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Die großherzogliche Universitäts-Bibliothek zu Gießen / [Gustav Nick]
Entstehung
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Abriß der Geſchichte von 1607- 1885. Schon in der genannten Skizze haben wir auf einige Mängel aufmerkſam gemacht, ſo insbeſondere darauf, daß der Verfaſſer es ſo wenig der Mühe für wert erachtet hat, den Charakter der verſchiedenen Bücher ſammlungen, welche nach und nach in die Bibliothek aufge nommen wurden, näher darzulegen, wenn auch nur durch kurze Angabe des wiſſenſchaſtlichen Gebietes, auf dem der ehe malige Beſitzer gearbeitet hat. Ueber die Angabe von Schmid imJournal von und für Deutſchland 1791=. 968, daß um 1668 die Bücherſammlung eines gewiſſen Ebden erkauft worden ſei, ſchweigt der Verfaſſer ganz. Der Zuſtand des Lokals der Bibliothek in früheren Zeiten wird wiederholt eingehend beſprochen; wo ſich aber jenes eigentlich befunden, erfahren wir erſt in Form einer Randbemerkung zu dem Bericht über die Verwaltung Schmidts 1803 30 S. 39, Der offizielle Bericht über den Zuſtand der Bibliothet in der nach 1719 vorge nommener Reviſion der Uniyerſität erlaſſenen General und Haupt Verordnung vom 22. Februar 1720 S. 19: Nachdeme aber, ſo viel die Bibliothec ſelbſt betrifft, Uns vorgekommen, daß dieſelbe gantz unten in dem Collezio ſtehe, daſelbſt ſie nicht nur keinen gnugſamen Raum mehr hat, ſondern auch wegen des feuchten Platzes Schaden leiden muß, zugeſchweigen, daß im Winter niemand dieſelbe wohl beluchen kan, als ſeynd Wir auf die Gedancken gefallen, ꝛc ꝛc. wird ganz weggelaſſen. S. 7 wird der Bücher gedacht, welche Landgraf Moritz einſt aus Ziegenhain nach Marburg gegeben hatte und die durch den Vergleich vom Jahre 1627 an Heſſen Kaſſel zurückgelangten. Gleich darauf finden wir das dieziſche und ziegen hainiſche Geſchenk erwähnt, von denen jenes in Handſchrift 28 verzeichnet ſei. Der Verfaſſer hält alſo das für zwei ver ſchiedene Sammlungen. Ein Blick in Rominiel Geſchichte von Heſſen. 5 Band. S. 99, hätte ihn belehren können, daß beide identiſch ſind. Graf Chriſtonh Ernſt zu Dietz, der 3 Sohn Philipps des Großmütigen aus zweiter Ehe, wurde ſeit 1570 in Ziegenhain in Gefangenſchaft gehalten und lebte dort be⸗ ſonders ſeinen litterariſchen Neigungen. Nach ſeinem 1603 er⸗ folgten Tode ſchenkte Landgraf Morit die von ihm hinter laſſene reichhaltige Bücherei der Univerſität Marburg. Wenn S. 11 erklärt wird, daß die Univerſitäts Bibliothek wohl in dem Zuſtand, in dem ſie 1648 warum gerade 1648 und nicht 16502) ſich befand, alſo beſtehend aus der alten Marburger und der ehemaligen Gießener, nach Gießen zurück gekommen ſei, ſo glauben wir, daß ſich das mit Hilfe der noch vorhandenen alten Kataloge(Handſchr. 29 und 30) ſicherer hätte ermitteln laſſen. Zu der in dem Berichte des Biblio thekars Kortholt vom Jahre 1717 enthaltenen Bemerkung, er habe die Bibliothek in dieſem Jubeljahr durch ein an allen Tiſchen ausgeteiltes Programm:De bibliothecis, maxime pu- plicis, utiliter adenndis paraenesist solemmiter exöffnet, hätte beigefügt werden ſollen, daß dies im Jahre 1716 gedruckte Programm noch erhalten iſt. Ueber den von Ayrmann um 1740 als Amanuenſis beſchäftigten Stud. Kreußler waren genauere Angaben zu machen, da ſonſt eine Verwechslung mit dem ſpäter genannten Chriſtian Wilhelm Kreusler um 1770 Gehilfe des Bibliothekars Böhm, ſtarb 1786 als Roktor zu Corbach), zumal dieſen der Verfaſſer an den Hauptſtellen nur