Jahrgang 
14-26 (1877)
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Europäern angenommen.

Der öſtlich fernſte Punkt der franzöſiſchen Niederlaſſungen im Innern iſt Bakel am Senegal, mit zwei kleinen Forts und einer Anlände für die Dampfer und Segelſchiffe, welche bis dort hinauf fahren, einem Militär⸗ poſten von etwa 100 Mann und einer eingeborenen Bevölkerung von 5 600 Seelen, welche ſich zur Zeit der Gummimärkte zuweilen auf das Doppelte beläuft. Bakel liegt über 1000 Kilometer von St. Louis entfernt am linken Ufer des Senegal, der hier etwa 300 360 Meter breit iſt und die Grenze zwiſchen den franzöſiſchen Beſitzungen und den Maurenländern (dem Gebiet der Sahara) bildet. Die Zwiſchenſtationen von St. Louis bis Bakel ſind Daghana, Podor, Saldé, Matam und Modéri. Die ein⸗ zige Bedeutung Bakel's beſteht darin, daß es eine Handelsſtation für den Tauſchverkehr und Verkauf von Gummi, Goldſtaub, Wachs, Elephanten⸗ zähnen, Straußenfedern, Erdnüſſen, Palmöl u. ſ. w. iſt. Die Umgebungen von Bakel ſind maleriſch, denn das Damgaland im Gebiete der Galams, deſſen Mittelpunkt Bakel bildet, iſt ſchon bergig und hügelig, während die Umgebungen des Stromes von Moderi abwärts beinahe flach ſind. Seiner kommerziellen Wichtigkeit wegen iſt Bakel der drittbedeutendſte Ort der franzöſiſchen Kolonie am Senegal und rangirt unmittelbar hinter St. Louis und Gorée, und hat einen eigenen Gouverneur, gewöhnlich einen Stabsoffizier von der Beſatzung, welche aus geworbenen Eingeborenen, Infanteriſten, Artilleriſten, Gendarmen und Matroſen beſteht und in einigen Blockhäuſern auf den umliegenden Hügeln untergebracht iſt. Der Senegal iſt von Podor aufwärts nur bei Hochwaſſer, d. h. vom Auguſt bis zum Oktober, fahrbar, und dieſe Jahreszeit wird daher auch zur Ver⸗ proviantirung des Poſtens und zum Wechſel des Perſonals der Garniſon und Verwaltung, ſowie zum lebhafteren Handelsverkehr benützt. Die Ein⸗ wohnerſchaft von Bakel beſteht aus den Angehörigen der verſchiedenen ein⸗ heimiſchen Stämme der Sarakholé, der Tukulör, der Pölh von Fonta⸗ Dſchialon, der Bambaras, Yoloffen, Haſſankäs, ſowie aus Mauren und Miſchlingen. Die Mehrzahl bilden die Sarakholé, ein ſanfter, rühriger Menſchenſchlag, der beſonders Muſik und Tanz liebt, weswegen die wan⸗ dernden Griots oder Kuſtenneger, welche als Sänger und Muſiker das Land durchziehen und ihre Aufſührungen veranſtalten(deren eine unſer zweites Bild auf S. 353 darſtellt), hier in Bakel immer gern geſehene Gäſte ſind.

Das erſte Erzengniß der Buchdruckerpreſſe.

(Mit Bild auf S. 356.)

Die Buchdruckerkunſt, d. h. die Kunſt Bücher mit beweglichen Lettern zu drucken, iſt unbeſtreitbar die Erfindung des angeſehenen Mainzer Bürgers Johann Gensfleiſch zum Guttenberg, und als das Jahr der Exfindung dieſer Kunſt wird das Jahr 1440 allgemein ange⸗ nommen. Die Anſprüche anderer Nationen, daß die Buchdruckerkunſt in ihrem Schoße erf Koſter zu Harlem auſſtellt, oder früher von ihnen als von den Deutſchen betrieben worden ſei, wie z. B. die Chineſen behaupten, kann ſich nur auf den ſogenannten Blockdruck beziehen. Nachdem nämlich zu Anfang des 14. Jahrhunderts die Holzſchneidekunſt erfunden worden war, diente dieſe zuerſt vorzugsweiſe der Herſtellung von Spielkarten, Heiligenbildern und

Illuüſtrirte Chronik der Zeit.

