Jahrgang 
14-26 (1877)
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Regierung Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. lebte, war ſehr egeiſtiſch, dachte nur an ſich und was ihm beliebte und nahm nur gezwungen Rück⸗ ſicht auf Andere. Einſt beſuchte ihn ein alter Bekannter auf ſeinem Land⸗ hauſe und blieb zum Mittageſſen da.Eſſen Sie Spargel gern? fragte ihn Fontenelle, bevor er die Anordnungen in der Küche gab.Sehr gern, erwiederte der Gaſt,aber er muß mit Oel angemacht ſein!Mit Oel? Ich ziehe ihn mit Sauce vor, meinte Fontenelle.O, mit Sauce

Anſere Großfürſt Nikolaus Nikolajewitſch, Oberbefehlshaber der ruſſiſchen Donau-Armee.

(Mit Porträt auf S. 441.)

Im gegenwärtigen ruſſiſch⸗türkiſchen Kriege ſtehen bekanntlich zwei Brüder des jetzt regierenden Kaiſers Alexander 1I. an der Spitze der beiden großen Armeen in Europa und in Aſien an der Spitze der europäiſchen Armee der Großfürſt Nikolaus Nikolajewitſch, deſſen Bild wir auf der Stirnſeite des vorliegenden Heftes bringen, und an der Spitze der aſiatiſchen Armee der Großfürſt Michael Nitolajewitſch. Der Großfürſt Nikolaus iſt als das vierte Kind des verſtorbenen Kaiſers Nikolaus am 8. Auguſt 1831 geboren und ſeit dem 6. Februar 1856 mit der Prinzeſſin Alexandra Petrowna(geb. 2. Juni 1838), Tochter des Prinzen Peter von Oldenburg, vermählt, aus welcher Ehe zwei Söhne, die Großfürſten Nikolaus(geb. 18. November 1856) und Peter(geb. 22. Januar 1864) hervorgegangen ſind. Großfürſt Nikolaus hat ſich von Jugend auf mit großem Ernſt militäriſchen Studien zugewandt, wie ſein Bruder Michael, während ſein Bruder Konſtantin ſich vorwiegend der Marine widmete; er

erkrankte bekanntlich im vorigen Herbſte an einem heftigen Magenübel, welches aber nun ganz beſeitigt zu ſein ſcheint. In der vollen Mannes⸗ kraft ſtehend, iſt er eine ſtattliche, ſoldatiſch ausſehende, ritterliche Geſtalt mit jenem halb melancholiſchen Ausdruck, welcher die Mitglieder der gegen⸗ wärtigen Kaiſerfamilie kennzeichnet. Er bekleidet die Würden eines Generals des Geniekorps, General⸗Adjutanten des Kaiſers, General⸗Inſpekteurs des Geniekorps, ſowie der kaiſerlichen Garde und der Kavallerie, eines Ober⸗ befehlshabers des Petersburger Militärdiſtrikts, iſt Präſident des oberſten Organiſations⸗ und Inſtruktions⸗Ausſchuſſes der Armee, Chef eines Grena⸗ dier⸗Regiments, der Regimenter Aſtrachan⸗Dragoner und Alexander⸗Huſaren und des erſten Bataillons der Kaukaſus⸗Sappeurs, ferner Oberſt⸗Eigenthümer des zweiten k. k. öſterreichiſchen Huſaren⸗ und des fünſten preußiſchen Küraſſier⸗Regiments. Im Oberbefehl über das Geniekorps iſt dem Groß⸗ fürſten der General Totleben beigegeben, mit welchem, wenn wir recht unterrichtet ſind, der Prinz ſchon während des Krimbrieges in Sebaſtopol zuſammen war. Der Aufmarſch der Südarmee nach der Grenze und von da nach dem Kriegsſchauplatze hat ſich in beſter Ordnung vollzogen und die Truppen ſetzen großes Vertrauen in ihren Oberbefehlshaber, der über⸗

haupt bei der Armee ſich außerordentlicher Beliebtheit erfreut.

