s gab leiſten Ute dieſes
Antheil, 3 er das Freuden
erſehen u gedenke. der Hand
JAk
en Schwie⸗ ir Kaſimir
die Augen; Andreas ſo ſchmnerz⸗ Beredtſam⸗ zurfte nicht 1 ſchweren r es nur und ſtand
eine ſchr elche er in hatte, wich Dennoch en darüber olge dieſes
9
¹
—
—-—
— —————ℳõ—
83
Illuſtrirte Chronik der Zeit. 457
Stande ſein zu zeigen, daß er ſich mit Ehren einen Schüler des würdigen Meiſters Sapovius nennen könne.
Dieſe mit ſo großer Zuverſicht geſprochenen Worte verfehlten denn auch ihre Wirkung nicht ganz, Herr Bialonski zeigte beim Abſchiede faſt die frühere Freundlichkeit, ließ jedoch das, worüber Andreas gerade am ſehnlichſten eine beſtimmtere Andeutung gewünſcht hätte, ſein Verhälttniß zu Maria, völlig unberührt. Und ſo ſchied denn der junge Baumeiſter mit ſchwerem Herzen aus dem Hauſe, das ihm ſo ſüßes Glück gewährt hatte.
Die Tage, welche nun kamen, erſchienen Maria als jedes Sonnenſcheines beraubt, wie ſie mit bangem Herzen vorausgeſehen hatte, waren jetzt ſowohl der alte Wodzinski wie ſein Sohn Kaſimir auf's Eifrigſte bemüht, das frühere Verhältniß wieder herzuſtellen; und in der That zeigte ſich auch der Vater wieder mehr und mehr geneigt, das alte Projekt in Ausführung zu bringen. Maria's ſteter Widerſpruch führte bald zu heftigen Scenen zwiſchen Vater und Tochter, die das arme Mädchen nach und nach ſo aufregten, daß es ſchließlich auf's Krankenlager ſank und von einem ſchweren Nerven⸗ fieber ergriffen wurde..
Trübe Wochen folgten nun; der beſtürzte Vater, die kummer⸗ volle Mutter thaten Alles, um das Leben des geliebten einzigen Kindes zu erhalten, lange ſchwankte es zwiſchen Leben und Tod, bis aber doch endlich die Jugendkraft ſiegte und der Todesengel, der dem Schmerzenslager ſchon ſo nahe geſtanden, vorüberging.
Mit der Geneſung kamen zwar wieder die Kräfte, aber nicht die Jugendfriſche und Jugendfreudigkeit von ehedem zurück, aus dem mild freundlichen Mädchen von früher war ein faſt herb ernſtes geworden, das nur im ſtillen Kämmerlein voll Sehnſucht des fernen Geliebten gedachte, während es im Umgange mit Anderen verſchloſſen und reſignirt erſchien.
Dieſe Stimmung wurde indeſſen nur von der Mutter völlig verſtanden, während der Vater ſowohl wie die beiden Wodzinski's meinten, daraus entnehmen zu dürfen, daß das Mädchen jetzt die Liebe zu Andreas überwunden habe und nun ſich wohl in ſtillem Gehorſam den Wünſchen des Vaters fügen werde.
Die Wochen der Reconvalescenz ſtörte man jedoch mit der Wiederaufnahme des Projekts keineswegs, und ſo waltete längere Zeit ein ſtiller Friede in dem Bialonski'ſchen Hauſe, deſſen es ſich lange nicht erfreut hatte.
Unter dieſen Umſtänden war der Herbſt herangekommen, der Oſtwind fegte bereits die Blätter aus dem königlichen Parke hinab in die Stadt. In dem Bialonski'ſchen Geſchäfte herrſchte zu dieſer Jahreszeit ſtets die regſte Thätigkeit, da die Vorbereitungen für die große Krakauer Meſſe getroffen werden mußten, die alljährlich in den erſten Tagen des November abgehalten wurde und bei der das Kaufhaus ſtets die umfangreichſten Geſchäfte machte. Der Chef des Hauſes war in dieſer Zeit, wie auch allen ſeinen Freunden hin⸗ länglich bekannt, unabläſſig vom frühen Morgen bis zum ſpäten Abend bei der Arbeit und daher eines Vormittags ziemlich unwillig, als ihm gemeldet wurde, daß ihn ein Diener des alten Herrn von
Wodzinski eiligſt zu ſprechen wünſchte.
