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M. Paul.
Jahrgang 1977.
Alle vierzehn Tage erſcheint ein Heft.
Dunkle Wege.
ch bitte Dich, halte ein!“ rief Guſtav, dem das Blut ſiedend heiß in die Stirne ſtieg.„Deine Vermuthungen ſind beleidigend und in keiner Weiſe begründet! Die Damen haben mich durchaus nicht ermuthigt, im Ge⸗ gentheil, es iſt mir ſchwer genug geworden, das Jawort Käthchens zu erhalten, und die ernſten Bedenken ihrer Mama zu beſeitigen.“ „Ach was, ich kenne dieſe Komödie, ſie iſt nur deshalb geſpielt worden, um Dich noch feſter zu ketten.“
„Keineswegs! Die Rechnungsräthin iſt eine höchſt ehrenwerthe⸗
und verſtändige Frau.“
„Aber ſie beſitzt keinen Groſchen!“
„Nun, eine Bettlerin iſt ſie auch nicht,“ erwiederte der junge Mann in gereiztem Tone,„und gegen ihre Stellung in der Geſell⸗ ſchaft läßt ſich ebenfalls nichts einwenden.“
Der Gutsbeſitzer zuckte die Achſeln.
„Du redeſt, wie Du es verſtehſt,“ ſagte er mit Geringſchätzung. „Wenn der Sohn eines Millionärs ſich mit einer Vermietherin mö⸗ blirter Wohnungen auf dieſelbe Stufe ſtellen will, ſo kann man nur bedauern, daß er ſich ſo tief erniedrigt.“
„Muß denn Alles nach dieſem Maß⸗ ſtabe gemeſſen werden? Käthchen iſt freilich unbemittelt, aber—“
„Bitte, verſchone mich mit Redensarten, die ich in jedem Ro⸗ mane leſen kann!“ fiel Bogen ihm in's Wort. „Ich ſage noch ein⸗ mal, ich bedaure, daß Du die Rückſichten vergeffen konnteſt, die Du Deiner Familie ſchuldeſt, aber ich hoffe, Du wirſt Deine Ver⸗ irrung einſehen und die Thorheit, die Du in der Uebereilung be⸗ gangen haſt, rückgängig machen.“
Guſtav konnte ſeiner Erregung kaum noch gebieten, der Hohn, mit dem ſeine Eröff⸗ nungen aufgenommen wurden, war geradezu beleidigend.
„Es handelt ſich hier nicht um eine Thor⸗ heit, ſondern um das Glück meines ganzen Lebens,“ ſagte er, während er die er⸗ 8— loſchene Cigarre im
Max v. Schlägel. Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolb.(S. 438.)
Roman von Ewald Auguſt König. (Fortſetzung.)
(Nachdruck verboten.) Aſchenbecher zerſtieß.„Ich liebe Käthchen, ich habe ſie geliebt von dem Augenblick an, in welchem ich ſie zum erſten Male ſah, meine Liebe wird erwiedert, und ich bin entſchloſſen, das verpfändete Wort unter allen Umſtänden einzulöſen.“
Der Gutsbeſitzer blieb äußerlich noch immer ruhig, aber die Taſſe klapperte in ſeiner Hand und zwiſchen ſeinen Brauen zeigte ſich eine tiefe Furche.
„Unter allen Umſtänden?“ fragte er mit ſcharfer Betonung.
„Ja, Vater, meine Ehre gebietet es mir!“
„So, ſo, Deine Ehre! Du biſt noch ſehr unſchuldig und un⸗ erfahren, Guſtav, und dieſe Unerfahrenheit hat man benutzt, um Dich in Netze zu locken, von denen Du keine Ahnung hatteſt, laß Dir das geſagt ſein. Lieber Himmel, ich nehme es ja der Frau nicht übel, daß ſie in dieſer Weiſe für ihre Tochter geſorgt hat, man wünſcht ſeinem Kinde ja immer eine ſorgenfreie glänzende Zukunft, und Du biſt, wie ich vorhin ſchon bemerkte, der Sohn eines Millionärs
„Gerade das gab der Mutter Käthchens Anlaß zu ernſten Be⸗ ſorgniſſen,“ unterbrach Guſtavihn,„ſieäußerte die Befürchtung, Du werdeſt deshalb Deine Zuſtimmung nicht ge⸗ ben, weil ihre Tochter unbemittelt ſei.“
„Komödie!“
„Du urtheilſt ſehr ſcharf!“
„Ich urtheile nach den Thatſachen, und Du wirſt gut thun, auf meinen Rath zu hören, denn er ſtützt ſich auf Menſchen⸗ kenntniß und reiche Erfahrungen. Der Liebesrauſch verfliegt raſch, folgt ihm die Reue, dann iſt das Erwachen ſchrecklich, ich möchte es Dir nicht wünſchen.“
„Ichfürchte esnicht. Unſere Liebe iſt wahr und innig—“
„Redensarten, ich ſage Dir das noch einmall Sei ver⸗ nünftig, Guſtav, und blicke einmal recht ernſt in Deine Zu⸗ kunft. Du wirſt nach meinem Ableben Haus ANN Plettenberg und eine 8 d 5 RNW. ſehr bedeutende Sum⸗ N S A me in Werthpapieren erben, kannſt Du von einem ſo ſchlicht erzogenen Mädchen 64
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