unte, auche erden die Gold⸗ einen Ab⸗
alten
Daul.
———-—
Ja
902
Preis pro Heft zwanzig Bfennig.
nd dann bleibt Bertha einige Tage bei uns?“ fragte der Gutsbeſitzer. 3„Wenn ſie ſelbſt es wünſcht, ſo werde ich nichts dagegen einwenden, aber ich fände dieſen Wunſch ſehr ſeltſam. In den Flitterwochen darf ein Ehepaar ſich 4 nicht trennen, böſen Zungen wird durch ſolche Tren⸗ nung nur willkommener Stoff geboten. Man hat ohnedies ſchon genug darüber geredet, daß der Rittmeiſter v. Pillnitz meiner Frau in ſo aufſallender Weiſe den Hof machte.“
Der Gutsbeſitzer zog⸗die Brauen hoch hinauf, ein Blick der Entrüſtung traf aus den hellgrauen Augen den Schwiegerſohn, der vor ſeinem Schreibtiſch ſtehen geblieben war.
„Iſt es Ihre Abſicht, Ihre Frau zu verleumden?“ fragte er entrüſtet.
Ackermann zuckte die Achſeln.
„Ich kann darin keine Verleumdung erblicken,“ erwiederte er. „Herr v. Pillnitz hat meine Frau begleitet, ſo oft ſie nach Pletten⸗ berg hinausfuhr, er iſt dort in Ihrem Hauſe häufig mit ihr zu⸗ ſammen geweſen.“
„Und daß dieſe Zuſammenkünfte, wie Sie es nennen, nur in meinem Hauſe ſtattgefunden haben, das müßte genügen, jeden Verdacht von Bertha fern zu halten,“ ſagte der alte Herr mit gehobener Stimme.
„Ich habe keinen Verdacht geäußert—“
„Direkt nicht, aber er liegt in Ihren Worten!“
„Erörtern wir das nicht weiter,“ ſagte Ackermann mit einer abwehrenden Bewegung, „ich bin nicht eiferſüchtig. Re⸗ den wir über das Geſchäft.“
Der Gutsbeſitzer nahm eine Cigarre aus dem Käſtchen und ſchnitt langſam die Spitze ab.
„Ueber welches Geſchäft?“ fragte er gedehnt.„Verlangen Sie noch immer, daß Guſtav ſich mit Ihnen aſſociiren ſoll? Sie kennen meine Anſicht dar⸗ über.“
„Ich habe das nie ver⸗ langt, ſondern nur dazu gera⸗ then. Sie hegten früher eine andere Anſicht darüber, es thut mir leid, daß Sie dieſelbe ge⸗ ändert haben.“
„Daß ich es that, lag in der Natur der Sache! Guſtav war mit meinem Bruder aſſo⸗ ciirt, und ſo lange der Letztere an der Spitze des Geſchäfts ſtand, konnte es aus Gründen, die Sie ja auch kennen, nicht zur Blüthe kommen. Damals war es meine Abſicht, den Vertrag zu kün⸗ digen, und dies wäre auch ge⸗ M ſchehen, wenn mein Bruder 5 nicht das Geſchäft den beiden jungen Leuten übertragen hätte.“
„Die Beide wenig oder gar nichts von der Führung eines 3 Geſchäfts verſtehen,“ ſagte Acker⸗
S) Sp S Pj)) Sʒh, hh,
5 ʒ D H
hrgang 1877.
Dunkle wegle.
Roman von Ewald Auguſt König.
(Fortſetzung.)
R,ſ, Zöh ſh,
3 Sſh, ſhch, n, A
ʒ Ih F,
V GCNIAE.
Jeremias Gotthelf(Albert Bitzius).(S. 379.)
(Nachdruck verboten.) mann ſarkaſtiſch.„Man kann ein guter Reiſender, aber daneben ein ſchlechter Kaufmann ſein.“
„Wurzer hat mir bewieſen, daß er ein tüchtiger Kaufmann iſt,“ erwiederte Bogen ruhig.
„Wodurch?“
„Ich war vorhin bei ihnen; Wurzer hat mir ſeine Pläne entwickelt und über die Geſchäftslage ſehr vernünftig geſprochen.
Ein großer Theil der Verpflichtungen iſt bereits erfüllt, und da⸗
durch die Gefahr des Schiffbruchs beſeitigt, es ſind neue und ſehr ſolide Verbindungen angeknüpft worden, man kann jetzt mit vollem Vertrauen in die Zukunft blicken.“
„Und iſt bei dieſer Gelegenheit nicht von einer neuen Anleihe
die Rede geweſen?“ fragte Ackermann ſpöttiſch.
Dem Gutsbeſitzer ſtieg das Blut in die Wangen. „Von einer Anleihe?“ erwiederte er ſcharf.„Nein! Aber ich habe mich freiwillig erboten, weitere 30,000 Thaler einzulegen, damit die jungen Leute raſcher vorwärts kommen.“
„Sie nehmen großes Intereſſe an dieſem Herrn Wurzer!“
„Er heirathet die Tochter meines Bruders, alſo gehört er zur Familie.“
„Hm, Guſtav wird Ihnen wohl bald auch neuen Zuwachs zur Familie bringen!“
„Daran iſt vorläufig noch nicht zu denken.“
Ein boshaftes Lächeln umſpielte die Lippen Ackermann's, wäh⸗ rend er langſam mit der Hand über ſeinen ſchwarzen Bart ſtrich.
„Sie behaupten das mit zu⸗ verſichtlicher Sicherheit,“ ſagte er,„aber ich glaube beſſer un⸗ terrichtet zu ſein.“
Betroffen blickte Bogen auf.
„Was wiſſen Sie?“ fragte er.
„Sind Sie ſchon in der Wohnung Guſtavs geweſen?“
„Natürlich, er wohnt bei der Frau Rechnungsrath Frei⸗ muth.“
„Wie gefällt Ihnen dieſe Dame?“
„Sie fragen ſehr ſonder⸗ bar,“ ſagte der Gutsbeſitzer kopfſchüttelnd,„ich kenne die Dame nicht näher, aber ſie ſcheint eine gebildete und ſehr achtbare Frau zu ſein.“
„Und die Tochter?“
„Habe ich nur flüchtig ge⸗ ſehen.“
„Sie ſoll hübſch ſein,“ ſpot⸗ tete Ackermann achſelzuckend, „mir ſcheint, daß ſie die Kunſt verſteht, die Herren zu feſſeln, Guſtav verläßt jetzt Abends das Haus nicht mehr.“
Der Gutsbeſitzer war von ſeinem Seſſel emporgefahren; ſtarr ruhte ſein Blick auf dem bleichen Geſicht Ackermann's.
8„Sie ſind boshaft!“ ſagte er. „Boshaft? Deshalb, weil ich Ihnen die Wahrheit ſage? Ich weiß ja nicht einmal, wie
55


