Druckschrift 
Fremdwörter aus dem Lateinischen im späteren Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen / eingereicht von Paul Möller
Entstehung
Seite
213
Einzelbild herunterladen

213

dies schließlich auch zutreffen. Es wären dann für die Ein führung des Fremdworts dieselben Gründe maßgebend ge wesen, die auch heute noch eine Rolle spielen. Schreiber wollte sich den Anstrich einer größeren Gelehrsamkeit geben,

oder aber er konnte sich von seinem Latein zu schwer los machen.

Aber dies wäre denn doch keine Erklärung der Tat sache, daß das Fremdwort in solch stattlicher Anzahl ein gedrungen ist, und weiterhin dafür, daß wir diese Formeln gerade auf niederdeutschem Boden besonders häufig an treffen. Ferner: wären die deutschen Ausdrücke das spätere, wären sie als Uebersetzung eingeführt, so sollte man denken, daß sich ein bestimmter Brauch, bestimmte Formeln hätten herausbilden müssen, das ist aber nicht der Fall: Die Verdeutschung stimmt fast in keinem einzigen Falle mit einer anderen überein.

Wir können demnach mit einiger Sicherheit behaupten, daß dieses besonders häufige Auftréeten der Fremdwörter im Nieder- und Mitteldeutschen, und hier besonders in den östlichen Gebieten, aus dem Streben hervorgeht, auch diese Mundarten den Angehörigen anderer Mundartgebiete ver ständlicher zu machen.

Es war weiter oben schon angeführt worden, daß die norddeutschen Gebiete nicht nur zahlreichere Fremdwörter aufgenommen hätten, sondern daß hier auch die Formen dieser Wörter sich noch mehr an die lateinische Form an lehnten, als wie dies in den südlicheren Gebieten der Fall war. Es erübrigt sich daher, zum Schlusse noch einen Blick dar auf zu werfen, in welcher Gestalt uns min diese Fremd- linge aus dem lateinischen entgegen treten.

Da ist zuerst der Satz aufzustellen: Ursprünglich wurden die lateinischen Wörter, soweit es anging, in ihrer lateinischen Form in die deutsche Rede eingesetzt. Da durch, daß sie sich später den deutschen Lautgesetzen unterwarfen und sich den deutschen Deklinationssystemen einordneten, wurde ihr Verbleiben in unserer Sprache ge sichert. Um nun zu zeigen, in welcher Art und in welchem