Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1003-1004
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1003 Kastanie

Kasus 1004

Kastänie, f.(Pl.n), in Süddeutschland Kästen, Käste, f.: die Frucht des Kasta- nienbaumes, auch der Baum selbst. In der 1. Bed. bei Luther(1. Mos. 30, 37) viersilbig Castanee, mhd. castãne, ahd. castänie(Stein- meyer-Sievers 3, 552, 7), deutsch geformt mhd. Kestene, kesten, ahd. chestinna, kestina f.; daneben oberd. im 14. Jh. Kestenze, im 15. bis 17. Jh. kestnita, 1561 bei Maaler der Pl. Kestetzen; dazu mengl. chestein, chastein, ca- stani, engl. chestnut(mhd. kestennug). Aus lat. castanea f., abgeleitet von dem gleichbed. gr. xocravéo f., dcravov, xacrdviov n., benannt nach der Stadt Kastana(Käcrava) in der Landschaft Pontus am Schwarzen Meer, die von Kastanienwäldern umgeben war(Dios- korides 2, 407, 145). Z08. Kastanienbaum, m., bei Luther(Hes. 31, 8) Castaneenbawm, mhd. castänien-, Kastänen- und kestenbounn, ags. cisten-, théam m. kastanienbraun, adj., um 1480 kestprun Voc. inc. teut. 122, bei Luther castanenbraun.

Kaste, f.(Pl.-n): erblicher, dann über- haupt sich streng abschließender Stamm oder Stand. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. (bei Wieland 7, 313 vom J. 1772) über franz. caste aus(span.)-port. casta f. Rasse, Ge- schlecht, Gattung», eig.«etwas Unvermisch- tes», vom lat. Adj. castus«rein». ZUS. Kastengeist, m., Schlagwort seit den 90 er Jahren des 18. Jh. Vgl. Ladendorf.

kasteien, v.: züchtigen, beschrünkend quälen, durch Fasten usw. quälen, das Fleisch kreuzigen. Bei Luther castegen, md. kastigen, kestigen, kestin, und im 15. Jh. kastyen, kesteyYen, mhd. kestigen(weshalb noch im 16. Jh. Kestigen, kästigen), ahd. castigõn, kestigon; dazu mnd. kastien, mndl. castien. Mit Einführung des Christentums entlehnt aus lat. castigare«zurechtweisen, strafen, züchtigen, zügeln). 4BL. Kastéiung, f. (Pl.-en), md. kastiunge(Jeroschin 25644) und kastigunge, mhd. késtigunge, spätahd. chestigunge f.

HKastéll, n.(-s, Pl.-e): kleine Festung. Mhd.-ahd. kästel n., aus lat. castellum n., Dim. von lat. castrum n. Festung, Burg', Woraus ags. ceaster, cester f.«Stadt, Burgy. Dazu Kastellän, m.(-s, Pl.-e): Burg., Schloßvogt, Hausbeschließer, mhd. kastelãän, mlat. castellanus m., von lat. Adj. castelldnus zum Kastell gehörig.

Kasten, m.(-s, Pl. Kasten, Küsten): viereckiges Behältnis mit oder ohne Deckel;

(soldatisch) Gefängnis; früher auch«Schatz- kasten»(der gemeine Kasten Gemeinde-, Staatskassey, bei Luther), der landesfürst- liche oder klösterliche Speicher, wohin die Getreideabgaben eingeliefert wurden, und dessen Verwaltung(schon Anfang des 14. Jh. daher Kastner, Kästner m.«Abgabenver- walter, Rentmeistery, mhd. im 14. Jahrh. Kastener, kastner, md. kestenére, verschieden von Kästner m.«Kastenmacher, Tischler», 1420 bei Diefenbach gloss. 1242 kestener). Mhd. Taste, ahd.(7. Jh.) chasto, casto m. (auch künstliche Metallhöhle zur Einfassung des Edelsteins, Siegelkapsel, Getreide-, Korn- behälter), ndl. Kast, kas n. Vielleicht mit ableitendem f und deshalb haftendem s von got. kas«irdenes Gefäß», ahd.-mhd. Kar n. «Gefäß, Trog, aus Brettern gemachter Be- hälter). Aus dem Germanischen entlehnt ital. castone m.«Metallhöhle zur Einfassung des Edelsteins». Die urspr. schwache Dekli- nation ist seit dem 16. Jh. in die starke übergegangen; der Plur. Kästen schon bei H. Sachs und Fischart Garg. 441. Vgl. Kiste. ZUS. Kastenmeister, m.: Kassenverwalter, 1541 bei Frisius 86 b.

Kastor, m.(-*, Pl.-s): der Biber; Hut von Biberhaaren(1664 bei Duez 1, 115, Castorhut 1678 bei Krämer). Aus gr. Jat. castor, gr. kdcroo m. Bibery.

HKasträt, m.(-en, Pl.-en): Hämling, Ver- schnittner. 1728 bei Sperander Castrat, 1709 bei Hübner Castratus, aus ital. castrato, mlat. castratus m., zu ital. und lat. castrre«ver- schneiden», wovon kastrieren, 1693 bei Kramer ital. Wb. castriren.

Kaströl, s. Kasserolle.

Kasuar, m.(-s, Pl.-e): dem Strauß ähnlicher Vogel in Hinterindien und Australien (1597 zuerst bekannt). 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1603 Kasezwaris. 1712 bei Hübner Casuar, nach ndl. casuaris m. aus malayisch Kasiavris.

Kasus, m.(Gen. und Pl. ebenso): Fall!, Vorfall, Begebenheit; grammatische Biegungs- form. Aus gleichbed. lat. cãsus m. Dazu kasuäl und kasuéll, adj.: zufällig, den Biegungsfall betreffend, 1694 bei Nehring casuel, aus franz. casuel, lat. cãsuãlis, Adj. zu lat. ãsus. Kasudlien, pl.: gelegentliche Amtsverrichtungen(der Geistlichen); Ver- gütung dafür, eig. Neutr. Plur. des lat. Adj. cãsuãlis. 1813 bei Campe casualia. Kkasu- istisch, adj.: spitzfindig. Von Kasufst, m.