Jahrgang 
14-26 (1877)
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erwarten, daß es die Honneurs eines ſolchen Hauſes machen

4²² Illuſtrirte Chronik der Zeit.

wird?

Ich verlange das nicht.

Der Gutsbeſitzer konnte ſein Erſtaunen über dieſe Antwort nicht verhehlen, es ſpiegelte ſich zu deutlich in dem ſtarren Blick, mit dem er ſeinen Sohn anſchaute.

Du wirſt doch hier in Plettenberg nicht das Leben eines Ein⸗ ſiedlers führen wollen? fragte er.

Deine Gaſtfreundſchaft in Ehren, Papa, aber meine Paſſion iſt es nicht, ein großes Haus zu machen und offene Tafel zu halten, erwiederte der junge Mann ernſt.Und ich würde dazu wohl auch nicht die Mittel haben, denn nur die Hälfte Deines Vermögens wird mir zufallen. Und wenn Du, wie ich zu Gott hoffe, uns noch recht, recht lange erhalten bleibſt, dann kann ich längſt graue Haare haben, ehe ich in den Beſitz dieſes Schloſſes komme. Alſo kommen wir darauf nicht weiter zurück; Käthchen wird es als die Aufgabe ihres Lebens betrachten, mich glücklich zu machen, und das iſt das Höchſte, was man von einer Gattin er⸗ warten und verlangen darf. Ich verlange ja nichts weiter von Dir, als Deine Einwilligung, der Gewinn, den unſer Geſchäft für mich abwirft, reicht hin, die Exiſtenz einer Familie ſicher zu ſtellen

Läßt dieſer Gewinn ſchon jetzt ſich ſo genau berechnen? ſpottete Bogen.Ich möchte das ſehr bezweifeln! Dieſes Ge⸗ ſchäft ſoll drei Familien ernähren, und außer dem Kapital, welches Du eingelegt haſt, ſind keine anderen Fonds vorhanden.

Otto Wurzer hat mir die Verſicherung gegeben

Ach was, der behauptet auch mehr, wie er verantworten kann! Und wäre auch Deine Behauptung der Wahrheit entſprechend, ſo würde ich mich doch, wenn ich es beſſer haben könnte, für eine ſo armſelige Exiſtenz bedanken. Du kannſt andere Anſprüche an das Leben machen, Guſtav, und es wäre thöricht, wollteſt Du darauf verzichten. Weshalb jetzt ſchon an die Ehe denken? Du magſt damit immerhin noch einige Jahre warten. Und wenn Du dann den eigenen Herd gründen willſt, nun, dann triff auch eine ver⸗ nünftige Wahl, bei der unſere Stellung und unſer Reichthum berückſichtigt wird.

Meine Wahl iſt getroffen! fiel Guſtav dem alten Herrn ent⸗ ſchloſſen in die Rede.Ein Mann von Ehre nimmt niemals ſein Wort zurück, und meine Ehre iſt mir ſtets heilig geweſen. Ich habe nicht nöthig, auf eine bedeutende Mitgift zu ſehen, Bertha hat es gethan und dadurch ihr Lebensglück verſcherzt

Wie kannſt Du das behaupten?

Ich behaupte es und die kommenden Ereigniſſe werden es be⸗ weiſen; Bertha iſt nicht glücklich und wird es, ſo lange ſie an dieſen Mann gefeſſelt bleibt, niemals werden.

Ach was, darüber zu urtheilen biſt Du noch zu jung, ſagte der Gutsbeſitzer ärgerlich.Wenn Bertha geneſen iſt und der Herbſt mit ſeinen Soireen und anderen geſellſchaftlichen Vergnügungen kommt, wirſt Du ſchon anders reden. Ich habe ihre Wahl ge⸗ billigt und billige ſie heute noch, und ich glaube nicht, daß Bertha ſelbſt ſie jemals bereuen wird.

Es iſt bereits geſchehen!

Mit Deinen Vermuthungen wirſt Du mich nicht irre machen!

