Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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ſeine Praxis als Anwalt erſt im 34. Lebensjahre in Cincinnati begann, wo er das Amt eines Stadtanwaltes übernahm und bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs 1861 begleitete. Beinahe ganz zu Anfang des Kriegs trat er in's 23. Regiment der Ohio⸗Freiwilligen und diente in demſelben fort, bis er 1864 das Kommando einer Brigade erhielt. Er war als Major eingetreten und avancirte ſchon binnen Jahresfriſt, im September 1862, zum Oberſtlieutenant und Kommandeur des Regiments, welches er in der Schlacht von South Mountain kommandirte. Während dieſes Ge⸗ fechts ward Herr Hayes ſchwer verwundet, blieb aber bis zum letzten Augenblick der Affaire bei ſeinem Regiment und war der erſte Offizier, deſſen Anordnungen eine feſte Stellung zu Söuth Mountain ermöglichten. Zwei Jahre ſpäter war er zum Brigadegeneral vorgerückt und wurde nun für den Ohio⸗Wahlbezirk(einen Theil der Grafſchaft Hamilton) in den Kongreß gewählt, und zwar als Kandidat der republikaniſchen Partei. Er ſun⸗ girte im 39. Kongreß in dem Ausſchuß für die Privat⸗Landanſprüche und in dem Bibliothekausſchuß und ſtimmte in jener wichtigen geſetzgeberiſchen Epoche des Wiederaufbaues konſequent mit der republikaniſchen Partei. Im Herbſt 1866 ward Hayes abermals in den 40. Kongreß gewählt und ſchon nach einer Sitzung von der republikaniſchen Partei zum Gouverneur von Ohio vorgeſchlagen und nach Annahme der Kandidatur mit einer Majorität von nahezu 3000 Stimmen gewählt. Nach Ablauf ſeiner Amtsperiode 1869 trat er abermals als Kandidat auf und erhielt eine Mehrheit von 7518 Stimmen. Auch im Herbſt vorigen Jahres trat er wieder als Kandidat auf und ſiegte mit einer Mehrheit von 5544 Stimmen. In der im Juni 1876 zu Cincinnati ſtattgehabten National⸗ Konvention der republikaniſchen Partei für die Präſidentenwahl wurde er zum Kandidaten ſür den Präſidentenſtuhl vorgeſchlagen, nahm die Kan⸗ didatur an und erklärte ſich in ſeinem Antwortſchreiben für einen ent⸗ ſchiedenen Anhänger des ſogenannten Hartgeldſyſtems und einer durch⸗ greifenden Reform im Aemterweſen und in der Verwaltung, verſprach aus allen Kräften für die Ausſöhnung des Südens mit dem Norden zu wirken und der Korruption in jeder Form entgegenzutreten. Obwohl als Staatsmann vielleicht nicht ſo bekannt wie ſein Nebenbuhler Tilden, ein New⸗Yorker Advokat und Kandidat der demokratiſchen Partei, erfreut er ſich doch des Rufes eines vollendeten Ehrenmannes und eines uneigen⸗ nützigen Patrioten, der ſich nie an Gründungen, ſogenanntenRingen, Unterſchleifen und ſonſtigen Schwindeleien betheiligt hat, auch gab er ſeit

dem Antritt ſeiner Stelle durch die Wahl ſeines Kabinets genugſam zu

erkennen, daß es ihm ein ernſtliches Anliegen iſt, die Reformbewegung zu einem guten Ziele zu führen.

In der Schlinge gefangen. (Mit Bild auf S. 344.)

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Der arme Lampe iſt ein vielverfolgtes Thier, dem namentlich der Bauer einen unverſöhnlichen Haß geſchworen hat und dem er auf jede mögliche Weiſe nachſtellt. Eine der beliebteſten und leider auch erfolg⸗ reichſten Arten der Ausrottung des Haſenwildſtandes iſt das Drähteln, d. h. das Aufſtellen von Drahtſchlingen, am beſten von gehämmertem Meſſingdraht, an Waldſäumen und Feldhölzern, ſowie in Hecken, auf den Pfaden, welche der Haſe konſequent einhäll, wenn er am ſpäten Abend vom Walde auf das Feld, oder Morgens vor Tage vom Feld in den Wald zurückgeht. Der Draht wird an der einen Seite an einen Aſt oder Stamm, oder an einen in den Boden geſchlagenen Holzpflock feſtgebunden und die geöfſnete Schlinge in ſolcher Höhe vom Boden geſtellt, daß Lampe bei ſeinem ſchüchternen und behutſamen Vorrücken mit dem Kopfe hinein⸗ geräth, und ſobald er ſich gepackt fühlt, mit Verzweiflung fortzukommen trachtet, aber eben dadurch die Schlinge noch feſter anlegt und ſich erwürgt. Wenn man den Kadaver eines ſolchen in der Schlinge gefangenen und erwürgten Haſen betrachtet, das weit heraus getriebene angſtvolle Auge, den blutigen Geifer am Munde, die tiefen Löcher, welche das Thier in ſeiner Todesangſt mit den Klauen in den Raſen oder die Erde gewühlt hat ſo wird man von tiefſter Entrüſtung erfaßt über die entſetzlichen Qualen, unter welchen ſolch ein armes Thier verenden mußte. Unſer Bild zeigt einen derartigen erwürgten Haſen, den ein junger Lampe halb ängſt⸗ lich, halb neugierig betrachtet, ohne zu ahnen, daß ihn vielleicht morgen daſſelbe Schickſal erreichen kann.