Als er jedoch vernahm, um was es ſich handle, verwandelte ſich ſein Unwille ſofort in ernſte Beſorgniß. Der Diener hatte nämlich die Nachricht gebracht, daß der alte Herr v. Wodzinski plötzlich vom Schlage getroffen worden ſei und nun gelähmt in ſeinem Lehnſtuhle liege, kaum ſeiner Sinne mächtig. Da nun aber der junge Herr Kaſimir mit einer größeren Geſellſchaft auf die Jagd geritten ſei, ſo habe man ſich nicht anders zu helfen gewußt— man ſei zu dem langjährigen Freunde des alten Herrn geeilt, um deſſen Rath zu erbitten.
Der Kaufherr zögerte keinen Augenblick, dem ſo ſchwer Er⸗ krankten, ſoweit es in ſeinen Kräften ſtand, zu Hilfe zu kommen; er gab ſchnell noch ſeinen jungen Leuten einige Anweiſungen und ſchritt dann eilig den Schloßberg hinauf. Schon im Hausflur der Wod⸗ zinski'ſchen Wohnung hörte er den Patienten ſchwer ſtöhnen, als er aber die Thüre der Wohnſtube öffnete, erſchrak eer dennoch heftig. Der alte korpulente Herr lag nicht, wie der Diener angegeben, im Lehnſtuhl, ſondern auf dem Fußboden in der Nähe des Kamins, aus ſeinen Augen, die auf den Eintretenden gerichtet waren, ſprach die größte Angſt. In ſeiner rechten Hand aber hielt er zerknitterte Papiere, die er allem Anſcheine nach aus dem offenſtehenden Wand⸗ ſchrank genommen, und die er wahrſcheinlich in die Flammen des Kamins hatte werfen wollen. Ein zweiter Schlaganfall mochte ihn dabei überraſcht und zu Boden geworfen haben.
Unwillkürlich beugte ſich Herr Bialonski herab, um zu ſehen, was denn das für wichtige Papiere ſeien, die der Patient noch habe vernichten wollen, und erkannte zu ſeiner größten Verwunderung Bauriſſe. Er ließ ſich jedoch ſein Erſtaunen nicht merken, hob Chronik ꝛc. 1877.
vielmehr mit dem Diener den Kranken auf und trug ihn in die anſtoßende Schlafkammer auf das Bett. Die Papiere hatte die mittlerweile offenbar ebenfalls gelähmte Hand fallen laſſen, Bia⸗ lonski hob ſie auf und ſteckte ſie zu ſich.
In demſelben Augenblicke kam auch der Arzt, den die Magd herbeigeholt hatte. Derſelbe nahm nun den Kranken ſchnell in Behandlung, allein alle Kunſt erwies ſich bald als vergeblich; ein Zuſtand der Bewußtloſigkeit trat ein, dem ſchon gegen Abend der Tod folgte. Als mit ſinkender Sonne Kaſimir von ſeinem fröh⸗ lichen Jagdzuge zurückkam, fand er den Vater bereits todt.—
Herr Bialonski wurde von dem jähen Ende ſeines langjährigen Freundes weit weniger berührt, als man hätte erwarten ſollen, und das hatte ſeine Urſache darin, daß er durch die Papiere, die wie durch einen himmliſchen Einſpruch von den Flammen gerettet wor⸗ den waren, einen Einblick in ein ſchändliches Treiben bekommen hatte, das ihm den verſtorbenen Freund tief verächtlich machte. Die Bauriſſe, welche Wodzinski hatte verbrennen wollen, waren, das ſah man auf den erſten Blick, die Pläne für das Arſenal, wel⸗ ches Andreas Schlüter hatte erbauen ſollen; unten in den rechten Ecken der Blätter ſtand ſogar der Name„Schlüter“ verzeichnet. Die Angaben des jungen Baumeiſters, daß er die Zeichnungen an⸗ gefertigt und ſie ihm geſtohlen worden, beruhten alſo völlig auf Wahrheit, und der Dieb konnte kein Anderer ſein, als— der Schloßhauptmann Wodzinski.
