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Illuſtrirte Chronik der Zeit. 399
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hinaus wollte; in Folge deſſen nahm ſich die Herzogin vor, ſich einmal über das hochfahrende Weſen luſtig zu machen und zwar durch ein Geſchenk, welches ſie der Marquiſe verehren wollte. Sie beſuchte daher alle Läden der Stadt und war endlich ſo glücklich, in einem derſelben einen rieſen⸗ haften Kronleuchter von Meißner Porzellan mit weit ausgeſtreckten Armen, unzähligen Liebesgöttern und Schäfern nebſt Schäferinnen, und einer großen, globusartigen Kugel am unteren Ende aufzufinden. Das Unge⸗ heuer war nicht wohlfeil, da die Marquiſe aber ein kleines, niedriges Entreſolzimmer im Palais Royal bewohnte, und der Kronleuchter aus⸗ reichte, dieſes Zimmer faſt vollſtändig von oben bis unten und nach allen Seiten hin auszufüllen, ſo wurde er gekauft, aus einander genommen und während der Abweſenheit der Marquiſe in ihrem Zimmer wieder zuſammen geſetzt. Man denke ſich das Erſtaunen der alſo Beſchenkten, als ſie zurück⸗ kehrte! Die Stubenthüre öffnete ſich zum Glück nach außen, ſonſt hätte ſie nicht in ihr Zimmer kommen können. Die Möbel waren ſämmtlich aus⸗ geräumt, um dem Kronleuchter Platz zu machen, der wie ein Rieſenpolyp den ganzen Raum einnahm. Wenn die Marquiſe in ihr Schlaſzimmer gehen
Aunſere Karl Richard Lepſins.
(Mit Porträt auf S. 381.)
In mehr als Einer Wiſſenſchaft zählen dermalen deutſche Gelehrte zu den glänzendſten Notabilitäten, u. a. in den neuerdings ſo eiſrig gepfleg⸗ ten Studien Alt⸗Egyptens und ſeiner Geſchichte und Zuſtände, der ſoge⸗ nannten Egyptologie. Unſer erſter Kenner und Forſcher auf dieſem Gebiete iſt der Mann, deſſen Bild wir in dem heutigen Hefte unſeren Leſern darbieten, der hochverdiente Geheime Ober⸗Regierungsrath und Profeſſor Karl Richard Lepſius in Berlin, einer der bedeutendſten Philologen und Kenner des vorchriſtlichen Alterthums. Geboren am 23. Dezember 1811 zu Naumburg an der Saale als Sohn des Advokaten und ſpäteren Landraths Karl Peter Lepſius, welcher mit der mittelalterlichen deutſchen Baukunſt und Alterthumskunde gründlich vertraut und ein höchſt inſtruk⸗ tiver Schriftſteller war, erhielt er ſchon im Elternhauſe eine ſorgfältige Erziehung ſowie die Richtung auf den künftigen Beruf des Philologen und Archäologen, dem er ſich bis 1828 in Schulpforta, dann in Leipzig, Göttingen und Berlin widmete. Seine hervorragenden Leiſtungen in der vergleichenden Sprachkunde unter Leitung des berühmten Profeſſors Bopp verſchafften ihm nach Beendigung ſeiner Univerſitätsſtudien 1834 Empfehlungen von dieſem und Alexander v. Humboldt nach Paris, wo er ſeine Studien unter der Leitung der angeſehenſten franzöſiſchen Gelehrten fortſetzte und von der Akademie den Volney'ſchen Preis erhielt. 1835 ging er nach Italien, zuerſt nach Turin und Piſa und im Frühjahr 1836 nach Rom, wo er mit dem damaligen preußiſchen Geſandten, Ritter Bunſen, in genaue Beziehungen trat und nach einem längeren Verkehr mit dem archäologiſchen Inſtitut daſelbſt ſich definitiv entſchied, ſeine ganze geiſtige Kraft an die Erforſchung der Alterthümer Egyptens zu wenden, ohne jedoch darüber die begonnenen vergleichenden Sprachſtudien nament⸗ lich, über die etruriſche und osciſche Sprache, zu verſäumen. Er lenkte bald durch verſchiedene ſeiner Schriften und durch den großen Preis der franzöſiſchen Akademie, welchen er durch wiſſenſchaftliche Abhandlungen errang, die Beachtung der gelehrten Welt auf ſich, begab ſich dann nach England, um in den Sammlungen des britiſchen Muſeums ſeine Forſchun⸗ gen fortzuſetzen, und ward von Bunſen, den er 1838 in London wieder traf, zur gemeinſamen Herausgabe eines großen geſchichtlichen und antiqua⸗ riſchen Werkes über Egypten gewonnen. Bevor dies jedoch noch in's Leben trat, ward ihm die Auszeichnung zu Theil, die Oberleitung der von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen beſchloſſenen Expedition nach Egypten zu übernehmen, welche im Herbſt 1842 ihre Arbeiten in Alexandria be⸗ gann, von der egyptiſchen Regierung bereitwilligſt geſchützt und unterſtützt, bis Ende 1845 dauerte und die unſchätzbarſten Ergebniſſe lieferte, die beſonders in dem auf Koſten des Königs herausgegebenen Prachtwerke über die Denkmäler aus Egypten und Ethiopien niedergelegt ſind. Die Aus⸗ arbeitung und Ueberwachung der Herſtellung dieſes großen Werkes, welches eigentlich zum erſten Male einen genauen Einblick in die Zuſtände Alt⸗ Egyptens gewährt, beſorgte Lepſius in Berlin, wo er ſeit 1846 als or⸗ dentlicher Profeſſor, ſeit 1850 als Mitglied der Akademie der Wiſſenſchaften einen höchſt erſprießlichen Wirkungskreis fand und die Kunde Alt⸗Egyp⸗ tens ſeither nach allen Seiten hin bereichert hat. Wiederholte Reiſen und Forſchungen in Egypten ſelbſt, namentlich im Jahre 1866, die er dann auch nach Tuneſien ausdehnte, lieferten ihm noch eine Fülle neuen wichtigen Materials, welches er theils in eigenen Schriften und Abhandlungen, theils in der ſeit 1864 von Brugſch gegründeten„Zeitſchrift für egyptiſche Sprache und Alterthumskunde“ niederlegte. Lepſius iſt jetzt auf dieſem Gebiete die erſte Autorität der Gegenwart und hat einen bewunderns⸗ werthen Fleiß und eine rieſenhafte Arbeitskraft entwickelt, denn die von ihm verfaßten Bücher, Abhandlungen, Kupferwerke ꝛc. bilden eine kleine Bib⸗ liothek; ſie erſtrecken ſich auf die verſchiedenſten Gebiete der Sprachkunde und vergleichenden Sprachwiſſenſchaft, der Münzkunde, der Chronologie, Paläographie, Mythologie, Spezialgeſchichte, der Archäologie, der Kunſt u. ſ. w., und gelten in ihrer Art für klaſſiſch. Lepſius iſt Direktor des archäologiſchen Inſtituts und der egyptiſchen Abtheilung der könig⸗ lichen Muſeen und ſeit 1873 auch Geheimer Ober⸗Regierungsrath und Ober⸗Bibliothekar der königlichen Bibliothek zu Berlin. Faſt alle Akade⸗ mieen und gelehrten Körperſchaften der ganzen gebildeten Welt haben ihn
wollte, mußte ſie ſich an den Wänden hindrucken.— Die Herzogin hatte ihren Zweck vollſtändig erreicht, die Marquiſe ärgerte ſich ſtündlich über das koſtbare Geſchenk, ſie hatte jedoch nicht den Muth, daſſelbe entfernen zu laſſen. R.
Das Wort„Zucker“ kommt von dem arabiſchen sakar, und dieſes von dem Sanskritworte sarkara her, ſo daß daraus hervorgeht, daß der Occident den Zucker von den Arabern kennen lernte. Aus chineſiſchen Jahrbüchern wiſſen wir, daß die Araber häufig Canpu, einen Hafen an der Hanchow⸗Bai ſüdlich von Shanghai, beſuchten und von dort Zucker einhandelten. Dioscorides, der in der erſten Hälfte des erſten Jahrhunderts nach Chriſti Geburt ſchrieb, ſcheint der älteſte Schriftſteller des Abendlandes zu ſein, der den Zucker erwähnt. Er nennt ihn sac- charon und ſagt:„er ſei der Konſiſtenz nach wie Salz“. Plinius, der in demſelben Jahrhundert, doch etwas ſpäter wie Dioscorides, lebte, beſchreibt den Zucker, den man zu ſeiner Zeit auf den römiſchen Märkten ſah, folgendermaßen:„Saccharon iſt ein Honig, der ſich an Schilf bildet, weiß wie Gummi, das unter den Zähnen zerbröckelt, und deſſen größte Stücke die Größe einer Lambertsnuß haben.“ R.
Bilder.
zum korreſpondirenden oder Ehrenmitgliede ernannt, die meiſten Regie⸗ rungen ihn mit Orden und Auszeichnungen bedacht, und namentlich hat der Vicekönig von Egypten in verbindlicher Weiſe anerkannt und belohnt, was Lepſius für die Förderung der Egyptologie gethan hat. So iſt er eine der erſten Zierden deutſcher Wiſſenſchaft.
Großmutters Freude. (Mit Bild auf S. 384.)
