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Illuſtrirte Chronik der Zeit.
ührte. Louiſe iſt am 3. Juli 1838 geboren als das zweite Kind aus der bühe des Kouſeſ von Preußen Wilhelm und der Prinzeſſin Auguſta von Sachſen⸗Weimar. Die reichbegabte junge Prinzeſſin Louiſe, die ihren Namen der edlen Königin Louiſe, der unvergeßlichen Gemahlin König Friedrich Wilhelms III., ihrer Großmutter, zu Chren führt, erhiolt unter den Augen ihrer geiſtvollen und hochgebildeten Mutter eine vorzuͤgliche Er⸗ ziehung und legte ſchon früh eine ausgeſprochene Vorliebe für Muſik und bildende Kunſt, wie eine entſchiedene Befähigung dazu und einen feinen äſthetiſchen Sinn an den Tag. Einfluß und Beiſpiel ihrer hohen Mutter weckten in der Prinzeſſin aber auch jenen Gemeinſinn, jenen auf das Praktiſche, auf die Hebung der Geſittung und Wohlfahrt des Velkes, auf die ſittliche Fortbildung der unteren Klaſſen gerichteten Drang, wie ihn die erlauchte Mutter, die Kaiſerin⸗Königin Auguſta, ſtets bethätigt hat.
Sobald ſich daher die junge Großherzogin in der neuen Heimeth ein⸗ gebürgert hatte, erging ſie ſich im eifrigſten Beſtreben, ſich einen gemein⸗ nützigen Wirkungskreis zu ſchaffen und als Gattin, Mutter und Rgentin, vor Allem aber in humanitärem Wirken, in der Pflege des Schönen, Edlen und Gemeinnützigen den Frauen ihres Landes als Muſter voran zu leuchten. Namentlich die Frauenfrage hat in der erlauchten Frau eine umſichige und freigebige Beſchützerin gefunden. Das oft ſo traurige Loos der unbenittelten verwaisten und unverheiratheten Töchter aus gebildeten Ständen iſt der hohen Frau nahe gegangen, und ſie war eine der Erſten, wecche ſich dem Beſtreben anſchloſſen, für derartige Honoratiorentöchter die Nittel zu be⸗ ſcheidener Selbſtſtändigkeit durch eine geregelte rechtſchaffene fhätigkeit zu finden. Die Ausbildung ſolcher Frauen für das Kunſtgewebe, für die kaufmänniſche Buchhaltung, für den Poſt⸗, Eiſenbahnkaſſen und Tele⸗ graphen⸗Dienſt, zu Lehrerinnen in den Primärſchulen u. ſ. 3 ward von der Großherzogin auf das Lebhafteſte befürwortet, geſördel und unter⸗ ſtützt, und ihrem hohen Patronat iſt es ohne Zweifel 3 verdanken, daß Baden einer der erſten Staaten auf dem Kontinente war welcher die Verwendung der Frauenarbeit im Bereiche des Schul⸗ und Bfkehrsweſens einführte und die Brauchbarkeit und praktiſche Verwerthung leſer Arbeit auf Grund von virtuellen Erfahrungen zu erweiſen ſuchte. D hohe Frau zollt der Löſung dieſer Seite der Frauenfrage noch immer diumſichtigſte Beachtung und hat theils im Zuſammenhang damit, theils is patrioti⸗ ſchem Gefühl und humanitärem Drange zumal in der Zeides deutſch⸗ franzöſiſchen Krieges unendlich viel gethan, um die Verlegung der kranken und verwundeten Soldaten durch freiwillige Frauenaxit rationell zu regeln. Drei Kinder ſind dieſer muſtergiltigen, glücklicn Ehe des großherzoglichen Paares entſproſſen: der Erbgroßherzog Irdrich Wil⸗ helm(geb. 9. Juli 1857), welcher erſt jüngſt das Feſt ſeiner Gßjährigkeit gefeiert hat, die Prinzeſſin Viktoria(geb. 7. Auguſt 1862), dasreue Eben⸗ bild der erlauchten Mutter, und der am 12. Juni 1865 gepene Prinz Ludwig Wilhelm.
