Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1367-1368
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Die deutſche Soldatenſprache

Dr. Paul horn

Profeſſor an der Univerſität Straßburg

M. J. Zweite wohlfeile Ausgabe M. 1.75

geheftet 174 Seiten gebunden

Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen

Zeitſchrift des Allgemeinen Deutſchen Sprachvereins:

Es iſt ein Zeichen der Zeit, ein Seichen dafür, daß immer weitere Kreiſe Anteil am Leben unſrer Sprache nehmen, wenn ſich Gelehrte ihrer Erforſchung zuwenden, deren eigentlicher Beruf ſie nach ganz andern Seiten weiſt. Paul Horn, mit dem wir es hier zu tun haben, gibt ſich ſonſt mit dem Perſiſchen und anderen öſtlichen Sprachen ab. Wir können ſchon zufrieden damit ſein, daß er dieſen Einbruch in das Gebiet der Germaniſten unternommen hat; es iſt daraus ein Werk hervorgegangen, ebenſo ergötzlich zu leſen, wie lehrreich zu durchforſchen. Es liegt in der Natur der Dinge, daß abgeſchloſſene Lebens⸗ kreiſe, abgeſonderte Stände eine eigenartige Sprache ausbilden; einerſeits deshalb, weil ſie es tatſächlich mehrfach mit einem abgeſonderten Kreis von Vorſtellungen zu tun haben, anderſeits und hauptſächlich deshalb, weil ſolche Kreiſe das lebhafte Beſtreben haben, ſich mit einem gewiſſen Geheimnis zu umgeben, in Kußerlichkeiten ſich tunlichſt von den Un⸗ eingeweihten zu unterſcheiden. DVon dieſen Standesſprachen haben bereits die meiſten eine zuſammenfaſſende Behandlung erfahren, zuletzt die Studentenſprache durch Kluge und John Meier. Horn iſt der erſte, der nun auch der Soldatenſprache ihr Recht zu teil werden läßt. Wie ſtarken Anſpruch ſie darauf hat, eine ſolche Darſtellung zu erfahren, mag die Tatſache veranſchaulichen, daß Horns Wortverzeichnis ungefähr 2500 Kusdrücke enthält.

Seinen reichen Stoff breitet Horn in einer zuſammenhängenden Schilderung vor uns aus, nicht etwa in der Form des Wörterbuchs. Die Darſtellung iſt in eine Reihe von Kapiteln gegliedert: Soldat und öiviliſt, die Soldaten untereinander, der Soldat und ſeine Vorgeſetzten uſw. Der eigentliche Cext iſt von allem gelehrten Beiwerk frei; zahlreiche Anmerkungen geben Rachweiſe über das Vorkommen einzelner Wörter und kurze Er⸗ örterungen über die Herkunft der beſprochenen Kusdrücke, die nicht verraten, daß der Yerfaſſer kein Germaniſt von Fach iſt. Geh. Hofrat Dr. Otto Behaghel,

ord. Prof. d. deutſchen Philologie an der Univ. zu Gießen. Zeitſchrift für deutſche Wortforſchung:

Der Derfaſſer hat einen wichtigen Ausſchnitt des heutigen Sprachlebens zum erſtenmal energiſch in Angriff genommen und nicht bloß der Zukunft ein reichhaltiges Dokument für feſte Datierungen geliefert, ſondern auch unſerm Geſchlecht ein kurzweiliges Büchlein geliefert, das aus lebhafter ſoldatiſcher Stimmung erwachſen gewiß auch allenthalben lebhaften Widerhall gefunden hat. Aber das Büchlein kommt auch der deutſchen Wort⸗ forſchung überall zugute. Horns Sammlungen erſtrecken ſich überwiegend über den heutigen ſoldatiſchen Sprachgebrauch und über den der letzten Generationen. Aber auch das ge⸗ ſchichtliche Material früherer Jahrhunderte iſt gut vertreten; die Zeit der Landsknechte, der 30 jährige und der 7 jährige Krieg hat dem Büchlein hübſche Belege geliefert.

Geh. Hofrat Dr. Friedrich Kluge, ord. Prof. der deutſchen Philologie an der Univ. zu Freiburg.

Druck von C. G. Röder G. m. b. H., Leipzig.