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Geraufe 686
Tœicoc m., Tœicov n. cleichter gallischer und spanischer Wurfspieß», ebenso in altgerma- nischen Eigennamen wie Radagaisus usw. Gleichen Stammes wie Geisel(s. d.), urver- wandt mit altir. gae«Spießy und vielleicht
mit gr. xœooc m. Hirtenstab», aind. högas n.
«Verwundungy. Mit ahd. géer zusammenge- setzte Personennamen sind: Gerbert, ahd. Gérperht, Gérpraht, der zweite Bestandteil zu ahd. brehan glänzen»; Gerhard, ahd. Gérhart; Gerlind, Gerlinde, ahd. Gérlint; Gertrud, Gertraud, ahd. Gertrüt, der zweite Teil vielleicht zu anord. Prüdr f.«Wal- kyren, später angelehnt an mhd. Erftt«traut».
igerad, gerade, adj.: gleichpaarig, ohne Bruchteil durch 2 teilbar. Mhd. gerat, geradle, ahd. gerad(nur von Zahlen). Zu got. rapi f. Zahl», garapjan«zühlen, rechnen», demnach eig.«gleichzählend.
²gerad, gerade, adj.(Komp. gerader, Superl. geradest): in einer und derselben Richtung fortlaufend oder-gehend nach keiner Seite abweichend; in übertragner Bed. offen und ehrlich(vom Charakter 1616 bei Henisch, von Worten 1566 bei Mathesius Luther 203, 22 Neudr.). Mhd. gerat, gerade geschwind, schnell bei der Hand, gewandt, tüchtig», dann im Md.(14. Jh.)«schnell aufgeschosseny, frisch und lang aufgewachsen(Ködiz 18, 12), der Länge nach ausgestreckt(ebd. 97, 21), der Länge nach ununterbrochen und zu- sammenhängend(ebd. 83, 22), ahd. giradi velocissimus, ags. gercöähe«rasch». Zu- sammenges. mit dem ahd. Adj. hrat, rat«ge- schwind, schnell», mhd. rat, mnd. rat, rade, nndl. rad, ags. hrœd, hrœd und lœde, anord. hradr, im Adv. ahd. hrato, hrado, rado, mit dem Komp. hradõr und Superl. hradõst. Das Adv. gerade«eben, justo, mhd. gerade«rasch, schnell, sogleich», bei Mone Schauspiele des MA. 2, 392 u. 397 grad genau, eben», ahd. girado für das lat. ecce. Substantivisch in der Geometrie Gerade, f.: gerade Linie, wahr- scheinlich um 1830 von Jak. Steiner einge- führt, wie schon bei Galilei retta f. als Ab- kürzung von linea retta. 4BL. Geradheit, f., 1482 im Voc. theut. 18² geradheit das Wohlgewachsensein, Wohlgestalt».
Geräde, f.(ohne Pl.): die fahrende Habe der Frau, deren Hauptteil der weibliche Schmuck und Zierat ist. Norddeutsch im Gebiet des sächsischen Rechts bis ins 18. Jh. (bei Gellert und Rabener). Im Sachsen- spiegel gerãde f., mnd. rade f. und geradte f. n.
(mit Anlehnung an Gerät). Die Verbindung mit anord. reida f. Schmuck), reidi n.«Schiffs- und Roßzierat»(Tlildebrandt DWB.) scheitert am Vokalismus. Das Wort muß u Rat (s. d.) gehören.
Geräms, n.(tes, Pl.-e): Gitterwerk. Bei Goethe 26, 12, Geremß, 1537 bei Dasypodius, ndrhein. im 14. Jh. geremzen., Kollektivbildung von mhd. ram, ahd. rama Gestell»(s. Rahmen).
Gerânium, n.(8, Pl. Geranien): eine Pflanze, Storchschnabel. Aus gleichbed. gr. Tepdviov von Jépuvoc f.«Kranichy». 1727 bei Hübner.
Gerät, n.(es, Pl.-e): bewegliches Be- sitzatum in Werkzeugen usw. Bei Schiller Kab. 2239 und Goethe Faust 676 unverkürzt. Geräte n., Kollektiv zu Rat(s. d.). Mhd. gerœte, md. geréte, geréde, ahd. girãti n. Be- ratung, Beirat, Uberlegung, Fürsorge, Hilffe, Ausrüstung, Vorrat, Fülle, Reichtum», im Md. Hausrat, Zeug»; dazu asächs. giräddi n. &Hilfe, Vorteil», mnd. gerede n.«Geräty». 4L. Gerätschaft, f. 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 152 geretschaft, mnd. geratscap(Diefenbach nov. gl. 387 a).
geraten, v.(Präs. gerate, gerdtst, gerät, Prät. geriet, Konj. geriete, Part. geraten): von erwünschtem Fortgang sein; glücklicher, dann zufälligerweise wohin gelangen. Zusammen- gesetzt mit raten(s. d.). Mhd. gerãten(Präs. gerãtest, gerãtet, umgelautet gercætest, gerctet und gercht, Prät. geriet), ahd. girätan(Präs. girãtis, girütit, Prät. giriat)«uanraten, guten Rat halten und geben», hieraus dann im Mhd. auch die heutigen Bedeutungen und centbehren, entraten»; dazu asächs. girddan cratend bewirken», ind. geraden gelingen, zu etwas kommen», got. garédan«worauf bedacht sein». Mit dem Imperativ ist zu- sammengesetzt: Geratewohl, n., bei Luther Geratol n., 1561 bei Maaler Geradtewol m., dafür 1574 bei Horscht Geheimnisse der Natur 4, Q2*¾ f ein Be ahtewol.
Geräüuch, n.(-es, Pl.-e): Räucherwerk. Bei Luther Gereuch. Spätahd. im 11. Jh. gerouche n.«Räucherung». Substantiv zu oberd. rãuhen, ahd. rouhan«rüuchern, rauchen machen», dem Faktitiv von ahd. riohhdn ausdünsten»(s. riechen).
Geraufe, n.(-I, Pl. wie Sg.): Streit mit, Rauafen an den Haaren; Streit mit Tätlich- keiten, bes. im Durcheinander. 1678 bei Krämer Gerduff, bei Luther Gereuffe, bereits um die Mitte des 14. Jh. gereuffe n., Sub- stantiv zu raufen(s. d.).


