Jahrgang 
14-26 (1877)
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er Adjutant erbrach das Siegel und zog den Brief aus dem Verſteck.

Hochgeehrter Herr! las er. die Ehre meiner Tochter anzugreifen, weil ſie mit dem Herrn Rittmeiſter v. Pillnitz befreundet geweſen iſt. Dieſer Verleumdung mit aller Energie entgegen zu 2 treten, halte ich für meine unabweisbare Pflicht, und

ich erwarte von Ihnen, dem Edelmann und dem Freunde des Herrn v. Pillnitz, daß Sie in dieſem Beſtreben mich unterſtützen werden. Sie waren der beſte Freund des Herrn Rittmeiſters, Sie

(Fortſetzung.)

Man wagt es,

werden alſo auch wiſſen, wie unbegründet dieſe Behauptungen ſind,

Tochter einen Makel zu werfen.

Sie werden die Gründe verſtehen,

die mich wünſchen laſſen, mit Ihnen Rückſprache darüber zu nehmen, und ſo erlaube ich mir die ergebene Anfrage, ob und wann ich bei Ihnen vorſprechen oder aber um die Ehre Ihres Beſuchs

Lᷓ. 5=

Roman von Ewald Auguſt König.

haben. Das Herz? ſagte er. Jeanette ſchlug verwirrt die Augen nieder. Ich will es Dir nachher ſagen, antwortete ſie,hat Dich

Alle vierzehn Tage erſcheint ein Hefl.

(Nachdruck verboten.)

weniger als ſchmeichelhaften Inhalt durfte er keine Kenntniß er⸗ halten.

Joſeph erkundigte ſich nach Jeanette, er fand die hübſche Zofe in dem Vorzimmer ihrer Herrin, und ihre ernſte gedankenvolle Miene fiel ihm ſofort auf.

Es ſtimmt hier im Hauſe wohl nicht fragte er ſcherzend, machſt ja ein Geſicht, als ob Du Eſſig getrunken hätteſt.

Hat Alles ſeine Urſachen, erwiederte Jeanette, die Lippe trotzig aufwerfend,lachen und ſingen kann man auch nicht im⸗ mer, und dann erſt recht nicht, wenn Einem das Herz ſchwer iſt.

Betroffen blickte Joſeph ſie an; was konnte denn die Stim⸗

Was macht Dir denn Sorgen?

die nur darauf berechnet zu ſein ſcheinen, auf die Ehre meiner V mung des ſonſt ſo heiteren Mädchens in ſo hohem Grade getrübt

bitten darf. Ihrer gütigen Antwort entgegenſehend, bleibe ich mit vorzüglicher Hochach⸗

tung Ihr ergebener Robert Bogen. Kurt faltete gedan⸗ kenvoll den Brief wieder zuſammen. Was küm⸗ merte denn ihn die

ganze Sache? Es war

ihm nicht eingefallen, einen Stein auf die junge Frau zu werfen, alſo konnte ihm auch keine Verpflichtung auf⸗ erlegt werden, ſie zu vertheidigen.

Sagen Sie dem Herrn Rittergutsbe⸗ ſitzer, ich ſei im Begriff, eine Reiſe anzutreten, von der ich erſt nach einigen Tagen zurück⸗ kehren würde, wandte er ſich zu dem Kam⸗ merdiener,ſofort nach meiner Rückkehr werde ich den Brief beant⸗ worten.

Joſeph mußte mit dieſer Antwort ſich be⸗ gnügen; ſchweigend zog er ſich mit einer Ver⸗ beugung zurück.

Er hatte noch einen Brief in der Taſche, den er ebenfalls abgeben ſollte, zu dieſem Zwecke ſchlug er den Weg zum Hauſe Ackermann's ein.

Es war ein Brief der Frau Bogen an ihre Tochter, Acker⸗ mann ſollte von dem⸗ ſelben nichts erfahren, von dem für ihn nichts

die

Proöfeſſor Karl Richard Lepſius. Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolb.

Herrſchaft hieher geſchickt?

Ja, ich ſoll dieſen Brief abgeben, aber Dein Herr darf davon nichts wiſſen.

Der wäre der Letzte, dem ich etwas verrie⸗ the! ſagte die Zofe achſelzuckend, während ſie den Brief in Em⸗ pfang nahm und prü⸗ fend die Adreſſe be⸗ trachtete.Madame hat den Brief geſchrieben, wie?

Jawohl, aber den Inhalt kenne ich nicht.

Sollſt Du auf Ant⸗ wort warten?

Davon iſt mir nichts geſagt worden.

Dann warte hier ſo lange, ich muß nachher noch mit Dir reden.

Das Mädchen ging mit dem Brief in's Boudoir, Joſeph ſetzte ſich auf einen Stuhl und holte ein Bürſtchen aus der Taſche, mit dem er einige Mal über das ſorgfältig friſirte Haupt ſtrich.

Nach wenig Minuten kehrte Jeanette zurück.

Eine Antwort iſt nicht nöthig, ſagte ſie, die gnädige Frau läßt ihre Frau Mutter bit⸗ ten, ſie recht bald zu beſuchen.

Ich werde es be⸗ ſtellen, erwiederte der Kammerdiener, ſie er⸗

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