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o lange ich lebe, habe ich die Entdeckung noch nicht gemacht, daß die Menſchen dankbar ſein können,“ erwie⸗ derte der Schließer,„und von einem Subjekt, wie Valentin Krumm, würde ich es am wenigſten erwarten. Sie haben vielleicht dem Schreiber des Briefes einen Gefallen erzeigt, der Sie in große Unannehmlich⸗ keiten bringt, wenigſtens glaube ich das aus Ihren Worten entnehmen zu müſſen.“
„Mag ſein, aber es iſt geſchehen!“
„Und wenn's zum Klappen kommt, würde ich auch kein Blatt vor den Mund nehmen und mich nicht lange bedenken, den Anderen die Suppe auslöffeln zu laſſen.“
Cin höhniſches Grinſen verzerrte das Geſicht des alten Mannes.
„Vielleicht denke ich darüber doch anders,“ erwiederte er,„aber ſo weit ſind wir ja noch nicht. Alſo kommen Sie am näch⸗ ſten Sonntag wieder, oder vielleicht iſt es beſſer, daß ich zu Ihnen komme.“
„Sie zu mir?“ ſagte der Schließer. „Ich glaube nicht, daß Sie meine Woh⸗ nung finden wür⸗ den, ein armer Teu⸗ fel, wie ich, muß mit einem Hunde⸗ ſtall vorlieb nehmen. Ich werde kommen, faſſen Sie nur bis dahin einen Ent⸗ ſchluß.“
Er ließ dem alten Manne keine Zeit zu einer Erwiederung, mit auffallender Haſt eilte er hinaus.
Als er die Treppe hinunterſtieg, ſah er auf dem Hausflur eine dunkle Geſtalt, von der er nur die äußeren Umriſſe un⸗ terſcheiden konnte.
„Wer iſt da?“ fragte eine helle Stimme.
„Was kümmert es Sie?“ erwiederte der Schließer grob. „Gibt's hier im Hauſe
Spione?“
„Spitzbuben viel⸗ leicht!“ ſagte das Mädchen, indem es raſch eine Thüre öff⸗ NNK nete,„ehrliche Leute XX ANRNRN nennen ihren Na⸗
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men.“ Großfürſt Nikolaus Nikolajewitſch von Rußland, Kommandant der ruſſiſchen Donan⸗Armee⸗(
Jahrgang 1877.
Alle vierzehn Tage erſcheint ein Hefl.
Dunkle Wege. Roman von Ewald Auguſt König. (Fortſetzung.)
(Nachdruck verboten.) Ein breiter Lichtſtreifen fiel auf den Korridor, und in dieſem Licht ſtand jetzt der Schließer.
„Hoho, halten Sie mich für einen Dieb?“ rief er in barſchem Tone.„Nehmen Sie ſich in Acht, Jungfer, ich gehöre nicht zu den Leuten, die eine Beleidigung ſchweigend einſtecken!“
„Was thun Sie denn in dieſem Hauſe?“ fragte ſie neugierig.
„Darf man die Leute, die in dieſem Hauſe wohnen, nicht beſuchen?“
„Ach ſo, Sie waren bei dem alten Herrn, bei dem Sekretär?“
Der Schließer gab ihr keine Antwort, er verließ das Haus, und als er eine kurze Strecke zurückgelegt hatte, ſtieß er abermals auf eine dunkle Geſtalt, die regungslos an der Mauer ſtand.
„Alles in Ordnung?“ fragte eine leiſe Stimme.
„Jawohl,“ erwiederte der Schließer,„aber ich fürchte, Sie werden von hier aus nicht ſehen können, ob Jemand das Haus verläßt.“
„Dafür laſſen Sie mich ſorgen. Gehen Sie in's Bureau?“
„dl.“
„Wittich hat heute die Nachtwache, ſa⸗ gen Sie ihm, ich ſei auf meinem Poſten.“
Der Schließer nickte zuſtimmend und ſchritt weiter; eine halbe Stunde ſpäter trat er in das Bu⸗ reau des Polizeikom⸗ miſſärs Wittich, der ihn erwartet zu haben ſchien.
Der Aufforderung des Kommiſſärs Folge leiſtend, nahm er⸗ Platz, dann be⸗ richtete er ſeine Un⸗ terredung mit dem Sekretär ſo wortge⸗ treu, wie ſein Ge⸗ dächtniß es ihm er⸗ laubte.
Wittich hörte ſchweigend zu und machte einige No⸗ tizen.
„Es ſteht alſo feſt, daß er dem Müller den Brief anvertraut hat,“ ſagte er,„da⸗ durch haben wir ſchon viel erreicht. Daß er den Brief ge⸗ ſchrieben hat, will er nicht zugeben?“
„Er behauptet, ein Anderer habe es ge⸗ .459.) than,“ antwortete der
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