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Illuſtrirte Chronik der Zeit.
haben. Vaterlandsliebe iſt es gewiß nicht, was Sie hier zurück⸗ hält,“ fuhr er ſpottend fort,„Sie haben's immer mit dem ubi bene, ibi patria gehalten, worauf warten Sie nun noch?“
„Auf meine Proviſion, die Sie mir für den Verkauf des Hauſes zugeſagt haben.“
„Haben Sie einen Käufer für das Haus?“
„Vielleicht!“
„Das iſt eine ſehr unbeſtimmte Antwort,“ ſagte Ackermann achſelzuckend.„Ich glaube überhaupt nicht, daß der Verkauf ſo bald gelingen wird. Wer dieſes Haus ſammt dem Mobiliar kaufen will, muß ein ſehr reicher Mann ſein, und wer über ſo bedeutende Mittel verfügen kann, der iſt auch wähleriſch. Ich glaube, es bleibt nichts Anderes übrig, als eine Hypothek aufzunehmen, das iſt das Kürzeſte und Sicherſte.“
Der alte Mann ſchüttelte mißbilligend das Haupt.
„Wenn dies das Einzige iſt, dann würde ich darauf verzichten,“ erwiederte er.„Welche Summe werden Sie im günſtigſten Falle erhalten? Das Mobiliar können Sie nicht verpfänden, bliebe alſo das Immobiliar allein, und mehr wie die Hälfte des reellen Werthes gibt Ihnen kein Kapitaliſt. Das wären dann fünfundzwanzig⸗ bis dreißigtauſend Thaler, die Sie auch nicht reicher machen. Es war eine Thorheit, daß Sie ſo vieles Geld für dieſe Pracht und Herr⸗ lichkeit verſchwendet haben—“
„Hätte ich gewußt, daß Sie mir ſo nahe waren, würde ich es nicht gethan haben!“ unterbrach Ackermann ihn.„Und weshalb es geſchehen iſt, das habe ich Ihnen ja klar genug aus einander geſetzt.“
„Es wäre beſſer geweſen, Sie hätten ſich mit dem begnügt, was Sie beſaßen!“
„So? Und was war's denn, was ich beſaß? An die Berg⸗ werke und Güter in Schleſien und Böhmen glauben Sie ja auch nicht mehr, es war Alles nur Schein, und man würde bald da⸗ hinter gekommen ſein, hätte ich nicht mit mehreren Bankiers dort mich in Verbindung geſetzt und auch dieſen Sand in die Augen ge— ſtreut. Und war's eine ſchlechte Spekulation, die Tochter des reichen Gutsbeſitzers zu heirathen?“
„Eine ſchlechte gerade nicht, aber eine gewagte! Frauenaugen ſehen ſcharf, und Ihre Frau hat gar bald den Moder hinter der glänzenden Tünche gefunden—“
„Und wem verdanke ich das?“ fuhr Ackermann auf.„Ihnen allein! Sie haben den erſten Verdacht geweckt, hätte ich ſofort ein Geldopfer gebracht und Sie meinem Hauſe fern gehalten, ſo würde kein Argwohn in der Seele meiner Frau aufgeſtiegen ſein.“
„Bah, wälzen Sie doch nicht die Schuld auf mich! Einmal mußte es doch ſo kommen, wie es gekommen iſt. Sie hatten vielleicht auf den baldigen Tod Ihrer Frau gerechnet, aber welche Vortheile wären Ihnen daraus erwachſen? Blieb die Ehe kinder⸗ los, ſo hatten Sie keinen Anſpruch auf das Vermögen Ihres Schwiegervaters, der, beiläufig geſagt, ein geſunder Junge iſt und im Traume noch nicht daran denkt, der Welt Valet zu ſagen. Und auf größere Vortheile, wie Sie bereits ſie errungen haben, konnten Sie wahrlich auch nicht rechnen. Sie beſitzen in baarem Gelde und Werthpapieren eine Summe von mindeſtens zweimalhunderttauſend Thaler, achtzigtauſend brachte Ihre Frau Ihnen in die Ehe mit, und hundertzwanzigtauſend erhielten ſie von Bogen zum Ankauf von Bergwerken. Und nun iſt der Rittergutsbeſitzer auch geneigt, Ihnen weitere hundertfünfzigtauſend Thaler zu geben, die Sie zum Ankauf eines Rittergutes für ſeinen Sohn benutzen ſollen—“
„Geneigt, aber noch nicht entſchloſſen!“ fiel Ackermann ihm ungeduldig in die Rede.
„Er hat Ihnen ja geſchrieben, daß er morgen Sie erwarte, um das Geſchäft mit Ihnen zu ordnen. Ob es wirklich glatt ge⸗ ordnet wird, weiß ich freilich nicht, aber wie es auch ausfallen mag, ich gebe Ihnen den ernſten Rath, morgen abzureiſen.“
Ackermann war ſtehen geblieben, ſein glühender Blick ruhte forſchend und voll fieberhafter Erwartung auf dem alten Manne, der gerade jetzt mit ſichtbaren Zeichen der Beſtürzung vom Fenſter zurücktrat.
„Was haben Sie?“ fragte er.