Seppl.

(Mit Bild auf Seite 345.)

Ja das muß ſelbſt der Neid zugeben der Seppl iſt ein Kernbub, der einmal ſeinen Mann ſtellen wird im Dorfe. Allezeit friſch und munter, hat er einen offenen Kopf, begreift er jede Sache bald und faßt ſie dann immer gleich beim richtigen Ende an. Daß ihn dabei ſeine ſchon jetzt ſehr kräftigen Arme tüchtig unterſtützen, braucht man wohl kaum hinzuzu⸗ fügen. Darum iſt er auch bereits in der ganzen Gemarkung beliebt, und unter ſeinen Spielkameraden führt er immer das Regiment, manchmal ſogar ein ziemlich ſtrenges, bei dem es handgreiflich zugeht, denn er hat auch manchmal ſo ſeinen Trotz im Kopf, und was er will, das will er. Dennoch behält er ſchließlich immer Recht, man will es auch mit ihm nicht verderben, und faſt ſcheint es, als käme ohne ihn gar kein rechtes Spiel zu Stande. Er ſelbſt aber macht ſich gar nicht ſo ſehr viel aus ſeinen Spielkameraden, er geht auch manchmal ganz gern ſeine eigenen Wege, ſtreift dann ſo ganz für ſich durch Feld und Flur, durch Wald und Ge⸗ hege und hat überall ein offenes Auge, um ſich mehr und mehr in der Umgegend zu orientiren. Bisweilen unternimmt er aber auch ſeine Ent⸗

deckungsreiſen daheim im elterlichen Gehöft, und hat er alle Böden und Winkel durchſtöbert, ſo ſetzt er ſich meiſt zuletzt auf den Pfoſten eines Plankenzaunes, einen ſeiner Lieblingsplätze, und pfeift behaglich ein Liedchen. In dieſer kecken Stellung erblickte ihn denn auch eines Tages der auf einer Studienreiſe begriffene tüchtige Münchener Maler J. F. Engel, und ſchnell entwarf er das Bild des ſchmucken Burſchen, wie wir es auf Seite 345 bieten. L. S.

La Valette auf der Inſel Malta.

(Mit Bild auf S. 348.)