Die Beweggründe zu dieſer That waren nicht ſchwer zu finden; es galt, den jungen Künſtler zu ſtürzen, damit er ſich nicht die reiche Maria Bialonski erwerbe, die doch ſeit Jahren für Kaſimir beſtimmt war und die der mittelloſen Wodzinski'ſchen Familie nicht entgehen durfte..
Der Kaufherr war in Folge deſſen tief entrüſtet über die Schliche, zu welchen man zur Erlangung ſeiner Tochter ſeine Zu⸗ flucht genommen hatte; dennoch ſchwieg er vorläufig, bis der Ver⸗ ſtorbene beigeſetzt war, dann aber trat er eines Vormittags bei Kaſimir ein und eröffnete ihm, daß er hinter den Schurkenſtreich gekommen.
Der junge Menſch wußte anfangs vor Erſtaunen kein Wort zu erwiedern, dann ſuchte er zu leugnen, verwickelte ſich aber bald in Widerſprüche, ſo daß Bialonski nur noch feſter in ſeiner Ver⸗ muthung beſtärkt, ja daß ihm dieſe zur unumſtößlichen Gewißheit wurde.
Doch nicht allein der fehlenden Pläne wegen war Schlüter entlaſſen worden, ſondern bekanntlich auch in Folge der Senkungen und Riſſe, die ſich an dem Pavillon der Königin gezeigt. Es war daher ſehr natürlich, daß Bialonski nun auch auf die Vermuthung kam, es könnten auch bei dieſem Unfall des jungen Baumeiſters die Wodzinskis die Hand mit im Spiele gehabt haben. Er drang daher auf's Ernſteſte und Nachdrücklichſte in Kaſimir, auch hier ſeine Schuld zu bekennen und ſich nicht durch Leugnen nur noch ſtrafwürdiger zu machen.
Kaſimir ſah denn nun auch ſein Heil nur in einem rückhalt⸗ loſen Bekenntniſſe, er gab an, die heiße Liebe zu Maria habe ihn auf dieſe Irrwege geführt und ſein Vater habe ihn in Allem unter⸗ ſtützt. Nächtlicherweile habe man die Fundamente des Pavillons untergraben, auch die Kuppel habe man ſchwer beſchädigt und ſo den Bau ruinirt. Außerdem habe ſein Vater in Erfahrung gebracht, daß Schlüter dem Könige nur die künſtleriſchen Anſichten des zu erbauenden Arſenals vorgelegt habe, nicht aber die eigentlichen Fachzeichnungen, die Riſſe, und dieſen Umſtand benutzend, habe er den Baumeiſter bei dem Monarchen verdächtigt, als ſei der junge Menſch gar nicht imn Stande, nach den Regeln des Handwerks einen Bau aufzuführen. Das habe ſich ja bereits bei dem Pavillon gezeigt, der wohl hübſch ausſehe, aber wieder wie ein Kartenhaus zuſammenfalle. Darauf habe der König noch einen Baumeiſter aus der Stadt befragt, der aber mit dem Vater unter einer Decke geſteckt und außerdem nei⸗ diſch auf die Erfolge des Fremden geweſen ſei, und dieſer habe alle Ausſagen beſtätigt. Darauf habe der König Schlüter rufen laſſen und unterdeſſen habe er, Kaſimir, die techniſchen Riſſe unbemerkt entwendet. Der Erfolg ſei dann der gewünſchte geweſen, der König habe die Ausſagen des Vaters für richtig gehalten und erzürnt Schlüter entlaſſen.
Herr Bialonski erklärte nun Kaſimir, daß an eine Heirath mit Maria natürlich nicht mehr zu denken ſei, daß er aber doch, aus Rückſicht für ſeinen verſtorbenen Freund, über die ganze Affaire Schweigen beobachten wolle, obgleich dem ſo arg gemißhandelten Schlüter wohl eine öffentliche Genugthuung zu wünſchen ſei. Mit einem kalten Gruße verließ er dann das Zimmer.
Dieſes Schweigen, welches der Kaufherr wohl auch mit im Intereſſe ſeiner Tochter beobachten wollte, erwies ſich aber bald als überflüſſig; ſchon als er den Schloßberg hinabſchritt, raunten ſich bereits die Lakaien auf den Korridoren die Neuigkeit zu, daß
69
——
———
————


