Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

es mit dem Kaſmir Wodzinski und der reichen Bialonski aus ſei und daß der alte Bialonski hinter großartige Intriguen gekommen.

Die Wände hatten nämlich Ohren gehabt, ein Diener Kaſimirs, der der Meinung geweſen, der Kaufherr wäre gekommen, um die Heirath perfekt zu machen, hatte an der Thüre gelauſcht, um wo⸗ möglich die Höhe der Mitgift zu erfahren und hatte zu ſeinem Erſtaunen gerade das Gegentheil vernommen. Die ganz außer⸗ ordentliche Neuigkeit bei ſich zu behalten, war ihm aber ganz un⸗ möglich geweſen, er hatte ſie unter dem Siegel der Verſchwiegenheit einem Collegen mitgetheilt, dieſer hatte ſie, doch ebenfalls ganz im Vertrauen, einem Reitknechte des Hofmarſchalls erzählt und ſo war der Auftritt gar bald am ganzen Hofe bekannt geworden, ſchon am Abend vernahm der König davon. entrüſtet über die ſchändlichen Machinationen, ordnete eine ſtrenge Unterſuchung an und ſiſtirte vorläufig die Ernennung Kaſimirs zum Schloßhauptmann, welche bereits bis zur Sanktionirung durch die königliche Unterſchrift vorbereitet war.

Die Verhöre und Nachforſchungen beſtätigten in allen Punkten das, was Kaſimir dem Herrn Bialonski geſtanden und ſtellten die Ehre des armen Schlüter wieder völlig her. In Folge deſſen ſandte der König noch an demſelben Tage, Richter, welcher die Unterſuchung geleitet, das Ergebniß einen Kurier nach Berlin ab und ließ Andreas unter den günſtig⸗ ſten Bedingungen abermals die Hofbaumeiſterſtelle antragen, wäh⸗ rend er gleichzeitig die Verbannung Kaſimirs v. Wodzinski vom Hofe anordnete.

Andreas Schlüter hatte jedoch mittlerweile an dem kunſtſinnigen Hofe des Kurfürſten Friedrich III. von Brandenburg einen ſo rei⸗ chen Wirkungskreis gefunden, er war außerdem zu der Ueber⸗ zeugung gekommen, daß er wohl in Berlin, nicht aber in dem durch ſtete politiſche Unruhen und Zänkereien aufgeregten Warſchau ſich zum Meiſter emporringen könne, und ſchlug daher das Aner⸗

Mannig

Ein Nachahmer Franklin's. Als Franklin 23 Jahre alt war, verfaßte er für ſich ſelbſt, halb im Ernſt, halb im Scherz, folgende originelle Grabſchrift:Der Körper von Benjamin Franklin, einem Drucker(gleich dem Bande eines alten Buches, deſſen Inhalt herausge⸗ riſſen, deſſen Titel und Vergoldung verwiſcht iſt), liegt hier, eine Speiſe für Würmer. Aber das Werk ſoll nicht verloren ſein, denn es wird(wie er ſicher glaubt) noch einmal erſcheinen in einer neuen und ſchöneren Aus⸗ gabe, durchgeſehen und verbeſſert von dem Autor. Dies hübſche und ſinnreiche Epitaph verführte ſpäter einen engliſchen Uhrmacher, ſich eine ähnliche Grabſchrift auszuklügeln. Dieſelbe wurde auch wirklich auf ſeinem Leichenſteine angebracht, macht jedoch ihrer übertriebenen Ruhmredigkeit halber nur eine komiſche Wirkung. Sie lautet:Hier ruht Peter Bildiſch, Uhrmacher, der ſeiner Kunſt durch ſeine Talente Ehre machte. Rechtlich⸗

