Jahrgang 
14-26 (1877)
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4²⁰ Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Auber's Ruf begründen. Dieſer befeſtigte ſich noch durch ſein Hauptwerk Die Stumme von Portici, welche 1828 erſchien und bahnbrechend wirkter für das neue Genre und die Richtung der franzöſiſchen Oper, an deren Spitze Auber bis zum Auftreten Meyerbeers blieb. DieStumme von Portici und der bald darauffolgendeFra Diavolo(1830) machten einen wahren Triumphzug durch die ganze civiliſirte Welt, erhalten ſich noch immer auf dem Repertoire und eröffneten Auber die glänzendſte Laufbahn, den Weg zu Ruhm und Reichthum. Im Jahre 1829 ward der Kom⸗ poniſt Mitglied der Akademie und der ſchönen Künſte, 1842 an Cheru⸗ bini's Stelle Direktor des Pariſer Konſervatoriums, 1847 Kommandeur des Ordens der Ehrenlegion und 1857 kaiſerlicher Hofkapellmeiſter. Seine Leiſtungen als Direktor des Konſervatoriums, von welcher Stelle er erſt Ende 1869 zurücktrat, ſind höchſt verdienſtvoll, viele ſeiner muſikaliſchen Kom⸗ poſitionen können als vollendeter Ausdruck des franzöſiſchen Lebens und Charakters gelten. DieStumme iſt eine der kühnſten und großartigſten Tondichtungen, von ſeinen anderen frivoleren und beſonders als Spielopern wirkſamen Muſildramen auffällig abweichend. Bei der für die Eröff⸗ nungskompoſition gelegentlich der Londoner Weltausſtellung von 1862 ausgeſchriebenen Konkurrenz ward Auber von Meyerbeer überflügelt, immer⸗ hin jedoch bleibt er entſchieden der bedeutendſte und genialſte der modernen franzöſiſchen Operndichter.

Die Gewinnung des Salzes aus dem Meeruaſſer. (Mit Bild auf S. 412.)

