Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

Illuſtrirte Chronit der Zeit.

4³⁰

hat. Auch ſeine Vaterſtadt Leipzig hat ihm ein Denkmal geſetzt, das dauerndſte jedoch hat er ſelbſt ſich in ſeinem philoſophiſchen Syſtem aufge⸗ baut, ſeiner berühmtenTheodicee.

Turkmeniſche Frauen. (Mit Bild auf S. 472.)

Die Turkmenen oder Turkomanen ſind eine in mancherlei Stämme geſpaltene Nation, welche in früheren Zeiten den größten Theil von Hoch⸗ und Weſt⸗Aſien eigen beſaß und ſich in ihren verſchiedenen Zweigen noch heute vom öſtlichen und nördlichen Geſtade des Kaſpiſchen Meeres über Khiwa und Turkmanien bis Khokand erſtreckt, namentlich aber in Perſien, Kleinaſien, Schirwan, Dagheſtan, in Syrien, im Kaukaſus und zumal in Ciskaukaſien ausgebreitet hat. Unter der nomadiſchen Bevölkerung der Steppen nördlich und öſtlich vom Kaukaſus und Kaſpi⸗See ſind ihre Stämme zahlreich vertreten und heißen bei den Ruſſen im Allgemeinen Truchmenen. Einzelne Stämme derſelben ſind ſeßhaft, ſo vor Allen die in dem neugebildeten ruſſiſchen transkaſpiſchen Militär⸗Bezirk, deſſen Hauptſtadt das 1868 gegründete Kraßnowodsk am Nord⸗Ufer der Balkanbucht des Kaſpiſchen Meeres iſt. Weitaus die Mehrzahl der Turkmenen ſind indeß Nomaden; ſie umfaſſen unter dem Gattungsbegriff derTurkmenen der Wüſte die neun Völkerſchaften der Salar, Saruk, Erſari, Tuka(Teke), Sakar, Jamud, Goklan, Ata und Tſchödar, und ſcheiden ſich zum Theil wieder in Stämme oder Tir. Sie ſind ſämmtlich Muhamedaner und meiſt Sunniten, verſchmähen ſeſte Wohnſitze in Städten oder Dörfern, kennen nur Muhaleh oder Lager, die aus geraden Reihen ihrer Chirga oder Filzzelte beſtehen, züchten Pferde und Kameele, leben aber lieber von dem Ertrag ihrer Tſchupan oder Raubzüge nach Perſien, wo ſie Menſchen rauben, um dieſe an durchziehende Karawanen zu verkaufen oder auf die Sklavenmärkte zu Khiwa und Bukhara zu ſchleppen. Sie ſind gewandte und ausdauernde Reiter und bilden die zahlreiche Heeresfolge der Emire und Khane von Khiwa, Bukhara u. ſ. w.; liſtig, grauſam, unbotmäßig, händelſüchtig, leben ſie ſtets mit einander in Fehde. Ihr Aeußeres verräth ſtark den mongoliſchen Typus, ihre geiſtige Bildung ſteht noch auf der niederſten Stufe, wie ſchon die Stellung der Frauen bei ihnen beweist, welche wie Sklavinnen behandelt werden und geiſtig noch weniger gebildet ſind als die Männer. Der Turkmene raubt ſich entweder ſein Weib oder kauft es von den Eltern um Vieh, und wenn der hohe Preis, den er für die Frau zu erlegen hat, zwar auch die Viel⸗ weiberei verhindert, ſo gibt er doch dem Manne das vermeintliche Recht, das ſo erkaufte Weib nur wie ein Hausthier zu behandeln. Etwas beſſer iſt das Loos der Frauen bei den ſeßhaften Turkmenen in und um Krasnowodsk geworden; dieſe ſind meiſt Viehhändler oder Krämer, theilweiſe auch Gärtner oder Ackerbauer, und laſſen ihre Weiber dabei tüchtig mit arbeiten, behängen ſie dagegen mit goldenem und ſilbernem Geſchmeide und koſtbaren Stoffen, wozu die eigenthümliche, nicht eben geſchmackvolle Tracht, welche unſer Bild S. 472 veranſchaulicht, Gelegenheit gibt. Dieſe Weiber ſind aber großentheils häßlich, ohne Grazie und Lebendigkeit und machen den Eindruck der traurigſten Geiſtesſtumpfheit.

