Jahrgang 
14-26 (1877)
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wurde, die ſich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte, da eine Menge

Wallfahrer zu dem Grabe des heiligen Lubentius herbeiſtrömten. Mit der ſpäter erweiterten und der heiligen Dreieinigkeit gewidmeten Kirche

ward ſodann ein Stift verbunden, das unter den Hirtenſtab des Erz⸗ biſchofs von Trier gehörte, während Naſſau die Schirmvogtei deſſelben inne hatte und die Freiherren von Dahrn, welche zur Erbauung des Stiftes weſentlich beigetragen hatten, Untervögte der letzteren waren, bis es 1801 aufgehoben wurde. Alljährlich am Trinitatisfeſte kommen noch Tauſende von Pilgern herbei, um hier ihre Andacht zu verrichten, obſchon in letzter Zeit die Wallfahrt erheblich nachgelaſſen hat. Die Dietkirchener haben auch ihr Volksfeſt in der großen Herbſtmeſſe, einem von den Be⸗ wohnern der ganzen Umgegend vielfach beſuchten Jahrmarkte, welcher auf dem Felde gegen Limburg hin abgehalten wird und ein ungemein heiteres, buntes und vergnügliches Treiben entfaltet.

Die Schlacht von Ligny. (Mit Bild auf S. 388.)

Nach ſeiner plötzlichen Rückkehr von Elba hatte Napoleon I. die furcht⸗ barſten Anſtrengungen gemacht, ſeine Krone mit dem Schwerte zu behaup⸗ ten und ein mächtiges Heer auf die Beine zu bringen, um den Kampf mit dem verbündeten ſtarken Feind erfolgreich beſtehen zu können. Er war demſelben in der Mobiliſirung beinahe zuvor gekommen und wollte nun, mit den ungefähr 270,000 Mann, welche ihm zur Verfügung ſtanden, im Ver⸗ trauen auf ſeine meiſt vom Glücke gekrönten Angriffskampfweiſe, die Heere von Wellington und Blücher einzeln ſchlagen, um deren Vereinigung zu verhindern. Blücher ſtand mit 120,000 Mann hinter der Sambre und auf der rechten Seite der Maas, Wellington mit 80,000 Mann zwiſchen Schelde und Sambre; der erſte und wuchtigſte Stoß ſollte daher dem ſtärkeren und näheren Blücher'ſchen Heere gelten. Napoleon hatte ſeine Truppen ſo ſtill und raſch an der Grenze geſammelt, daß die Verbündeten keine Ahnung davon hatten und Blücher überraſcht ſich jählings der ganzen franzöſiſchen Macht gegenüber ſah, welche einen Sieg wie bei Marengo und Friedland zu erfechten hoffte. Am 15. Juni 1815 griff Napoleon in aller Morgenfrühe an, und die Preußen unter Zieten wurden von der franzöſiſchen Ueber⸗ macht zwar zurückgedrängt, allein ihr energiſcher Widerſtand währte bis in die Nacht hinein. Mittlerweile hatte Blücher mit ſeiner bekannten Schnellig⸗ keit ſeine zerſtreut liegenden Truppen bei Fleurus geſammelt und am Morgen des 16. drei Armee⸗Corps auf den Höhen in feſter Stellung eng aufgeſtellt. Napoleon ging hier auf den Ort St. Amand von vorn los, während Ney über Quatre⸗Bras nach Bry eilen und den Preußen in den Rücken fallen ſollte, ſo daß an dieſem Tage zwei Schlachten geſchlagen wurden, bei Ligny und Quatre⸗Bras. Napoleon's Angriff mißglückte in⸗ deſſen, und raſch änderte er ſeinen Plan, ſeine geſammte Macht gegen Ligny werſend. Blücher hatte alle verfügbaren Truppen nach St. Amand ge⸗ ſchickt, um die dortige bedrohte Stellung zu ſchützen. Als die Franzoſen mit 16 Schwadronen Küraſſieren und zwei Garde⸗Bataillonen die Stellung bei Ligny angriffen, hatte Blücher nur einige Schwadronen Reiterei zur Hand, an deren Spitze er ſich ſchnell den franzöſiſchen Küraſſieren ent⸗ gegen ſtellte, welche den preußiſchen Aufmarſch durchbrechen wollten. Die preußiſche Reiterei ward mit einem furchtbaren Karabinerfeuer empfangen und nach hartem Verluſte zurückgeſchlagen. Blücher war einer der Letzten beim Rückzug und ſein Pferd war ihm unter dem Leibez tödtlich verwundet worden. Er verſuchte, es noch vorwärts zu ſpornen, aber das treue Thier brach zuſammen, ſtürzte auf die rechte Seite und drückte mit ſeinem ganzen Gewicht den Feldherrn an den Boden feſt(ſiehe unſer Bild S. 388). Noſtitz, nun bin ich verloren! rief Blücher ſeinem Adjutanten zu, als er ſeine Sinne ſchwinden fühlte. Noſtitz ſaß ab und ſtellte ſich, den Zügel ſeines Pferdes in der Linken, Degen und Piſtole in der Rechten, neben den gefallenen Feldherrn, während die franzöſiſchen Küraſſiere ſchon in nächſter Nähe vorüber ſprengten. Pulverdampf, Dämmerung und ein Regenguß verſchleierten jedoch glücklicher Weiſe die Gruppe, bis die feind⸗ lichen Panzerreiter, von der wieder geſammelten preußiſchen Kavalerie geworfen und vor ſich her getrieben, zurückjagten. Jetzt rief Noſtitz die preußiſchen Reiter an und ließ den bewußtloſen Blücher unter dem Pferde hervorziehen und noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, denn ſchon ſtürmte der Feind von Neuem verſtärkt heran. Blücher war gerettet, aber ſein Sturz entſchied vielleicht die Schlacht, welche die Franzoſen gewannen, ohne indeß ihren Zweck zu erreichen, die Heere von Blücher und Welling⸗ ton zu trennen. Die Preußen verloren 14,000 Mann, unter dieſen 400 Offiziere und 21 Kanonen, nahmen jedoch zwei Tage darnach glänzende Revanche bei Waterloo, wo ihre Ankunſt und ihr Eingreifen die Schlacht entſchieden und Napoleon's Schickſal beſiegelten.

