Jahrgang 
14-26 (1877)
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440 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

loren. Mit dieſer unverantwortlichen Grauſamkeit wich auch das Kriegs⸗ glück von Tilly, denn kaum hatte er am 4. September Leipzig durch Ka⸗ pitulation genommen, ſo ward er, der Sieger in 36 Schlachten, am 7. September auf dem Breitenfeld bei Leipzig von Guſtav Adolph furcht⸗ bar auſ's Haupt geſchlagen und entkam, dreifach verwundet, nur mit Mühe den verfolgenden Schweden. Er eilte nach Halberſtadt, um Ver⸗ ſtärkungen an ſich zu ziehen, mußte Sachſen preisgeben, zog nach Bayern, welches von den Schweden bedroht wurde, und nahm eine feſte Stellung bei Rain, um dieſen den Lechübergang zu wehren. Guſtav Adolph rückte indeß trotzdem heran, nahm Tilly gegenüber Stellung, ließ alle ſeine Ge⸗ ſchütze auffahren und drei Tage lang ein ſo lebhaftes Geſchützfeuer unter⸗ halten, daß er, begünſtigt von dem Pulverdampf, den der Wind den Kaiſerlichen zutrieb, eine Brücke ſchlagen und einen Theil ſeiner Truppen überſetzen konnte, ehe Tilly noch eine Ahnung davon hatte. Als dieſer ſich nun am 5. April 1632 an der Spitze ſeiner beſten Truppen den Schwe⸗ den entgegenwarf, ward ihm von einer Falkonetkugel der Schenkel zerſchmet⸗ tert, und er mußte, wie unſer Bild zeigt, vom Schlachtfeld weggetragen und nach Ingolſtadt geflüchtet werden, denn die Bayern und Kaiſerlichen wurden von den Schweden aus ihrer Stellung bei Rain am Lech ver⸗ drängt. Kurfürſt Maximilian von Bayern hatte den ſchwerverwundeten Feldherrn ſelbſt nach Ingolſtadt gebracht und Alles aufgeboten, um ſein Leben zu retten; allein dieſer erlag hier am 30. April 1632 ſeiner Wunde, und mit ihm ging der katholiſchen Liga viel verloren. Er war ein echtes Kind ſeiner Zeit, aber ein groß angelegter Charakter. Streng gegen ſich und Andere, beobachtete er mit größter Gewiſſenhaftigkeit alle Gebote

und Satzungen ſeiner Kirche, ſah aber dem Soldaten nicht auf die Finger,

wenn derſelbe nur ſeinen Dienſt pünktlich that. Mit einer ſeltenen Härte und Zähigkeit des Charakters, die ſich ſchon in ſeinen funkelnden Augen und ſtarren finſteren Zügen ausſprach, verband er eine beinahe kindliche Einfachheit und Beſcheidenheit, haßte allen Aufwand und alles Schaugepränge, war gleichgiltig gegen äußere Ehrenbezeugungen und nahm vom Kaiſer niemals baares Geld zum Geſchenk, weil er wußte, daß das Reichsoberhaupt deſſen niemals genug zum Kriegführen hatte.

Die Säulen-Ordnungen in der römiſchen Baukunſt. (Mit 4 Bildern auf S. 432 u. 433.