Großmutter iſt ſchon hoch bei Jahren und das Alter drückt ſie, mag ſie es auch nicht ſo ohne weiteres eingeſtehen, ſchon recht ſehr. Darum fühlt ſie ſich auch am behaglichſten, wenn ſie ſtill in ihrem Sorgenſtuhle ſitzt und, mit einer leichten Handarbeit beſchäftigt, ihren Gedanken nach⸗ hängt, die meiſt in die Vergangenheit zurückwandern, in die Zeit, da ſie noch als rüſtige Hausfrau für eine große Familie zu ſorgen und zu ſchaffen hatte. Die Gegenwart mit ihrem raſtloſen Treiben, ihren neuen Anſichten und Moden iſt ihr ziemlich fremd geworden, und ſo hegt ſie auch wenig Intereſſe dafür. Doch ſo ganz theilnahmlos für die neue Zeit iſt ſie doch nicht geworden, ja für ein kleines Weſen, das kaum erſt ein Jahr exiſtirt, hegt ſie die innigſte, wärmſte Liebe; dafür iſt dieſes aber auch ihr friſches, rothwangiges, allezeit heiteres Enkelkind. Ja der kleine pausbackige Bube mit den lebhaften braunen Augen iſt Großmutters Freude, und wenn ſie ihn auf dem Schoße vor ſich liegen hat, mit ihm ſcherzt und ſpielt und er dann laut jubelt und mit Aermchen und Bein⸗ chen herumagirt, wie es uns der talentvolle Maler Guſtav Bregenzer in ſeinem anmuthigen Bilde auf Seite 384 zeigt, ſo iſt es, als läge ein heller Sonnenſchein auf dem alten faltigen Geſichte, als wäre alle Lebens⸗ müdigkeit verſchwunden, als keimten neues Hoffen und neues Wünſchen in dem alten Herzen auf. Noch recht lange möchte ſie dem lieben Kinde ſchützend und helfend zur Seite ſtehen, ſehen, wie es gedeiht und aufwächst. Doch wie Gott will; ſie iſt auch dafür ſchon aus tiefſtem Herzen dankbar, daß ſie überhaupt noch die Freude erlebte, einen Enkel in ihren Händen halten zu können. L. S.
Dietkirchen an der Lahn. (Mit Bild auf S. 385.)
Einer der landſchaftlich und kunſtgeſchichtlich intereſſanteſten Punkte des ſo maleriſchen Lahnthales iſt die uralte romaniſche Kirche von Diet⸗ kirch. Von Limburg, deſſen prachtvoller Dom den Fremden Tage lang zu feſſeln im Stande iſt, auf dem Schienenwege flußaufwärts nach Runkel fahrend, erblickt man zur Linken ein prachtvolles Landſchaftsbild, in welchem zuerſt Dom und Schloß von Limburg, ſodann die Dietkircher Kirche und Burg Dahrn erſcheinen. Wer aber ein Freund von Kunſt und Alter⸗ thum iſt, der verſäume ja nicht, von Limburg aus auf guter Chauſſee die drei Kilometer bis Dietkirch hinauszuwandern, um ſich das alte Gottes⸗ haus, von dem S. 385 eine Anſicht gibt, genauer zu betrachten. Auf ſteilem Felsufer, hoch über dem uralten Marktflecken Dietkirchen, der, zu den früheſten Anſiedelungen des Landes zählend, eine der Mal⸗ oder Ge⸗ richtsſtätten des Lahngaues und der Wirkungskreis des im vierten Jahr⸗ hunderte unſerer Zeitrechnung das Chriſtenthum predigenden heiligen Lubentius war, thront die ſchöne romaniſche Kirche, eine gewölbte Pfeiler⸗ baſilika mit zwei Thürmen, die würdige Schweſter des Limburger Domes und noch ziemlich genau im urſprünglichen Style erhalten, denn nur Sakriſtei und Gewölbe des Querſchiffes ſind gothiſch. An die Gründung der Kirche knüpfen ſich verſchiedene Legenden. Der heilige Lubentius war im Jahre 351 zu Coblenz geſtorben und begraben worden; als aber eine Waſſerfluth den Sarg auswühlte und davontrug, ſchwamm derſelbe nicht rheinabwärts, ſondern den Rhein und die Lahn hinauf und landete bei Dietkirchen. Die Bewohner des Fleckens erkannten in dem im Sarge liegenden Todten ihren ehemaligen Wohlthäter und wollten ihn auf ihrem Gottesacker beiſetzen; allein die beiden Stiere, welche den Sarg auf einem Karren zogen, gingen damit durch und ſtanden erſt hoch oben auf der Spitze des felſigen Hügels ſtill— ein unverkennbares Zeichen, daß der Heilige hier ſeine Ruheſtätte erkoren hatte, weshalb denn auf der alſo be⸗
zeichneten Stelle ſogleich eine Gruft und über derſelben eine Kirche erbaut


