Jahrgang 
14-26 (1877)
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4⁰² Illuſtrirte Chronik der Zeit.

neue Aufgabe erhalten, deren Löſung ihn vollauf beſchäftigte, er war entſchloſſen, ihr ſeine ganze Kraft zu widmen.

Seinen Plan hatte er bereits entworfen, er lag klar und deut⸗ lich vor ihm, und es ärgerte ihn nur, daß er mit der Ausführung warten mußte bis der Polizeirath mit ſeinen Beweismitteln ein⸗ getroffen war. Darüber konnten noch mehrere Tage verſtreichen, und es war unberechenbar, was ſich inzwiſchen ereignete.

Daß der Müller mit dem Sekretär Ackermann's genauer bekannt ſein mußte, wie er zugeben wollte, und daß er nur von dieſem den Brief erhalten haben konnte, das unterlag für den Kommiſſär keinem Zweifel mehr.

Vierundzwanzigſtes Kapitel. Geldſtolz.

Und nun, mein lieber Freund und Kupferſtecher, wollen wir die Geſchichte in Ordnung bringen! ſagte Otto Wurzer, während er die Geſchäftsbücher zuklappte und den Blick prüfend durch das Comptoir ſchweifen ließ.Das ewige Hangen und Bangen führt zu nichts, und ich muß ſorgen, daß mein Aſſocié kein Träumer wird.

Ein ſchwerer und tiefer Seufzer war die Antwort Guſtavs auf dieſe Worte, er ſtützte das Haupt auf den Arm und ſchaute mit ernſter Beſorgniß in die Flamme der Gaslampe, die über dem Pulte hing.

Ich fürchte, es wird Ihnen nicht gelingen, erwiederte er.

Ach was, mir iſt Vieles gelungen, was weit ſchwieriger war; ich wünſche Ihnen nur, daß Sie einmal in den Fall kommen möchten, einer Ruſſin eine Liebeserklärung machen zu müſſen, dann hätten Sie wenigſtens triftigen Grund zu ernſten Befürchtungen?

Iſt das ſo ſehr ſchwierig?

Den Kukuk auch! Die Ruſſinnen tragen ein Herz von Eis im Buſen, und dieſes Eis muß durch heiße Liebesworte aufgelöst werden. Na, mir iſt das jedesmal gelungen, aber Sie würden es nicht fertig bringen.

Guſtav mußte trotz ſeiner gedrückten Stimmung lachen.

Ich will mit Ihnen nicht ſtreiten darüber, ſagte er in

ſcherzendem Tone, der allerdings etwas gezwungen klang.Sie ver⸗ langen ja nicht bedingungsloſen Glauben, alſo bleibt die Gedanken⸗ freiheit mir gewahrt. Sie ſind ein tüchtiger Kaufmann, Wurzer, das muß der Neid Ihnen laſſen, und auch mein Onkel erkennt das ohne Rückhalt an, Sie haben das Geſchäft in ſehr kurzer Zeit wieder in Flor gebracht, aber mit Ihren Reiſe⸗Erfahrungen haben Sie bei mir nun einmal kein Glück.

Wurzer zuckte die Achſeln und nahm ſeinen Hut und das dünne Spazierſtöckchen vom Tiſche.

Es iſt mir nur lieb, daß Sie wenigſtens auf dem kaufmän⸗ niſchen Felde meine Erfahrungen anerkennen, entgegnete er;freilich, wer keine Reiſe gemacht hat, der kann auch nichts erzählen. Na, darum keine Feindſchaft nicht; gehen Sie voraus, ich werde den Gaskrahnen zudrehen.

Guſtav kam der Aufforderung nach, er wartete vor der Haus⸗ thüre, bis ſein Freund erſchien, dann ſchlugen ſie Arm in Arm den Weg zum Hauſe der Rechnungsräthin en.

Sie haben alſo bei Käthchen noch mit keiner Silbe auf den Buſch geklopft? fragte Otto Wurzer nach einer Weile.

Ich hatte nicht den Muth dazu!

Sie ſchüchterner Jüngling! Weshalb thaten Sie es nicht auf ſchriftlichem Wege?

Dazu konnte ich mich auch nicht entſchließen. Es wäre ſchrecklich für mich, wenn ich ausziehen und mir eine andere Woh⸗ nung ſuchen müßte, die Abende waren ſo urgemüthlich, ich mag nicht daran denken, daß

Daß die ſchönen Tage von Aranjuez zu Ende ſein könnten? Nein, die fangen nun erſt an, Verehrteſter, ſobald Sie das Ja⸗ wort haben.

Glauben Sie, daß ich es erhalten werde?

Das müſſen Sie doch beſſer wiſſen, als ich, mein Beſter! Sie haben vorhin über meine Erfahrungen geſpottet

Nur über Ihre Reiſe⸗Erlebniſſe, unterbrach Guſtav den Freund, Ihre Erfahrungen laſſe ich gerne gelten. Käthchen kennt mich erſt ſeit kurzer Zeit, ich fürchte, ſie wird über mich lachen, wenn ich ihr ſage, daß ich ſie liebe!

Könnte ſie das, dann wäre ſie überhaupt der Liebe nicht werth! ſagte Wurzer.Ich habe einen Freund gehabt, der ſeiner künftigen Gattin in derſelben Stunde, in der er ſie kennen lernte, einen Antrag machte.

Und er erhielt das Jawort?

