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358 Illuſtrirte Ehronitl der Zeit.
ihnen auch den Empfang des Sakramentes an unter der Bedingung, daß ſie ſich von jeder Begünſtigung der Waldrade frei wüßten. Und das Gefolge folgte ſeinem Könige, Einer um den Andern nahm das Sakrament, nur ſehr Wenige ſchlichen ſich weg. Lothar hielt ſeinen guten Ruf vor der Welt für wieder hergeſtellt. Aber es begab ſich, daß er bei ſeiner Abreiſe aus Rom erkrankte und nicht weiter als bis Piacenza kam, wo ihn am 8. Auguſt 869 der Tod ereilte. Die Mehrzahl ſeiner Begleiter erlag der Peſt. Jetzt war der Papſt gerechtfertigt. Denn dieſe ſchnellen und zahlreichen Todes⸗ fälle konnten ſich die Zeitgenoſſen nicht anders erklären, denn als ein Gottesgericht über Diejenigen, welche an dem Gottesurtheile gefrevelt hatten.
Und ſind wir denn in unſerer Zeit endlich dieſer abergläubiſchen und theilweiſe ſehr unſinnigen Rechtsproben ledig geworden? Der Zweikampf wenigſtens, den man am erſten und früheſten zu be⸗ kämpfen angefangen hat, von dem ſchon in der Ljosvetningaſaga der Chriſt Galla ſpricht:„Uebel gefällt mir das, wenn die Zwei⸗ kämpfe wieder aufkommen; es iſt das Sache von Heidenleuten“, hat bis auf den heutigen Tag bei Ehrenhändeln ſich als die noble Löſung der Frage behauptet. Das Duell gilt in der Anſchauung weiter Kreiſe in unſerer Zeit noch für eine Sache, welche dem Gebildeten viel beſſer anſtehe, als daß er ſein Recht durch die ordentlichen
Mannig
Die langen Schleppen, welche auch neuerdings Wege und Straßen kehren, erwähnt ſchon Cäſar von Heiſterbach(1220) bei den Frauen von Mainz, wenn ſie zur Kirche gingen, und aller Eifer der Geiſt⸗ lichen dagegen war vergeblich. Damals nannten ſie die Schleppen„Pfauen⸗ ſchweife“, und Einer ſprach von ihnen als den„Tanzplätzen der Teufelchen“ und fuhr fort:„Hätten die Frauen ſolcher Schwänze bedurft, ſo würde die Natur ſie mit etwas derlei verſehen haben.“ Auch in Wien trat da⸗ mals dieſe Mode auf, wie der Narr Ulrich v. Lichtenſtein berichtet, ja ſelbſt bei den öſterreichiſchen Bauern erwähnt ihrer der luſtige Dichter Neidhard Fuchs und ſagt, daß die Bäuerinnen mit den Schleppen hin und her ſchwänzelten. R.
Maͤuſeplage.— In einem handſchriftlichen Nachlaß aus alter Zeit kann man von einer Mäuſeplage leſen, von der die Grafſchaft
Glatz im Jahre 1583 heimgeſucht worden. In unſere moderne Sprach⸗ weiſe übertragen, lautet die Beſchreibung wie folgt:„Man hat auf allen Aeckern und Feldern erſchrecklich viel Mäuſe geſehen, welche unten in der Erde ihre Neſter hatten, aber alle Anpflanzungen auf den Feldern und Gärten durchliefen, immer ein Loch neben das andere machten und durch dieſelben ihre Gänge hatten, ſich Nahrung zu ſuchen und einzutragen. Sie trugen die Erde aus den Löchern heraus, gleich wie die Maulwürfe dieſelbe über ſich werfen. Es ſind auch dieſe Mäuſe nicht wie die andern geſtaltet geweſen, ſondern viel anders, denn ſie waren faſt rother Farbe, hatten rothe Schwänze und waren ſonſt ziemlich groß und fett, daher hat ſie auch viel Volks für Gottesheer und ein Wunderwerk gehalten. Es iſt erſchrecklich geweſen, wenn man über's Feld gegangen, daß die Mäuſe ſo ſchaarenweiſe