Druckschrift 
Die großherzogliche Universitäts-Bibliothek zu Gießen / [Gustav Nick]
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen

6

dient. Das erſte größere Geſchenk dieſer Art war die Biblio thek des in Speyer verſtorbenen Dör.(med.) Joh. Ullrich Streiter, der 1636 in ſeinem Teſtamente der mediziniſchen Fakultät ſeine Bücherei überwies. Wie der Verfaſſer ermittelt hat, gelangte die Univerſität erſt 1653 in deren Beſitz. während man ſeither einen früheren Termin daſür anſetzen zu können dlanhte 1668 erhielt die Bibliothek gemäß teſtamentariſcher

Verfügung die Bücher des im Jahre 1667 verſtorbenen Pro⸗ feſſors der Mathematik Friedrich Müller hiernach iſt die Angabe des Verfaſſers S. 11 zu verbeſſern:1668 wurden ihr Bücher geſchentt von Profeſſor Friedrich Muller), 1669 die des im gleichen Jahre verſtorbenen, Profeſſors(der Rechts wiſſenſchaft, Martin Müller. Für die Angabe, das ein ähn liches Geſchenk 1672 durch Profeſſor Konrad Müuller erfolgt ſei, führt der Verfaſſer leider ſeine Quelle nicht an Durch Teſtament von 1668 vermachte ſerner der 1673 zu Biſchoſsheim am Main verſtorbene Pſarrer Joh. Konrad Bachmann, ein Sohn des erſten Bibliothekars, der Univerſitat die Vibliothet ſeines Vaters, meiſt homiletiſche Werke, jedoch unter der Be dingung, daß ſeinen Erben, mit denen auch in der Folge ein Vergleich zuſtande kam, die ſeinem Vater zeitweiſe vorent⸗ haltene Beſoldung nachträglich ausbezahlt wuüͤrde. Die Mit teilung des Verfaſſers, daß 1695 Prof. Michael Heiland ſeine Buücher, 71 vorzugsweiſe Miszellanbände, ſchenfte, wird wohl dahin zu berichtigen ſein, daß im genannten Jahre die durch Teſtament des bereits 1603 verſtorbenen Profeſſors(der Anatomie, Chirurgie und Botanik Heiland der Univerſität zu gefallenen Bucher in deren Bibliothek aufgenommen worden ſind. Ein bedeutender Zuwachs wurde 1732 gewonnen durch das Vermächtnis des in demſelben Jahre verſtorbenen Pro⸗ feſſors der griechiſchen und orientaliſchen Litteratur, ſowie der Altertumswiſſenſchaft Johann Heinrich May des Jüngeren.

Deſſen Bücherſammlung ſie umfaßte nach Strieder 3300 Stücke, unter denen ſich wohl auch die Bibliothek von Mays Vater und zugleich Vorgänger in der Profeſſur, des 1719 verſtorbenen Profeſſors Joh. Heinrich Man des Aelteren, beſunden haben miag wurde zwar anfangs beſonders aufgeſtellt und ſogar von einem eigenen. Auſſeher, Prof. Ayrmann, verwaltet Doch übernahm letzterer nach Arnoldis Tode auch die Uni verſitätsbibliothek. Von den zahlreichen Geſchenken, welche die Univerſität in der Folgezeit erhielt, wollen wir hier nur die bedeutendſten hervorheben. Allerdings war die Uebernahme gerade der bedeutenderen mit mancherlei Opfern verknupft. So gelangte die Univerſität erſt 1761 nach langen Verhand lungen mit den Erben in den Beſit der ihr von dem 1756 verſtorbenen Univerſitätsbibliothekar Koch ſ. oben vermachten Bibliothek im Umfange von 2622 Bänden. Ebenſo konnte die von dem bereits 1751 verſtorbenen Profeſſor der Rechte Joh. Friedrich Kayſer der Univerſität hinterlaſſene Buͤcherei gar erſt im Jahre 17 6 uach langwierigem Streite mit den Erben, die ſich endlich zu einem Vergleiche herbeiließen, übernommen werden.

Wohl die großartigſte Schenkung, welche die Univerſität überhaupt erhalten hat, war die des Freiherrn Renatus Karl von Senckenberg geb. 1751 zu Wien, ſeit 1775 Regierungs Beiſitzer in Gießen, 1780 Regierungsrat, zog ſich 1781 in das