Vermuthungen? Bertha ſelbſt hat es mir geſagt.

Bertha iſt krank, und Kranke ſind immer unzufrieden und verſtimmt. Sie ſollte ſich um die Angelegenheiten ihres Mannes nicht weiter kümmern, dadurch würde ſie ſich viel Aerger erſparen.

Der junge Mann heftete den Blick ernſt und voll auf das ge⸗ röthete Antlitz des Vaters.

Ich bitte noch einmal um Deine Einwilligung, ſagte er mit leiſe bebender Stimme,Mama wird dann wohl auch ihre Zu⸗ ſtimmung geben. Du darfſt überzeugt ſein, daß dieſe Verbin⸗ dung das Glück meines Lebens begründet

Genug! unterbrach Bogen ihn mit einer abwehrenden Be⸗ wegung.Ich gebe meine Zuſtimmung zu dieſer Verbindung nicht.

Dann iſt es auch nicht Dein Wunſch, mich glücklich zu ſehen! erwiederte Guſtav, den gereizten Ton wieder anſchlagend.

Du kennſt Käthchen nicht

Ich wünſche auch nicht, ſie kennen zu lernen! Du mußt nun ſelbſt wiſſen, was Du zu thun und zu laſſen haſt, nur möchte ich Dich dringend bitten, das Mädchen nicht hieher zu bringen, ich werde weder für ſie noch für ihre Mutter zu Hauſe ſein. Mit Fluch und Enterbung drohen zu wollen, wäre lächerlich, ich habe keine Luſt, die Rolle einer Romanfigur zu ſpielen, auch möchte ich

Der alte Herr hatte das mit einer wahrhaft unheimlichen Ruhe geſprochen, er ſchien ſich in das Unabänderliche der Thatſache völlig hineingefunden zu haben, aber es lag in dieſer Ruhe doch etwas Boshaftes und geradezu Verletzendes, was die Erbitterung Guſtavs nur ſteigern konnte.

Und iſt das Dein letztes Wort? fragte der Letztere, mühſam an ſich haltend.Genügt der Umſtand, daß meine Braut keine Mitgift beſitzt, Dir wirklich als Grund für Deine Weigerung?

Der Gutsbeſitzer zündete eine neue Cigarre an und legte das glimmende Zündhölzchen in den Aſchenbecher.

Vor einiger Zeit hegte ich die thörichte Hoffnung, mit der Familie v. Frankendorf in verwandtſchaftliche Verbindung treten zu können, erwiederte er ironiſch.Da iſt mir ziemlich unver⸗ blümt bedeutet worden, Jeder müſſe in ſeinem Stande bleiben und die Schranken achten, die ihm gezogen ſind. Gilt das nach oben, ſo gilt es noch mehr nach unten; ein Ueberſteigen der Schranken nach oben bringt mir Ehre, nach unten erniedrigt es mich.

Der Geldſtolz! fuhr Guſtav auf, aber der alte Herr befahl ihm durch einen gebieteriſchen Wink Schweigen.

Ereifern wir uns nicht, fuhr er fort,bittere Worte wür⸗ den an der Sache ſelbſt nichts ändern, wohl aber uns aufregen, und Du weißt, ich liebe das nicht. Uebrigens iſt der Geldſtolz ebenſo berechtigt, wie der Adelsſtolz, und ein Schrank voll ſolider Werthpapiere iſt mir lieber, als ein Adelsbrief. Der Herr Baron v. Frankendorf hätte beſſer ſeinen Stolz fahren laſſen und mit meinem Gelde ſein Wappen neu vergoldet, es iſt im Laufe der Zeit roſtig geworden.

Zwiſchen dem Adel und dem Bürgerthume war von jeher eine hohe Schranke

Zwiſchen dem Reichthum und der Armuth auch! Genug der Worte! Alles, was Du mir noch ſagen könnteſt, weiß ich ſelbſt; ich kenne dieſe Phraſen, die in der Theorie recht hübſch lauten, aber im praktiſchen Leben keinen Werth haben. Willſt Du das übereilt gegebene Wort zurücknehmen, ſo bin ich gern bereit, Dir über etwaige Schwierigkeiten hinweg zu helfen, eine längere Reiſe wäre in dieſem Falle rathſam.