Schloß Miramar. (Mit Bild auf S. 404.)
Kaum läßt ſich eine zauberhaftere Lage denken, als dinige von Miramar, des prächtigen Schloſſes, das ſich der unglückliche, chbegabte, romantiſche Erzherzog Maximilian von Oeſterreich, der Brudedes der⸗ maligen Herrſchers von Oeſterreich⸗Ungarn, gegründet, ehe er ſi verleiten ließ, Kaiſer von Mexiko zu werden, und für dieſen kurzen Lſertraum unter den ſtandrechtlichen Kugeln zu Queretaro verblutete. Es erlt ſich auf einer vorſpringenden weſtlichen Landſpitze bei Trieſt, von der ditrunkene Auge über die blaue Adria, den Steilabfall der Alpen, über dampoſante Bild von Trieſt mit ſeinem Hafen und über die maleriſch zuktretende Küſte und den Golf von Monfalcone ſchweift. Hier in dieſem Zarrſchloſſe, das er ſich ſelbſt erbaut hatte, verbrachte der Erzherzog Maxlian die ſchönſten Jahre ſeines Lebens, theils unvermählt, theils an der(te ſeiner Gattin, die ihm im April 1864 auf den Kaiſerthron nach Mo folgte und mit ihm daſelbſt am 12. Juni 1864 einzog. Ein reizender naniſcher Bau mit vielen vorſpringenden Ecken und Kanten, bildetkiramar mit ſeinem weißen Thurm eine weithin ſichtbare Landmarkeür den Schiffer, ſich mit ſeinen Zinnen ſcharf vom Horizont abzeichn. Ge⸗ duld und Kunſt haben auf der nackten Felſenſpitze nicht nur dasrrlichſte Schloß, ſondern auch den ſchönſten parkartigen Garten geſchn, der mit Terraſſen, Lauben, Statuen, Grotten, großen Freitreppen präch⸗ tigen Belvederes geſchmückt iſt. Die Ausſicht, in deren Genußan von den verſchiedenen Standpunkten des Gartens und von den Banen der Villa aus ſchwelgt, iſt einzig in ihrer Art, der ganzen Schöng der Villa aber prägt ſich die Perſönlichkeit ihres Erbauers auf,/ man daraus als einen bedeutenden Menſchen kennen und— darudoppelt bedauern lernt. Deshalb trachtet der Fremde, der das Schloß Augen⸗ ſchein nimmt, zunächſt auch nach Maximilians eigenen Zimmerm denen ſich das Weſen des unglücklichen Fürſten ausſpricht, nach dellrbeits⸗ kabinet, das er ſich genau nach dem Muſter ſeiner Kajüte auf dfregatte „Novara“ einrichten ließ, mit welcher er bekanntlich die Fahſim die Welt machte. In der ganzen ſinnigen und künſtleriſch vollenn Ein⸗ richtung zeigt ſich Maximilian zugleich als Dichter und als Segm, als Gelehrter und als Kunſtfreund. Die Büſten von Homer und Je, von Shakeſpeare und Byron ſchauen auf ſeinen Schreibtiſch heryr, die Bildniſſe ſeiner Freunde ſchmücken die Wände, ſeine Lieblings⸗Jer und ⸗Schriftſteller füllen die Fächer ſeiner Bibliothek, als Zeugen deiſtigen Richtung des Todten... Im Thronſaal ſteht das lebensgroßorträt Maximilians im kaiſerlichen Ornate, das Scepter in der H, und neben dem Bilde liest man— eine Ironie des Schickſals, welckes Be⸗ ſchauers Herz eiſig zuſammenſchnürt— den Wahlſpruch des Wigten:
des ſtandrechtlich hingerichteten Exkaiſers nach Miramar zurück, ſeine arme
Wittwe Charlotte aber ſchmachtet ſeitdem in den Banden von Schwer und Wahniinn. hmachtet ſeitde anden von Schwermuth.
