971 Kameralist
Kammer 972
1, 28 Kammerade, dann S. 521 f. Kammerad (wohl wegen Kammer, schon 1678 bei Krämer Kammerat, 1663 beiSchuppius 816 Cammerad). Ndl. 1598 bei Kilian camerade, bei uns im 30 jährigen Kriege durch die Soldaten in Ubung gekommen(1639 bei Zinkgref Apophth. 2, 81 Rott- oder Spießgesellen, die jetz auff neꝛw-teutsch Camaraden heissen, vgl. auch Lauremberg 3, 224), aus gleichbed. franz. camarade m., von ital. camerata, span.-port. camarada m.«Genosse» und(urspr.)«Gesell- schaft, Stubengenossenschaft». Die Kollektiv- bedeutung ging also hier wie bei Frauen- eimmer u. Bursch(s. d.) auf die Bedeutung der einzelnen Person über. 4 BL. Kamerädin, f., 1774 bei Goethe 19, 11 Kamerädin. Kamerad- schaft, f., 1678 bei Krämer.
Kameralist, m.(-en, Pl.-en): Staats- wirtschaftskundiger. 1813 bei Campe. Aus einem nlat. cameralista m., von einem aus lat. camera f. Kammer»(s. d.) abgeleiteten Adj. cameralis, woher auch Kamerallwissen- schaft f., die von der Verwaltung der landes- herrlichen Einkünfte handelt, dann s. v. a. Staatswirtschaftslehre(1774 bei Adelung), nlat. cameralia pl., mit deutscher Endung Kamerzälien, Pl. Schon 1703 im Zeit.-Lex. Cameral-Sachen. Die Benennung daher, weil die Finanzbehörden früher Kammern hießen.
Kamille, f.(Pl.-n): die Arzneipflanze chamomilla mit Teeblüten. Mhd. camille und gamille f., gekürzt aus mlat. und ital. cama- milla, camomilla f., von gr.-lat. chamaemélon, gr. XauaiunXov n. Erdapfel»(Xuoi an der Erdes, ov n. Apfel»), wegen des apfel- ähnlichen Geruches der Blüte(Plinius).
Kamin, m. und n.(-s, Pl.-e): Schorn- stein, Nebenschornstein; Stubenherd. Mhd. kãman, kémin m., aus gr. lat. caminaus m. «Feuerstätte, Zimmerherd, gr. xdutvoc f. «Schmelz-, Brennofen», das zu abg. kamg m. «Stein» gehört. Vgl. Hammer. Ins Lit.-Slaw. entlehnt apreuß. Kamenis«Feuermauer-, lit. kãminas m.«Kaminꝰ, abg. Kkamina f. Ofen. Deutsch im 15. Jh. auch in kemmich(Voc. 1482 d 2 5b), kümich, Kömich, kämet umgebildet. ZUS. Kaminfeger, m.: Essenkehrer, früh im 17. Jh.(Scheible Flieg. Blätter 116), dafür um 1557 kemmichfeger(Peter Lewe 454), 1510 bei Keisersberg Has im Pfeffer Aa 7 kemmelfeger.
Kamisöl, n.(-S, Pl.„e): Unterwams, kurzes Wams. 1643 im Sprachverderber 32 Camisol, 1664 bei Duez Camesol n., aber
auch noch 1741 bei Frisch Camisole f., auf- genommen aus franz. camlsole f.«Unterjacke?, dies entlehnt aus ital. camiciola f., von ital. camicia, span. port. und prov. camisa, franz. chemise, mlat. camisia f.«leinenes Unter- kleid, Hemd(s. d.).
Kamm, m.(lels, Pl. Kämme): Zinken- werkzeug zum Reinigen, Ordnen und Schmuck der Haare;(übertr.) gezackter roter Fleisch- auswuchs auf dem Kopfe des Hühnerviehes, dann oberer Hals, Mähne(schon mh%.); mit Rohrstäbchen versehner Weberrahmen(bereits mhd.); Weintraubenstiel mit den Stielchen (Spätmhd. 14. Jh.); gezackter Grat eines Ge- birgszuges(1741 bei Frisch). In urspr. Bed. mhd. Kanp, Kkam m. und schwachflektiert kambe, kamme f. m., ahd. kamp und kambo m.; dazu and.-ags. camb, ndl. kam, engl. comb, anord. kambr, schwed.-dän. Xam m. Fig. «gezahntes Werkzeugy, der Lautverschiebung gemäß stimmend mit gr. Téuꝓoc m.«Zahn, Pflockꝰ, rouqioc m.« Backzahn»,(lit. gεmbé f. chölzerner Pflock»?), abg. zahbä m. Zahn), lit. Zambas m.«Balkenkante», alb. damp m. ZLahn'ꝰ, aind. jambhas m.«Fangzahn, Rachen), Jambhäté er schnappt nach etwas». 4B. kämmen, v., mhd. xemben, kemmen, ahd. chempen; dazu and. kKembian, mndl. kemben, ags. cemben, engl. comb, anord. Kemba. Davon Kämmer, m., mhd. kemmer«Wollkümmery. ZUS. Kammgarn, n.: Garn aus Wolle, die durch Kämmen gereinigt und gelockert ist(Kammawolle f. 1808 bei Campe), erst im 19. Jh.(die deutsche Kammgarn-Maschinen- spinnerei wurde 1815— 20 von Weiß in Langensalza eingeführt). Kammacher, m., clev. 1477 cam-meker, kame-melcer. Kamm- rad, n.: gezahntes(also kammartiges) Rad, mhd. kamprat(noch 1678 bei Krämer und 1711 bei Rädlein Kamprad), im 15. Jh. kamrat, mndl. canurat n. 1
Kammer, f.(Pl.-n): wohnliche Räum- lichkeit in einem Gebäude, insofern sie zum Nebengebrauche, wie zum Schlafen, Aufbe- wahren u. dgl. dient(bildlich z. B. in Herz- kammer, mhd. des herzen kamer Trist. 126, 34); Raum im Geschütz oder Gewehr, der die Ladung aufnimmt(bereits im 15. Jh., damals ein selbständiges Stück, das geladen ans Ge- schützrohr befestigt wurde);(von der ahd. und mhd. Bed.«WWohnung des Fürsten» aus- gehend) Personal, das zur nähern Umgebung des Fürsten gehört(im 18. Jh.), ferner fürst- liche Schatzkammer(seit 13. Jh.), Fiskus,