Die Eröffnung des türkiſchen Parlaments in

Konſtantinopel. (Mit Bild auf Seite 392 und 393.)

Die Eröffnung der konſtituirenden Verſammlung des türkiſchen Par⸗ laments, welches in Folge der am 24. Dezember 1876 ertheilten neuen Verfaſſung gewählt wurde, hat am 19. März 1877 in feierlichſter Weiſe in der Reſidenz des Sultans, dem am Meeresſtrande ſo reizend gelegenen Palaſte Dolma⸗Bagdſcheh, ſtattgefunden. Das herrliche Frühlingswetter hatte eine ungeheure Menge von Schauluſtigen jeden Atters, Standes und Geſchlechtes an die Ufer des Bosporus hinausgelockt, deſſen blaue Wogen in der milden Lenzſonne glänzten. Vornehmlich ſah man ſehr viele Türkinnen, in ihre weiten Feredſchés oder Mäntel eingehüllt

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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und das Geſicht mit dem Yaſchmak bedeckt, auf den Erdhaufen an der Straße kauern, des Schauſpiels gewärtig, welches die aus allen Theilen des Reiches zur Parlaments⸗Eröffnung kommenden Abgeordneten in ihren mannigfaltigen Trachten darbieten würden. Von Suleyman Bey, dem Sekretär des Sultans, in einem Vorſaal empfangen, wurden ſie darauf in den prächtigen, mit einer gewaltigen Kuppel überwölbten Thronſaal eingeführt, welchen unſer Bild Seite 392 und 393 dar⸗ ſtellt. Ziemlich in der Mitte des ſeinem Erbauer Garabed Bey Ballian nach Anlage und Ausſchmückung alle Ehre machenden Saals, jedoch mehr oſtwärts gerückt, ſteht der großherrliche Thron in Geſtalt eines Ruhebettes, reich aus Holz geſchnitzt und an der ganzen Lehne mit juwelenbeſetzten Goldplatten beſchlagen. In den vier Ecken des Saales ſind mächtige maſſive Kandelaber aufgeſtellt, rechts und links vom Throne zwei prächtige kryſtallene Armleuchter. Den Säulenhallen entlang, welche den Saal um⸗ geben, waren die Peiks oder Leibwächter des Sultans in ihren glänzenden Uniformen und mit ihren ſilbernen Hellebarden poſtirt. Hinter dem Throne und etwas zur Linken war dem diplomatiſchen Corps der Platz angewieſen, dem ſich nach rechts die Miniſter und Großwürdenträger der hohen Pforte und die höhere Geiſtlichkeit der chriſtlichen Konfeſſionen und der Iſraeliten, die Generalität und die hohen Staatsbeamten anſchloſſen. Um 2 Uhr erſchien Sultan Abdul Hamid I!. mit dem Großweſſir, trat vor den Thron, neben welchem ſein Bruder, Prinz Reſchad Effendi, der präſumtive Thronfolger Platz nahm, worauf der Sultan in ſeiner ſchüchternen und etwas unbeholfenen Weiſe die Verſammlung durch eine leichte Hand⸗ bewegung begrüßte und die Rolle mit der Thronrede, die er in der Rechten hielt, dem Großweſſir überreichte. Dieſer berührte das Papier mit ſeinen Lippen und übergab es dem Geheimſchreiber des Sultans, Said Paſcha, welcher es ebenfalls an Stirn und Lippen drückte und dann vorlas. Während der zwanzig Minuten dieſer Vorleſung blieb der Sultan ſtehen, die Linke am Säbelgefäß; hierauf grüßte er die Verſammlung abermals, die ſeinen Gruß mit tiefen Verbeugungen er⸗ wiederte, und kehrte unter dem Donner der Kanonen und unter dem Hochruf der Peiks:Padischahim tschokyascha(lang lebe der Sultan)! in dwelihen draußen die Volksmenge jubelnd einſtimmte, in ſeine Gemächer zurück.

