76
Privatleben zurück und ſtarb zu Gießen am 19.— nicht, wie der Verfaſſer angibt, 18.— Oktober 1800 der durch Teſtament vom 22. Auguſt 180) der Univerſität ſein Wohnhaus am Brand lan der Stelle des nachmaligen Gymnaſiums, jetzigen Kreisamts! nebſt ſeiner Bibliothek, deren Beſtand, wie der Verfaſſer hätte erwähnen dürfen, auf 15000 Bände geſchätzt wurde, ſowie einem Kapital von 10 000 Gulden, deſſen Zinſen zur Ver⸗ mehrung der Bibliothek und Beſoldung eines beſonderen Bibliothekars und Dieners verwendet werden ſollten, ver machte. Leider war die Verwaltung, welche zuerſt der Prof. der Rechte Karl Ludwig Wilhelm von Grolmann geſt. als Staatsminiſter zu Darmſtadt 1829) bis 1819, dann Prof. Marezoll führte, keineswegs eine den Intentionen des hoch⸗ herzigen Stifters entſprechende. Bis 1815 konnte mangels eines Katalogs nichts ausgeliehen werden: auch nachher war die Benutzung noch ſehr ungeregelt. Erſt 1837, nachdem durch Abfindung des einzigen Erben Senckenbergs die Vereinigung mit der Univerſitäts Bibliothek ermöglicht worden war weiche von da ab den Namen: Vereinigte Univerſitäts und v. Sencken bergiſche Bibliothek führte, wurde letztere eigentlich der ihr von dem Stifter zugedachten Beſtimmung zugeführt.
Unter den Geſchenken, welche die Univerſitäts-Bibliothek in neuerer Zeit erhielt die vielen, auch von kleinerem Um fange, anzuführen, wie dies der Verfaſſer thut, iſt hier nicht angängig— ragen zwei ganz beſonders hervor. Im Jahre 18410 nämlich erhielt die Bibliothek von der Kreis Schmid'’ſchen Stiſtung zu Scheer, der Univerſalerbin des am 20. Dezember 1869 verſtorbenen Profeſſors der katholiſchen Theologie, ſpäter der Philoſophie Leopold Schmid deſſen aus 1867 Nummern beſtehende, auf 582 Gulden geſchätzte Bücherſammlung zum Geſchenk. Schmid hatte bereits bei Lebzeiten die Abſicht geäußert, letztere der Univerſität zu vermachen, war aber durch jeinen plötzlich eingetretenen Tod an der Aufſtellung eines Teſtaments verhindert worden. Durch den Bruder des Ver ſtorbenen, Major Franz Schmid Zu⸗ Ulm, wurde die Univerſal
erbin vermocht, den Wunſch des Entſchlafenen zu verwirklichen. Im Dezember 1883 endlich wurde der Univerſitats Bibliothek von dem früheren Univerſitäts Sekretär, Kanzleirat Clemm, die Bibliothek ſeines am 21. September deſſelben Jahres ver ſtorbenen Sohnes, des Profeſſors der’ klaſſiſchen Philologie Wilhelm Clemm, übergeben. Sie umfaßte 1678 vortrefflich erhaltene Werke vorwiegend klaſſiſch philologiſchen Inhalts, deren Wert auf 5010)= 6000 Mk. geſchätzt wurde.
Von weiteren außerordentlichen Zuwendungen, welche die
Univerſitäts Bibliothek im Laufe der Zeit erhielt, wollen wir nur noch folgende aufführen. Dubletten der Fürſtlichen Bibliothek zu Darmftadt, der jevigen Hofbibliothek, wurden wiederholt nach Gießen abgegeben, ſo, wie es ſcheint, bereits 1720 und 1767, ferner einer Anordnung Ludwigs l. gemäaß in den dreißiger Jahren dieſes Jahrhunderts, wovon der Verfaſſer nichts erwähnt, und endlich eine große, 10000 Nummern unn faſſende Sammlung ſeit 1871 1771 wurde die ſog. Kugel hausbibliothek der St. Markuskirche zu⸗ Butzbach, 205 Hand ſchriften und 308 alte Drucke, welche zum guten Teil der Marienthaler Offizin entſtammen, auf Befehl des Landgrafen der Univerſitäts Bibliothek einverleibt. 178 kam die Bücher


