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ward ein ehemaliges Dienſtmädchen richtig und rechtmäßig die Groß⸗ mutter zweier Königinnen. B.⸗A. Deutſches Bier in Sibirien.— Das deutſche Bier dringt vor in alle Welt und namentlich dahin, wo unſere lieben Landsleute ſich finden. Gehören nur zwei Deutſche dazu, um auf irgend einem abgelegenen Theile der Welt einen deutſchen Geſangverein oder Turnverein als möglich erſcheinen zu laſſen, ſo braucht doch dieſe Zahl auch nicht viel größer zu ſein, um den lebhafteſten Wunſch nach einer Bierbrauerei in deutſchen Herzen rege zu machen. Hierauf ſpekulirte augenſcheinlich ein biederer Bayer, der es übernommen hat, in dem unwirthlichen Sibirien, in Tomsk, die Vorzüge des deutſchen Bieres bekannt zu machen. Er beſitzt jetzt dort eine hübſche Brauerei in einem Birkenwäldchen nahe bei Tomsk; im Wäldchen ſtehen eine Menge Tiſche und Stühle, die Durſtigen zu be⸗ haglichem Niederſitzen einladend, und dieſe höchſt gemüthliche Einrichtung überraſcht den deutſchen Reiſenden, der ſich nach Tomsk begibt, auf das Anheimelndſte und läßt ihn der ſchönen Heimath gedenken. Das Bier ſoll nach Verſicherung des Herrn v. Duhmberg, der dieſe nordöſtlichſte Bier⸗ kneipe unſerer Halbkugel entdeckte, ganz vorzüglich ſein; nur der Preis— 20 Kopeken für die Flaſche— ſei etwas hoch. B.⸗A Wettrennen um eine Krone.— Ein ſolches im eigentlichen Sinne des Wortes fand im Jahre 776 in Polen ſtatt, als der König Premislaus J. geſtorben war und es galt, ſeinen Nachfolger zu beſtimmen. Eine Anzahl Bewerber um den Thron, aus den reichſten Adelsfamilien, ſollte nach einem feſtgeſetzten Ziele reiten und wer zuerſt käme, ſolle König ſein. Einer der Bewerber ließ nun heimlich auf den Weg eiſerne Nägel und Haken ſtreuen, ſo daß, als in Gegenwart des Volkes das Rennen ſtattfand, die Pferde der anderen Bewerber, die auf ſolche Nägel traten, ſehr bald lahm wurden, während der Liſtige ſelbſt jene Stellen geſchickt zu vermeiden wußte und zuerſt am Ziele anlangte. Man bemerkte jedoch den Betrug ſogleich und in der Aufregung darüber ward der Anſtifter deſſelben ſofort getödtet. Ein armer Teufel aus dem Bauernſtande, Namens Lescus, hatte das Rennen zu Fuße mitgemacht und war, weil die Pferde der übrigen Bewerber gelähmt waren, als Zweiter hinter jenem Betrüger zum Ziele gekommen. Ihn erwählte jetzt das Volk zum König und Lescus regierte ſo gut, daß man nach ſeinem Tode den Thron ſeinem Sohne und nach deſſen Ableben ſeinem Enkel überließ; im Jahre 820 u. Chr. fand eine neue allgemeine Wahl ſtatt und in dieſer ward ein Stellmacher, Namens Piaſtrus, auf den polniſchen Königsthron befördert. B.⸗A. Das Schiff des Hiero.— Was der Great⸗Eaſtern in der Neu⸗ zeit, das war das Schiff des Königs Hiero von Syrakus im Alterthum, ein ſchwimmendes aus Holz und Eiſen konſtruirtes Meerungeheuer von koloſſalen Dimenſionen, das größte Wunderwerk der Schiffsbaukunſt. Sicilien war damals die Getreidekammer Italiens und 60 große königliche Galeeren beförderten ſtets die Produkte des reichen Landes nach den aus⸗ ländiſchen Häfen, von wo ſie mit Gold, Silber und koſtbaren Waaren aller Art beladen zurückkehrten. Es war alſo dort die Schiffsbaukunſt bereits zu hoher Vollkommenheit gediehen, als Archias, ein geſchickter Bau⸗ meiſter aus Korinth und Schüler des genialen Archimedes, für den pracht⸗ liebenden und bauluſtigen König Hiero um das Jahr 220 v. Chr. das Rieſenſchiff, genannt„Die Syrakuſanerin“, erbaute, welches in ſeiner Maſſenhaftigkeit einer ſchwimmenden Feſtung glich. Das Holzwerk war aus den Wäldern am Aetna geholt worden, bis auf den großen Maſt, wozu kein hinreichend mächtiger Baum in den Forſten Siciliens, Italiens und Griechenlands zu finden war. Es wurde endlich mit großen Koſten und Schwierigkeiten ein gigantiſcher Baumſtamm aus England geholt, wo ein brittiſcher Schweinehirt die paſſende Rieſenfich'e nachzuweiſen ver⸗ mochte. Das Schiff war mit einer Menge kunſtvoll verzierter Säle, bild⸗ ſäulengeſchmückter Tempel und mit blumenreichen Gärten verſehen, ſowie mit brunnenartigen Behältern mit Süßwaſſer und Fiſchteichen, auch befand ſich im Schiffsbauche ein Stall für zehn Pferde, die wahrſcheinlich ge⸗ braucht wurden, um durch ein künſtliches Pumpenwerk das Süßwaſſer aus einer großen Ciſterne im Raum zu heben. In acht Thürmen waren
Anſere Ewald Auguſt König.