Der Tempel von Feng-kwan-ynang in China. (Mit Bild auf S. 444)

Die Chineſen halten abgelegene, ſtille, ländliche Orte, dichte Wälder, beſchattete Engthäler, tiefe Grotten und Höhlen für den Lieblingsaufenthalt der Gottheit. Dieſem frommen Glauben zu Liebe haben ſie ſich auch das wunderbare Heiligthum erbaut, von welchem unſer Holzſchnitt S. 444 ein höchſt maleriſches Bild darbietet. Dieſer Tempel liegt in ſchwindelnder Höhe auf einer gewaltigen Granitwand am Eingang einer ausgedehnten Höhle, im Hochlande der Provinz Fu⸗Kjang(wörtlich glückliche Nieder⸗ laſſung), deren Einwohner zu den echteſten und unvermiſchteſten Stämmen der Chineſen gehören und den Mandſchu am längſten Widerſtand geleiſtet haben. Dieſe Provinz, deren Hauptſtadt Fu⸗Dſchéu⸗Fu am Fluſſe Min, etwa ſechs Meilen oberhalb ſeiner Mündung in das Meer, liegt, iſt über⸗ haupt eine der intereſſanteſten des ganzen chineſiſchen Reiches, denn ſie liefert die tüchtigſten Seeleute, die geſchickteſten Arbeiter in allen Zweigen des Kunſtgewerbes und die unverdroſſenſten und findigſten Ackerbauer, welche noch hoch an den Bergen empor auf mühſam erbauten Terraſſen mit künſtlicher Bewäſſerung Reis, Thee, Getreide und Gemüſe bauen. Wenn man das Kloſter Yang⸗fu mit ſeinem Tempel Feng⸗kwan⸗yuang (wörtlich Aufenthalt der glücklichen Wolken) beſuchen will, was immerhin der Mühe verlohnt, ſo muß man ſich auf tüchtige Strapazen gefaßt machen. Man folgt von Fu⸗Dſchéu⸗Fu aus ſtromaufwärts etwa 60 Wegſtunden weit dem Lauf eines Fluſſes, der beim genannten Orte in den Min mündet, und gelangt in eine öde, einſame Bergſchlucht mit gewaltigen Baſaltwänden und unbebautem Boden. Etliche armſelige Dörſchen leihen allein dieſer wilden Gegend einigen Anſchein von Belebtheit. Allmählig ändert ſich die Gegend und der ſteil an der Berglehne emporführende Pfad biegt in das geheimnißvolle Dunkel eines dichten Waldes ein, wo das Geſtein allenthalben mit üppigem Grün bedeckt iſt, klare Quellen über das Moos ſprudeln und die Kronen uralter mächtiger Bäume ein dichtes Laubdach bilden. Der Pfad führt immer ſteiler am feuchten Geſtein empor, bis ſich plötzlich bei der Biegung des Pfades der Tempel dem erſtaunten Blicke zeigt, auf einer hohen Granitwand gleich einem Adlerhorſt am Eingang einer ungeheuren Felſengrotte ſchwebend. Der Pfad verwandelt ſich erſt in Treppenſtufen, die in Stein gehauen ſind, dann in hölzerne

Treppen und Leitern, und nach dreiviertelſtündigem Steigen betritt man

kann ich ihn gar nicht eſſen, entgegnete der Gaſt.Sehr wohl, ſo nehmen wir Oel, ſagte Fontenelle und ging in die Küche, dem Koche das Nöthige aufzutragen. Als er zurückkehrte, fand er, daß ſein Gaſt mittlerweile vom Schlage getroffen war und todt da lag. Sofort ſtürzte Fontenelle wieder zur Thüre hinaus, aber nicht um Hilfe zu holen, ſon⸗ dern um zunächſt mit lauter Stimme dem Koch zuzurufen: ‚Kein Oel, kein Oel! Mit Sauce mach' mir die Spargel! B.⸗A.

. Bilder.

durch ein Thor in einer Granitmauer den Hof des Kloſters, wo die Bonzen oder Prieſter wohnen, welche das Heiligthum bedienen. Der eigentliche Tempel ruht zum größten Theile auf Stützbalken, die hier in die Felſen⸗ lehne eingegraben ſind, in ſchwindelnder Höhe über einem furchtbaren Ab⸗ grund, und bietet eine Ausſicht in's Land hinaus, die unvergleichlich ſchön und großartig iſt. Ueber den beiden Gebäuden und dem Altar, an dem die Pilger opfern, wölbt ſich die hohe Decke der Grotte, die ſich weit in ve Berg hineinzieht und dem Orte eine großartige, wilde Majeſtät verleiht.

Der Krammetsvogel und ſein Fang. (Mit Bild auf S. 445.)