Natürlich, und es wurde eine ſehr glückliche Ehe. Wie ſagt Goethe:

Geh' den Weibern zart entgegen, Du gewinnſt ſie, auf mein Wort, Und wer raſch iſt und verwegen, Kommt vielleicht noch beſſer fort.

Ja, Sie haben gut rathen! erwiederte Guſtav, tief auf⸗ athmend.Sie ſind bereits in den Hafen des Glücks eingelaufen. Und Sie ſollen es auch, das habe ich mir nun einmal vor⸗ genommen! Nur Geduld, binnen einer Stunde werden wir mehr erfahren. Aber das ſag' ich Ihnen, Vetter, wenn der Bund ge⸗ ſchloſſen iſt, dann müſſen Sie auch das verpfändete Wort einlöſen!

Zweifeln Sie daran, daß ich es thun werde?

Hm, den Söhnen reicher Leute kann man in dieſem Punkte nicht immer trauen! Der Einfluß der Eltern

Sie beleidigen mich, wenn Sie an mir zweifeln.

Na, na, der Herr Papa iſt Millionär

Und ich bin großjährig!

Es wird harte Kämpfe koſten!

Ich biete jedem Kampfe die Stirne!

So recht! Stolz will ich den Spanier! erwiederte Wurzer. Vergeſſen Sie nur nicht, was Sie in dieſer Stunde mir verſprochen haben. Sie ſind ihr eigener Herr, theurer Vetter, unſer blühendes Geſchäft erlaubt Ihnen, auf den Reichthum Ihres Vaters zu ver⸗ zichten, ſomit hätten Sie für den Wortbruch nicht die geringſte Entſchuldigung.

Ich werde nicht in die Lage kommen, einen Entſchuldigungs⸗ grund ſuchen zu müſſen!

Um ſo beſſer für Sie! Haben Sie das Jawort Käthchens, ſo müſſen Sie Ihre Eltern ſofort davon benachrichtigen. Nur nicht lange fackeln, Verehrteſter, friſche Fiſche, gute Fiſche!

Ich werde morgen ſchon nach Plettenberg gehen.

Na, dem Muthigen gehört die Welt. Und nun vorwärts, theurer Vetter, benutzen Sie den Augenblick und erobern Sie die Feſtung im Sturme! Ich werde Ihnen die Gelegenheit auf dem Präſentirteller entgegenbringen, bedenken Sie wohl: Was man von der Minute ausgeſchlagen, gibt keine Ewigkeit zurück!

Otto Wurzer hatte bei den letzten Worten die Thüre des Frei⸗ muth'ſchen Hauſes geöffnet und ſchob nun den zögernden Freund mit ſanfter Gewalt hinein.

Sie traten in die trauliche Wohnſtube, erglühend blickte Käthchen auf, und in ihrem freudig leuchtenden Blicke hätte Guſtav die Be⸗ hauptungen ſeines Freundes beſtätigt ſinden können.

Die Rechnungsräthin lud die Herren ein, Platz zu nehmen, und Guſtav kam der Einladung ſofort nach, Otto Wurzer aber blieb hinter ſeinem Stuhle ſtehen.

Nun? fragte die Hausfrau erwartungsvoll.Wollen Sie ſich nicht niederlaſſen? Seitdem Sie verlobt ſind, iſt es ein ſeltenes Ereigniß, wenn Sie uns einmal die Ehre ſchenken

Und finden Sie das nicht natürlich? erwiederte der junge Mann, während er das Doppelglas auf die Naſe ſetzte und einen forſchenden Blick auf den Freund warf.Fürchten Sie deshalb nicht, daß ich Sie vergeſſen werde, Sie beſte aller Frauen, meine Freundſchaft wird Ihnen bleiben, ſo lange ich lebe!

Das iſt für mich eine tröſtende Beruhigung! ſcherzte die Rechnungsräthin.

Aber leider muß ich trotz meiner Freundſchaft Ihnen eine unangenehme Mittheilung machen, fuhr Wurzer ſeufzend fort, nehmen Sie es mir nicht übel

Sie wollen ausziehen?

Vor meinem Hochzeitstage nicht.

Nur heraus damit!

Ihr Haus iſt feucht!

Unmöglich! ſagte die Wittwe beſtürzt.Wie kommen Sie zu dieſer Behauptung? Ich habe nie eine feuchte Stelle in dieſem Hauſe entdeckt.

Ich wiederhole Ihnen, es iſt mir unangenehm, die Mit⸗ theilung machen zu müſſen, aber auf der andern Seite halte ich mich auch dazu verflichtet.

Wenn es wirklich Wahrheit iſt

Ich bitte Sie, ſich davon zu überzeugen.

Und wo haben Sie dieſe Feuchtigkeit gefunden?

In meinem Zimmer.

Die Rechnungsräthin hatte ſich raſch erhoben, die unerwartete Mittheilung regte ſie in hohem Grade auf.

Käthchen ſchien dieſe Mittheilung kaum gehört zu haben, ſie ſchenkte ihr keine Beachtung, die Fragen, welche Guſtav an ſie richtete, feſſelten ihre ganze Aufmerkſamkeit.

In Ihrem Zimmer? wiederholte Frau Freimuth, zweifelnd das Haupt wiegend.Es iſt das Beſte im ganzen Hauſe, aber ich werde morgen eine gründliche Reviſion halten.

Bei Tage bemerken Sie auf der dunklen Tapete die Flecken

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ein ec Wein

ſagte Arm alls

Hand

wird.

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