hinter und vor einem gelaufen ſind. Bald haben ſie ihren Gang nach der Reihe hinter einander gehalten, bald kreuzweiſe geführt. Und wenn man mit dem Pflug den Acker umgeworfen und etwas tief in die Erde gekommen iſt, ſo hat man im Acker immer ein Mäuſeneſt neben dem andern angetroffen, und ſind dieſelben oft ſo groß und weit geweſen, als ziemliche Körbe. Als ich einſtmals gegenwärtig geweſen bin, habe ich es mit Verwunderung angeſehen, daß etliche Neſter voll Getreide waren, doch haben ſie auch Gras, Flachs und grüne Saat mächtig abgefreſſen, ſind auf Bäume geſtiegen und haben das Obſt darauf verzehrt. Und noch mehr: ſie haben die Kleidungsſtücke zernagt, und wenn die Leute bei Tiſche ſaßen, ſprangen die Mäuſe auf die Bänke und zuweilen gar auf die Tiſche und wollten miteſſen. In der Speiſekammer nagten ſie Löcher in die Bretter und verzehrten, was ſie vorſanden.— In Summa: es iſt nicht auszuſprechen, welch' eine Plage dieſe Mäuſe geweſen ſind. Doch, dem Himmel ſei Dank, im nächſten Winter nach einem tiefen Schneefall ſind ſie alle umgekommen und ſind nicht mehr geſehen.“ E. Wigand. Im Stadtarchiv von Hechingen findet ſich ein Fürſtlich Hohen⸗ zoller'ſcher Befehl vom 5. Februar 1725 aufbewahrt, worin jedem Land⸗ mann, der einen Kobold, Nix oder ein anderes dergleichen Geſpenſt lebendig oder todt einliefert, eine Belohnung von 5 Gulden zugeſichert wird, die
Anſere
Rutherford Birchard Hayes, der nene Präſident der Vereinigten Staaten von Amerika. (Mit Porträt auf S. 341.)
Der neue Präſident, welcher ſeit dem 5. März 1877 an der Spitze der Regierung der Vereinigten Staaten ſteht, Rutherford Bir⸗ chard Hayes, deſſen Bild wir Seite 341 geben, iſt der Kandi⸗ dat der republikaniſchen Partei und ein Mann, welcher ſchon längſt in
faltiges.
Gerichte ſuche. Und was das Volk angeht, ſo iſt dem Bericht⸗ erſtatter aus den letzten Jahren ein Fall bekannt, für welchen er Ort, Zeit und Perſonen zu nennen im Stande iſt. Bei einer Forderungsklage wurde der Kläger zum Haupteide zugelaſſen. Als es zum Schwören im Gerichtszimmer kam, trat der beklagte Bauer vor den klägeriſchen, hielt ihm das Geld, um welches es ſich han⸗ delte, vor die Augen, und ſprach:„Schwöre, wenn Du kannſt und Dich getrauſt. Ich werde Dir dann ſofort Deine Forderung zahlen. Aber wenn Du falſch ſchwörſt, ſo glaube mir, daß innerhalb eines Jahres der Teufel kommt, um Dich zu holen. Und wenn er nicht ſelbſt kommt, ſo gibt er Dir doch ein Zeichen, daß Du ihm ge⸗ hörſt.“ Und der Kläger beſann ſich einen Augenblick, dann erklärte er:„Herr Landrichter, ich will lieber nicht ſchwören.“
Und ſollen wir zum Schuſſe noch einmal von unſerer modernen Rechtspflege reden, ſo iſt Jedermann bekannt, wie dieſelbe die Wahrheit des altdeutſchen Bahrrechtes, von welchem wir ausge⸗ gangen ſind, ſich recht wohl zu Nutzen zu machen weiß. Denn
wenn es irgend möglich iſt, führt der Unterſuchungsrichter den
muthmaßlichen Mörder vor die Leiche des Ermordeten und beobach⸗ tet die Gemüthsbewegungen, welche dieſer Anblick hervorruft. Und wenn wir rationaliſtiſch erklären wollen, ſo werden eben die Gemüths⸗ bewegungen bei den alten Ordalen auch den Ausſchlag gegeben haben.
