Jahrgang 
14-26 (1877)
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Preis pro Heft zwanzig Bfennig.

ber dieſe Gründe können ſchlau erſonnen ſein! fuhr 8 der Kommiſſär mit leiſer Stimme fort, während der Makler mit ſeiner fetten Hand die Schweißtropfen von der Stirne ſtrich.Wer iſt dieſer Sekretär? Nie⸗ mand kennt ihn, er war vor Kurzem noch ein armer Teufel, der mit Gelegenheitsgedichten hauſirte, um ſein Leben kümmerlich zu friſten. Muß es nicht be⸗ fremden, daß der reiche Herr dieſem Manne ſo großes Vertrauen ſchenkt? Wäre es nicht einfacher und ſicherer geweſen, wenn Acker⸗ mann ſich mit Ihnen direkt in Verbindung geſetzt hätte?

Hm, das iſt allerdings richtig, aber

Hören Sie weiter, ich gehe einer Sache immer auf den Grund und betrachte ſie von allen Seiten, um mir ein richtiges Urtheil zu bilden. Kann dieſer Sekretär nicht ohne Vorwiſſen ſeines Herrn handeln?

Wie wäre das möglich?

Bah, möglich iſt Alles, man muß nur das Talent beſitzen, die Sache richtig anzufaſſen. Der Sekretär verkauft hinter dem Rücken ſeines Herrn auf Grund einer gefälſchten Vollmacht und anderer, ebenfalls gefälſchter Papiere Haus und Mobiliar und macht ſich mit der Kaufſumme oder einem Theile der⸗ ſelben aus dem Staube, wozu er ſich eine Friſt von zehn Tagen aus⸗ bedungen hat. Der Käufer mag dann ſpäter ihn verfolgen, um ſein Geld iſt er jedenfalls geprellt und Herr Acker⸗ mann in keiner Weiſe verpflichtet, den Schaden zu erſetzen.

Aber dieſer Betrug iſt ſchon deshalb un⸗ möglich, weil Acker⸗ mann ſelbſt vor dem Notar erſcheinen und das Geld in Empfang nehmen muß! ſagte der Makler betroffen.

Ach was, dieſe Ver⸗ pflichtung kann ſehr leicht umgangen wer⸗ den! Der Sekretär legt ſeine Vollmacht vor und erklärt, Unpäßlichkeit verhindere ſeinen Herrn, ſelbſt zu erſcheinen, wer ſollte da Verdacht ſchö⸗ pfen?

Ich glaube, Ihre Beſorgniſſe gehen zu weit

Durchaus nicht, durch ſolche Mittel iſt ſchon oft ein Betrug verübt worden, und die Erfahrung lehrt, daß ein großer Betrug weit eher gelingt, als ein

Heft 24. Jahrgang 1877.

Dunkle wege.

Roman von Ewald Auguſt König.

Ewald Auguſt Känig. Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolb.(S. 478.)

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Alle vierzehn Tage erſcheint ein Heft.

(Fortſetzung.)(Nachdruck verboten.)

kleiner. Ich kann nicht glauben, daß Ackermann ſich ſo plötzlich zu dieſem Verkauf entſchloſſen haben ſoll

Die Krankheit ſeiner Frau

Zwingt ihn doch nicht, Alles zu verkaufen! Das geſchieht ja immer noch früh genug, wenn er einen andern Wohnſitz ge⸗ funden hat, der ſeinen Anforderungen entſpricht.

Aber er verliert die Zinſen

Was will das heißen? Verliert er ſie nicht auch, wenn er das Haus bewohnt? Für ihn, den Millionär, iſt das ein kaum nennenswerther Verluſt, und wenn man's bei Licht betrachtet, nicht einmal ein Verluſt, denn er wird einen höheren Preis erzielen, wenn er den Verkauf nicht zu übereilen braucht.

Das muß er ſelbſt wiſſen, ſagte der Makler.Aber es iſt mir doch lieb, daß Sie mich gewarnt haben, ich werde nun meine Maßregeln treffen.

Was wollen Sie thun?

Nun, ich werde mit Ackermann ſelbſt reden.

Heute noch?

Nein, ſobald ich einen Käufer habe, der ernſte Abſichten hegt. Wenn Ihr Herr Schwager geſonnen iſt, dieſes Beſitzthum zu er⸗ werben, ſo trete ich mit Herrn Ackermann in direkte Unterhand⸗ lung

Ich will Ihnen etwas ſagen, fiel der Kommiſſär ihm in die Rede,thun Sie das einſtweilen nicht, über⸗ laſſen Sie es mir, die Sache zu unterſuchen und Klarheit hinein zu bringen. Schweigen Sie zu Allem, was der Sekretär Ihnen ſagen mag, und verrathen Sie ihm nicht, daß Sie mit mir über dieſes Geſchäft geredet haben. Sie wür⸗ den ſich ſelbſt den Handel verderben, wenn Sie ein Mißtrauen zeig⸗ ten, das möglicherweiſe nicht begründet iſt, des⸗ halb rathe ich Ihnen in Ihrem eigenen In⸗ tereſſe, das Reſultat meiner Nachforſchungen abzuwarten.

Der Makler athmete tief und ſchwer auf, die Hitze in dem Zimmer war ſchier erdrückend.

Es iſt eine fatale Sache, ſagte er,wenn ich das Geſchäft zu Stande bringe, verdiene ich eine ſchöne Summe, und nun kommen Sie mit Ihren Bedenken und Warnungen

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