Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

Jaul.

rheſ

1 BL

Preis pro Heft zwanzig Bfennig.

as wird Ackermann bleiben laſſen! Die reichen Herren hüten ſich, für einen ſolchen Burſchen in die Schranken zu treten und dadurch ſich ſelbſt Unannehmlichkeiten zu⸗ zuziehen. Indeſſen hat die Sache noch immer ihren Haken; Becker kann in der That Alles wiſſen, was wir zu erfahren wünſchen, und dann wäre ein energiſches Vorgehen gegen ihn ſehr unklug. Wenn er ſich nicht einſchüchtern läßt, ſo

Ihn einzuſchüchtern, wird Ihnen ſchwerlich gelingen, ſagte Feldern raſch,der Mann ſcheint ein geriebener Burſche zu ſein, und Sie werden aus eigener Erfahrung wiſſen, wie vorſichtig man in der Behandlung ſolcher Leute ſein muß. Der Polizeirath beſitzt eine Photographie Kramer's

Darauf lege ich gar keinen Werth; nach einer Photographie die Identität eines gänzlich unbekannten Verbrechers feſtzuſtellen, iſt immerhin eine ſehr ſchwierige Sache. Bedenken Sie nur, wie leicht es iſt, die Aehnlichkeit mit einem photographiſchen Porträt zu tilgen. Eine andere Friſur oder eine andere Bartform bewirken das ſchon, nicht zu ge⸗ denken unzähliger an⸗ derer Mittel. Kennen Sie die Handſchrift dieſes Woldemar Kra⸗ mer?

Nein, aber wenn ich nicht irre, hat der Polizeirath jenen Schatz⸗ gräbervertrag mitge⸗ bracht, und es läßt ſich vermuthen, daß derſelbe von der Hand Kramer's geſchrieben iſt..

Nun denn, ſo ſchrei⸗ ben Sie ſofort dem Herrn und fordern Sie ihn auf, ohne Verzug hieher zu⸗ rückzukehren, oder aber die Photographie und den bewußten Vertrag einzuſenden. Ich glaube mit voller Sicherheit annehmen zu dürfen, daß Kramer hier iſt, daß er hier, in dieſer Stadt geſucht werden muß.

Wir müſſen nun warten, bis der Polizei⸗ rath hier wieder ein⸗ trifft, oder bis er uns den Vertrag eingeſchickt hat; ich werde alsdann die Handſchriften mit einander vergleichen und dadurch um einen bedeu⸗ tenden Schritt dem Ziele näher kommen. Strenge Verſchwiegenheit brauche ich Ihnen wohl nicht an⸗ zuempfehlen, Sie wiſſen ja ſelbſt, wie leicht

(

Louiſe, Großherzogin von Baden. Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolh,(S. 418.)

Roman von Ewald Auguſt König.

(Foriſetzung.)

(Nachdruck verboten.) durch eine vorzeitige Warnung die beſten Pläne durchkreuzt werden können!

Wir ſollen alſo gar nichts thun

Doch, Herr Juſtizrath, vorbereitende Schritte können jetzt ſchon gethan werden. Vorläufig muß unſer ganzes Augenmerk auf Becker gerichtet bleiben. Sie haben mit ihm in Verbindung geſtanden, es kann alſo nicht auffallen, wenn Sie ſich im Paßbureau erkundigen, wann er hier eingezogen iſt und wo er früher gewohnt hat. Ziehe ich dieſe Erkundigungen ein, ſo erregt das gleich Argwohn, und Becker könnte durch einen guten Freund davon in Kenntniß geſetzt und gewarnt werden.

Iſt das Alles, was Sie von mir verlangen?

Einſtweilen ja, von der Auskunft, die Sie erhalten, hängt es ab, ob wir nach dieſer Seite hin weitere Schritte thun müſſen. Inzwiſchen werde ich im Geheimen Erkundigungen über den Mann einziehen, nur wollen wir dabei nicht vergeſſen, daß vor der An⸗ kunft des Polizeiraths ein entſcheidender Schritt nicht gethan werden kann.

Und weiß Becker, daß der Brief gefunden worden iſt?

Nein, er wird es auch nicht erfahren.

Behaupten Sie das nicht ſo ſicher, ſagte Feldern achſelzuckend, der Gefangene könnte ihn durch einen Schließer davon in Kenntniß ſetzen laſſen.

Ich glaube nicht, daß er das wagen wird, erwiederte der Kom⸗ miſſär,die Gefangenen ſind in der Regel ſehr mißtrauiſch gegen die Schließer, und durch ſolche Benachrichtigung würde ja auch das Ge⸗ heimniß gefährdet, deſſen Enthüllung er ſo hart⸗ näckig verweigert. Aber Sie bringen mich da auf eine vortreffliche Idee, die ich wahrſcheinlich ausführen werde, ich muß mir das noch näher überlegen. Ich werde morgen wieder vorſpre⸗ chen, alſo noch einmal bitte ich um Verſchwie⸗ genheit und die größte Vorſicht.

Er reichte dem Juſtiz⸗ rath die Hand und eilte hinaus, ehe der Letztere ſeine Gedanken ſo weit gefammelt hatte, daß er eine weitere Frage an ihn richten konnte.

Er hatte jetzt eine

61