Die meiſten der im nördlichen Europa heimiſchen Droſſelarten, welche mit ihrem lieblichen Geſang unſere Wälder beleben, ziehen im Herbſt als Wandervögel in ſüdlichere Gegenden, und nur die Amſel oder Schwarz⸗ droſſel überwintert bei uns. Unter jenen wandernden Droſſelarten aber iſt namentlich eine der Gegenſtand einer beſonderen Nachſtellung, die Wach⸗ holderdroſſel, die Turdus pilaris der Naturforſcher, welche in einzelnen Paaren auch zuweilen bei uns Standvogel iſt, deren eigentliche Heimath jedoch die ausgedehnten Birkenwaldungen des Nordens bilden, in denen dieſe Vögel in großen Mengen brüten. Das Fleiſch der Wachholderdroſſel hat einen angenehm würzigen, leicht bitterlichen Geſchmack und iſt deshalb bei den Feinſchmeckern ſehr beliebt; wenn daher der Vogel, der im Volks⸗ munde meiſt Krammetsvogel, auch wohl Ziemer oder Schacker heißt, im Spät⸗ herbſt auf unſeren Haiden und nadelwaldbedeckten Gebirgszügen erſcheint, wo er wegen der reifen Wachholder⸗ und Vogelbeeren oft wochenlang bleibt, ſo wird in jeder möglichen Weiſe Jagd auf ihn gemacht. Insbeſondere ſind es der Vogelsberg und das Bergland Mitteldeutſchlands, vor Allem aber die linksrheiniſchen Höhenzüge, die ſich vom Rhein bis an die Saar und Maas erſtrecken, wo die Krammetsvögel in Menge einfallen und ſogleich auf jede Weiſe gefangen und gejagt werden. Vom Hunsrück hinüber bis zu den Argonnen und Ardennen werden auf allen Haiden und Höhen, wo nur Vogel⸗, Heidel⸗, Brombeeren u. ſ. w. wachſen, die Krammetsvögel in Dohnen und Sprenkeln, und im Hunsrück, der Eifel, Schneifel und bei Malmedy auch mit Schlagnetzen gefangen, welche von verſchiedenartiger Konſtruktion ſind. Gewöhnlich beſtehen dieſelben in länglichen viereckigen Kaſten mit einem beweglichen Deckel, welcher durch ein über einen Rahmen geſpanntes Netz gebildet wird. Dieſer Netzdeckel hängt auf der einen Lang⸗ ſeite in Angeln, auf der andern Seite iſt eine Schnur befeſtigt, deren Ende von dem Vogelſteller gehalten wird, welcher hinter dem Netz auf dem Boden liegt oder ſich hinter einem Schirm von Tannenzweigen verſteckt. Die Hauptſache dabei iſt, daß dieſe Schlagnetze in der Nähe von Vogel⸗ beerbäumen aufgeſtellt werden, auf denen die zuwandernden Krammetsvögel ſich niederlaſſen. Sobald die Vögel nun die ſchönen Trauben der hochrothen reifen Vogelbeeren und die früchteſchweren Wachholderzweige bemerken, welche auf dem Boden der Netzfalle liegen, ſo ſtürzen ſie ſich darauf, um ſie zu verzehren, aber ſobald der Vögel mehrere im Kaſten ſind, fällt das Netz herab und nimmt ſie gefangen, worauf der Vogelſteller durch eine im Netz befindliche Klappe hineingreift, die Vögel erfaßt und durch Ein⸗ drücken des Schädels raſch tödtet. Für die Bewohner armer Gegenden wird der Krammetsvogelfang zu einer wahren Wohlſtandsquelle.

Der CTriumphzug des Scipio Afrikanus. (Mit Bild auf S. 449.)

Um die Mitte des dritten Jahrhunderts vor Chriſto entbrannte ein erbitterter Kampf zwiſchen den beiden mächtigen Republiken Rom und Karthago und führte zu jenen drei ſogenannten puniſchen Kriegen, welche 118 Jahre lang Nordafrika und ganz Südeuropa verheerten und erſt im Jahre 146 v. Chr. durch die Zerſtörung des eroberten ſtolzen Karthago endeten, welches ſeitdem aus der Reihe der Staaten der alten Welt ver⸗ ſchwindet. Den Anlaß zu dem erſten puniſchen Kriege von 264 241 gaben die Händel der Mamertiner und das Streben der Römer nach dem Beſitz von Sicilien, wo ſie an Hiero von Syrakus einen eifrigen Bundes⸗ genoſſen hatten. Mit wechſelndem Kriegsglück wurde gekämpft, ohne weſent⸗ liche Vortheile zu erlangen, bis endlich im Jahr 241 beide Theile ermüdet Frieden ſchloſſen. Während des Friedens nahmen die Römer, die ſich den Beſitz von Sicilien geſichert hatten, den Karthagern Sardinien und Korſika, und die Karthager entſchädigten ſich dafür durch die Beſitzergreifung von Spanien, welche die Römer nicht zu hindern vermochten, da ſie in den darauffolgenden Jahren ſich mit den Illyriern und den Galliern in Oberitalien herumſchlagen mußten. In Spanien aber entſpann ſich der zweite puniſche Krieg dadurch, daß Hannibal, welcher in die Hände ſeines Vaters, des karthagiſchen Feldherrn Hamilcar, den Römern ewige Feind⸗

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