„Meine Magd kommt hieher.“
„Ihre Magd?“
„Oder die Magd meiner Hausleute, es wird daſſelbe ſein,“ ſagte Becker mit zitternder Stimme,„ich fürchte, ſie bringt mir eine unangenehme Nachricht.“
„Sie waren doch früher ſo furchtſam nicht,“ ſpottete Acker⸗ mann,„jetzt ſehen Sie plötzlich überall Geſpenſter. Was hat ſich denn ereignet, das Sie in ſolche Angſt verſetzt?“
„Weiß ich ſelbſt es?“ erwiederte der Sekretär erregt.„Es ſchwebt in der Luft, ich fühl's inſtinktiv, daß das Ende nahe iſt. Schwarz und unheimlich hängt es über uns und jeden Augenblick kann das Gewitter ſich entladen.“
„Unſinn!“
„Wenn Sie es nicht glauben wollen, um ſo ſchlimmer ſür Sie! Ich weiß, daß ich beobachtet werde, und der Beſuch deß Schließers erſcheint mir jetzt auch in einem anderen Lichte.“
„Wenn Sie mich verrathen haben—“
„Kein Gedanke daran! Einſtweilen richtet der Verdacht ſi nur gegen mich, aber Beweiſe hat man noch nicht gefunden!“
„Dann würde ich an Ihrer Stelle nicht ſo lange warten, bis dieſe Beweiſe gefunden ſind,“ ſagte Ackermann, der jetzt auch erre. war.„Brechen Sie lieber heute noch auf, Ihre Verhaftung würde auch mich in Gefahr bringen.“
„Ah bah, ſo ſchlimm iſt es noch nicht,“ ſpottete der Sekretär. „An den Paul Bitterlein denkt Niemand mehr, und mein Buckel ſchützt mich vor einem Verdacht nach dieſer Seite hin. Ich werde erſt im letzten Augenblicke gehen, und ich denke, wir reiſen zu⸗ ſammen.“
„Auf keinen Fall!“
„Na, dann werden Sie hoffentlich mir noch ein Andenken mit auf den Weg geben. Wenn Sie von Ihrem Schwiegervater das Geld erhalten, kann's Ihnen ja auf zehntauſend Thaler mehr oder weniger nicht ankommen.“
„Sie ſind unerſättlich!“
„Sind Sie es nicht auch? Wo nur die Magd bleiben mag!“
„Hätte ſie eine Botſchaft für Sie gehabt, würde Daniel längſt ſie gemeldet haben.“
„Was ſollte ſie ſonſt hier im Hauſe zu thun haben.“
„Mißtrauen Sie dem Mädchen?“
„Nein!“
„Dann wird ihr Beſuch wohl einem meiner Dienſtboten gelten, ich finde darin nichts, was mich oder Sie beunruhigen könnte.“
Der alte Mann athmete erleichtert auf, aber die finſteren Schatten wollten von ſeiner Stirne nicht weichen.
„Sie werden mir alſo das Geld geben?“ fragte er.
„Vorausgeſetzt, daß ich es von meinem Schwiegervater erhalte, und unter der Bedingung, daß Sie alsdann ſofort die Stadt ver⸗ aſſen.“ 4 „Gut, dieſe Bedingung acceptire ich! Apropos, ich wollte Sie noch auf Eins aufmerkſam machen, was mir, als ich es vernahm, nicht ganz begreiflich war. Haben Sie dem hieſigen Hofjuwelier Brillanten verkauft oder zur Faſſung übergeben?“
„Wie kommen Sie zu dieſer Frage?“ erwiederte Ackermann ſichtbar beſtürzt.„Ich kenne den Hofjuwelier nur dem Namen nach, in geſchäftlicher Verbindung habe ich nie mit ihm geſtanden.“
„Merkwürdig! Seit heute Morgen liegt im Schaufenſter dieſes Mannes ein Diadem von Brillanten, das durch ſeine ſeltene Schön⸗ heit die Aufmerkſamkeit aller Vorübergehenden feſſelt. Ich ſelbſt habe es geſehen und man nannte dabei Ihren Namen?“
„Meinen Namen? Was ſoll der ſchlechte Scherz?“
„Ein Scherz iſt es nicht, man ſagte, das Diadem ſei Eigen⸗ thum der reichen Madame Ackermann.“
„Wer ſagte das?“
„Die Leute, die vor dem Schaufenſter ſtanden; man wird ſich wohl bei dem Juwelier erkundigt haben, ob das Geſchmeide feil iſt und was es koſten ſoll.“
Ackermann ſtampfte mit dem Fuß auf den Teppich, die jäh in ihm auflodernde Wuth verzerrte ſeine Züge.
„Sollte meine Frau ſo unklug geweſen ſein?“ ſagte er mit heiſerer Stimme.
„Alſo iſt es Wahrheit?“ fragte Becker raſch.„Beſitzt Ihre Frau einen ſolchen Schmuck?“
„Ich habe ihn ihr vor einiger Zeit geſchenkt.“
Ein höhniſches, geradezu unheimliches Lächeln entfuhr den Lippen des alten Mannes.
„Dieſe Dummheit hätte ich Ihnen nicht zugetraut,“ ſagte er mit ſchneidendem Spott.„Brillanten ſind ſo gut wie baares Geld, ich begreife Sie nicht. Wie nun, wenn dieſe Brillanten erkannt würden?“
Ackermann durchmaß das Zimmer mit großen Schritten, um der furchtbaren Erregung, die in ihm tobte, Herr zu werden.
„Wer hätte das ahnen können!“ erwiederte er.„Was ſoll der Schmuck in dem Schaufenſter des Juweliers? Iſt es nur eine Prahlerei, durch die meine Frau der Stadt beweiſen will, daß ſie den Schmuck einer Fürſtin beſitzt?“
„Vielleicht!“.
„Nein, ich kann das nicht glauben, eine andere Urſache muß zu Grunde liegen, ich werde mir darüber Gewißheit verſchaffen. Verlaſſen Sie mich jetzt und kommen Sie morgen früh bei Zeiten, es wäre möglich, daß Sie mich nach Plettenberg begleiten müßten!“
Der alte Mann nahm ſeinen Hut und blieb auf dem Wege zur Thüre vor ſeinem Herrn ſtehen.
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n⸗ gegeben einer k nung,
nach meſſen würde, weiter