Das wird niemals geſchehen! rief Guſtav, von ſeinem Seſſel empor ſpringend.

Nun, ich möchte Dir doch rathen, das reiflich zu überlegen, fuhr der alte Herr fort.Das Wort kann in der Uebereilung ge⸗ geben worden ſein

Selbſt in dieſem Falle würde ich es nicht brechen! Und wollte ich es, ſo könnte ich es nicht, nicht das Gewiſſen allein, auch das Herz verbietet es mir. Muß ich die Wahl treffen, nun, dann iſt ſie ſchon getroffen, ich kann und werde von dem Mädchen nicht laſſen. 3 Die gepreßte Stimme, mit der Guſtav die letzte Erklärung ge⸗ geben hatte, ließ deutlich erkennen, wie ſchwer ſie ihm geworden war, aber auch das machte auf den alten Herrn keinen Eindruck.

Du mußt das wiſſen, ſagte er achſelzuckend.Deine Mutter wird dieſe Eröffnung nicht ſo ruhig hinnehmen, deshalb rathe ich Dir, vorerſt nicht wieder nach Plettenberg zu kommen, Dein Beſuch würde nur zu einer peinlichen Scene führen, die ich ſchon wegen unſeres Dienſtperſonals vermieden ſehen möchte.

Die Lippen feſt auf einander gepreßt, ſtand Guſtav dem alten Herrn gegenüber, es ſchien faſt, als ob er eine heftige Erwiederung geben wolle, aber wenn er dies wirklich beabſichtigte, ſo kam er nicht dazu, denn eben öffnete der Kammerdiener die Thüre und Richard Ackermann trat in das Zimmer. Dem ſcharf beobachten⸗ den Blicke des Eintretenden konnte es nicht entgehen, daß zwiſchen Vater und Sohn eine Scene ſtattgefunden hatte, aber er gab ſich den Anſchein, als bemerke er davon nichts, lächelnd reichte er zu⸗ erſt dem alten Herrn, dann ſeinem Schwager die Hand.

Guſtav war nicht in der Stimmung, an der Unterhaltung, die ſich nun entſpinnen mußte, Theil zu nehmen, er kannte auch den Eigenſinn ſeines Vaters zu genau, um nicht zu wiſſen, daß er an eine Zurücknahme der Weigerung vorläufig nicht denken durfte; unter dieſen Umſtänden hielt er es für das Beſte, ſich zu ent⸗ fernen und über die ferneren Schritte, die nun gethan werden mußten, vorher mit Wurzer zu berathen.

Ackermann blickte den alten Herrn, als die Thüre hinter ſeinem Schwager ſich geſchloſſen hatte, fragend an.

Ich ſtöre doch nicht? fragte er.

Im Gegentheil, erwiederte der Gutsbeſitzer raſch,es iſt mir

verhüten, daß Du ſpäter mir den Vorwurf machen könnteſt, ich habe einen Zwang auf Dich geübt und dadurch Dich unglücklich gemacht. Wählen mußt Du freilich zwiſchen Deiner Familie und Deiner Braut. Die Wahl wird Dir wahrſcheinlich nicht ſchwer fallen, nur möchte ich Dir wünſchen, daß Du nicht ſpäter ſie be⸗ reuen mögeſt.

ſogar ſehr angenehm, daß Sie durch Ihren unerwarteten Beſuch dieſer Unterredung ein Ende gemacht haben. Ihre Vermuthung war leider richtig, Guſtav hat ſich bereits mit der Tochter der Frau Freimuth verlobt.

Ein ſpöttiſches Lächeln glitt über das bleiche Geſicht Ackermann's, wlangſam ſtrich er mit der Hand über den ſchwarzen Vollbart.

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