Die Anwendung der Säule als Stütze einer darüber ruhenden Laſt iſt in ihrer roheſten Form ſchon den älteſten Völkern bekannt geweſen. Sobald aber Formenſinn und Kunſttrieb ſich höher entwickelten, genügte dem Menſchen die einfache rohe Form der Stütze nicht mehr, ſondern er bemühte ſich, dem Pfoſten eine gewiſſe mathematiſche Form und gefällige Verhältniſſe zu geben und die einzelnen Theile der Stütze nach ihren Zwecken etwas deutlicher zu kennzeichnen, namentlich die Verhältniſſe von Tragendem und Getragenem, von Stütze und Laſt augenfällig hervorzuheben. Darum ſehen wir ſchon in den der Anfangsperiode einer wirklichen Baukunſt angehörenden Säulen eine ſinnige Anordnung ihrer drei Theile: der Baſis oder des Säulenſtuhls, welcher wie von der Laſt breit gedrückt erſcheint; des Stammes oder Schaftes der Säule, der ſich nach oben ver⸗ jüngt, und des Kapitells oder des Säulenknaufs, welcher die Verbindung mit der darüber ruhenden Laſt oder dem Gebälke vermittelt. Dieſe Idee verwirklicht ſich bereits in der Baukunſt der älteſten Völker: der Inder, Egypter, Aſſyrer, Babylonier, Meder, Chaldäer, und bald wird die Säule zum kennzeichnenden Schmuck des jeweiligen Styles. Noch deutlicher tritt die Entwickelung der Säulen in der Architektur der Griechen auf, welche nach den einzelnen Bauperioden und Zeitaltern den doriſchen, joniſchen und korinthiſchen Bauſtyl mit ihren kennzeichnenden Säulenformen an⸗ wandten. Von Griechenland wanderten Baulunſt und Bauſtyle hinüber nach Italien; hier an den Ueberbleibſeln der römiſchen Baukunſt, wie ſie uns noch heutzutage im alten Rom u. ſ. w. vor Augen kommen, können wir aber nicht blos drei, ſondern vier geſonderte Säulendordnungen deutlich unterſcheiden, welche die Römer in den verſchiedenen Perioden ihrer Baukunſt anwandten und nicht allein aus den drei Stylen der Griechen um⸗ gebildet hatten. Die älteſte der vier römiſchen Säulenordnungen war die etruskiſche oder toskaniſche(Fig. 3, S. 433), von den alten Etruskern entlehnt und in keinem vollkommen originalen Beiſpiel mehr vorhanden, ſondern nur aus einzelnen Ueberbleibſeln und aus Vitruv's Schilderungen der etruskiſchen Tempel bekannt; dann kommt die doriſche Ordnung(Fig. 1, S. 433), die Säule mil 20 flachen Kannelirungen ohne Fuß, nur auf einer Platte, Stylobat, ſtehend, als Bekrönung ein Wulſt und eine viereckige Platte. Bedeutend reicher ausgebildet und gegliedert iſt die joniſche Säulenordnung(Fig. 2, S. 433), bei welcher der Fuß aus ſchön ver⸗ theilten Wülſten und Hohlkehlen beſteht, der Säulenſchaft höher und ſchlanker und mit 24 Kannelirungen verſehen iſt und das Kapitell ſtatt des einfachen Echinus des doriſchen Styls eine reichverzierte Bildnerarbeit von Eier⸗ und Perlſtab zeigt und an den Seiten in großen Schnecken oder Voluten endigt, während das darüber liegende Gebälke, Fries, um vieles höher und reicher und zum Bilderträger wird und darüber noch ein prachtvolles Kranzgeſimſe liegt. Die höchſte künſtleriſche Schönheit und reichſte Ornamentik aber entfaltet die jüngſte der vier Säulenordnungen, die korinthiſche(S. 432), deren Baſis und Säulenſchaft im Weſent⸗ lichen von der joniſchen Ordnung entlehnt und nur ſeiner ausgearbeitet ſind, während die Säule ſelbſt höher und ſchlanker iſt und ein pracht⸗ volles reich verziertes Kapitell in Geſtalt eines erſchloſſenen und oben erweiterten Blumenkelches trägt. Architrav, Fries und Kranzgeſims, die auf dem reichen korinthiſchen Kapitell ruhen, ſind dabei ebenfalls aus dem joniſchen Style entnommen, jedoch höher angeordnet und durch reichere

Ausbildung und bildneriſchen Schmuck ausgezeichnet. 3

Die Welwitſchia mirabilis.

(Mit Bild auf S. 436)

