871 Hirt
Hirse f., mnd. herse f.; in md. Mundarten Hirsche f. m., 1516 bei Pinicianus Prompt. J2d hirsch, 1638 bei Homburg Clio BS Hirsche. Mit der Verbreitung der Frucht nach Norden auch in die dortigen Sprachen gedrungen, ndl.-schwed. hirs, dän. hirse, islünd. hirsi, engl. hirse. Vielleicht zu lat. cirrus m. ckrauses, von Natur gelocktes Haar, Haar- lockey oder besser zu lat. Ceres«Göttin der fruchttragenden Erdey, lit. sérti cfüttern», sefmenis«Begräbnismal⸗, aind. gçägpam n. «junges Grasy. Vgl. Walde s. v. Vgl. Fench.
ZIUS. Hirsebrei, m., um 1480 im Voc. inc.
teut. 1 8a hirspreyY, Var. hirßbreyf, vgl. früh- mhd. d3 hirse man den prien tuot(Genesis 24, 36). Hirsekorn, n., mhd. hirsekorn, ahd. hirsechorn n.
Hirt, m.(en, Pl.-en), unverkürzt Hirte, m.: Viehhüter. Mhd. hirte, hirt, ahd. hirti m.; dazu asächs. hirdi, mnd. Rerde, ags. hirde, heorde, engl. herd, anord. hirdlir, got. haër- deis m.; daneben mit andrer Bildung mhd. kertœære, herter und hirter, mnd. herder, afries. herdere, ndl. herder, harder m., daher die Familiennamen Herder, Harder. Lit. kef- dæéus m. Hirtey ist wohl nicht urverwandt, sondern entlehnt. Hirt ist F-Ableitung zu Herde(s. d.). 4BL. Hirtin, f.(Pl.-nen), 1575 bei Fischart Garg. 312. ZUS. Hirten- brief, m.: Brief eines geistlichen Hirten, bischöfliches Sendschreiben 1775 bei Ade- lang. Hirtenstab, m., mhd. hirtenstap m. Hirtentäschel, n.: das Feldkraut Capsella bursa pastoris mit Samenhülsen wie Täsch- lein, 1574 bei Fischart Onom. 308 b Hirten- käsch f., bei Brunfels 1530 und Fuchs 1542 Hirtenseckel m.(s. Täschelkraut).
hissen, v.: Stangen, Rahen, Boote, Flaggen in die Höhe ziehen. Ein niederd. Seemanns- wort, 1728 bei Sperander hissen, mit der Nebenform hiesen, 1582 bei Chyträus uphissen, 1536 bei Giseke Hamburger Chron. 119 Ais p dat segel!/, dazu 1741 bei Frisch Hisse f.«Maschine, womit man im Schiff etw. in die Höhe heben kann⸗. Entsprechend bei den andern german. Seevölkern, ndl. hijzen, hijschen(spr. heischen),(daraus entlehnt dän. heise), norweg.-schwed. hissa(aus dem Nd.), engl. hoist, verschieden von ndl. hitsen, bei Kilian hisschen und mnd. hissen chetzen», aber in Anlehnung daran 1557 bei Waldis Esop. 2, 30, 88 die Segel aufhetzen. Aus dem Niederd. entlehnt gleichbed. franz. hisser (1664 bei Duez auch hinser, isser), ital. issare,
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span. port. izar. Seit 1879 ist auf der deut- schen Kriegsflotte heißen statt hissen ein- geführt.
Herkunft unklar.
Histörie, f.(Pl.-n): Geschichte, Ge- schichtserzühlung, Geschichtsbuch. Mhd. histõonje f., von gr.-lat. historia, gr. icropia f. Geschichtey. Histöriker, m.: Geschichts- forscher, kundiger, Geschichtsschreiber, im 18. Jh. gebildet nach dem substantivisch ge- setzten gr. lat. Adj. historicus, gr. icropicoc, wovon histörisch, adj.: geschichtlich, 1575 bei Fischart Garg. 42.
Hitsche, s. Hätsche.
Hitze, f.(ohne Pl.): brennende Wärme; (Schon mhd. bildlich) zu große Gemütser- regung. Mhd. hitze, ahd. hizzed, hizza f.; dazu asächs. hittja, mnd. und nndl. hitte f., ags. hitt f., anord. hiti m., dän. hede«Hitzey. Gleichen Stammes wie heizen und heiß(s. d.). Aus dem Ahd. entlehnt ital. izza f.«Zorn, Unwilley. 48. hitzen, v., mhd. hitzen cheiß machen», verschieden von mhd. hitzen, ahd. hizzön«heiß werden, vor Hitze auf- wallen». hitzig, adj., mhd. hitzic, hitzec. ZS. Hitzkopf, m., bei Goethe 30, 186 neben Heißxοpf(35, 270). Hitzschlag, m.: schlagflußartiger Zustand infolge der Sonnen- hitze, Sonnenstich, Mitte des 19. Jh., vgl. 1576 bei Fischart glückh. Schiff V. 211 Hitz- stich m.«heißer Stich der Sonney.
ho! Interj. des Zurufs(1561 bei Maaler), des Zweifels und Einwurfs(s. hoho, oho). Auch franz. ho!
Hobel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Unebenheiten abstoßendes Glättwerkzeug des Schreiners. Mhd. hovel, hobel m., md. 1470 bei Diefen- bach gl. 325 FMchel(1663 bei Gryphius P. Squentz 32 Hubel und noch mundartlich), 1540 bei Alberus dict. y 12 Hübel m.; da- zu mnd. hovel, hoffel, nnd. höbel m.,(ent- lehnt) schwed. hyfvel n., dän. höupl. Unmög- lich zu heben, trotz nisl. hefill m.«Hobelz wegen des Vokalismus. Auch russ. sköbell f.«Schabmesser» läßt sich nicht vergleichen. Am nächsten liegt Anknüpfung an schaben (doch bleiben auch dabei Bedenken) oder schieben. 4BL. hobeln, v., auch bildlich «von rauher Sitte glätten»(schon 1472 bei Eyb Ehebüchl. 1 b hobeln). Es stammt diese Bedeutung aus Handwerksbräuchen, vgl. un- gehobelt. Mhd. im 14. Jh. hobeln, md. im 15. Jh. hofeln, hoffeln(Diefenbach gl. 323°, 325 c) und 1470 hubeln, 1540 bei Alberus dict. 1l 4 b hüheln, mnd. hovelen und im 15. Jh.


