Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
785-786
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7 85 Haber

Hache 786

sprochnen Stamme. Das Wort biegt mhd. im Präs. habe, habest, habel usw., gewöhnlich aber, bes. als Hilfszeitwort zsgez. hän, häst, hät, hün, hät, hünt, im Prät. habete, gewöhn- lich z8sgez. häfe, später(mit Angleichung des b zu) hatte, Konj. hœte, héte, hete, später hette, im Part. gehabet, zsgez. gehãt(md. ge- hatt, alem. im 15. und 16. Jh. starkformig gehaben, gehün, noch schweiz. gha); ahd. im Präs. habém, habén, Prät. habéta, vereinzelt hapta, Part. gihabét; got. im Prät. habaida, Part. habaips; ags. im Prät. hœæfde, Part. hæfed. Dazu die imperativischen Bildungen Habe- dank, m., mhd. habedanc: Habenichts, m., mhd. habeniht; Haberecht, m., bei Lessing 2, 460, Weiße Lustsp. 1, 235. Haben, n., besonders in der kaufmännischen Ausdrucks- weise Soll und Hahen, Ubersetzung des lat. debet und credit. Ursprünglich hieß es: er soll(debet) und er soll haben(credit). 1791 bei Roth nur noch Haben. Habschaft, f.: was man besitzt. Im 17. Jh. ZUS. mit Habe: Habgier, f.: Gier nach Habe, 1796 bei Adelung; habhaft, adj., 1473 bei Halt- aus habhaft«mit Besitz verseheny»; Hab- seligkeit, f.(Pl.-en): alles was man hat, urspr. Fülle der Habe(Stieler 1691, dazu 1716 bei Ludwig das Adj. habselig«reich»); Hab- sucht, f., bei Hagedorn 1, 79 und Oden(1747) 62; habsüchtig, adj., 1768 bei Moerbeek.

Haber, m.(-s, Pl. wie Sg.), üblicher(aber urspr. ndd. und md.) Hafer(in Preußen nur so), m.: Getreideart mit Rispen und langen spitzen Körnern. Mhd. habere, haber m. schwachflektiert(daher im 15. Jh. im Voc. inc. teut. und noch mundartlich Habern m., bei Luther Habern und Hafern, mit starker Flexion im 15. Jh. Städtechron. 5, 41, 5 Dat. haber, 2, 302, 16 Gen. haberns), ahd. habaro m.; dazu and. havoro, nd. und ndl. haver, anord. hafri m., aschwed. hagre(daraus ent- lehnt finn. Kakra), schwed. hafre, dän. havre, schott. haver, dafür ags. dte f., engl. oats; aus dem Germanischen entlehnt franz. haveron m. «wilder Hafer». Nicht von anord. hafr, ags. nœfer m. Ziegenbock»(lat. caper m.«Bock», gr. xüroc m.«Eber»), sondern zu ir. coirce, kymr. ceirch(Grundform*korkio aus*kokerio). Das germ. b muß aus g' entstanden sein, was trotz Zupitza Gutturale in einer Reihe von Fällen ganz sicher ist. Weiter könnte gr. xdαεpuc«geröstete Gerste» dazugehören. Lite- ratur KZ. 40, 436. U0S. Haberfeldtreiben,

n.: nächtliches Rügegericht in Oberbayern an Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

Sündern gegen die Volkssitte, häufig bei ge- schlechtlichen Vergehen. Nach Schmeller? 1, 1033 aus der Gewohnheit hervorgegangen, daß gefallne Mädchen abends von den Burschen des Dorfs unter Geißelhieben in ein Haber- feld und von da wieder nach Haus getrieben wurden. Haberrohr, n.: Hirtenpfeife, Rohr- pfeife, bei Günther 1048 und Hagedorn 0d. 89, Ubersetzung des gleichbed. lat. avéna f. Habergeiß, f.: Heerschnepfe, scolopax gallinago, um 1480 im Voc. inc. teut. k 63

habergeiß, so benannt, weil sie zur Begat-

tungszeit hoch in der Luft einen einem fernen Meckern ühnlichen Ton hören läßt, also zu dem unter Haber behandelten Wort für Bockv.

Habicht, m.(-s, Pl.-e): der Raubvogel accipiter. Mit angetretnem t bei Luther wie bereits 1470 im mlat.-hochd.-böhm. Wb. Ha- bicht, in einer Handschr. des Heinzelein v.

Konstanz 474 aus dem 15. Jh. habeht, aber vorwiegend im 16. Jh. und noch oberd. Hahich,

mhd. habech, habich, auch mit Umlaut hebech, hebich, ahd. habuh m.; dazu and. habuc(in Habuchorst), mnd. havelc, havik, afries. haul, ags. hafoc, heufoc, engl. haok, anord. hauer m., schwed. höl, dän. hög. Herkunft unsicher. Vgl. Zupitza Gutt. 102. Gewöhnlich vergleicht man russ. Xõbaν, kobéc m. Art Falkey. habilitieren, v.: seine Geschicklichkeit

zum Lehramt an einer Hochschule bekunden.

1694 bei Nehring, aus mlat. habilitare«ge- schickt machen», vom lat. Adj. habilis«füg- sam, geschickty.

Habit, m., auch n.(-s, Pl.-e): Anzug, Tracht; Kleid. 1571 bei Rot, in der engern

Bed.«(Mönchs-) Ordenskleid» schon mhd. abit,

habit m., mndl. ahbite, afries. habit, abit, aus franz. habit m.«Kleid, Ordenskleid», von lat.

hahitus m. das Sich-haben, die Tracht».

Habseligkeit, Habsucht, s. Habe. Habung, f.(Pl.-en): festes Anhalten,

Anhaften; etwas, an das man sich anhalten

kann. Bei Hebel Schatzk.(selts. Gesch.). Mhd. habunge f. cdas Sich-halten, Sich-äußer- lich-zeigen», ahd. habenga f.«Aufhalten, Auf- enthalt, Wohnung»(Glosse zu Sir. 24, 16). Von haben(s. d.) in der Bed. chalten. Hache, m.(-n, Pl.-n): junger Bursche, verwegner Kerl(veraltet); Habgieriger(in Mittel und Oberdeutschland, dazu das Adj. hachig«überaus habgierig»). In der 1. Bed. mhd. hache m., so noch bei Bürger und Novalis, sowie als scherzhafter Schimpfname, den Kinder Erwachsnen geben, schweiz. Hach 50