Selbſt das Wenige, was wir von Afrika kennen, iſt noch lange nicht genau genug erforſcht. Als Beweis dafür, wie für das Bizarre und Ungewöhn⸗ liche der afrikaniſchen Pflanzen⸗ und Thierwelt, führen wir unſeren Leſern eines der ſeltſamſten Gewächſe der geſammten lebenden Schöpſung vor, welches der Botaniker Dr. Welwitch erſt 1863 auf den längſt bekannten wüſtenarligen ſandigen Hochebenen der afrikaniſchen Weſtküſte am Kap Negro zwiſchen 15⁰ 14 und 140 ſüdlicher Breite entdeckt und der jüngere Hooker nach dem Namen dieſes Entdeckers Welwitschia mirabilis, die wunderbare Welwitſchie, genannt hat. Und fürwahr, dieſes etwa zwei Fuß hohe Gewächs iſt eine der wunderbarſten Pflanzen, welche wir ſeither auf dem Erdkreiſe kennen gelernt haben, ein Baum ohne ſich über den Boden erhebenden Stamm, ohne Krone und Blattwerk, ein Strauch, der noch eigenthümlicher geformt iſt als die ſeltſamſten Cactusarten, und den man nur einem vegetabiliſchen Kreiſel vergleichen kann. Auf einer dicken Pfahlwurzel ruht ein von ihr auslaufender gedrungener, kegelſörmiger Stamm tief in der Erde, und dieſer trägt eine breite, von konzentriſchen Riſſen durchfurchte Scheibe tiſchartig auf ſeinem Ende. Von dieſer Scheibe laufen beiderſeits zwei lederartige, je zwei Spannen breite und gegen ſechs Fuß lange Lappen aus(vergl. unſer Bild S. 436) und ſcheinen dieſer kiſchartigen Schüſſel Halt zu geben, damit dieſelbe nicht in den Boden verſinke. Ob dieſe blattartigen Lappen aber bleibende Samenlappen oder wirkliche Blätter ſind, iſt noch nicht genau ermittelt. Indeß iſt die ſchüſſelförmige Scheibe ein ſehr wichtiges Organ und bildet Blüthenkrone und Blüthenboden zugleich, denn auf ihrer Peripherie brechen die ſcharlach⸗ rothen, gleich Fichtenzapfen geformten Blüthen bündelartig hervor. Dieſe ſchuppenförmig über einander angeordneten fingerlangen Blüthen verleihen dem eigenartigen, trübe gefärbten Gewächſe Ton und Leben. Man unter⸗ ſcheidet deutlich männliche und weibliche Blüthen mit einer vierblätterigen Blumenkrone; die weibliche Blüthe beſteht aus einem einzigen aufrechten Ei in einer zuſammengedrückten ſchlauchartigen Kelchhülle. Der reife Zapfen iſt viereckig und enthält in jeder Schuppe einen geflügelten Samen mit cylindriſchem Keimling, ſo daß man darin einige Aehnlichkeit mit den zapfentragenden Bäumen ſehen wollte und die Welwitſchia(obwohl mit Unrecht) den Guntaceen beigezählt hat. Das Holz dieſes merkwürdigen Gewächſes iſt nach außen ſehr hart, nach innen weich und zellig und ſchwitzt gelegentlich ein Harz aus, welches man tumbo heißt. Das Wun⸗ derbarſte an dieſem merkwürdigen Gewächſe aber iſt wohl ſeine genaue Anpaſſung an das Weſen ſeiner Heimath und die Thatſache, daß die geflügelten Samen trotz des glühendſten Sonnenbrandes auf dem wüſten⸗ artigen Boden, auf dem gänzlich waſſerloſen Quarzſchiefer leicht keimen, wie auch die Pflanze mitunter eine Lebensdauer von hundert und mehr Jahren erreichen ſoll.

Charade. Die Erſten Zwei ſind eine Pflanze, die Von Wichtigkeit iſt für die Induſtrie. Die Letzte aber kann der nicht entbehren, Der rechnen lernt oder es will lehren. Das Ganze iſt ein wunderliches Weſen, Von dem's manch' hübſches Märchen gibt zu leſen. M. Booch⸗Arkoſſy Auflöſung folgt im nächſten Heft.

Auflöſung des Räthſes vom 21. Heft: Zoll

Bilder-Räthſel

Auflöſung folgt im nächſten Heft.

Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 21. Heſt: Der hat gut tanzen, dem das Glück auſſpielt.

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5 6 ke Worken entneh Mag ſei Und wei vor den Mund die Suppe aus Ein höhn Vielleich ſo weit ſind noch nicht. kommen Sieae ſten Sonntag oder vielleicht beſſer, daß Ihnen komme

Sie zu ſagte der Sa Ich glaube daß Sie meine nung finden den, ein arme fel, wie ich, mit einem ſtall vorlieb n Ich werde ko faſſen Sie n dahin einen ſchluß.

Er ließ der Manne keine einer Erwies mit aufffallend eilte er hinau

Als er die hinunterſtigg, auf dem H. eine dunkle( von der er i außeren Umre terſcheiden ko Wer iſt ſragte eine Stiname. ernn küm

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Schlicßer Gibb'shieri Spione?