Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Ehronik der Zeit.

mit dunkleren Streifen; faſt ebenſo oft kommen ſchwarze mit einem weißen Stern an der Bruſt vor. Gelbe und fuchsrothe Katzen, dunkler geſtreift und getigert, ſind auch nicht ſelten, dagegen findet man dreifarbige nicht häufig, und dann meiſtens nur Weibchen.

Die Schönheit der Katze tritt erſt in ihren gewandten und an⸗ muthigen Bewegungen hervor. Gewöhnlich ſchreitet ſie gemeſſenen Schrittes einher, die ſcharfen Krallen dabei eingezogen, ſo daß nicht das mindeſte Geräuſch ihr Nahen verräth. Zierlichkeit und Beweg⸗ lichkeit zeigt jeder Schritt und Tritt, ja, es gibt kaum ein Thier, das es ihr gleich zu thun vermöchte. Läuft ſie, ſo bewegt ſie ſich ſprungweiſe fort, doch folgen die einzelnen Sprünge ſo ſchnell hinter einander, daß man ſie kaum unterſcheiden kann. Sie klettert leicht und geſchickt und ſpringt in der Gefahr oft 23 Meter hoch an dem Gegenſtande empor. Es iſt ihr ganz gleich, ob derſelbe ſenk⸗ recht oder ſchräg ſteht, wenn ſie ſich nur mit ihren Krallen ein⸗ häkeln kann. Sie fällt ſtets auf die Füße, ſelbſt wenn man ſie nur wenige Spannen hoch mit dem Rücken abwärts fallen läßt. Stürzt ſie aus bedeutender Höhe herab, ſo dient der emporgeſtreckte Schwanz als Steuer. Obwohl ſie im Nothfall recht gut ſchwimmt, ſo meidet ſie doch das Waſſer, ja geht ſelbſt dem Regen aus dem Wege.

Reinlichkeit iſt eine der erſten Eigenſchaften, die uns bei der Katze auffällt. Sie leckt und putzt ſich den ganzen Tag, wovon ſie im Indiſchen den Namen Mäar'gara, d. i. die ſich Putzende, erhalten hat. Alle Härchen müſſen in der gewohnten Ordnung liegen, ehe die Katze ihr Putzgeſchäft aufgibt. Fernerhin iſt ihre Liſt und Klugheit beim Mäuſefang zu bewundern. Ohne ein Lebenszeichen von ſich zu geben harrt ſie oft ſtundenlang vor dem Mauſeloch, bis ſein Bewohner vollſtändig herausgekommen. Sie wartet ſtets ſo lange, bis die Maus völlig herausgelaufen, ſie weiß ſich alſo zu beherrſchen und den rechten Augenblick zu erwarten. Auch ihr Muth verdient Anerkennung. Hat ſie nur den Rücken gedeckt, ſo leiſtet ſie dem viel ſtärkeren Hunde erfolgreich Widerſtand. Dabei krümmt ſie den Rücken, ſträubt das Haar und weiß unter fürchter⸗ lichem Fauchen ihre ſcharfen Krallen wohl anzuwenden.

Wird ſie recht gepflegt, ſo beweist ſie ihrem Herrn nicht geringe Anhänglichkeit. Ich ſelbſt habe ein Kätzlein gehabt, das mir wie ein Hund nachlief, ſich überall ſchmeichelnd an mich ſchmiegte und miauend umherſuchte, wenn es mich nicht finden konnte. Andere Katzen ſcheinen jedoch nur Anhänglichkeit an das Haus zu beweiſen, ſie bleiben in demſelben, auch wenn die Familie, der ſie angehören, eine andere Wohnung bezieht. Trotz aller Anhänglichkeit zeigen ſie doch einen Hang zu einem ſelbſtſtändigen Weſen. In Häuſern, wo man ſich weniger mit der Katze beſchäftigt, hört man häufig die Klage, daß dieſelbe im Sommer den Waldaufenthalt vorziehe und erſt zum Winter, oft mit Jungen, zurückkehrt. In Paraguay findet man dieſe Erſcheinung faſt regelmäßig. Im Alter ſteigert ſich der Freiheitstrieb, namentlich bei dem Murner(Kater). Junge Katzen zeigen eine große Vorliebe für Liebkoſungen und Schmeiche⸗ leien von Seiten ihres Beſitzers. Man kann durch ein lobendes Wort über den erſten Fang die Katze daran gewöhnen, daß ſie ſtets ihre Beute in die Stube trägt, um dort geſehen und belobt zu werden. Sie läßt ſich gern ſtreicheln, ſchnurrt dabei behaglich, hebt den Schwanz und ſucht die Liebkoſungen zu erwiedern. Dabei darf man jedoch der Katze niemals völlig trauen, denn trotz aller guten Eigenſchaften müſſen ihr auch Falſchheit und Hinterliſt zugeſchrieben werden. Die ſchlecht erzogene Katze naſcht auch überall gern herum, während im anderen Falle man ſie getroſt in der Speiſekammer laſſen kann. Verhätſchelte Katzen zeigen auch einen Hang zur Bequemlichkeit, ſo daß ſie es gar übel nehmen, wenn man ihnen dieſe nicht gewährt.