3. Die Holzſchnitzerei in Tirol. (Mit Bild auf S. 405.)
Die Bewohner unſerer deutſchen Gebirge und namentlich der deutſchen Alpen haben bei dem dürſtigen Ackerbau, welchen ſie wegen des Klima's und Bodens betreiben können, Zeit genug zu Nebenbeſchäſtigungen, die ihnen eine kleine Zubuße zu ihrem kargen Unterhalt liefern. Eine der allgemeinſten und beliebteſten Beſchäftigungen dieſer Art iſt die Holz⸗ ſch nitzerei, die vornehmlich zu Oberammergau, Partenkirchen und Berchtes⸗ gaden in Oberbayern und im Grodener Thale in Tirol ſich oft zu wirk⸗ lich künſtleriſchen Leiſtungen erhebt, auf deren Förderung neuerdings auch die von der Regierung eingerichteten Zeichner⸗ und Schnitzerſchulen hin⸗ arbeiten. Die eigentlich volksthümliche Induſtrie der Holzſchnitzerei aber wird noch in ganz Tirol und im Geſammtgebiet der deutſchen Alpen von einer Menge Autodidakten in der naivſten Weiſe betrieben, hat doch faſt jedes Dorf ſeine kleinen Künſtler, die ohne jemals Unterricht im Zeichnen und Modelliren erhalten zu haben, mit den einfachſten Werk⸗ zeugen: Schnitzmeſſern, Hohlmeiſeln, Stechbeuteln ꝛc. eine Mannigfaltigkeit von zierlichen Dingen, bald Kinderſpielwaaren, bald Gegenſtände des Hausbrauchs, bald hübſche Gebirgshäuschen, Kirchen, Kapellen, Heiligen⸗ bilder, Baldachine, Konſolen, Jagdthiere und dergleichen zu verfertigen wiſſen und zum Verkauf umhertragen. Das hübſche Bild von A. Greil, das wir auf Seite 405 dem Leſer darbieten, führt uns einen der⸗ artigen ländlichen Meiſter vor, welcher ſeine Werkſtätte und ſein Waaren⸗ lager an einem der begangeneren Touriſtenwege aufgeſchlagen hat. Es iſt ein ehrlicher Greis, der, nicht mehr kräftig genug zum Hirten, Holzknecht oder Trifter, bei ſeinen Kindern im Ausgeding ſitzt und in ſeinen alten Tagen aus dem Zeitvertreib, dem er als Knabe nachgehangen, ſich eine kleine Erwerbsquelle ſchafft. Tage lang ſitzt er und ſchnitzt aus weichen und harten Hölzern ſeine kleinen Thierfiguren und Heiligenbilder, ſeine Bauernhäuschen, Einbäume(Kähne, wie derjenige, um welchen die Dame auf unſerem Bilde handelt), ſeine„Gamsjager“ und Milchbuben und derartige ihm vertraute Erſcheinungen, die er bei Einheimiſchen und Fremden an den Mann zu bringen ſucht und die ihm ein kleines Taſchen⸗ geld zu Bier und Tabak abwerfen. Und gern kauft der Reiſende dem treuherzigen Alten, der eine charakteriſtiſche Staffage des Gebirges bildet, ſeine kleinen Erzeugniſſe ab, um ſie als Reiſe⸗Andenken mit nach Hauſe zu nehmen und den ehrlichen Fleiß des Greißes zu belohnen.
Das Grabmal Auber's auf dem Kirchhofe pere⸗Lachaiſe
in Paris. (Mit Bild auf S. 408.)