(Nachdruck verboten.)
der Oberjägermeiſter auszahlen ſolle. Einen Nachweis über die Zahl der gefangenen Kobolde enthält das Archiv leider nicht! R. er Seher von Killin.— Ueber das ſogenannte„zweite Ge⸗ ſicht“ der Bewohner des ſchottiſchen Hochlandes und der Hebrideninſeln gibt es ein ſeltſames, 1763 zu Edinburgh erſchienenes Buch, deſſen pſeudo⸗ nymer Verfaſſer ſich„Theophilus Inſulanus“ nennt. Darin werden viele merkwürdige Vorfälle, die mit dem ‚zweiten Geſicht“ zuſammenhängen und theils mehr, theils weniger gut verbürgt ſind, mitgetheilt. Der Wunderglaube des vorigen Jahrhunderts, mit dem die Aufklärung lange vergebens rang, nahm das Buch mit Andacht auf; doch fand es in der Heimath weit mehr Beachtung als im Auslande. Eine der ſonderbarſten Geſchichten des Theophilus Inſulanus iſt die des Sehers von Killin, der durch eine unbedachtſame Prophezeiung ſich ſelber dem Tode überlieſerte. Dieſer Seher(ein mit dem„zweiten Geſicht“ Behafteter nämlich) ſaß im Winter des Jahres 1675 im Wirthshauſe zu Killin(einem Städtchen in der Grafſchaft Perth) an der Mitteagstafel. Da kam ein unbekannter Cavalier herein, grüßte artig und nahm neben ihm Platz. Bei ſeinem Anblick begann der Seher zu zittern; er ſchien die Nähe des Fremden nicht ertragen zu können; voller Schrecken ſprang er zuletzt auf und ent⸗ fernte ſich eiligſt mit Geberden des heftigſten Abſcheus. Der Cavalier, über das ſeltſame auffallende Betragen des Tiſchnachbars höchlich erſtaunt und entrüſtet, beauftragte die Wirthsleute, den Mann ſogleich zurückzu⸗ holen. Dies geſchah denn auch verhängnißvoller Weiſe. Mit ſichtlichem Widerſtreben kehrte der Seher in das Gaſtzimmer zurück.„Weshalb fürchtet Ihr euch vor mir?“ fragte der Fremde barſch.„Sehe ich vielleicht aus wie der leibhaftige Teufel?“ Der Seher wollte zuerſt nicht mit der Sprache heraus, doch mußte er endlich dem Drängen nachgeben.„Ich erſchrak ſo ſehr vor Euch, Herr, weil Ihr vor Ablauf von zehn Tagen auf dem Blutgerüſte ſterben werdet,“ erklärte er. Der heißſpornige Cava⸗ lier erblickte nun in dieſer ſchrecklichen Weiſſagung eine ſchwere Beleidigung; voll ingrimmiger Wuth zog er ſein Schwert und ſtieß es dem Seher in's Herz, ſo daß der arme Prophet augenblicklich des Todes war. Der Fremde wurde von der Juſtiz ergriffen, als Mörder verurtheilt und am neunten Tage durch das Schwert des Henkers hingerichtet, ſo daß die Prophezeiung des unglücklichen Sehers buchſtäblich in Erfüllung ging. F. L
In Piemont beſtand noch zu Anfang dieſes Jahrhunderts folgender eigenthümlicher Brauch: Wurde im Hauſe eines Bauern ein Mädchen geboren, ſo pflanzte der Vater 100 Stück Pappelreiſer(Stecklinge) an den Ufern des Po. War darauf das Mädchen groß geworden und ver⸗ heirathete es ſich, ſo durfte der Bauer die inzwiſchen ebenſalls groß gewordenen Pappeln fällen und verkaufen. Das gelöste Geld erhielt die Braut dann als Heirathsgut. Starb das Mädchen aber in der Jugend, ſo gehörten die 100 Bäume der Gemeinde, auf deren Grund und Boden ſie gepflanzt worden waren..
Bilder.
den weiteſten Kreiſen das Vertrauen ſeiner Mitbürger genießt. Er iſt der Abkömmling einer geachteten ſchottiſchen Familie und am 4. Oktober 1822 zu Delaware, im Staate Ohio, geboren. Seine wiſſenſchaftliche Ausbildung zum Rechtsgelehrten erhielt er zuerſt im Kenyon⸗College zu Gambier in Ohio, dann in der eigentlichen Jurisprudenz an der ſogenannten Law⸗
School oder juriſtiſchen Fakultät der Univerſität Cambridge in Maſſa⸗
chuſetts. Die Jurisprudenz zog ihn jedoch nicht ſo mächtig an, wie das Studium der Geſchichte und der alten und neueren Literatur, dem zu Liebe er ſeine Studien noch um ein gutes Stück verlängerte, ſo daß er
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