keit war das große Triebwerk ſeiner Handlungen, Klugheit der Perpen⸗ dickel. Menſchenfreundlich und großmüthig war er und ſeine Wohlthätig⸗ keit ſtand nie ſtille, als bis er den Unglücklichen Hilfe erwieſen hatte. Er benutzte ſeine Zeit ſo gut, daß die Stunden ſeines Lebens auf ſeinem Zifferblatte fortdauernd unter Heiterkeit und Freude dahinſchwebten, bis eine unglückliche Minute und die Sekunde des Todes, welche nicht durch künſtliche Hemmung aufzuhalten iſt, ſeinem irdiſchen Daſein ein Ziel ſetzte. Er hat dieſe Erde verlaſſen in der Hoffnung, wieder von Neuem ſeinen regelmäßigen Gang zu beginnen, wenn er zuvor gereinigt und reparirt ſein wird von ſeinem Schöpfer. F. L. Merkwürdige Kinderkrankheit. Die Rathsprotokolle des Amſterdamer Magiſtrats vom Jahre 1566 geben ausführliche Nachricht einer ſeltſamen Krankheit, die im genannten Jahre in der Stadt unter den Kindern graſſirte. Eine große Anzahl Mädchen und Knaben wurden von einer Art Veitstanz ergriffen, ſie fielen in Konvulſionen, ſchnitten gräßliche Grimaſſen und erkletterten bei Tage und bei Nacht, ſobald man ſie einen Augenblick außer Acht ließ, auf halsbrecheriſche Weiſe die Mauern und Dächer des Hoſpitals, wohin man ſie ſämmtlich zur Heilung gebracht hatte, und wo ſie ſich alsdann mit der unbewußten Sicherheit und Sorg⸗ loſigkeit des mondſüchtigen Nachtwandlers bewegten. Mehr noch, ſie redeten in ſremden Sprachen, die ſie angeblich nie zuvor gehört hatten, und die Gabe der Weisſagung kam über ſie, ganz ähnlich wie es ſpäter zu Paris bei den Konvulſionären des heiligen Medardus der Fall war. Bürger⸗ meiſter und Rath der Stadt Amſterdam hatten um dieſe Zeit einen ſehr wichtigen und geheimen politiſchen Beſchluß gefaßt, in welcher Veranlaſſung ſie einen Emiſſär nach dem Haag ſenden wollten. Da begann eines der beſeſſenen Kinder im Hoſpital, ein kleines Mädchen Namens Katharina Gerardi zu prophezeien. Es enthüllte den geheimen Plan des Magiſtrats und erklärte, daß großes Unheil daraus entſtehen würde, wenn man nicht davon ablaſſen wolle. Eine derHoſpitalsmütter und mehrere andere Zeugen beeilten ſich, dem Bürgermeiſter und den Rathsmitgliedern davon Kenntniß zu geben, die darauf in der That den Beſchluß rückgängig machten, da das abergläubiſche Entſetzen ſie nun auch ergriff, welches ohnehin ſchon unter den Bewohnern der Stadt durch dieſe unheimlichen

Ereigniſſe hervorgeruſen war. Wir halten es übrigens für ſehr wahr⸗

Er war im höchſten Grade

an welchem ihm der mittheilte,

bieten König Sobieski's aus, doch begab er ſich perſönlich nach Warſchau, dankte dem Monarchen für das Vertrauen und Wohl⸗ wollen, welches er ihm wieder zugewendet und eilte ſelbſtverſtändlich vor Allem in die Maſurenſtraße, in das Bialonski'ſche Haus. Die Freude, welche er hier durch ſein Kommen erregte, war eine allgemeine und die herzlichſte. Maria ſank weinend an ſeine Bruſt und der Kauf⸗ herr drückte ihm wiederholt auf's Leutſeligſte die Hand. Von einer eigentlichen förmlichen Werbung um Maria's Hand war gar nicht mehr die Rede, es verſtand ſich jetzt von ſelbſt, daß die beiden glücklichen Menſchen von nun an für das ganze fernere Leben ſich angehörten. Ja was man kaum für möglich gehalten hätte der Kaufherr ſelbſt traf geſchäftig die Anordnungen zur Hochzeit, die denn auch bald mit allem dem Reichthume des Hauſes ent⸗ ſprechenden Glanze gefeiert wurde.

Auf dornigem Pfade hatte Andreas freilich erſt wandeln müſſen, bevor er die zarte Hand feſt faſſen konnte, die ihn jetzt ſo hoch beglückte; eine um ſo günſtigere Wendung hatte dadurch aber auch ſeine Künſtlerlaufbahn genommen. In BVerlin, wohin er ſchon am nächſten Tage nach dem Hochzeitsfeſte mit ſeinem jungen Weibe abreiste, ward er bald mit den umfaſſendſten Arbeiten be⸗ traut, mit den plaſtiſchen Verzierungen des Zeughauſes, die er in feinſinnigſter Weiſe ausführte, dem Bau des Schloſſes Charlotten⸗ burg und ſchließlich mit dem großartigen Umbau des Reſidenz⸗ ſchloſſes, wobei er ſeine geniale Meiſterſchaft in glänzendſter Weiſe bewährte. Daneben ſchuf er dann aber auch noch plaſtiſche Kunſt⸗ werke, ein Standbild Friedrichs IIf., das jetzt vor dem Schloſſe zu Königsberg ſeinen Platz hat, eine Reihe von Statuen für das Berliner Schloß und endlich das gewaltige Reiterſtandbild des großen Kurfürſten, das noch heute den Mittelpfeiler der langen Brücke in Berlin ſchmückt, welche die Königſtraße mit dem Schloß⸗ platze verbindet, und das Andreas Schlüter's Namen unſterblich

gemacht hat.

faltiges.