Die Colibri⸗Sylve und ihr Ueſt. (Mit Bild auf S. 396.)

Der wunderbare Reichthum des Thierlebens unter den Tropen offen⸗ bart ſich vor Allem in der Welt der Vögel, welche vom größten bis zum kleinſten die überraſchendſten Schönheiten des Gefieders, der mannigfaltigſten Formen und Inſtinkte aufweiſen. Als Beweis dafür können wir beſonders jene unendlich zahlreiche Sippe der ſogenannten Colibris aufweiſen, welche man nicht mit Unrecht die fliegenden Edelſteine genannt hat, denn das ſchillernde, leuchtende, metalliſch glänzende und gleich den herrlichſten Ju⸗ welen funkelnde Gefieder dieſer winzigen Vögel iſt ebenſo bewundernswerth, wie die merkwürdige Geſchicklichkeit im Neſtbau und die außerordentliche Behendigkeit und Fluggewandtheit, welche dieſe eleganten kleinen Sänger und Inſektenfreſſer auszeichnen. Zu den durch zierliche Form und niedlichen Neſtbau ausgezeichnetſten Colibri⸗Arten gehören namentlich die im tropiſchen Amerika heimiſchen, an ihrem langen Gabelſchwanz erkenn⸗ baren Sylven oder Lesbyae, von denen unſer Bild S. 396 eine der zier⸗ lichſten Gattungen, die ſogenannte Lesbya Gouldi, ſammt ihrem Neſt, nahezu in Lebensgröße vorführt. Die Lesbya Gouldi, einer der häufigſten Colibris in Neu⸗Granada, iſt eines der zierlichſten Geſchöpfe der dortigen reichen Thierwelt. Die Kehle dieſes Vögelchens leuchtet in feurigſten me⸗ talliſchen Smaragdgrün, und ſein Köpfchen und ſein Rücken zeigen ein wun⸗ dervoll ſchillerndes Farbenſpiel von Dunkelgrün, Dunkelblau, Schiefergrau und Purpur. Man findet ſein Neſtchen, ein beinahe rundliches Gewebe von den feinſten Pflanzenfaſern, das in der eleganteſten Weiſe mit Moos überſponnen und daher einem natürlichen Moospolſter ähnlich ſieht, faſt in jedem Buſch und Baum, an Dornen oder in kleinen Zweiggabeln be⸗ feſtigt, und es iſt höchſt intereſſant, das Vögelchen beim Neſtbau zu be⸗ läuſchen, zu beobachten, wie das flinke Männchen, an ſeinem langen Gabelſchwanze kenntlich, die Materialien herbeiträgt, das Weibchen ſier zum uapfförmigen Neſt verwebt, das Aeußere des letzteren mit Bruſt und Kehle, dann das Innere mit dem Schwanze glättet und mit zartem Baum⸗ wollenflaum ausfüttert, um dann erſt die bunte Moosverkleidung an der Oberfläche anzubringen. Erſt in unmittelbarer Nähe bemerkt man die kleine Oeffnung und napfförmige Höhlung des Neſtes und erkennt, daß man einem ſolchen und nicht einem natürlichen Moosbüſchel gegenüber ſteht.

Ton-Räthſel. Biſt du es mit dem Ton auf Zwei, So ſchaff' ein kräftig Mahl herbei, Das thut genügend Gleiches ſchon, Als wie mein Wort auf Eins den Ton. Auflöſung folgt im nächſten Heft.

Auflöſungen vom 19. Heft: des Räthſels: Feuer. des Palindroms: Heil Lieh. des Bilder⸗Räthſels: Mäßig wird alt, Zuviel ſtirbt bald.

M. Paul.

Alle Rechte vorbehalten.

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