71⁵ Gewahrsam
gewarten 716
Sicherheit einstehen(Thümmel Reise 6, 309); zuteil werden lassen, bewilligend zukommen lassen; gewwähren lassen: unbehindert tun lassen. In der 2. Bed. bei Luther gerveren, 1561 bei Maaler gewären, 1616 bei Henisch gewwehren und gewähren. Mhd. gewern zu- gestehen, was einer zu fordern hat, leisten, bezahlen, durch Leistung wozu bringen, woran gewöhnen, wofür einstehen, gewährleisten?, ahd. giwerén, giwerön, giweran æleisten?, zu- sammenges. mit gleichbed. mhd. wern, ahd. werôn(auch afries. wera, wara gewuhr- leisteny) woher entlehnt die unter Garant
(s. d.) behandelten romanischen Wörter. Die weitere Verwandtschaft des deutschen Wortes
ist unklar. Vgl. v. Bahder DW. 13, 786. 4BL. Gewährung, f., 1616 bei Henisch.
Gewahrsam, m.(-s): Aufsicht, Obsorge; leichtes Gefüngnis;(veraltet) sicherer Aufent- halt, Wohnsitz(Mathesius Luther 64, 18 Neudr.). Mhd. gewarsame f.«Aufsicht, Sicher- heit, sicherer Ort, Gefängnis-»(1499 bei Halt- aus 709). Das Fem. bis ins 18. Jh., noch bei Adelung und Schiller. Zum mhd.(md.) Adj. gewarsam«vorsichtig, sorgsam», von gewahr(s. d.).
Gewährschaft, f.: das Einstehen wofür zur Sicherheit. Mhd. gewerschaft f.«réchts- kräftig gesicherter Besitz, Innehabung mit rechtlicher Sicherheity). Zusammenges. mit Gerwähr f.(s. d. 1), ebenso Gewährsmann, m.: der wofür Einstehende, Bürge, 1663 bei Schottel 290 Gewwehrmann, 1691 bei Stieler Geꝛwärmann neben WMärmann, mhd. erman m., noch bei Lessing 4, 90 Wehrmann.
Gewalt, f.(Pl.-en): zwingende Macht; gesetzlose Macht. Mhd. gezwalt m. und f., im Md. überwiegend f., ahd. gialt m. und f. (auch bei Lutber und Henisch 1616 Mask. und Fem., letzteres in Luthers späteren Schriften vorwiegend, bei Duez 1664 und Stieler 1691 nur Fem., aber noch Dornblüth 1755 verlangt das Mask.); dazu asächs. girald f., mnd. gezwalt, gewwelde f. n., ags. geweald m. n. Von Walten(s. d.) 4BL. gewaltig, adj., mhd. geꝛwaltec, gewwaltic, selten gewweltic, md. geuweldic, ahd. giwaltag, giaweltig, im Adv. geꝛwaltigo, mnd. gewvweldlich, gewwaldich; davon gewältigen, v.: unter seine Gewalt bringen, bewältigen(Goethe Wahlverw. 1, 13 usw.), mhd. gewaltigen, geꝛweltigen; in der Bed. «bevollmächtigen) gewaltigen bei Adelung. gewaltsam, adj., im 15. Jh. in der Rechts- sprache, mhd. nur in den abgeleiteten Subst.
gewaltsam m.«Macht, Vollmachty und gerwalt- same f.«obrigkeitliche Gewalt, herrschaft- liches Gebiety, älternhd.«widerrechtliche Gewalt»(bei Henisch). Gewaltseligkeit, f., bei Lessing 7, 135. ZUS. Gewalthaber, m., frühnhd. Gewaltstreich, m., 1808 bei Campe. Gewalttat, f., zuerst 1663 bei Schottel 1230, dann erst wieder 1775 bei Adelung. gewalttätig, adj., bei Zesen.
Gewand, n.(-es, Pl. Gewdänder): anzu- legendes Kleid; Tuch zu Kleidung. Mhd. gerwant n.«Kleidung, Kriegskleid, Rüstung, Zeugstoffy, ahd.(12. Jh.) nur in badegiꝛwant; dazu mnd.-mndl. getwant(entlehnt?), nach Wunderlich DW. dasselbe wie ahd. giwant f. «Grenzey», d. h. Ort, wo man sich wendet. Völlig verschieden von gleichbed. mhd. ge- zœte, ahd. giwäti n., dem Kollektiv von zwãt f.(S. Wat). ZUS. Gewandhaus, n.: Ge- bäude zum Verkaufe von Tuch, Leinwand u. dgl. auf Jahrmärkten und Messen, spätmhd. und md. 1365 gerbanthäs n. Gewand- schneider, m.: Tuch- und Leinwandhändler im Kleinen, Schnittwarenhändler, mhd. ge- wantsnider m., eig.«Tuchausschneidery». ge- wandsweise, s. quantsweise.
gewandt, adj.: sich leicht bewegend und helfend. 1678 bei Krämer von Pferden und Schiffen. Mhd. gewant angewandt, aus- schlagend wozu, zuteil geworden, beschaffen, bewandt, sich verhaltendy,(mit Dat. der Person)«jmds. Verhältnissen angemessenv. Part. Prät. von wenden(s. d.) und geiwenden, mhd. gewenden, ahd. giwentan«umwenden, umkehreny. Davon Gewandtheit, f., 1779 bei Lessing Nath. 3, 4.
Gewann, f.(Pl.-en): die aus ähnlich liegenden Ackern, Wiesen oder Gärten be- stehende, ein Ganzes bildende Unterabteilung der Flur. Entstanden(in Westdeutschland) aus Gezwwand f., noch in Nürnberg«Acker- beet⸗, d. h. Pflugland bis zu den Pflug- kehren, die seine Grenze bildeny, mhd. ge- wande f.«Acker, Ackerbeet, Grenze, Umkreisy, aber ahd. girwanta f., gitcwant m.«Bewandtnis», eig.«Wendungꝰ»; dazu asächs. giwwand n.«Ende, Zweifel, Bewandtnis». Vgl. Gewende.
gewarten, v.: warten(Schiller, Bürg- schaft 111). Veraltet. Mhd. gewwarten«worauf schauen,(mit Dat.) wonach ausschauen,(mit Gen.) schauend achthaben, sich wessen zu jmd. versehen, sich bereithalteny, ahd. gi- wartéen(mit Gen.)«sich wessen versehen, achthaben auf,(mit Dat.) sich bewahren,