Mannigfaltiges.

Der Kardinal von Bar hatte ein Hoſpital in Vercelli geſtiftet und ſchickte gelegentlich ſeinen Haushofmeiſter dahin ab, um den Zuſtand der Anſtalt zu unterſuchen. Der Beamte erſchrak nicht wenig, als er eine Maſſe liederlichen Geſindels traf, welches ſich unter dem Vorwande von allerlei Krankheiten in dem Hoſpital gütlich that und den wirklich Nothleidenden die Aufnahme unmöglich machte. Am Morgen nach ſeiner Ankunft verkleidete ſich der Haushofmeiſter und gab ſich für einen Arzt aus. Er ließ ſämmtliche Kranke zuſammen kommen, fragte jeden Einzelnen nach ſeinem Befinden und that dann den Ausſpruch:Euch iſt nicht anders zu helfen, als durch eine Salbe von Menſchenfett. Ihr müßt alſo unter einander loſen, wer zur Rettung der Andern in ſiedendem Waſſer gekocht werden ſoll. Drei Tage gebe ich euch Friſt zur Vorbereitung auf den Tod, da Keiner von euch weiß, ob ihn nicht das Todeslos treffen wird. Aber es bedurfte nicht dreier Tage; ſchon nach vierundzwanzig Stunden war das Hoſpital von dem Geſindel befreit. R.

Seidenkultur in China. Die chineſiſche Legende läßt die Ge⸗ mahlin des Kaiſers Hwang⸗te, der um 2640 v. Chr. Geb. regierte, den Seidenbau in China einführen. Wenn dieſer Angabe auch keine geſchicht⸗ liche Richtigkeit beizulegen iſt, ſo beweist ſie doch das überaus hohe Alter

Von ihren Sinnen iſt der Geruch am ſtiefmütterlichſten bedacht worden. Beſſer iſt ſchon das Gefühl, namentlich in den ſteifen Schnurrhaaren. Das Geſicht iſt ausgezeichnet. Im Dunkeln ver⸗ mag die Katze faſt ebenſo gut zu ſehen wie am hellen Tage. Die Pupille erweitert ſich im Dunkeln, verkleinert ſich dagegen im Licht auffallend. In China ſieht man deshalb die Katze als lebende Uhr an, weil die ſtärkſte Verkleinerung ihres Augenſternes den Mittag anzeigt. Faſt noch ſchärfer iſt das Gehör. Selbſt der leiſeſte Tritt des kleinen Mäuschens bleibt von der Katze nicht ungehört.

Zweimal im Jahre, im Mai und September, gibt die Katze vier bis ſechs blinden Jungen das Leben. Sie behütet dieſelben namentlich vor dem Kater, da er ſie andernfalls verzehrt. Auch vor dem Menſchen hält ſie ihre Kleinen gern verborgen, ja ſie trägt ſie wohl bei zu großer Beläſtigung an einen anderen Ort. So lange die Jungen nicht ſehen können, liegt die Mutter lautlos bei denſelben, ſie fortwährend mit der Zunge beleckend. Sie iſt ſehr zärtlich gegen ihre Nachkommenſchaft, die, ſobald ſie ſehend geworden, ſehr beweglich iſt und unbeholfen umherkriecht. Wenige Tage ſpäter fällt die Ungeſchicklichkeit der Kleinen ſchon weniger auf. Sie ſpielen mit dem wedelnden Schwanz der Mutter, auch mit ihrem eigenen, in den ſie oft empfindlich hineinbeißen. Ihrer Spielliebe genügt die Mutter, indem ſie jenes mit den Pfoten in die Höhe oder auf die Seite wirft, dieſes herbeirollt, vor einem anderen ein Stückchen her⸗ läuft, wodurch ſie ſelbe zur Nachahmung reizt. Mit allem Rollen⸗ den, Gleitenden und Flatternden ſpielt die Familie, und es gibt kaum ein anmuthigeres Bild, als dieſelbe dabei darbietet. Die Raubluſt weckt die Mutter, indem ſie ſpäter lebende Mäuſe, ein Vögelchen oder auch nur eine Heuſchrecke den Jungen zum Spiel übergibt. Sie ſelbſt hat genau Acht, daß die Thiere nicht ent⸗ weichen. So lernt das kleine Kätzchen das Mäuslein ergreifen, und nach kurzer Zeit hat es die Lehren ſeiner Mutter wohl erfaßt.