(Mit Porträt auf S. 461.)
Unſere Leſer, welche den ſchon ſeit einiger Zeit in dieſen Blättern veröffentlichten Roman„Dunkle Wege“ mit Spannung leſen, werden ſich ſicher auch für die Perſon ſeines Verfaſſers intereſſiren: wir freuen uns daher, das Porträt deſſelben ihnen an der Spitze des vor⸗ liegenden Heftes darbieten zu können. Herr Ewald Auguſt König, unſer geſchätzter Mitarbeiter, iſt einer der geleſenſten Romanſchriftſteller der Gegenwart und ein um ſo achtbareres und ehrenwertheres Talent, als er ſeine gegenwärtige ehrenvolle Stelle in der deutſchen belletriſtiſchen Literatur nur ſeinem eigenen redlichen Fleiße und Streben verdankt und Alles, was er iſt, aus ſich ſelbſt geworden iſt. E. A. König iſt am 22. Auguſt 1833 in Barmen geboren als Sohn eines Kaufmanns, welcher kurz darauf nach Lennep überſiedelte. Seine Kindheit uͤmgaben keine freundlichen Verhältniſſe, denn ehe er noch das zweite Lebensjahr zurück⸗ gelegt, hatte er ſeine Mutter und zwei Brüder verloren und erwuchs nun vereinſamt und lieblos unter den Händen von Miethlingen, da ſein Vater durch ſein Geſchäft und den Kampf mit dem Leben abgehalten war, ſich eingehender mit dem verlaſſenen Sohne zu beſchäftigen. Nach ſchweren Schickſalsſchlägen im Geſchäft überſiedelte König's Vater nach Köln am
Illuſtrirte Chronik der Zeit.
zur Vertheidigung des Koloſſes eine Anzahl Balliſten und Catapulte an⸗ gebracht und auf der Mitte des oberen Decks ſtand drei Stockwerke hoch — ähnlich wie bei unſeren neueren eiſengepanzerten Thurmſchiffen— die von Archimedes konſtruirte furchtbare Wurfmaſchine, die ein drei Centner ſchweres Steingeſchoß eine Stadie weit ſchleuderte. Ferner waren unge⸗ heure Krahnen am Schiffe angebracht, von ſolcher Stärke, daß man damit eine gewöhnliche Galeere erfaſſen und aus dem Waſſer heben konnte. Um das Schiffsungeheuer vom Stapel zu laſſen und in's Waſſer zu bringen, war der ganze Scharfſinn des Archimedes erforderlich, der zu dieſem Behufe erſt beſondere Maſchinen erfinden mußte. Leider hatten aber ſowohl König Hiero wie Archimedes und der Baumeiſter es verabſäumt, ſich rechtzeitig über die Tiefe der verſchiedenen ſiciliſchen und italieniſchen Häfen zu unterrichten. Es zeigte ſich nämlich, daß die„Syrakuſanerin“, ſobald ſie vollbeladen war, einen zu großen Tiefgang hatte, um in irgend einen der beſagten Häfen hineinkommen zu können. Alſo war der koſtbare Schiffskoloß nutzlos gebaut. König Hiero belud darauf das Fahrzeug mit 60,000 Laſt Getreide und ſchenkte die„Syrakuſanerin“ mit der Ladung dem Könige Ptolemäus von Egypten, in welchem Lande gerade eine ſchreckliche Hungersnoth herrſchte. Die Egypter nahmen dies fürſtliche Geſchenk mit dankbarem Jubel an und tauften das Rieſenſchiff dann„Alexandrina“. F. L. Hoflieferanten hat es gegeben, ſo lange Höfe exiſtiren. Aber es gab zu Zeiten Hoflieferanten, welche alle Höfe Europa's zu Kunden hatten, und dabei enorme Reichthümer ſammelten. Italiener waren es großen⸗ theils, welche ſich in der Fremde niederließen, die Fabrikate und Moden von Venedig und Florenz als die geſuchteſten bezogen und an die Fürſten⸗ höfe abſetzten. Von dem Hauſe Thomas Lapi in Nürnberg ſind noch der⸗ artige Geſchäftsbriefe vorhanden. Mit ihm konkurrirten ebenda Laux Endres Dariſani u. Comp. aus Florenz und der Florentiner Lorenzo da Villani in Leipzig. In den Geſchäftsbriefen und Rechnungen wird u. a. aufge⸗ führt und mag einen Begriff von dem Geſchmack damaliger Zeit(1535) geben: 1 Stück rothgoldener Atlas, 29 Ellen.. 