Druckschrift 
Die großherzogliche Universitäts-Bibliothek zu Gießen / [Gustav Nick]
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen

141

ſo katalogiſiert worden iſt, wie Heuſer angiebt, ſo iſt das eben falſch. Für Fehler, die bei Anwendung des Syſtems gemacht werden, kann aber deſſen Urheber ſchwerlich die Verant wortung tragen.

Noacks vielſeitige Thätigkeit für die Bibliothek erſtreckte ſich auch, wie der Verfaſſer erklärt, auf die in ihr enthaltenen Inkunabeln, die er 1874 ausſchied und in einem beſonderen Raume aufſtellen ließ. Wir können es aber nicht recht glauben, wenn der Verſaſſer angiebt, Noack habe die Inkunabeln bis 1530 40 gerechnet. Ein allgemein anerkanntes einheitliches Prinzip für die Verzeihnung der Inkunabeln beſitzen wir ja leider nicht, man zählt ſolche bis 1500, bis 1520, bis 1536, man kann vielleicht auch bis 1540 gehen oder bei 1530 bſtehen bl eiben. Aber einen feſten Grenzpunkt muß man dafür anſetzen; ein Spielraum von 10 Jahren kann nur Verwirrung ſtiften. Der Verfaſſer fährt dann fort:1873 im Oktober wurde das In ventar begonnen, konnte allerdings⸗ nicht fertig geſtellt werden. Iſt damit das Inventar der Inkunabeln oder etwa der Mobilien gemeint? Noack hat nach der Ausſage des Verfaſſers 1876 jerner damit begonnen, die wichtigeren Zeitſchriften und Aka demieſchriſten zu excerpieren, und zwar zunächſt die Namen der Verfaſſer der darin enthaltenen Aufſätze in den alpha betiſchen Katalog aufzunehmen. Man kann ſich, wie auch der Verfaſſer beſcheiden andeutet, mit dieſer Maßnahme um ſo weniger einverſtanden erklären, als eine ſolche Rieſenarbeit bei einer mit kleinem Perſonal ausgeſtatteten Bibliothek ſich kaum ohne Beeinträchtigung der unbedingt notwendigen W. beiten, wie z. B. Ausarbeitung des nach der Angabe auf S. 55 unzureichenden alphabetiſchen Katalogs, wird durchführen laffen Auch iſt, wenn dann einmal die Zeitſchriften ausgezogen werden ſollen, für eine Univerſitäts Bibliothek ein ſyſtematiſcher Realkatalog ungleich wichtiger, als der genannte alphabetiſche. Aber auch der Aufſtellung eines ſolchen ſyſtematiſchen können wir nicht unbedingt das Wort reden, da der erzielte Gewinn zur aufgewendeten Mühe in keinem Verhältnis ſtehs und oben drein heutzutage durch Jahresberichte über die Fortſchritte der einzelnen Wiſſenſchaften, Bibliographieen und Repertorien die nämliche Arbeit zum Teil wenigſtens geleiſtet wird.

Da wir ſoeben von dem kleinen Perſonal der Bibliothek geſprochen haben, können wir an der Thatſache nicht ſtill ſchweigend vorübergehen, daß der Verſaſſer den Perſonal fragen einen ſehr bedeutenden Platz in ſeinem Werk eingeräumt hat. Für die ältere Zeit iſt das ja gewiß auch von Intereſſe Daß aber der Verfaſſer dieſe Fragen mit ſich immer ſteigernder Genauigkeit bis in die allerneueſte Zeit hinein erörtert, kann unſere Billigung nicht finden. Für wen eigentlich glaubt er die Notizen niedergeſchrieben zu haben, daß ſich bei Erledigung der Stelle des Bibliothekars die Profeſſoren X. J. Z. aus begreiflichen Gründen unterlaſſen wir es hier, Namen wieder zugeben gemeldet haben, daß der Gehilfe N. um die Er teilung des Charakters als Bibliothekar und Erhöhung ſeiner Remuneration einkam, daß der neuernannte Diener ſeinen Dienſt erſt am 5. Mai ſtatt am 21. März antrat, u. dgl. mehr? Wenn man auf dieſe Weiſe die Geſchichte größerer Bibliotheken ſchreiben wollte, müßte man Folianten füllen. Die Veröffent⸗