(Nachdruck verboten.)

ſcheinlich, daß irgend ein ſchlauer Gegner des Magiſtratsbeſchluſſes die Zeitumſtände geſchickt benutzte und der kleinen Konvulſionärin die gefahr⸗ drohende Prophezeiung in den Mund legte, die ja auch richtig den ge⸗ wünſchten Zweck nicht verfehlte. Die Aerzte wußten längere Zeit nichts mit dieſen beſeſſenen Kindern anzufangen, bis endlich ein alter kluger Doktor auf eine gute Idee kam. Er ſagte zu den Kleinen, wenn ſie jetzt nicht bald mit ihren Narrenpoſſen aufhören wollten, ſo würde er ſie fürchterlich mit einer langen Ruthe durchhauen laſſen. Dieſe Drohung war von wunder⸗

barer Wirkung und half augenblicklich. Aus Furcht vor der Ruthe wur⸗

den die, Kinder geſund. So berichten die Rathsprotokolle. F. L Eine Hofjagd vor 120 Jahren. Im Jahre 1758 hielt

Kaiſer Franz I., der als Gemahl Maria Thereſia's ſich nicht viel mit Regierungsſorgen zu plagen brauchte und alſo Zeit vollauf für Ver⸗ gnuͤgungen hatte, auf den Gütern des Fürſten Colloredo in Böhmen eine große Hofjagd ab, welche 18 Tage dauerte. Außer dem Kaiſer und ſeinem Sohne nahmen drei Prinzeſſinnen, 20 Damen und 20 Kavaliere vom höchſten Adel daran Theil. Nach dem offiziellen Berichte wurden mit 116,200 Schüſſen 1710 wilde Schweine, 3216 Stücke Rothwild, 932 Füchſe, 13,243 Haſen, 29,545 Rebhühner, 9904 Faſanen, 746 Lerchen, 1353 Wach⸗ teln, 1967 Schnepfen, 513 wilde Kalekuten und 117 andere Vögel erlegt. Wie viele Tauſend Treiber erforderlich geweſen, um dieſe Menge Wild zuſammenzutreiben, iſt nicht angegeben. Die vornehmen Herrſchaften, nach⸗ dem ſie ein ſolches ungeheures Blutbad in den böhmiſchen Wäldern angerichtet, kehrten ſehr befriedigt von Colloredos Jagd nach Wien zurück. F. L. Der Sonntagsſtreit auf Tahiti. Als in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die erſten engliſchen Miſſionäre nach den Geſellſchaftsinſeln geſchickt wurden, nahm das Schiff, welches ſie hin⸗ brachte, um das Cap der guten Hoffnung ſeinen Weg und verlor dadurch, weil es gegen Oſten ſegelte, einen Tag von der gewöhnlichen Zeitrechnung, indem es etwa 20 Stunden der Greenwichzeit vorauseilte. Später kamen dann andere Fahrzeuge nach Tahiti, die, wie es jetzt faſt immer auf dieſer Reiſe nach der Südſee geſchieht, Cap Horn umſegelt hatten, und ihr Log⸗ buch ſtimmte natürlich nicht mit der tahitiſchen Zeitrechnung überein, nach welcher aus dem angeführten Grunde der Sonnabend zum Sonntag ge⸗ worden war. Die Miſſionäre und bekehrten Inſulaner feierten alſo, da Erſtere keine Berichtigung eintreten ließen, den Sonntag am Sonnabend,

die fremden Seeleute und ſpäter eingewanderten Europäer aber am darauf⸗ folgenden und richtigen Tag, und es ſetzte dieſe Konfuſion die armen Ein⸗ geborenen ſehr in Verwirrung, da ihre Faſſungskraft die Urſache dieſer Verſchiedenheit nicht zu begreifen vermochte. In den vierziger Jahren nach der gewaltſamen Beſitzergreifung ſeitens der Franzoſen kamen auch katho⸗ liſche Prieſter nach den Geſellſchaftsinſeln und feierten, da ſie am Cap Horn geſegelt waren, den richtigen Sonntag, was natürlich noch mehr Anlaß zu Konfuſionen gab, weil nun die Inſulaner nicht wußten, welchen Geiſtlichen ſie glauben ſollten. Jetzt wird der Tag des Herrn allgemein am richtigen Sonntage gefeiert, weil die franzöſiſche Regierung es ſo beſtimmt hat. 3. 9

Der franzöſiſche Schriftſteller Fontenelle, der unter⸗ der

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