Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
199-200
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199 belegen

Bellhammel 200

1), mhd. belegen, ahd. bileggen; auflegend über- decken(auch mhd.-ahd.); zu urkundlichem Beweise beilegen, beweisend beigeben(im 15. Jh. mit dem eide belegen); durch Auf- legen eines Zeichens in Anspruch nehmen; zu tragen bestimmen;(von Säugetieren) aus Geschlechtstrieb besteigen.

belegen, adj.: gelegen, der Lage nach be- findlich. Eig. Part. Prät. von beliegen, mhd. beligen c«liegen bleiben, ruhen, fest woran haften», auch«beiliegend umfangen»(so ahd. biliggen).

belehnen, v.: mit einem Lehen versehen, in ein Lehen einsetzen. Mhd. beléhenen.

beleibt, adj.: feisten Leibes. Der Form nach Part. Pri dt., gebildet wie behaart, bejahrt. Alternhd. ist beleibt«mit einem Leib, Körper verseheny(so bei Stieler 1691) in der Bed. von cbeleibty erscheinen schawer b., ahl b. (dies aber bei Albertinus weibl. Lustg. 22 b von schönem Körper), das einfache beleibt, das Adelung nicht kennt, bei Campe 1807.

beleidigen, v.:(veraltet) Leid zufügen, (dann) in Schmerzgefühl versetzen; durch Worte oder Handlungen verletzen. Mhd. beleidigen, zusammenges. aus be- und leidegen, ahd.(bei Notker) leidegön«betrübt machen, betrüben», abgeleitet von ahd.(bei Notker) leidig leidigs G. d.). 4L. Beleidigung, f.: beschwerendes, Besorgnis erregendes Ubel (Apostelg. 27, 10); Kränkung durch Worte oder Taten. Frühnhd.

belemmern, v.; durch kleine Kniffe be- trügen, übers Ohr hauen. So zuerst bei Ludwig 1716. Die Angaben von Duez 1664 (belemmeln«sordidare) und Krämer 1678 (belemmeren«bedreckeny, in gleicher Bed. belampern bei Grimmelshausen Simpl. 3, 428, Kurz) weisen darauf hin, daß die ursprüng- liche Bed.«beschmutzen» ist(vgl. bescheißsen). Doch vgl. mnd.-ndl. belemmeren chindern, kraftlos macheny, verlemert«verspielty bei H. Sachs Fab. 246, 62.

belesen, adj.: durch vieles Lesen viel wissend. Eig. Part. Prät. des ältérnhd. V. belesen«durchlesen, gründlich leseny. Bei Duez 1664, aber Wolbelesenheit schon bei Fischart Garg. 7.

belfern, v.: schnell wiederholt bellen; (bildlich) sich in vielen Worten und wieder- holt scheltend auslassen. Mit der Frequen- tativendung-ern abgeleitet von belfen«bellen» (Goethe 2, 237), das durch Vermischung von bellen mit dem gleichbed. beffen(s. bäffen)

entstanden zu sein scheint. 1542 bei Luther beluern(belvern) neben bellen.

belieben, v.: 1) intrans.(mit Dat.) dem Gefallen entsprechend sein. 2) trans. nach Gefallen wofür geneigt sein; nach Gefallen ausführen. Davon das Part. Prät. beliebt: nach Gefallen getan(Günther 258); allge- mein gefallend(17. Jh.) und der subst. Inf. Belieben, n.: Gefallen. Mhd. dafür das ein- fache lieben(mit Dat.)«gefallenꝰ, auch gelieben: belieben ist erst frühnhd.(16. Jh., das Subst. im 17. Jh.). 4L. beliebig, adj.: nach Ge- fallen, behaglich, angenehm(bei Grimmels- hausen Simpl. 1, 78 Kurz); ganz dem Belieben überlassen(bei Rädlein 1711).

bellen, v.:(vom Hund und Fuchs) den ihrer Stimme eignen schallenden Laut hören lassen;(bildlich) Worte und Tönée heftig und gellend herausstoßen. Mhd. bellen(Prät. ball, Pl. ballen, Part. gebollen), ahd. bellan; dazu ags. bellau(grunzen, vom Schwein), engl. bell (schreien, vom Hirsch). Als Grundbed. muß etwa«tierische Töne von sich geben» an- gesehen werden. Hierher noch ags. belgica, engl. bellow«belleny und anord. belja«bellen?; vgl. auch beilen. Man sieht aind. bhas(für bhals)«bellen», lit. batsas m.«Stimme» als verwandt an, dann müßte-A- aus-s- ent- standen sein. Der Ubergang zur schwachen Flexion beginnt im 17. Jh.; 1690 hat Bödiker S. 94 schon im Prät. bellete und boll, im Part. gebellet und gebollen, Gottsched setzt die schwachen Formen an und Adelung be- zeichnet sie als weit gewöhnlicher, die starke Biegung als obd.; doch kommt sie bei Dichtern des 18. Jh. noch häufig vor(bei Goethe 2, 208 billt, 28, 77 boll).

Belletrist, m.(en, Pl.-en): wer sich mit den schönen Wissenschaften(franz. les belles-lettres), d. h. der Rede- und der Dicht- kunst beschäftigt und sie ausübt. Um die Mitte des 18. Jh. in Deutschland aufgekommen (bei Goethe 19, 92, Werther). 4B. Belle- tristik, f.: die auf die schönen Wissen- schaften bezügliche Literatur, Schönschrift- stellerei. belletristisch, adj.(Goethe 28, 177).

Bellhammel, m.(, Pl. Bellhämamel): Leithammel, d. i. der Hammel der Herde, der eine Schelle am Halse trägt. Zu thü- ringisch, ndd. belle«Schelley, ndl. bel, ags. belle f., engl. bell, altnord. bjalla f.«Glocken, das unsicherer Herkunft ist. Bei Henisch 1616. Auch ndl. belhamel m., dafür engl. bell-ꝛether.