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„Sorgen Sie, daß das Diadem aus dem Schaufenſter entfernt wird,“ ſagte er warnend.„Sodann gebe ich Ihnen den Rath, die Brillanten mitzunehmen, wenn Sie abreiſen, ſie laſſen ſich leicht trausportiren, und der Rittergutsbeſitzer hat ja die Mittel, ſeiner Tochter einen anderen Schmuck zu ſchenken. Regen Sie ſich nicht auf, bleiben Sie ruhig, damit die junge Frau keinen Argwohn ſchöpft. Und nun guten Abend, ich werde morgen früh mich zeitig einfinden.“
Ackermann nickte ſchweigend, er wanderte noch eine geraume Weile auf und ab, dann ging er in das Boudoir ſeiner Gattin.
Hier ſtand die brennende Lampe ſchon auf dem Tiſch, und wenn ſie auch nur ein mattes, gedämpftes Licht verbreitete, ſo ge⸗ nügte daſſelbe doch, um erkennen zu laſſen, daß die junge Frau ernſtlich krank war.
Bertha ſaß in einem Seſſel; wer ſie vor Kurzem noch ſo blühend und roſig geſehen hatte, der mußte inniges Mitleid em⸗ pfinden, ſah er jetzt das hagere, fahle Antlitz mit den blutleeren Lippen und den tiefliegenden, fieberglühenden Augen. Jeanette mußte ihr eben eine aufregende Mittheilung gemacht haben, die in⸗ nere Erregung verrieth ſich zu deutlich in den Zügen der ſchönen Frau.
Ackermann ſchien das Alles nicht zu bemerken; er gab der Zofe einen kurzen, befehlenden Wink, rollte einen Seſſel an den Tiſch und ſetzte ſich neben ſeine Frau.
„Ich habe da eine überraſchende Mittheilung erhalten,“ ſagte er mit erzwungener Ruhe,„der Schmuck, den Du von mir erhalten haſt, ſoll im Schaufenſter des Hofjuweliers liegen.“
Bertha ſah ihn überraſcht an. 4
„Dazu habe ich dem Juwelier weder Auftrag noch Erlaubniß gegeben,“ antwortete ſie.„Ich gab ihm das Diadem zum Zweck einer kleinen Aenderung; das Kreuz gefiel mir nicht in der Zeich⸗ nung, ein Stern paßte beſſer—“
„Du hätteſt vorher wohl meinen Rath hören können!“ unter⸗ brach er ſie vorwurfsvoll.„Ich hatte dieſe Zeichnung entworfen, und Du fandeſt ſie tadellos, wollteſt Du etwas daran ändern laſſen, ſo mußteſt Du mich beauftragen.“
Ein herber, trotziger Zug umzuckte die Lippen der ſchönen Frau.
„Der Schmuck iſt mein Eigenthum, ſo kann ich wohl auch nach meinem Belieben darüber verfügen,“ ſagte ſie in kühlem, ge⸗ meſſenem Tone.„Daß der Juwelier ihn in's Schaufenſter legen würde, daran hatte ich allerdings nicht gedacht, aber was iſt denn weiter dabei? Die Leute werden die prächtigen Steine bewundern—“
„Und Dich beneiden, und das iſt denn wohl der alleinige Zweck!“ erwiederte Ackermann gereizt.„Ich haſſe ſolche Prahlereien, es iſt genug, wenn der Schmuck im Ballſaale getragen wird, auf der Straße ihn zur Schau zu ſtellen, finde ich—“
„Richard!“ rief die junge Frau warnend.„Habe ich Dir nicht geſagt, daß es mein Wille nicht geweſen iſt?“
„Gut, dann werde ich ſofort hingehen und den Schmuck zurück⸗ fordern.“
„Nur das Diadem iſt in den Händen des Juweliers, ich werde morgen früh hinſchicken und ihn erſuchen laſſen, mir daſſelbe zu überbringen.“
„Das kann ich heute Abend noch beſorgen.“
„Er wird es Dir nicht geben, wenn Du ihm nicht die Em⸗ pfangsbeſcheinigung aushändigſt, die er mir ausgeſtellt hat.“
„So gib mir den Schein!“
„Wozu die Eile?“ ſagte Bertha mit einem mißtrauiſchen Blick auf den erregten Gatten.„Der Juwelier haftet mir für den Werth der Steine und ich finde keinen Grund, ihm Mißtrauen zu zeigen.“
„Gib mir den Schein!“ wiederholte Ackermann barſch.
Die junge Frau erhob trotzig das Haupt.
„Forderſt Du ihn in dieſem Tone, dann gebe ich ihn Dir überhaupt nicht!“ ſagte ſie.„Die Sache hat Zeit bis morgen.“
„Und ich will nicht, daß die ganze Stadt den Schmuck noch länger begafft und ihre Gloſſen darüber macht!“ fuhr Ackermann, jede Mäßigung vergeſſend, fort.„Hatte der Juwelier keine Er⸗ laubniß, das Diadem in's Schaufenſter zu legen, ſo ſoll er ſich auch damit nicht brüſten!“
„Aber wie kann das Dich nur ſo ſehr in Harniſch bringen? Wären die Steine nicht echt, ſo fände ich Deine Erregung begreif⸗ lich, aber dieſe Echtheit kann ja Niemand bezweifeln.“
„So habe ich vielleicht andere Gründe, die dieſes Prunken und Prahlen mir nicht wünſchenswerth erſcheinen laſſen. Weshalb willſt Du mir den Schein nicht geben? Fürchteſt Du vielleicht, daß ich Dich um das Diadem betrügen werde!“
„Das war ein hartes Wort,“ ſagte Bertha, die fieberglühen⸗ den Augen feſt auf ihn heftend,„ich hätte es nicht ausgeſprochen, aber nun es geſprochen worden iſt, mag es drum ſein. Und daß
Illuſtrirte Chronil der Zeit. 3 467
andere Ereigniſſe mich überraſcht und befremdet haben, muß Jedem
natürlich erſcheinen, der ſich in meine Stelle verſetzt.“
„Andere Ereigniſſe?“ fragte Ackermann befremdet.„Welche?“
„„Du haſt mich gewiſſermaßen gezwungen, Dir den Depoſiten⸗ ſchein über meine Werthpapiere zu übergeben. Du ſagteſt mir, er ſei in meiner Schatulle nicht ſicher genug, und als ich ſpäter ihn zurückforderte, verweigerteſt Du die Herausgabe unter nichtigen Vor⸗ wänden. Nun aber haſt Du unter Vorzeigung dieſes Scheines meine geſammten Werthpapiere bei dem Bankier in Empfang ge⸗ nommen; was veranlaßte Dich dazu?“
Im erſten Moment glitt ein verlegener Zug über das bleiche Geſicht Ackermann's, aber gleich darauf umzuckte ein ſpöttiſches Lächeln ſeine Lippen.