Das Waſſer des Oceans enthält 3 ½ bis 4 Prozent Chlornatrium, jene chemiſche Verbindung, welche wir Kochſalz nennen und die für den menſchlichen Haushalt ſo ganz unentbehrlich iſt. Der Salzgehalt der Meere iſt jedoch nicht überall gleich: das Waſſer des Schwarzen Meeres, welches große Waſſerſtröme aus Mittel⸗ und Oſt⸗Europa aufnimmt und zur Ver⸗ dunſtung bringt, iſt kaum ſalzig; das der Oſtſee iſt auch ziemlich ſalzarm, und im Mittelländiſchen Meere iſt der Salzgehalt des Waſſers an den verſchiedenen Küſten ſo verſchieden, daß daſſelbe an den Küſten von Griechen⸗ land und Kleinaſien, an der Mündung des Nils, der Rhone u. ſ. w. nur ſehr wenig ſalzig iſt, dagegen bei Barletta in Apulien 4 ½, bei Trapani auf Sicilien ſogar über 5 Prozent Kochſalz enthält. Schon frühzeitig ward der Menſch darauf geführt, ſich ſeinen Bedarf an Kochſalz aus dem Meerwaſſer, mittelſt der Verdampfung deſſelben durch die Sonnen⸗ wärme, zu verſchaffen, ein Verfahren, welches namentlich in den wär⸗ meren Küſtenländern des Mittelländiſchen Meeres und auf den Bahama⸗ Inſeln noch heute allgemein in Gebrauch iſt. Unſer Bild Seite 412 zeigt die Einrichtung einer derartigen Seeſaline. Denken wir uns zur Rechten des Beſchauers das Meer, ſo führt der Kanal, den wir im Vordergrunde des Bildes ſehen, das Meerwaſſer während der Fluth in ein ausgedehntes Sammelbaſſin herein, das auf den waſſerdichten Thonſchichten der flachen Küſte angelegt iſt. Der Zuführungskanal, 20 30 Fuß breit, iſt am Meere durch eine thorartige Schleuſe geſchloſſen, welche von der Fluthwelle geöffnet wird. Das Meerwaſſer dringt nun durch den Kanal in das Sammelbaſſin, ſo lange die Fluth währt; tritt die Ebbe ein, ſo verſchließt das zurücktretende Waſſer ſelbſt das Schleuſen⸗ thor wieder. Aus dem Sammelbaſſin gelangt das Waſſer in das um⸗ fangreiche Klärbaſſin(auf unſerem Bilde nicht zu ſehen), das eine Tiefe von 67 Fuß und Boden und Wände von Thon hat und wo das Meerwaſſer alle die mitgeführten fremden Beſtandtheile: Sand, Muſcheln ec., abſetzt. Von dem Klärbaſſin wird das Waſſer nach einigen Tagen mittelſt kleinerer Kanäle nach den in der Mitte unſeres Bildes dargeſtellten Anreicherungsbaſſins geleitet, worin unter den Einflüſſen der Sonnenhitze und der heißen trockenen Winde das Waſſer theilweiſe verdampft und ſeinen Gehalt an Gyps und Kalk als weißen Niederſchlag am Boden ausſcheidet. Sobald dies geſchehen iſt, wird die Soole durch Schöpfwerke in andere Baſſins, die flacheren ausgedehnten Kryſtalliſationsbaſſins, geſchöpft, wo ſich das Kochſalz in prachtvollen würfelförmigen Kryſtalliſationen ausſcheidet und von den zurückbleibenden konzentrirten Flüſſigkeiten(Mutterlaugen) trennt, welche noch Chlorkalium, Chlormagneſium, Jod⸗ und Bromſalze enthalten und zu verſchiedenen chemiſchen Präparaten für techniſche Zwecke verarbeitet werden. Das in den Seeſalinen gewonnene Boi⸗ oder Kochſalz iſt zwar noch unrein, zum Einſalzen von Fiſchen und Feeiſch jedoch, ſowie zur Ver⸗ wendung in der Chlor⸗, Soda⸗, Seifen⸗, Glas⸗Fabrikation und zu anderen gewerblichen Zwecken vollkommen geeignet. Die Seeſalinen von Barletta allein erzeugen durchſchnittlich jedes Jahr 500 600,000 Zollzentner ſolchen Boiſalzes, während auch in Spanien, auf Sicilien, im Neapolitaniſchen, im ehemaligen Kirchenſtaate, in Frankreich, Oeſterreich, auf den Bahama⸗ Inſeln noch große Quantitäten dergleichen Salzes gewonnen werden.

Die Erde von der Venus und vom Monde aus geſehen. (Mit 2 Bildern auf Seite 413.)

Gewiß hat mancher unſerer Leſer ſich ſchon auf dem Wunſche betroffen, zu wiſſen, von welchen Sternen aus man unſere Erde im Weltall ſehen kann und wie dieſelbe ſich den etwaigen Bewohnern jener anderen Welten oder Sterne darſtellt. Dieſe Frage erſcheint dem Laien ganz berechtigt, weil er ſich nicht vergegenwärtigt, welchen mikroſkopiſch kleinen Raum und welche winzige Bedeutung unſere Erde im ganzen ungeheuren Weltall ein⸗ nimmt. Wir wollen daher verſuchen, ihm auf jene beiden oben aufgeworfe⸗ nen Fragen Beſcheid zu geben, ſo weit dies in populärer Weiſe eben möglich iſt. Wenn wir unter denSternen diejenigen Firſterne verſtehen, die außerhalb unſeres Planetenſyſtems liegen, ſo antwortet auf die erſte Frage die Thatſache: Von allen dieſen Sternen erſchaut keiner die Erde, denn der uns zunächſt im Weltenraume ſchwebende Fixſtern kreist

