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¹Aue, Au, f.(Pl. Auen): wasserumflos- senes Land, Flußinsel; wasserdurchflossenes, feuchtes, gewächsreiches Gelände. Mhd. ouwe, Ou, ahd. ouawa f.«Wasser, Strom, Wasserland, wasserreiches Gelünde»; dazu ags. 9, 7g f., anord. eg f., schwed. dän. 6«Insely. Mlat. erscheint augia, avia(z. B. in Scadinavia). Das vorauszusetzende got.*aaoi(Gen.*ν⁵*ες) steht mit Verlust eines Gutturals für ragevi und kommt von got. a f.«Flußy, ahd. aha (s.-a), lat. aqua f.«Wassery.
*Aue, f.(Pl.-n): Mutterschaf. In obd. Mundarten. Mhd.(selten) ouewe, ahd. ou, Ouν f.; dazu ags. 5O⁶³6, engl. euse f.«Schafy, got. nur in Ableitungen wie awistr n.«Schaf- stally, aο‿ν n.«Schafherdey. Dazu stimmen lat. obis f., gr. ôic m. f., air. 5, Oe, lit. ais f., aind. dvis m. f., abg. abgeleitet ouica«Schafy, lit. ãvinas«Widderꝰ, lett. uns, apreuß. awwins, abg. ovindi«Schafs, vgl. Walde s. v. ovis.
Auer, m.(-s, Pl. wie Sg.): meist zu- sammengesetzt Auerochs m. Mhd. ahd. Nr m.(daher altertümlich VUr, s. d.), neben mhd. drohse, ahd. Srohso m; dazu ags. 5r, anord. urr m. Auerochsey. Man vergleicht skr. usräs m. Stiery, eig.«rötlichy, germ.-Jat. Frus m.
Auerhahn, m.(-S, Pl. Auerhähme, früher Auerhahnen). Mhd. urhan neben orhan m., ahd. kommt orhuon, orrehuon f.«Auerhenne⸗ vor. Auch frühnhd. noch orhan(voc. inc. teut. p 1), urhan(voc. theut. 1482 mm 5a), 1616 bei Henisch uhrhan, ohrhan, selbst noch bei Voß Urhahn(daneben schon im 16. Jh. aurhan). Da im Altnord. Schwed. orre n. «Birkhuhn» als selbständiges Wort vorkommt, muß erst später Anlehnung an Ir, kKrohse eingetreten sein. Das nord. orre bringt man mit skr. vrsam«zeugungskräftig, männlichy, dann auch«Stiery, ferner lat. verres(für verses) m.«Ebery, lit. vefsis m.«Kalb», lett. vé'rsis«Ochs, Stier, zusammen, so daß die urspr. Bed.«männliches Tiery sein würde.
Auf, m.(-es, Pl.-e): Nachteule, Uhu. Weidmännisch, 1763 bei Heppe wohlred. Jäger. Mhd. we, ahd. Afo, Quo m., dazu das gleich- bedeutende ags. Ff, anord. ifr, schwed. af m.
auf, 1) adv.: zur Höhe; voneinander aus dem Zustand des Zuseins. In auf/ auf und davon! und in Zusammensetzungen wie frisch-, voll-, dar-, her-, hinauf, sowie in Verbindung mit Verben und Nomina. Bei der Verbindung mit Verben haben wir a) die ursprüngl. Bedeutung in aufbrausen. Dann die Bedeutungen b) anregen zu einer be-
stimmten Tätigkeit, aufmuntern, c) Wider- herstellung eines frühern Zustandes, auf- ꝛwärmen, auf braten, d) die Beseitigung des Objekts durch die Tätigkeit, z. B. aufessen, aufreiben, und schließlich e) ganz abge- schwächt den Eintritt einer Handlung be- zeichnend auf bluhen. Die Nomina schließen sich in ihrer Bedeutung den entsprechenden Verben an. 2) präp. a) mit Dat.(auf die Frage«wo») in der Höhe von und zugleich in Berührung mit—; während. b) mit Akk.(auf die Frage«wohin») zur Höhe; über- hin; als Ziel habend; nach; die Art und Weise bezeichnend. Dies auch in den ad- verb. Verbindungen: ufs baldigste, aufs beste, aufs neue usw. Mhd. ahd. Af adv. u. präp.; dazu asächs. up, ags. Ap, upp, engl. up, got. (mit abweichendem Vokal) iup adv.«auf. würtsy. Verwandt mit oben und über(s. d.), doch vgl. Zupitza Die germ. Gutturale 29. aufbaumen, v.: auf einen Baum fliegen, klettern, springen. Weidmännisch, 1763 bei Heppe wohlred. Jäger. aufbäumen, refl. v.: sich(baumähnlich) zur Höhe biegen; sich auflehnen(urspr. von Pferden gesagt). Frühnhd.(1482 bei Eych- mann O 3 5b sich vff beymen cinsultarey, mhd. bloß sich boumen). Davon das Part. Prüt. aaf gebäumt«zur Höhe gerichtet, aufgehäuftꝰ. aufbauschen, v.: schwellend in die Höhe gehen machen;(bildlich) etwas größer er- scheinen lassen, als es in Wirklichkeit ist. Erst bei Campe 1807. S. bauschen. Früher dafür auf hausen(Kramer 1719) oder auf- pausen(Krämer 1678) s. d. aufbegehren, v.: trotzig auffahren. Erst im 19. Jh. durch schweizerische Schriftsteller aufgekommen(in der Schweiz in der Bed. «sich auflehnen» schon 1582 nachgewiesen, s. Schweiz. Id. 2, 404). Nicht zu gären. aufbieten, v.: kundmachen, namentlich Verlobte auf der Kanzel(mhd. Qfbieten æin die Höhe heben», dann, eig. durch Hochhalten, czur allgemeinen Kenntnis bringen»); zu einer Leistung auffordern, namentlich zur Heeres- folge(mhd. und älternhd. mit Dat.);(bildlich) zu Hilfe nehmen, z. B. seine Krüfte(Schiller 4, 38). aufbinden, v.: in die Höhe binden(mhdͤ. Af binden); worauf festbinden(auch mhd.); (bildlich) vom Aufbinden eines Geschenkes auf den Arm oder Armel Unwahres glauben machen(Schupp 394. 634 einem einen a., 1691 bei Stieler einem eins a.); aus dem Zu- stand des Gebundenseins befreien(auch mhd.).