Der nordamerikaniſche Urwald. (Mit Bild auf S. 473)

Die unabſehbaren herrlichen Urwälder, welche noch vor hundertund⸗ fünfzig Jahren die öſtlichen Staaten des nordamerikaniſchen Feſtlandes bis zur Küſte bedeckten, weichen mit erſchreckender Schnelligkeit der Kultur, da die Amerikaner mit einer kopfloſen Verſchwendung ihren Waldreichthum ausrotten, aus der binnen weniger Menſchenalter für die Bewohner des Landes ſich ernſte Bedenken entwickeln werden. Mit Ausnahme von Maine, Florida und Louiſiana gibt es in den Küſtenſtaaten im ebenen Lande jetzt kaum mehr eigentliche Urwälder; dagegen ſind ſelbſt öſtlich vom Miſſiſſippi in den höheren Regionen der Bergzüge noch Millionen Morgen des mächtigſten Urwaldes vorhanden, den der Fuß des Weißen noch nicht betreten hat, und wo ſelbſt der Indianer nicht hinkommt. Nur die Terrain⸗Schwierigkeiten und der Mangel an floßbaren Strömen haben indeß dieſe Hochwälder ſeither noch vor Vernichtung gerettet, aber auch ihre Zerſtörung iſt nur eine Frage der Zeit. Die nördlichen Höhenzüge der Felſengebirge dagegen zeigen noch Hunderte von Quadratmeilen dichten Urwaldes, namentlich in der Mittelregion, und einen Reichthum der Arten wie eine wuchernde Kraft der Vegetation, welche in das höchſte Er⸗ ſtaunen verſetzen. Insbeſondere ſind es die unabſehbaren. Nadelwälder in dem wilden, von tiefen Schluchten zerriſſenen Mittelgebirge der Urge⸗ ſteinsformation, welche die Bewunderung des Europäers erregen. Millionen rieſiger Stämme faulen dort, von Stürmen und Schneedruck gebrochen, in der Wildniß und geben in ihrem Mulm und Moder einer unbeſchreiblich reichen und raſchen niedrigen Vegetation die üppigſte Nahrung. Das Groß⸗ artigſte und Wilderhabenſte jedoch ſind die Windbrüche, die dieſe Bergwälder heimſuchen, wenn im Winter die verheerenden Stürme von den eiſigen Höhen herniederbrauſen und durch die engen tiefen Schluchten fahrend die Rieſen des Waldes wie Rohr knicken und durch einander werfen. Einen ſolchen treu nach der Natur aufgenommenen Windbruch zeigt unſern

oder als trockene zur Erbauung und Ausbeſſerung von Schiffen dienen, denn heutzutage baut man die Schiffe lieber in Docks als auf Werften, und erſpart hiedurch die Mühe und Gefahren des Stapellaufs. Ein ſolches Trockendock iſt eigentlich ein kleiner Hafen, welcher durch ein Schleuſenſyſtem mit dem Wajſer in Verbindung ſteht; ſoll ein Schiff z. B. behufs der Beſichtigung oder Ausbeſſerung in daſſelbe gebracht werden, ſo wird das Dock mit Waſſer gefüllt, das Schiff läuft in daſſelbe ein, wird in die richtige Lage gebracht und das Waſſer nun aus dem Dock durch gewaltige Dampfmaſchinen ausgepumpt, worauf das Schiff mit

