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herausgeſtrichenen Katalog wirklich vollendet hat, iſt zweifel⸗ haft. Ein von dem Verfaſſer unter alten Geſchäftsbüchern aufgefundener Katalog von 1745 enthält nur die Hälfte der Bücher der eigentlichen Univerſitäts Bibliothek ausſchließlich der May'ſchen. Auch ließ ſich Ayrmann manche Unregelmäßig keiten zu ſchulden kommen, indem er die Bücher ſeiner Pripat und die der Univerſitäts Bibliothek nicht getrennt hielt. Nur durch das energiſche Vorgehen des nächſten Vorſtehers Koch, über deſſen Verwaltung wir ſonſt nichts Nennenswertes er fahren, konnte die Anſtalt vor Schaden bewahrt werden. Kochs Nachfolger Böhm, der die Bibliothek 33 Jahre lang verwaltete, machte ſich beſonders durch die Katalogiſierung der Kayſer'ſchen und Koch'ſchen Stiftung verdient. Die nächſten Vorſteher Schmid, Hezel, Kühnöl und Schmidt ſcheinen, ſoweit aus den Angaben des Verfaſſers hervorgeht, eine beſonders hervorragende Thätigkeit nicht entfaltet zu haben. Erſt Adrian, der ſeit 1825 bei der Bibliothek als Kuſtos beſchäftigt war und die Leitung derſelben 1830 proviſoriſch und 1835 definitiv erhielt, war es vorbehalten, die einheitliche Geſtaltung der Bibliothek durch Verſchmelzung der verſchiedenen, früher ge⸗ trennten Bücherſammlungen und durch Ordnung der gewaltigen Büchermaſſen nach einem wiſſenſchaftlichen Syſtem, dem von ihm etwas modifizierten Schleiermacher ſchen, durchzuführen. Auf dem Grund des von ihm in beſonderen Bänden verzeich neten und mit alphabetiſchem Geſamtregiſter verſehenen Syſtems legte er den wiſſenſchaftlichen Zettel⸗Katalog auf Quartblättern an und ſtellte ihm einen alphabetiſchen Katalog(auf Oktavblattern, wie wohl hätte angeführt werden dürfen zur Seite, eine Rieſenarbeit, der Adrian beinahe ein Vierteljahrhundert ſeines Lebens gewidmet hat und die er bis 1850 bewältigte. Nebenher fertigte er ein gedrucktes Ver zeichnis der Handſchriften und gab ein ebenſolches der Neu erwerbungen(unſeres Wiſſens zuerſt für 1838 u. d. T. Index Manuscriptorum et Impressorum quibus Bibliotheca academien Gissensis aucta est, ſeit 1839 u. d. T. Index Librorum quibus etc. welcher Titel 1873 in: Zuwachs Verzeichnis geändert wurde heraus. Adrians ruhmvolle Thätigkeit war für die Anſtalt eine ſo bahnbrechende, daß ſeinen Nachfolgern Schäfer und Schilling nichts übrig blieb, als den von jenem eingeſchlagenen Pfad weiterzuwandeln. Auch Noack, der erſte Fachbibliothekar, der die Leitung der Bibliothek im Jahre 1872 übernahm, konnte nichts Beſſeres thun, als die Verwaltung im Sinne ſeines berühmten Vorgängers fortzuführen. Gerade dadurch gelang es ihm, den mannigfachen, ſchwierigen und immer ſchwieriger ſich geſtaltenden Aufgaben, die die Neuzeit an den Leiter einer ſolchen Anſtalt ſtellt, gerecht zu werden und ſein Inſtitut, den feſten Rückgrat der Univerſitat, der nur durch umſichtige und gewiſſenhafte Verwaltung mehr und mehr ge feſtigt und gekräͤftigt werden kann und von dem dann wieder neue Lebenskraft auf Vertreter und Jünger der Biſſenſchaft fortgeſetzt ausſtrömt, für die letzteren von Jahr zu Jahr nutzbringender zu machen. Greifen wir nur den einen Punkt heraus, daß die Bibliothek von Anfang an wöchentlich eine Stunde, erſt Mittwochs, dann Samſtags geöffnet war, daß dieſe Zeit ſpäter auf ganze zwei Stunden ausgedehnt wurde— wann dies geſchah, ſagt der Verfaſſer nicht—, und
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