„Wer hat Dir das geſagt?“ fragte er.
„Der Bankier ſchrieb es mir, vielleicht iſt es Dir unangenehm, daß der Brief in meine Hände gekommen iſt.“
„Weshalb unangenehm?“ unterbrach er ſie ironiſch.„Ich habe keinen Grund, Dir das zu verheimlichen. Die Papiere forderte ich zurück, weil ſie gefährdet waren.“
„Wodurch?“
„Man behauptet, das Bankhaus ſtehe nicht mehr feſt, ich weiß nicht, ob etwas Wahres daran iſt, aber ich gehe gerne ſicher.“
Die junge Frau ſah ihn feſt an, er mußte in ihrem Blick das wachſende Mißtrauen leſen.
„Und wo ſind die Papiere?“ fragte ſie.
„In meinem Schrank.“
„Ich wünſche ſie zu erhalten.“
„Und weshalb das?“
„Gründe brauche ich wohl nicht zu nennen. ſind mein Eigenthum—“
„Erlaube, darüber könnte man anders urtheilen,“ ſagte Alker⸗ mann entrüſtet.„Dieſe achtzigtauſend Thaler bilden Deine Mit⸗ gift, Dein Vater hat ſie mir übergeben und ich bin nicht ver⸗ pflichtet, darüber Rechenſchaft abzulegen, wie und zu welchem Zweck ich dieſe Summe anlegen will. Dein Mißtrauen gegen mich iſt in höchſtem Grade beleidigend, und das um ſo mehr, als Du keinen Grund für daſſelbe finden kannſt.“
„Keinen Grund? Weshalb ſuchſt Du für dieſes Haus einen Käufer?“
Ackermann wollte von ſeinem Stuhle aufſpringen, aber er be⸗ ſann ſich eines Beſſeren, er ſank auf halbem Wege wieder in das Polſter zurück.
„Unſinn!“ ſagte er mit heiſerer Stimme. nur erfunden?“
„Iſt es eine Lüge?“ erwiederte Bertha ſcharf.„Haus und Mobiliar ſollen heimlich verkauft werden, in der Zeitung iſt ein Käufer dafür geſucht worden—“
„Ich will wiſſen, wer Dir das geſagt hat?“
„Jeanette!“
„So? Und woher weiß ſie es?“
„Die Haulsmagd Deines Sekretärs—
„Ah, aus dieſer Quelle ſtammt die Nachricht? Es ſollte doch Jeder nur um ſeine eigenen Angelegenheiten ſich bekümmern, dann würden nicht ſo viele Lügen und Dummheiten erſonnen.“
Bertha zuckte geringſchätzend die Achſeln.
„Solche Behauptungen werden nicht aus der Luft gegriffen,“ ſagte ſie,„und in dieſem Hauſe habe ich ſchon ſo viel Ueberraſchen⸗ des erlebt, daß mich nichts mehr befremden kann. Ich will darüber nicht weiter mit Dir rechten, aber mein Entſchluß ſteht nun auch feſt, morgen verlaſſe ich dieſes Haus.“
„Sei nicht närriſch, liebes Kind—“
„Ich bitte Dich, mit Deinen ſpöttiſchen Bemerzungen mich zu verſchonen, ſie werden mich in meinem Entſchluß nicht wankend machen. Ich habe Dich zu wiederholten Malen gebeten, den Sekretär zu entlaſſen, Du haſt dieſe Bitte nicht berückſichtigt, und es iſt mir nun klar geworden, daß Du im Bündniß mit dieſem mir unheimlichen Mann Pläne ſchmiedeſt und Zwecke verfolgſt, die—“
„Jetzt muß ich Dich ernſtlich erſuchen, dieſe albernen und kin⸗ diſchen Vermuthungen nicht weiter zu verfolgen,“ fiel Ackermann ihr aufbrauſend in die Rede.„Ich werde wohl ſelbſt wiſſen, was ich thun und laſſen darf, und Du ſollteſt bedenken, wie undankbar und gefährlich es iſt, über Angelegenheiten urtheilen zu wollen, von denen man nichts verſteht! Iſt dies der einzige Grund, der Dich bewegt, unſer Haus verlaſſen zu wollen, dann warne ich Dich ernſt vor den Folgen! Ich habe das Mißtrauen nicht zwiſchen uns ge⸗ ſäet, Du thateſt es, trägt die Saat einſt böſe Früchte, ſo erinnere
Dieſe Papiere
„Wer haͤt dieſe Lüge
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Dich, daß nicht auf mich, ſondern auf Dich die Schuld fällt.“ (Fortſetzung folgt.)


