die ſchwarze Haut ſchien aufs äußerſte geſpannt— und doch fühlte ich, wie ſie ſich noch enger zuſammenzog.
„Herr im Himmel, hilf!“ ſtieß ich heraus, von Todesangſt ergriffen; „erbarme Dich über mich! Zeige mir, was ich thun ſoll!“ Ja, was ſollte, was konnte ich noch thun? der tückiſche Feind, den ich anfangs ſo gering geachtet, tödtete mich langſam, ſicher,— ich ein ſtarker, kräftiger Mann war unrettbar in der tödtlichen Gewalt des ſchwarzen Dämons. Kaum vermochte ich mehr zu athmen— ich fühlte, wie mein Geſicht purpurroth glühte— meine Hände und Arme waren geſchwollen, meine Finger faſt erſtarrt. Zuletzt taumelte ich— die Schmerzen wurden zu einer wahren Marter. Die Haut der Schlange, wo ſie ſich um mich wand, war ſo geſpannt, daß ſie faſt durch⸗ ſichtig erſchien. Sie hatte mich, oder ich ſie, gefunden— hungrig, ihren Ma⸗ gen leer von Speiſe, und ihre Muskelkraft unangeſtrengt. Drei Fuß länger als vorhin ſchien ſie emporgewachſen zu ſein. Nun ſchoß ſie ihren Kopf unter meinen rechten Arm und brachte ihn wieder empor oberhalb meiner Schulter, drückte ihre Unterkiefern feſt darauf und machte eine plötzliche neue Wen⸗ dung, die mich vor Schmerz ſtöhnen ließ.
Der Tod kam näher. Da— in der höchſten Angſt dachte ich noch ein⸗ mal an mein Meſſer. Ich muß es haben— ich muß es herausreißen. Meine Arme ſind ja frei. Ich verſuchte es und— Gott half mir. Meine ſtarken, blaubaumwollenen Hoſen konnte ich nicht zerreißen, aber ich dachte an die Naht. Die war nicht ſo ſtark. Ich ſchob meine Hand von oben hinunter und packte das Zeug mit dem letzten Atom meiner Kraft, preßte und preßte— endlich ſprang die Naht. Das gab mir neue Hoffnung und neue Kraft. Noch ein Ruck, und die Taſche lag bloß da. Mit allem, was mir an Stärke übrig blieb, faßte ich nun die Taſche und drückte darauf. Die Fäden barſten, das Zeug riß, und— mein Meſſer war in meinen Händen.
Ich hatte noch ſo viel Beſinnung, daß ich es öffnen konnte, und— mit einer ſchnellen Bewegung drückte ich die ſcharfe Schneide auf die geſpannte Haut der Schlange und zog es herüber. Mit einem dumpfen, ſchnappenden Ton wich der Leib, und die Schlange ſiel zu Boden in zwei Stücken. Ich ſchwankte zu dem Boote— erreichte es, aber fiel ſogleich bewußtlos hin. So lag ich— ich weiß nicht, wie lange— bis ich eine Stimme vernahm, die meinen Namen rief. Ich öffnete meine Augen und blickte empor. Mein Freund ſtand über mir gebeugt, Schrecken und Angſt in ſeinen Zügen. Ich erzählte ihm mein Abenteuer, ſo gut ich vermochte. Er holte die Ente, die ich der Schlange entriſſen hatte und brachte auch die zwei Stücke herbei, in die ich meinen Feind gehauen hatte. Er hatte meinen Hilferuf vernommen, war in einem andern Boote mir nachgefolgt, hatte aber nicht ſo raſch mein Boot und mich auffinden können.
Als wir nach Hauſe kamen, maßen wir die Schlange— ſie war 8 Fuß 4 Zoll lang. Es dauerte einen Monat, ehe ich ganz von den Wirkungen jener Schlangenumarmung genas, und bis auf dieſen Tag läßt mich die bloße Erwähnung des Namens einer Schlange bis ins innerſte Herz erbeben. M. R.
Auflöſung der Räthſel in Nro. 13. I. Larve.— II. Bergmann.
Briefkaſten.
Wwe. Karol. R.. le in St.. pe bei L. Das von Ihnen beſtellte I. Quartal des II. Jahrg. iſt leider gänzlich vergriffen und nicht mehr zu haben.— Den Beſtellern der Herbſtblumen von Henriette Weber zur Nachricht, daß ſo eben die zweite Auflage der⸗ ſelben erſchienen iſt und ihnen in den nächſten Tagen zugehen wird.
Auf die öfter an uns ergehenden Anfragen aus dem Auslande, ob und in welcher Weiſe man dort das Daheim auf dem Wege der Poſt beziehen könne, erwidern wir Folgendes:
1¹) In der Schweiz, in Holland, Belgien, Dänemark, Schweden und Rußland kann das Daheim in derſelben Weiſe wie in Deutſchland durch jedes Poſtamt beſtellt und bezogen werden.
In England und Frankreich befaßt ſich die Poſt mit Zeitſchriften nicht. Hier muß alſo das Daheim entweder durch die bekannten Zeitungs⸗ Commiſſionäre bezogen werden, oder man beſtellt es direct bei dem Poſtamte Cöln, unter Beifügung des Quartalbetrags und der Porto⸗ gebühr, welche letztere für England 6 ½¼ Sgr., für Frankreich 9 ½ Sgr. quartaliter beträgt, ſo daß alſo das Quartal in England 24 ¼ Sgr., in Frankreich 27 ½ Sgr. koſten würde.
In Amerika wird man ſich an die Zeitungs⸗Commiſſionäre wenden müſſen, von denen wir für Newyork die Firmen: L. W. Schmidt, B. Weſtermann& Co. und E. Steiger, ferner Siemon Brothers in Fort Wayne(Staat Indiana), Schäfer& Koradi in Philadelphia, Franz Dreſſel in St. Louis, Eggers& Wild in Cincinnati, nennen.
Daß außerdem das Daheim in allen dieſen Ländern auch durch die Buchhandlungen beſtellt und bezogen werden kann, wollen wir noch
ausdrücklich erwähnen.
Daheim⸗Expedition.
Inhalt: Das Geheimniß des Fürſtenhauſes. Novelle von Georg Hiltl.— Ein Diner beim Fürſten Putbus auf Rügen. Von Arnold Wellmer. Mit Graf Bismarks Porträt.— Bilder aus dem Seeleben. Von Capitän R. Werner.— X. Der fliegende Holländer. Mit Illuſtration.— Aus dem ſteier=iſchen Wildſchützenleben. Von Noé.— Am Familientiſche.
Für diejenigen unſrer Leſer, welche mit Neujahr eingetreten ſind und das I. Quartal(Nr. 1—13) nachzubeziehen wünſchen, haben wir daſſelbe unter dem Titel: Beſuchsquartal
elegant in einen illuſtrirten Umſchlag broſchiren laſſen. Daſſelbe iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter zu dem gewöhnlichen
Preiſe von 18 Sgr. zu beziehen.
daction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.
Daheim-Lxpedition in Leipzig.
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Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.
Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen a Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher« Wittig in Leip⸗
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