Beinahe im Mittelpunkte des Mittelländiſchen Meeres, ungefähr 14 geographiſche Meilen ſüdweſtlich von Kap Paſſaro auf Sicilien, und 44 Meilen nördlich vom afrikaniſchen Kap Dencas liegt eine Gruppe von vier felſigen Eilanden, welche heute unter britiſcher Herrſchaft ſtehen und Malta, Gozzo, Comino und Cominotto heißen. Die größte derſelben, Malta, das Melitta der alten Geographen, iſt ein beinahe nacktes Kalk⸗ fels⸗Plateau, 550 bis zu 1200 Fuß aus dem Meere ragend, das im Süden und Südweſten eine geradlinige ungegliederte Steilküſte zeigt und ſich an den übrigen Seiten der Inſel, beſonders aber gen Nordoſten, all⸗ mählig zum Meere abſenkt und von Buchten unterbrochen iſt. Der Charakter von Nordafrika iſt dieſen Inſeln faſt unverkennbar aufgeprägt durch ihre Bodenbeſchaffenheit, ihren Mangel an einem Fluß oder See, ihre wenigen Quellen, ihre Glulhhitze, ihren klaren Himmel, welcher den größten Theil des Jahres hindurch ſo rein iſt, daß man die 30 Meilen entfernte Spitze des Aetna Morgens und Abends beinahe mit unbewaffnetem Auge ſehen lann. Menſchenfleiß hat dieſen kahlen heißen Boden fruchtbar und bewohnbar gemacht, indem man für die Landwirthſchaft allen Regen in Ciſternen auffängt und das Trinkwaſſer aus einigen Quellen in dem vom Meere aus unerſteigbaren ſüdlichen Theile der Inſel in einer großen Waſſerleitung 2 Meilen weit nach der Hauptſtadt La Valette führt, die an einer ſchönen geſchützten Bucht auf der Nordoſtſeite liegt. Malta iſt heute eine wichtige Militär⸗ und Flottenſtation der Engländer und kommt hauptſächlich unter dieſem Geſichtspunkte in Betracht, wie es denn um ſeiner ſtrategiſchen Bedeutung willen von jeher ein von Karthagern, Römern, Gothen, Arabern, Normannen und Spaniern viel begehrter Punkt war. Als die Johanniterritter durch die Türken von der Inſel Rhodus vertrieben wurden, wies ihnen Kaiſer Karl V. 1525 Malta zum Aufenthalt an, und als eine päpſtliche Bulle dieſe Schenkung beſtätigt hatte, landeten die Johanniter am 26. Oktober 1530 hier, nannten ſich fortan den Malteſer⸗Orden, bauten 50 Jahre lang die ſtattlichſten Be⸗ feſtigungen, die jetzt in den Händen der Engländer noch feſter geworden ſind, und vertheidigten die Inſel 1565 mit glänzendem Erfolg gegen eine ſtarke Flotte und ein Landheer der Türken, die unverrichteter Dinge wieder abziehen mußten. Der damalige Großmeiſter des Ordens, Jean de la Valette, legte ſodann 1566 den Grund zu der heutigen Stadt La Valette, von welcher wir auf Seite 348 eine Theilanſicht vom Hafen aus geben. Die Stadt iſt gegenwärtig die bedeutendſte Niederlaſſung der Inſel mit 60,000 Einwohnern, worunter etwa 5000 engliſche Proteſtanten, mit vier Kapellen und einer Kirche, einer Kathedrale, einer Univerſität und einem Lyceum, zwei guten Häfen, verſchiedenen ſtarken Forts und einem bedeu⸗ tenden Handels⸗ und Schifffahrtsverkehr. Die eigentlichen Malteſer, ein dunkelhäutiger kräftiger Menſchenſchlag, arbeitſam, rührig, mäßig und genügſam, ſind treffliche Seeleute und Gärtner, tüchtige Handwerker und deſonders geſchickt in Gold⸗ und Silberarbeiten, ſprechen einen italieniſchen, vielfach mit arabiſchen und ſpaniſchen Wörtern vermiſchten Dialekt und neuerdings auch Engliſch. Die Inſel blieb im Beſitz des Ordens, bis Napoleon auf ſeinem Zug nach Egypten 1798 ſich durch Verrath der Inſel bemächtigte; aber ſchon im September 1800 mußte die franzöſiſche Beſatzung nach harter Blokade ſich den Engländern ergeben, welche die Inſel behaupteten und 1814 im Pariſer Frieden ſich deren Beſitz voll⸗ kommen ſicherten und ſie nun als wichtige militäriſche und maritime Station benützen.

Aus Senegambien. (Mit 4 Bildern auf S. 352 u. 353.)

Frankreich hat an der Weſtküſte von Afrika ein ſehr bedeutendes Küſtengebiet inne, welches ſich vom Kap Blanco unter dem 21. Grad bis zum Mündungsgebiet des Gambia unter dem 14. Grad nördl. Br. hin⸗ dehnt und eine Anzahl von Niederlaſſungen aufweist, die insbeſondere ſeit dem Zurückgehen der Sierra⸗Leone⸗Kolonie und dem Aufhören der bri⸗ tiſchen Niederlaſſung auf Fernando Poo an Bedeutung gewonnen haben, und auf die daher die gegenwärtige Regierung eine beſondere Sorgfalt verwendet. Der wichtigſte Theil dieſes Gebietes iſt der Küſtenſtrich an den Mündungen des Senegal vom Marigot herab bis zu der Inſel Gorée auf der Südküſte des Kap Verde, oder das ſogenannte Gouvernement des Senegal, welches in die beiden Bezirke St. Louis und Gorée zerfällt. Dieſer Theil des tropiſchen Afrika iſt der üppigſte und frucht⸗ barſte an der ganzen Küſte, der Sitz der Gewinnung der Gummiarten und des Palmöls, und zugleich derjenige, welcher durch treffliche Waſſer⸗ ſtraßen auch einen Theil des Binnenlandes erſchließt. Die Pflanzen⸗ und Thierwelt Afrika's zeigen hier ihre reichſte Entfaltung, und aus dem Bin⸗ nenlande kommen noch eine Menge werthvoller Mineralien und Erze, deren Ausbeutung noch nicht eunergiſch genug verſucht worden iſt. Wenn wir anführen, daß das franzöſiſche Senegambien einen Flächenraum von mehr