Am 29. Januar d. J. wurde das Grabmal enthüllt, welches dem Meiſter der komiſchen Oper, dem berühmten Tondichter Auber, aus frei⸗ willigen Beiträgen ſeiner dankbaren Schüler und der franzöſiſchen Muſik⸗ freunde überhaupt auf dem Friedhofe des Pere Lachaiſe, dieſem Pantheon der ſeit einem Jahrhundert verſtorbenen Pariſer und franzöſiſchen Nota⸗ bilitäten, errichtet worden iſt. Bekanntlich ſtarb Auber am 13. Mai 1871 zu Paris gerade während des Aufſtandes der Kommune, und ſeine Familie hatte das Anerbieten der letztern, die Leiche des gefeierten Komponiſten auf Koſten der Stadt Paris zu beerdigen, abgelehnt, weshalb die irdiſchen Ueberreſte des ehemaligen Direktors des Pariſer Konſervatoriums in aller Stille in den Gewölben der Dreifaltigkeitskirche zu Paris beigeſetzt und erſt am 15. Juli 1871 auf dem Friedhofe des Pore Lachaiſe feierlich be⸗ ſtattet wurden. Erſt ſpäter ward der Gedanke angeregt, dem berühmten Komponiſten auf jenem Friedhof ein ſeiner würdiges Grabdenkmal zu ſetzen, und die Mittel dazu floſſen auch bereitwillig. Das Monument, von welchem wir S. 408 eine Anſicht geben, rührt in ſeinem Entwurfe von dem mit der Reſtauration des Louvre beauftragten Architekten Lefuel her und beſteht aus einem Grabſtein von feinkörnigem gelbem Juraſandſtein, hinter welchem ſich erſt das eigentliche Denkmal erhebt, ein Obelisk in zwei Ab⸗ theilungen, deſſen untere gleichfalls aus gelbem Juraſandſtein die Attribute der Muſik und eine ſtark ausgeladene Konſole zeigt, welche die Büſte Auber's in weißem Marmor trägt, während der hinter der Büſte emporragende, aus ſchwarzem Marmor hergeſtellte obere Theil des Obelisken eine günſtige Folie für die Büſte bildet und in goldenen Buchſtaben den Namen Auber's mit den Daten ſeiner Geburt und ſeines Todes aufweist. Der große Tondichter Daniel Francois Eſprit Auber wurde als der Sohn eines wohlhabenden Pariſer Kaufmanns am 29. Januar 1782 zu Caen in der Normandie geboren, woſelbſt ſeine Eltern auf einer Reiſe ſich eben aufhielten. Urſprünglich für den Handelsſtand erzogen, trieb er aus Liebhaberei nebenbei Muſik und lieferte hübſche kleine Kompoſitionen(Romanzen, Cello⸗ Konzerte, Trios, eine Operette u. dgl. m.). Aber erſt als der Vater ſein Vermögen verlor und die kaufmänniſchen Ausſichten des Jünglings ſich trübten, erwählte er die Muſik zum Lebensberuf und machte unter Cheru⸗ bini's Leitung ſorgfältige und gewiſſenhafte Studien am Konſervatorium. Eine von ihm geſetzte Meſſe(aus welcher ſpäter mehrere Stücke in die „Stumme von Portici“ übergingen) und einige kleine Opern hatten keinen Erfolg, erſt als er in ſeiner komiſchen Oper„La Bergère chatelaine“ (Text von Feydeau, 1820) Roſſini's Styl nachzuahmen ſuchte, welchem da⸗ mals die größte Anerkennung gezollt wurde, fand ſeine Muſik einigen Anklang. Jetzt trat er mit Scribe in Verbindung und ſchuf nun zu deſſen munteren und lebhaften Texten die reizendſten Melodieen. Die Oper„der Schnee“ gelangte
Si fortuna juvat, cavete tolli(wenn euch das Schickſal günſti, hütet euch, es euch entreißen zu laſſen). Im Jahre 1866 brachte man deichnam
1824 durch Henriette Sontaa auch nach Deutſchland, gefiel hier ſehr und half