Es iſt merkwürdig, daß die ſonſt ſo raubluſtige Katze während des Wochenbetts andere kleine Thiere, junge Eichhörnchen, Häschen, Hunde und Kaninchen, ja ſelbſt junge Ratten und Mäuſe an Kindes⸗ ſtatt annimmt.

Von Krankheiten wird das Katzengeſchlecht nicht ſehr heint⸗ geſucht. Am gefährlichſten iſt die Räude, die oft tödtlich iſt und ſich durch Anſteckung verbreitet. Sonſt tritt noch der Bandwurm auf, jedoch nicht gar zu häufig. Vom Ungeziefer haben die Katzen weniger zu leiden als die Hunde.

Der Nutzen, den uns die Katze durch das Wegfangen der Mäuſe gewährt, iſt nicht hoch genug zu veranſchlagen. Der bekannte Natur⸗ forſcher Lenz hat aus Verſuchen den Schluß gezogen, daß durch⸗ ſchnittlich eine Katze in mittelmäßigen Mäuſejahren 3650 der kleinen Nager vertilgt; für gute Jahre rechnet er die doppelte Anzahl. Mögen dieſe Zahlen auch nur als Maximalzahlen angeſehen werden, ſo ſteht doch feſt, daß eine gute Katze in kurzer Zeit ihre Umgebung von Mäuſen reinigt. Spitzmäuſe werden nur von jungen Katzen todt gebiſſen, während Eidechſen und Schlangen ſehr ſelten ange⸗ fallen werden.

So nützlich nun die Katze im Hauſe iſt, ſo großen Schaden

richtet ſie im freien Felde an. Junge und alte Vögel fallen ihr zur Beute, es iſt gleichgiltig, ob ihr Neſt auf dem Boden oder auf dem Baume ſich befindet. Selbſt junge Haſen entgehen ihren Krallen nicht, und manches Rebhuhn liefert ihr einen guten Biſſen. Die in Feld und Wald umherſtreichende Katze iſt auch ſelten ein guter Mäuſejäger, und Jeder, der dazu befugt iſt, ſollte dieſelbe getroſt erſchießen. Im Hauſe gebührt der Katze ein Platz, in Feld und Wald dagegen darf ſie nicht geduldet werden.

.(Nachdruck verboten.) dieſes Kulturzweiges. Die erſte ſichere Angabe finden wir in einer Samm⸗ lung der älteſten geſchichtlichen Urkunden des Reichs, welche im Jahre 484 v. Chr. Geb. von Confucius aus den Memoiren alter Geſchichtsſchreiber, ſowie aus den Nachrichten alter Monumente zuſammengeſtellt wurden. Bis in die neueſte Zeit hinein hat die kaiſerliche Familie der Seidenkultur die größte Aufmerkſamkeit zugewandt, ja nicht ſelten hielten es Kaiſerinnen ihrer Würde angemeſſen, ſelbſt Maulbeerblätter zu pflücken und den Seiden⸗ wurm zu füttern. Unter den vielen Abhandlungen und Belehrungen über die Kultur des Baumes und die Pflege der Raupe ſind nicht wenige aus kaiſerlicher Feder gefloſſen. Die Seidenkultur wird in China nicht blos von den großen Grundbeſitzern getrieben, auch die Millionen kleiner Land⸗ wirthe, von denen jeder nur einige Morgen Landes ſein eigen nennt, liegen mit Eifer dieſem Kulturzweige ob. Die jährliche Produktion wird auf 20 25 Millionen Pfund geſchätzt, wovon freilich der größere Theil im Inlande verbraucht wird. 1. R. Sch. Ein unangenehmes Geſchenk. Die Gemahlin des Herzogs Philipp von Orleans, des Regenten während der Minderjährigkeit Lud⸗ wigs XV. von Frankreich(1715 1775), hatte eine Geſellſchaftsdame, eine Marquiſe von Polignac, die trotz ihrer Armuth immer ſehr hoch

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