Jahrgang 
14-26 (1877)
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M. Paul.

Heft 25.

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er herbe Zug, der die Lippen Bertha's umgab, war pooch ſchärfer geworden.

Der einzige Grund iſt es nicht, erwiederte ſie, ohne vor ſeinem ſtechenden Blick die Augen niederzu⸗ ſchlagen.Muß nicht Alles, was ich hier ſehe und höre, mir Mißtrauen einflößen? Du verweigerſt mir die Herausgabe meines Vermögens, Du willſt unſer Haus heimlich verkaufen

Wenn Du an dieſe Lüge glaubſt

Ich halte die Quelle für zuverläſſig genug, um an die Wahr⸗ heit dieſer Mittheilung zu glauben. Es bleibt dabei, ich fahre morgen nach Plettenberg, um dort meine Geneſung abzuwarten, in⸗ zwiſchen werden hier wohl die Verhältniſſe ſich geklärt haben.

Zwiſchen den finſter zuſammengezogenen Brauen Ackermann's zeigte ſich eine tiefe Furche, und aus ſeinen flammenden Augen ſchoß ein tückiſcher Blick auf die leidende Frau, die ſo entſchloſſen ſeinem Willen entgegentrat.

Du wirſt nicht gehen! ſagte er. nicht.

Das iſt für mich kein Hinderniß! Meine Eltern werden mir ihren Wagen ſchicken und Papa wird mitkommen, um mich abzu⸗ holen.

Dein Vater ſteht auf meiner Seite! erwiederte Acker⸗ mann ſcharf.

Jetzt nicht mehr.

Er war geſtern noch mit mir einverſtanden!

Gleichviel, er wird mich abholen!

Und was dann?

Dann werden meine Eltern über alles Das Aufklärung ver⸗ langen, worüber Du ſie mir nicht geben wollteſt.

Und wie die Leute über dieſe Trennung denken werden, iſt Dir gleichgiltig?

Du irrſt, wenn Du glaubſt, dadurch meinen Entſchluß er⸗ ſchüttern zu können, ſagte Bertha mit würdevollem Ernſt. Du hiüätteſt dieſe Trennung vermeiden können, wenn Du meinen billigen und gerechten Wünſchen entgegen gekommen wäreſt, aber Du wollteſt das nicht, Du nahmſt größere Rück⸗ ſicht auf einen Mann, den Du ſelbſt Vaga⸗ bund genannt haſt, als auf Deine Gat⸗ tin. Wie kannſt Du nun von mir Rück⸗ ſicht fordern?

Ich fordere ſie

Der Arzt erlaubt es

nicht für meine Perſon, ſondern für Dich!

Für mich? Ich kann den Leuten nicht verbieten, über meine Handlungen zu den⸗ ken und zu reden,

Jahrgang 1977. Dunkle Wege.

Roman von Ewald Augnſt König. (Fortſetzung.)

Goethe's Vater und Mutter. Originalzeichnung von C. Kolb.(S. 499.)

(Nachdruck verboten.)

wie es ihnen gefällt, ich muß das über mich ergehen laſſen und es ſpäteren Ereigniſſen anheimſtellen, mich zu rechtfertigen. Die dunklen Räthſel, die auf Deinem vergangenen Leben

Jetzt iſt es genug! ſagte Ackermann, ſich erhebend.Ich habe dieſe Narrheiten bis zum Ueberdruß hören müſſen! Du wirſt nicht gehen, Bertha, thuſt Du es dennoch, ſo 4

Ich errathe das Ende dieſes Satzes, erwiederte ſie, als er jäh abbrach.Darüber wollen wir jetzt nicht weiter reden, es wird allein von Dir abhängen, ob ich nach meiner Geneſung in dieſes Haus zurückkehre.

Ackermann ſtand bereits an der Thüre, er wandte noch einmal ſich um, und die junge Frau erſchrak vor dem Ausdruck ſeines Ge⸗ ſichts, leuchtete doch aus ſeinen Augen die dämoniſche Gluth des Haſſes ihr entgegen.

Alſo ſo weit iſt es ſchon gekommen? fragte er mit heiſerer Stimme.Ich hätte nicht geglaubt, daß Deine Mutter ſo unklug ſein werde, von ihrem Einfluß auf Dich einen ſo ſchlimmen Ge⸗ brauch zu machen, ich werde mit ihr ein ernſtes Wort reden. Ich frage Dich noch einmal, willſt Du mir den Empfangsſchein des Juweliers anvertrauen?

Nein! lautete die feſte, entſchiedene Antwort.Ich finde dieſe Eile in keiner Weiſe gerechtfertigt, es hat Zeit bis morgen.

Dann gute Nacht!

Bertha lauſchte mit verhaltenem Athem, bis der Schall ſeiner Schritte verhallt war, dann drückte ſie leicht auf den Schellenknopf, und Jeanette trat ſo bald darauf ein, daß man wohl auf die Ver⸗ muthung kommen konnte, die Zofe habe an der Thüre gehorcht und nur auf dieſes Zeichen gewartet.

Aber daran dachte die junge Frau nicht, ihre Seele war zu ſehr beſchäftigt.

Du mußt noch einen Ausgang für mich machen, ſagte ſie leiſe,es iſt ſo ſehr ſpät noch nicht, und ich hoffe, Du wirſt muthig genug ſein, allein zu gehen. 5

Wohin? fragte Jeanette bereitwillig.

Zu meinem Ju⸗

welier. Ich laſſe ihm

ſagen, er möge mir morgen früh den Schmuck zurückbrin⸗ gen, es ſei mir un⸗ angenehm, daß er ihn in ſeinem Schau⸗ fenſter öffentlich aus⸗ geſtellt habe.

Gnädige Frau, dieLeute ſind ganzent⸗ zückt von der Schön⸗ heit dieſer Brillanten, man beneidet Sie darum*

Das kann mir ſehr gleichgiltig ſein. Der Juwelierſoll den Schmuck keinem An⸗ deren aushändigen, ich mache ihn dafür verantwortlich, daß er in meine Hände zurückkommt, ſage ihm das. Ich erwarte

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