in einer Entfernung von uns, welche 226,400 Mal größer iſt als die Strecke, die uns von der Sonne ſcheidet. Die Sonne ſelbſt, deren Oberfläche etwa 12,500 Mal ſo groß iſt als diejenige unſerer Erde, würde auf dieſe Entfer⸗ nung nur wie ein kleiner Stern erſcheinen. Stünde daher unſere Erde auch ganz iſolirt im Weltraume, anſtatt in einen Planetenkreis unſeres Sonnen⸗ ſyſtems eingefügt, ſo würde man ſie wegen ihres geringen Lichtes und ihrer Kleinheit von jenem uns nächſten Firſtern aus nicht ſehen können, geſchweige denn von den entfernteren Geſtirnen aus, für welche wegen ihrer großen Ferne im Weltraume zum Theil ſogar unſere Sonne nicht einmal ſichtbar iſt. Allein nicht nur unſere Erde, ſondern auch die anderen Planeten unſeres Sonnenſyſtems: der koloſſale Jupiter, der prächtige Saturn. ſ. w., ſind jenen gewaltigen ſelbſtleuchtenden Geſtirnen des fernen Veltraumes nicht ſichtbar. Ja noch mehr: von allen Gliedern unſeres Sonnenſyſtems können nur drei die Erde ſo gewahr werden, wie wir ſie, und dieſe ſind Merkur, Venus und der Mond; Mars kann unſere Erde exrathen und dieſelbe vielleicht nach ihrem Range im Weltgebäude ſchätzen, aber die anderen der hauptſächlichſten größeren Planeten unſeres Sonnen'yſtems wiſſen ſicherlich ſo wenig von uns, wie jene Firſterne dort draußen im Schoße der Sternenwelt. Wenn der Merkur Bewohner hat, welche denken und beobachten wie wir, ſo erſcheint ihnen die Erde als ein ebenſo glänzender und deutlicher Stern, wie uns der Merkur. Von der Venus aus geſehen aber, welche in einer Sonnenferne von etwa 5 ¼ 36 Mällionen Meilen innerhalb unſerer Erdbahn durch den Welt⸗ raum ſchwelt, muß unſere Erde, wenn ſie der Venus am nächſten kommt, (was alle 554 Tage geſchieht), noch als ein weit glänzenderer Stern von weißem ode bläulichem Lichte, welches dasjenige des Sirius und der übrigen Getirne am Firmament der Venusbewohner übertrifft, und in der Zuſamnenſtellung erſcheinen, die unſer erſtes Bild Seite 413 denen veranſchaulict, welche einigermaßen mit den Sternbildern der Himmels⸗ karte vertratt ſind. Der Anblick unſerer Erde vom Monde aus endlich muß zu den herrlichſten Naturerſcheinungen gehören, die ſich denken laſſen, da dieſer Tabant unſerer Erde nur durch eine Strecke von 47,000 bis 54,650 Meien von des letzteren entfernt iſt und dieſe bei ihrer Dichtheit und Größe und bei der ſie umgebenden Atmoſphäre den allfälligen Mondsbewohnern ungemein groß und deutlich und kräſtig beleuchtet erſcheinen vird. Unſer zweiter Holzſchnitt S. 413 veranſchaulicht die Geſtalt und Größe, in welcher unſere Erde vom Mond aus geſehen werden dürfte. Unere Länder und Meere und die ganze phyſikaliſche Gliederung unſeres Plaieten wird ſich vom Mond aus deutlich erkennen laſſen, dagegen werden die etwaigen Mondbewohner ebenſo ſehr im Ungewiſſen darüber ſein, ob de Erde bewohnt ſei, wie wir hinſichtlich der Bewohner des Mondes, dun es iſt Thatſache, daß wenn man mit dem Luftballon nur 4 5000 Neter hoch über die Erdoberfläche ſich erhebt, dieſe von dem Schiffchen des Ballons aus ganz todt und ausgeſtorben, völlig ohne Bewegung und Laut erſcheint, ähnlich ſo wie wir die Mondfläche durch unſere Feuröhre erblicken.

Räthſel. Als ſchwere Laſt bin ich verſchrieen, Die auferlegt ein jeder Staat, So daß man möchte oft entfliehen, Wenn Jener, der ſie hebet, naht. Und doch, gilt Kleines es zu nennen, Führt man mich an noch immerdar, Obwohl mich von der Welt zu trennen Der neuen Zeit beſchieden war.

Auflöſung folgt im nächſten Heft.

M. Paul.

Auflöſung des Ton⸗Räthſels vom 20. Heft: Labet.

Ailder-Räthſel.

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Auflöſung folgt im nächſten Heft. Alle Rechte vorbehalten.

Fedaktion, Druck und Verlag von Hermann Schönlein in Stuttgart.

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