ſeinem Kiel auf den Quermauern von zehn bis zwölf Fuß Höhe ruhen

bleibt, die an der Sohle des Docks angebracht ſind und den Schiffs⸗

Ingenieuren erlaubt, die ganze Außenſeite des Schiffs genau zu unterſuchen und etwaige Mängel auszubeſſern. Derartige Docks findet man gegen⸗ wärtig in beinahe allen Seeſtädten. Die Amerikaner aber ſind ſeit etwa fünfzehn Jahren auf den Gedanken gekommen, zur Erleichterung der Aus⸗ beſſerung der Schiffe ſogenannteſchwimmende Docks zu errichten, welche man nach jedem beliebigen Punkte in der Ferne ſenden kann, wo ſolche Einrichtungen meiſt fehlen und doch am nothwendigſten ſind, und nun beſitzen Franzoſen, Engländer und Amerika derartige Docks, deren eines wir auf S. 476 abbilden, in den fernſten Meeren. Die ſchwimmenden Docks ſind aus gewalztem Eiſen konſtruirt, zur Aufnahme der größten Seeſchiffe befähigt und daher von bedeutenden Dimenſionen und großer Schwimmkraft, damit ſie ſelbſt die ſchwerſten Panzerſchiffe zu tragen ver⸗ mögen. Jedes ſolche Dock hat die Geſtalt eines rieſigen, dickwandigen, an den beiden Schmalſeiten offenen Trogs. Sein Boden iſt hohl, d. h. er beſteht aus einer Reihe von neben und über einander liegenden Zellen, die mit Vorrichtungen zum Einlaſſen des Waſſers verſehen ſind. Soll ein Schiff in ein ſolches Dock aufgenommen werden, ſo läßt man in das Innere deſſelben ſo viel Waſſer ein, daß die Sohle ſeines Troges unter. das Kielniveau des aufzunehmenden Schiffes ſinkt; dieſes läuft in das Dock ein; an den Schmalſeiten deſſelben werden Spundwände in die ent⸗ ſprechenden Nuhten eingeſetzt, das auszubeſſernde Schiff genügend befeſtigt, und die im Troge befindliche Waſſermaſſe wird mittelſt der vier mächtigen, von Dampf getriebenen Centrifugalpumpen, womit das Dock verſehen iſt, ausgepumpt. Auch das Waſſer im Innenraum wird nun ſo weit ausge⸗ pumpt, daß die innere Sohle des Troges über der Waſſerlinie ſteht, und nun kann das Schiff in dem trocken gelegten Trog vollſtändig ausgebeſſert werden. Iſt dies geſchehen, ſo verſenkt man durch Einlaſſen des Waſſers das Dock wieder ſo tief, bis das ausgebeſſerte Schiff ſchwimmen kann, entfernt die Wand der einen Schmalſeite und entläßt das ausgebeſſerte Schiff aus ſeiner Wiege, die vor ſtarken Ankern und Ketten auf ihrer Stelle liegt. Buchſtaben⸗Räthſel.

Schließt es mit e, ſo iſt's ein Fluß,

Den jeder Deutſche kennen muß,

Obſchon ihn jenes Land uns ſendet,

Das Deutſchland gern den Rücken wendet.

Schließt es mit a, ſo mahnt es dran,

Daß in der Welt ein jeder Mann,

So hoch auch ſeine Macht geſtiegen,

Doch leicht dem Schickſal kann erliegen.

Auflöſung folgt im nächſten Heft.

M. Paul.

Auflöſungen vom 23. Heft: des Palindroms: Leo, Oel; des Räthſels: Unze.

Bilder-Räthſel

Auflöſung folgt im nächſten Heft.

Leſern das Bild auf S. 473. Die ſchwimmenden Docks. (Mit Bild auf S. 476.)

Docks nenut man gemeinhin ausgemauerte geräumige Baſſins, welche entweder als ſogenannte naſſe Docks zum Ein⸗ und Ausladen der Schiffe,

Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 23. Heſt:

We

Ich heit dieſer norgen no wiſchen

Jwiſ zeigte ſich ſchoß ein ſeinem W Du

nicht. Dad ihren War holen. Dei mann ſche Jet Er Gle Un⸗ Dar langen, w Und Dir gleich Du ſchüttern; ſagte Be würdevolle du Trennung können, meinen bi gerechten entgegen wäreſt, wollteſt de nahmſtgr ſichtaufei den Du ſe bund gen als auf tin. Wie nun von ſicht ford . nicht i bein, Tich! Für

nn den

derbieten danlun ſen und: