Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
903-904
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903 Spat

spazieren 904

Scherz zum Lachen. 1650 b. Moscherosch Phil. 1, 443 Spaß m., aber bei Kiechel Reisen 171 und 198 Spasso m., noch bayr.-alem.- westfäl.-wet- terau. mit kurzem Vokal und daher bayr. auch mit ss geschrieben, aus ital. spasso m.«Belusti- gung, Vergnügen, Zeitvertreib⸗, von spassarsi (s. u.). 4B L. spaßen, spassen, v., 1734 bei Weber teutsch-lat. Wb. 570 b Spasen und bei Steinbach spassen, nach ital. Spassarsi«sich be- lustigeny, gleichsam sich behaglich ausbrei- ten?, von lat. eæpandere«ausbreiten». spaß- haft, adj., 1691 bei Stieler; Spaßhaftigkeit, f., 1727 bei Aler. spaßig, adj., 1691 bei Stieler spaßicht. ZUS. Spaßvogel, m.: spaßiger Mensch, 1731 bei Schnabel Felsenburg 2, 434.

1 Spat, m.(Jels, Pl.-e): blättrig brechendes Gestein. Mhd. schon im 12. Jh. spät m.(da- neben vereinzelt spät n. abgerißnes Stück, Splitterz); dazu mnd. spãt, entl. nndl. spaath n., schwed.-dän. spat, engl. spat, frz. spath, ital. spato m.«Feldspat». Dunklen Ursprungs.

2 Spat, m.(lels): Geschwulst am Fessel- gelenke der Pferde. Mhd. spat m. f.; dazu mnd. spat n.(daher 1663 bei Schottel Spatt n.), entl. nndl. spat f., schwed. spatt m., dän. Spat. Dunk- ler Herkunft.

spät, adj.: in der Tageszeit weit vorgerückt; über die gehörige Zeit verzogen usw. Mhd. spœte, md. spéte, spéde, ahd. spãti, mndl. Spadle, nndl. spa(de), got. nur im Komp. Spédiza, Sup. spẽéd(um)ists; dazu das Adv. mhd. spdt(e), mid. spãde, ahd. spãto(daher nhd. noch bei Goethe, Schiller usw. spat), mnd. spade n), ad. Ubri- gens findet sich auch mhd. das Adj. spãte, ebenso bei Luther 2. Mos. 9, 32 als Adj. spat. Viell. zu lit. spéju chabe Mußes, abg. spéſch chabe Erfolgy, lat. spes f.«Hoffnung, aind. sphäjaté«er wird feist», wozu ahd. Spuon, ags. spôwan«gelingen?, ahd. Spuot f., ags. spéd f.«-glücklicher Fortgang, Gelingeny. Die Grdbd. würe«fortschreiten». Vgl. fortgeschritten von der Zeit. 4BL. späten, v. in verspäten, mhd. Spœten, späten«etwas zu spät tun, säumen⸗, noch bayr.-tirol. sich späten «zögern». Spätling, m., bei Luther 1. Mos. 30, 42 Spatling m.«spät im Jahre gebornes Lamm?, 1666 bei Comenius Sprachenthür 118 Spätling m.«späte Frucht».

Spatel, f.(Pl.-n), öst. nur m.(-s, Pl. wie Sg.): schmales, flaches Apotheker- oder Rühr- schaufelchen, auch zum Pflasterstreichen usw.; Malerwerkzeug zum Farbenstreichenusw.(1780 bei Adelung). In der 1. Bed. im 15. Jh. Spatel, spatil f., 1561 b. Maaler Spattel f., 1734 b. Stein-

bach Spatel m.; dazu mndl.'nndl. spatel f., engl.

spattle, spaddle, schwed. spatel m., dän. spadlel, Spatel. Aus lat. Spat h)ula f., dem Dim. von gr.- lat. spatha, gr. cwden f.(s. Spaten). Spaten, m.(s, Pl. wie Sg.): flaches, unten breites Werkzeug zum Graben. 1537 bei Dasy- podius Spade, Spatt m., 1540 bei Alberus dict. G Spad, 1561 bei Maaler Spatten, älternhd. häufig als F., So 1616 b. Hulsius Spate f. u. 1663 b. Schuppius 225 Spade f., noch b. Möser Phant. 1, 326 ff. Spade f. Aus dem Nd., mnd. Spade m. Grabscheits, and. spado m.«Hackes; dazu mndl. spade, nndl. Spade f., afrs. Spada m., ags. spœda, spada f. u. spada m., engl. spade«Grabscheit», dän.-schwed. spade m. Spaten. Verw. mit gr.- lat. spatha f.«zweischneidiges Schwert, Rühr- löffelo, gr. cnäen f. cbreites Schwert, Schaufel des Ruders, Rührlöffel, woher 1517 b. Trochus M5 b spath oder tilitæer«Kurzschwert», mndl. bei Kilian spade«Schwerts, ital. Spada f., span.-port. espada f., frz.&pée f.«Degen». S. Spatel. Spatium, n.(*, Pl.-tien): Zwischenraum; weißer Rand jeder Seite einer Schrift. In 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. Z 2 b interscalmium, das Spacium zDischen den Rudern, in 2. Bed. schon im 15. Jh. der Pl. spacien bei Bauer-Collitz wal- deck. Wb. 172. Aus lat. spatium m.«Raum, Zwischenraum, Entfernungy usw.(s. spazieren). Spatz, m.(⁸es u.-en, Pl.-en, im 18. Jh. auch -e): der Sperling. Mhd. spaz, spatze m.(An- fang d. 13. Jhs.), Koseform von mhd. spar m. «Sperling(S. d.), wie Petz von Bãr(s. d.). Vgl. noch Suolahti 126. Der Pl. Spatzen, im Dim. Spatzlen, Spätzle süddtsch. für kleine, in Was- ser gekochte Mehlklößey, 1741 b. Frisch Wasser- Spatzen. Die erst im 19. Jh. aufgekommne Bed. clächerlicher Hochmut» gründet sich auf die volksübliche Redensart Spatzen im Kopfe haben adünkelhaft seino; anders schweiz. spätz(l)i«Sti- chelwort, Spottredes, schon 1541 b. Frisius 20 b Spätale, im 15. Jh. spezli schießen«Schabernack spielen, Stichelredengeben»(Teufels Netz 4748). spazieren, v.: zu Vergnügen und Erholung gehen, fahren oder reiten. Mhd.(seit 13. Jh.) spazieren, spacieren, auch spatzieren gän(Lie- dersaal 1, 375, 9); dazu mnd. spasseren, spaceren, mndl. spaetséren, spancéren, anord. spazera (seit 13. Jh.). Aus ital. spaziare, lat. Spatiũri csich ergehen(zu Vergnügen und Erholung) von lat. Spatium n. cRaum, Bahn, Spaziergangy. Vgl. lastæwandeln. ZUS. Spaziergang, m., um 1480 im Voc. inc. teut. dd 52 Spaczirgangl (örtlich), b. Luther 7, 442 Bindseil Spaciergang (als Bewegung). Spazierstock, m., b. Thüm- mel Reise 9, 138, früher Spazierstab 1715 bei