313 fl. 1 goldenes Stück Atlas von gezogenem Golde, 12 Ellen 120 fl. 1 ſilbernes Stück Atlas von gezogenem Silber, 12 Ellen 108 fl. Dieſe Zeuge gingen an den Hof des Herzogs Albrecht von Preußen. Zwei Stücke Damaſt von rother und aſchgrauer Farbe zu 170 fl. erſolgten zurück, als zu ſchlecht für den Herzog und die Herzogin. In den Briefen werden noch„allerlei goldene und ſilberne Stoffe, mit Gold übergoldet, und Sammt, die Elle um 8, 9, 10 bis auf 18 fl.“ genannt, auch goldener Sammt zu 5 und 6 fl., und es heißt:„Da wir ſchier alle Kurfürſten, Fürſten und Herren, die hierländiſch ſind, ſonderlich auch ſelbſt die Welſchen mit ſolcher Waare verſehen.“ Für Kleinodien waren deutſche Hoflieferan⸗ ten vor Allen Georg Schultheß in Nürnberg, dann Arnold Wenck und Rüdiger von der Burg. Aus dem Jahre 1545 wird eine Beſtellung bei dem Erſten erwähnt, im Betrage von 4796 fl., von denen er die 796 fl. abläßt. Beſonders trugen die Fürſtinnen reichen Halsſchmuck, bis zu 3000 Mark, und koſtbare kunſtreiche„Medayen“(Medaillen), an denen Buch⸗ ſtaben in Diamanten— ein A koſtete allein 300 Thaler— Blumen in Edelſteinen und Perlen als Einfaſſung dienten. N. Das Gute braucht Zeit, um ſich Anerkennung zu verſchaffen; dies erfuhr auch die ſchöne Naturgabe Cacao und die davon bereitete Chokolade. Als die Spanier unter Cortez nach Mexiko kamen, machten ſie ſich über den abenteuerlichen Namen des Cacaobaumes Cacahoaqua⸗ huitl und das Getränk Chocollatl luſtig. Doch probirten es Einige und befreundeten ſich damit und Cortez ſelbſt verſuchte, es im Jahre 1606 in Europa einzuführen. Seine Zeitgenoſſen urtheilten indeß meiſt ab⸗ fällig über die Chokolade; Benzoni z. B. ſagt, es ſei mehr ein Getränk für Schweine als für Menſchen. Der Jeſuit Acoſta meldet im An⸗ ſchluß an die Thatſache, daß die Eingeborenen Amerika's und die hinüber gezogenen Spanier„närriſch verliebt“ in ihr⸗„Chocollatl“ ſeien, man müſſe ſchon beim bloßen Anblicke des braunen Trankes und des oben ſchwimmenden Schaumes Ekel fühlen! Jetzt beträgt in Europa der jähr⸗ liche Verbrauch an Cacao 30 bis 40 Millionen Pfund. B.⸗A.
Bilder.
Rhein, brachte ſeinen Sohn auf einige Jahre im Hauſe eines Elementar⸗ lehrers unter und ließ ihn zugleich das dortige Friedrichs⸗Wilhelms⸗ Gymnaſium beſuchen, um ihm eine ſorgfältige Ausbildung zu Theil werden zu laſſen. Des Knaben glühender Wunſch, Medicin zu ſtudiren, konnte wegen der Mittelloſigkeit des Vaters nicht verwirklicht werden, und im Hinblick auf die Nothwendigkeit, möglichſt bald ſich ſelbſt ſein Brod zu verdienen, ward der Jüngling zu einem Kaufmann in die Lehre gegeben, welcher— gleich manchen ſeiner Standesgenoſſen— durch ſeine Lehrlinge ſich nur Hausdiener erſparen wollte. Mit Wehmuth blickt der gereifte C. A. König noch heute auf die harten Prüfungsjahre dieſer Lehrzeit zurück, die nur dadurch noch etwas Verſöhnendes haben, daß er in ſeiner materiellen Beſchränktheit ſich darauf angewieſen ſah, aus dem ernſten Druck des Alltagslebens in das Reich des Geiſtes zu flüchten, ſich durch Lektüre zu erholen und fortzubilden und gemeinſam mit einigen gleichgeſtimmten jungen Freunden ſich in die erheiternden und erhebenden Werke der deutſchen, griechiſchen und römiſchen Klaſſiker zu verſenken oder hie und da durch die Bekanntſchaft mit Gutzkow's„Rittern vom Geiſte“, den Dickens'ſchen Romanen und ähnlichen gediegenen Büchern den Blick von der herben Gegenwart abzulenken. Die Ungunſt ſeiner äußeren Lage zwang König, trotz dem Beſitz der Zeugniſſe, welche zum Dienſte als Einjährig⸗Freiwilliger berechtigen— eine dreijährige Dienſtzeit bei der Infanterie unter Demüthigungen und Entbehrungen aller Art durchzu⸗
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