Druckschrift 
Die großherzogliche Universitäts-Bibliothek zu Gießen / [Gustav Nick]
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen

14

nung erhielt, verwaltete Konrad Bachmann zum zweitenmal, diesmal bis zu ſeinem Tode im Jahre 1646, die Bücherei. Ihm folgte Kaspar Ebel. von 1646 1650, unter deſſen Ver waltung infolge des zwiſchen Heſſen Darmſtadt und Heſſen Laſſel geſchloſſenen Hauptvergleichs vom 14. 24. April 1648, des denſelben beſtätigenden weſtfäliſchen Friedenstraktats und des beſonderen Vertrags vom 19. Februar 1. März 1650 die Rückverlegung der Univerſität und zugleich die der Bibliothet nach Gießen ſtattfand, wo beide von da ab ihren ſtändigen Sitz behielten. Die Verwaltung der Bibliothek leiteten ſeit dieſer Zeit bis zum Jahre 1885, mit dem der Verfaſſer ab ſchließt, im ganzen vierzehn Bibliothekare, deren Namen wir hier in chronologiſcher Folge aufführen: Johann Kourad Dieterich 1650 67; Nilian Rudrauff 1667 90): Heinrich Phaſian 1690 95; Johann Reinhard Hedinger 169699; Immanuel Weber 16909 1715: Matthias Nikolaus Kort holt 1715 25; Johann Konrad Arnoldi 1725 35: Chriſtoph Friedrich Ayrmann 1735 17: Chriſtoph Ludwig Koch 1777 bis 56:; Andreas Böhm 175790: Chriſtian Heinvich Schmid 1790) 1807): Wilhelm Friedrich Hezel 18001801: Chriſtian Gottlieb Kuhnöl 1801 1803: Joh. Ernſt Chriſtian Schmidt 1803 30; Johann Valentin Adrian 183061; Heinrich Schafer 1864- 69: Guſtav Schilling 18060 72 und Ludwig Noack 1872. Mit Ausnahme des letzteren, welcher auch erſt in vorgerücktem Lebensalter ſich ganz dem bibliothekariſchen Berufe gewidmet hatte, waren es ſamtlich Profeſſoren der Univerſitat, meiſt der philoſophiſchen Fakultät, welche die Ver waltung der Bibliothek im Nebenamt führten, öſters, insbe ſondere im vorigen Jahrhundert, nicht gerade zum Vorteil⸗ der Büucherſammlung. Nicht ſelten kam es auch bei Beſetzung der Stelle zu Auseinanderſetzungen zwiſchen Regierung und Univerſität, wofur der Verfaſſer Beiſpiele aus den Jahren 1725 und 1746 anführt.

Das Lokal der Bibliothek befand ſich vor der Verlegung nach Marburg im erſten Stock des Univerſitätsgebaäudes amn Brand, von 1650 an im Erdgeſchoöß deſſelben. Die ſpäter mit der Univerſitätsbibliothek vereinigte, aber getrennt aufgeſtellte Bibliothek des Profeſiors May ſ. unten fand in einem Zimmer des erſten Stockes Platz, bis nach 1761, als durch Vermächtnis die Bücherſammlung des verſtorbenen Bibliothekars Koch hinzugekommen war, alle drei Bibliotheken in das Erdgeſchoß verlegt wurden. Dort blieben ſie bis zur Mitte des zweiten Jahrzehntes unſeres Jahrhunderts, zu welcher Zeit die Ueber führung derſelben in den öſtlichen Flügel der ehemaligen Kaſerne am Seltersberg ſtattfand. Nach Errichtung des neuen Univerſitätsgebäudes in der Ludwigsſtraße wurde der größere Teil des alten am Brand im Jahr 1880 der Vibliothet ein geräumt. Damitt iſt letztere an die alte Stelle, die ſie ſeit An beginn der Univerſität eingenommen hatte, zurückgekehrt. Zur Vermehrung der Bibliothek durch Ankauf waren ur ſprünglich fl. 50 im Jahr ausgeworfen; noch zu Ende des 17. Jahrhunderts war dieſer Betrag nicht überſchritten. Wann derſelbe im 18. Jahrhundert erhöht wurde, erfahren wir von dem Verfaſſer nicht. Anfangs dieſes Jahrhunderts beteug der Bibliotheksfonds 100 Rthl., ſeit 180⁄ 600) Gulden. Derſelbe ſtieg dann ſtetig und erreichte im Jahre 1885 die Höhe von