Illuſtrirte Chronik der Zeit. 45³
ndeitem werk, von dem ſchon ganz Warſchau ſprach, in Augenſchein zu neh⸗ Thränen glänzten in denſelben:„Ja,“ hauchte ſie und im nächſten irt, aus⸗ men und zu bewundern. V Augenblicke umſchlang Andreas ſie überglücklich und preßte einen dus der Ein ganz beſonderes Intereſſe an dem Bau nahm nach und nach glühenden Kuß auf ihren bebenden Mund. Das Gefühl der höch⸗ 1 Fort⸗ der kurfürſtlich brandenburgiſche Geſandte am polniſchen Hofe, Herr ſten Seligkeit erfüllte ihn, was ihm noch vor Kurzem ſo unerreich⸗ und das Hans Joachim v. Noſtitz, der ein. bar ſchien, das hatte er jetzt er⸗ trbeit ſo großer Freund geſchmackvoller n f aeeſe rungen, hielt er jetzt in ſeinen licht an Architekturen war und für die den Armen und mit ſeiner ganzen en hier Baukunſt auch ein feines Verſtänd⸗ Energie wollte er nun dafür ein⸗ e Maus niß beſaß. Bei ſeinen täglichen treten, falls es ihm noch ſtreitig doͤlbung Spaziergängen im Schloßparke war gemacht werden ſollte.
gleich⸗ er bald mit Andreas bekannt ge⸗ Sanft zog er das geliebte Mäd⸗
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worden, hatte deſſen Talent ſchnell erkannt, ſich wiederholt mit dem beſcheidenen jungen Manne in Geſpräche eingelaſſen und demſel⸗ ben mehrmals Rathſchläge, beſon⸗ ders in Betreff der kunſtreichen Kuppelwölbung, welche die Decke des Pavillons zierte, ertheilt, die dieſer dann ſtets beachtet und ver⸗ werthet hatte.
Als ſchließlich das Bauwerk fertig daſtand, veranſtaltete der König eine kleine Einweihungs⸗ feierlichkeit und bei dieſer über⸗ reichte die Königin mit einigen ver⸗ bindlichen Worten dem erſtaunten Andreas ein königliches Dekret, kraft
„deſſen er zum Hofbaumeiſter Seiner Majeſtät ernannt wurde.
Dieſe ehrenvolle Erhebung, die ihm auch zugleich ein ſehr ein⸗ trägliches Einkommen ſicherte, machte den jungen Künſtler über⸗ glücklich; ſobald die Feſtlichkeit, bei der er natürlich gegenwärtig bleiben mußte, zu Ende war, eilte er den Schloßberg hinab und trat
chen in einen Laubengang, um ſein junges Glück noch vor etwaigen profanen Blicken zu verbergen, und hier geſtand ihm nun auch Maria, daß ſie gleich vom erſten Tage an, da er in ihres Vaters Haus ge⸗ treten, eine innige Zuneigung für ihn empfunden, die ſehr bald in die heißeſte Liebe ſich verwandelt habe. Das müſſe auch ihrem Vetter Kaſimir aufgefallen ſein, denn er habe in letzterer Zeit wie⸗ berholt Fragen an ſie gerichtet, welche derartiges vermuthen ließen.
Mit der Erwähnung Kaſimirs war nun aber ein Thema bexührt worden, das die Liebenden jetzt am angelegentlichſten beſchäftigen mußte. War Maria auch keines⸗ wegs ſchon die erklärte Braut des Vetters, ſo galt es dem Vater doch als ausgemachte Sache, daß ſie der⸗ einſt die Gattin deſſelben werden ſolle. Was war alſo nun von ihm zu erwarten, wenn Andreas ſeine ganzen Berechnungen durch⸗ kreuzte? Ein reſolutes Handeln
bald darauf in das Bialonski'ſche Stizzen aus italieniſchen Städten: Streitende venetianiſche Gondelführer.(S. 460.) erſchien hier als das Beſte, und
Haus. Das Glück war ihm günſtig, die, welche er ſuchte und zu ſprechen wünſchte, Maria, befand ſich gerade im Garten, damit beſchäftigt, einige Roſenſtöcke etwas feſter anzubinden. Strahlenden Auges berichtete er ihr von ſeinem Avence⸗ ment, das ihm nun die freundlichſten Ausſichten für das Leben er⸗ öffnete, wenn jetzt auch—
Er ſtockte; eine brennende Röthe ergoß ſich über ſein Antlitz, auch des lieblichen Mädchens bemächtigte ſich bei dieſen letzten Worten eine tiefe Erregung, es ſchlug die Augen nieder und griff, wie nach einer⸗Stütze ſuchen,—— mit der zitternden— Linken nach dem Stabe des Roſenſtockes.
Beklommen, ja angſtvoll ſchaute An⸗ dreas auf die holde Geſtalt; was ging in dem Herzen vor, das ihn zu dem Glück⸗ lichſten der Sterb⸗ lichen machte, ſobald⸗ es für ihn ſchlug!
„Maria!“ begann er jetzt leiſe, indem er ihre rechte Hand ergriff,„ich beſitze keine Reichthümer, auch zur Zeit noch keinen berühmten Na⸗ men, aber ich hege die feſte Zuverſicht, daß mein Talent mir dereinſt halten wird, was es mir jetzt ver⸗ ſpricht, und daß ich daher wohl wagen darf, an mein Schickſal das eines geliebten Weibes zu knüpfen. Aber eine tiefe Bangigkeit überkommt mich bei dem Gedanken daran, denn die Einzige, die das Glück meines Lebens begründen würde— iſt ſie noch für mich erreichbar?“
Bei dieſen letzten Worten ſchlug Maria die Augen wieder auf,
Stizzen aus italieniſchen Städten: Polenta⸗Verkäuferin in Venedig.(S. 460.)
in Folge deſſen faßte ſich Andreas ein Herz und bat noch am ſelben Abend den alten Kaufmann um eine Unterredung. 3 Dieſer hatte bereits durch einen Geſchäftsfreund von dem Avancement Andreas gehört, auch von dem großen Beifall vernom⸗ men, welchen der König und die Königin ſeinem Baue gezollt hatten; er empfing den jungen Baumeiſter ſehr freundlich und gratulirte ihm zu ſeinen Erfolgen. Als er aber vernahm, welch' kühne Bitte ihn zu ihm geführt, ſchaute er zunächſt ganz erſtaunt drein und wußte kein Wort zu entgegnen; dann ſchritt er mehrere Male im Zimmer auf und ab. Endlich blieb er vor dem jungen Manne ſtehen und eröffnete ihm, daß er ihm vorläufig noch keine Antwort auf ſeine Anfrage geben könne. Die Hand Maria's ſei bereits halb und halb dem Sohne eines Freundes verſprochen und es ſei daher ſeine aller— nächſte Pflicht, dieſen mit ſeinem Begehren bekannt, zu machen. Er, der Vater, wolle natürlich in erſter Linie durch eine Ver⸗ heirathung das Glück ſeines Kindes begrün⸗ den und darum trete er mit ſeinen perſön⸗ lichen Wünſchen gerne zurück. Reichthum und hoher Rang ſeien nicht, wie er recht wohl wiſſe, die Hauptbedingungen zu einem harmoniſchen Eheglück, und darum werde er jede Wahl ſeiner Tochter billigen, ſofern ſie nur auf einen durchaus tüchtigen und ehrenwerthen jungen Mann fiele. Daß er, Andreas Schlüter, ein