unden worden, wie ſie Holland für ſeinen Laurenz

ſogenannten fliegenden Blättern und Armenbibeln, d. h. Bildern aus der Heiligen Geſchichte, unter denen auch die Unterſchriften oder Erklärungen Legenden in Holz geſchnitten waren. Solcher Blockdrucke gab es allerdings unzweifelhaft ſchon viele auch außerhalb Deutſchlands und vor Guttenberg. Ja, dieſer ſelbſt kam anfangs nur auf den Gedanken, die ganze Heilige Schrift, welche ſeither nur in ſorglich gefertigten Abſchriften der ſogenannten Vulgata oder lateiniſchen Ueberſetzung vorhanden war, dadurch zu vervielfältigen, daß er ganze Seiten Text in eine Holzplatte ſchneiden ließ oder ſchnitt, mit Schwärze überzog und dann abdruckte. Derartiger Blätter ſind noch manche auf Bibliotheken vorhanden. Bald aber ſah er ein, daß dies ein ungeheuer mühſamer und umſtändlicher Prozeß war, und während ſeines Aufenthalts in Straßburg von 1420 bis 1445 ſoll Guttenberg auf den Gedanken gekommen ſein, jedes einzelne Schriftzeichen(Buchſtaben oder Ziffer) auf die Hirnſeite eines Stäbchens aus Buchenholz zu ſchneiden und aus dieſenBuchſtaben, wie er ſie nannte, Wörter und Seiten zuſammenzuſetzen, die dann nach gemachtem Gebrauche wieder aus einander genommen und zu anderen Drucken verwendet werden konnten. Hiemit ward erſt die eigentliche Buchdruckerlunſt erfunden, die er dann zu Mainz mit der Unterſtützung eines reichen Mainzer Gold⸗

ſchmieds, Johann Fuſt oder Fauſt, in's Leben rief und die dadurch einen

ungeheuren Aufſchwung nahm, daß Peter Schöffer, ein ehemaliger Ab⸗ ſchreiber, der für Guttenberg die Schriftzeichen zum Ausſchneiden auf Holz ſchrieb, ein Verfahren erfand, die Buchſtaben aus Blei in Formen zu

gießen. Hiemit war die Buchdruckerkunſt vollendet und darum bezeichnet man als ihre gemeinſamen Erfinder die drei Männer: Guttenberg, Fuſt

und Schöffer Wie alle Künſte zuerſt der Religion dienten, ſo auch die

Buchdruckerkunſt: ihre erſten Erzeugniſſe waren die erſte lateiniſche Bibel in drei Bänden von 1456 und das Pſalterium oder eine Ausgabe der Pſalmen von 1457, von deren Titelbogen wir auf unſerem lebensvollen Bilde S. 356 Guttenberg einen Abzug machen ſehen, während ein Be⸗ kannter oder guter Freund des ſcharfſinnigen Erfinders verwundert der Prozedur zuſchaut und den Worten des Meiſters ſtaunend lauſcht. Von beiden Drucken ſind noch verſchiedene Exemplare in europäiſchen Biblio⸗ theken vorhanden. So geheim dieſe neue Kunſt auch anfangs gehalten

ward, ſo verbreitete ſie ſich doch bald darnach raſch über Europa.

Räthſel⸗Sonett. Es gleicht in ſeinem Silberſcheine Mein erſtes Wort dem ſtolzen Schwan, Läßt ſich's auch manchmal ſauer an, Aufnehmend in ſich das Gemeine. Doch daß das Edle, Sittlichreine Gern von dem Zweiten wird gethan, Wer als nur kühner Männerwahn Iſt kühn genug, daß er's verneine? Das Ganze folgt an jedem Morgen Der dunklen Nacht mit ihren Sorgen Und nahet freundlich hold auch Dir. Fern dieſer Erde Pracht und Zier Reicht es, Dich wieder neu zu laben, In trautem Frieden ſeine Gaben.

. 4.. M. Paul. Auflöſung folgt im nächſten Heft. 1

Auflöſung der Charade vom 17. Heft: Abendröthe.

ZBilder-⸗Räthſel.

Auflöſung folgt im nächſten Heſt.

Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 17. Hoft: Freundſchaft, die der Wein gemacht, währt, wie der Rauſch, nur eine Nacht.

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Redattion, Druch und Verlag von Hermann Schönlein in Stuttgart.

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