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Illuſtrirte Chronik der Zeit
Bauplatzes und trat dann mit dem Schloßhauptmann wieder den Rückweg an.
Wieder im Schloſſe angelangt, wollte ſich Andreas ſchon dankend
empfehlen, als ſich der Alte plötzlich noch erinnerte, daß ja noch ein letzter Punkt zu erledigen ſei. Der König habe gemeint, daß es dem Baumeiſter vielleicht angenehm ſein könnte, in der Nähe des Bauplatzes zu wohnen, und daher gern erbötig ſei, ihm im Parterre des Schloſſes ein Logis einräumen zu laſſen. Dieſe Offerte war An⸗ dreas außerordentlich erwünſcht, die Gaſtfreundſchaft des Bialonski'ſchen Hauſes konnte er ja doch nicht allzu lange in Anſpruch nehmen, er fand daher hier die beſte und, was für ihn ein ſchwerwiegender Punkt war, die wohlfeilſte Unterkunft. Er⸗ zögerte daher nicht, von der Güte des Königs Gebrauch zu machen und erhielt den Beſcheid, daß er ſchon am nächſten Morgen die be⸗ treffenden Räume in Beſitz nehmen könne. Sehr befriedigt verließ er daher das Schloß, ſchritt ſchnell die Ma⸗ ſurenſtraße hinab und ſaß ſchon in der nächſten Viertelſtunde oben in ſeinem Stübchen vor einem auf ein Reißbrett aufgeſpannten Bogen Zeichenpapier, eifrig bemüht, dem Bilde ſeines Baues, das er bereits im Kopfe trug, feſtere Formen zu= geben. So entwarf er denn auch— bald die Hauptformen, die ge⸗ ſchmackvolle Front mit dem ge⸗ fälligen Dach, dann die Seitenan⸗ ſichten, ſowie die kleine Terraſſe, die er vor dem Portale anzubringen gedachte.
Bei der Mittagstafel berichtete er dem Herrn Bialonski von dem Ergebniß ſeines Beſuches im königlichen Schloſſe und Parke und eröffnete ihm ſodann, daß er ſchon morgen ſein gaſtfreundliches Haus verlaſſen werde, da der König ihm eine Wohnung im Schloſſe einräumen laſſen wolle. Dieſe höfliche Zuvorkommenheit des Königs imponirte dem Kaufherrn nicht wenig und er war ſichtlich erfreut, daß man einem Gaſte ſeines Hauſes am Hofe eine ſolche Ehre er⸗ wies. Auf Maria ſchien die Mittheilung dagegen einen ganz an⸗ deren Eindruck zu machen, als Andreas einmal zu ihr hinüber ſchaute, war es ihm, als habe ſich eine tiefe Traurigkeit auf das ſchöne ſanfte Geſicht gebreitet, als glänze es thränenfeucht in den Augen des holden Mädchens. Aber alle ſeine Gedanken waren ſo ſehr mit den Plänen ſeines Baues und mit dem
künſtleriſchen Schmuck deſſelben beſchäftigt, daß er über dieſe Wahr⸗ nehmung nicht wei⸗ ter nachſann.
Auf einen Spa⸗ ziergang im Garten verzichtete er heute, verfügte ſich viel⸗ mehr ohne Säumen wieder auf ſein Zim⸗ mer und arbeitete dort angeſtrengt, bis die Dämmerung her⸗ einbrach; das Reſul⸗ tat dieſer ange⸗ ſtrengteſten Arbeit war nun aber auch ein ſehr erfreuliches, denn im anmuthigſten Renaiſſanceſtyle ſtand der zu erbauende Pavillon fertig da und der Zeichner geſtand ſich ſelbſt jubelnden Herzens, daß das ſo ſchnell gefertigte Werk in jeder Weiſe wohl gelungen war.
Am nächſten Vormittage ließ er ſich daher wieder bei dem Könige melden und legte demſelben ſeine Zeichnung vor, und da dieſe auch den reichen Beifall des Monarchen und deſſen Gemahlin jand, ſo ward beſchloſſen, den Bau des Pavillons nach ihr auszu⸗ führen. 4
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Skizzen aus italieniſchen Städten: Straßenreiniger in Florenz.
Skizzen aus italieniſchen Städten: Milchverküufer in Florenz.
Ein reges geſchäftiges Leben begann nun für Andreas; von Seiten des Königs wurde ihm die nöthige Menge von Erdarbeitern und Bauhandwerkern zur Verfügung geſtellt, es wurde planirt, aus⸗ gegraben und fundirt und bald ſtiegen die Grundmauern aus der Erde empor. Der König zeigte lebhaftes Intereſſe für den Fort⸗ gang des Baues, wiederholt beſuchte er ſelbſt die Bauſtätte und das war auch wieder ein Sporn für die Handwerker, ihre Arbeit ſo ſorgfältig als möglich auszuführen. Dennoch fehlte es auch nicht an unliebſamen Zwiſchenfällen, ungeſchickte Steinmetzen verdarben hier ein von Andreas ſorgfältig gezeichnetes Ornament, unachtſame Mau⸗ rer führten dort eine Fenſterwölbung oder eine Niſche nicht ganz gleich⸗ mäßig aus, ſo daß der junge Bau⸗ meiſter ſtets die Augen überall haben mußte und ſich keine Mühe verdrießen laſſen durfte, wollte er den Pavillon ganz nach den Regeln der Kunſt und Schönheit aufgeführt n wiſſen. Hatte er ſich dann aber eine n ganze Woche hindurch wacker ge⸗ plagt, ſo war die Ruhe am Sonn⸗ tage ihm um ſo erquicklicher und erhielt für ihn noch dadurch einen beſonderen Reiz, daß er die Nach⸗ mittagsſtunden in der Bialonski⸗ ſchen Familie verlebte. Dieſe ſaß dann gewöhnlich in der freundlichen Laube des Gartens und er konnte ſie meiſt mit der Erzählung von kleinen Vorfällen unterhalten, die ſich am Hofe zugetragen, konnte von ſeinen Unterhaltungen mit dem Könige berichten, über deſſen Geſchmack und Kunſtanſichten und endlich über mancherlei Schnurren und Späſſe, welche ſich die Pagen oder Bedienten erlaubt. Nach dem Kaffee machte er auch wohl mit Maria kleine Promenaden durch den Garten, ließ ſich die neuerworbenen ſeltenen Blumen und Ge⸗ wächſe zeigen und plauderte dann meiſt mit dem freundlichen Mäd⸗ chen noch weit behaglicher, als er es am Familientiſche gethan hatte. Dadurch bildete ſich mehr und mehr ein warmes Freundſchaftsver⸗ hältniß zwiſchen den beiden jungen Leuten heraus; man fühlte, indem man ſo gegenſeitig ſeine Gedanken austauſchte, wie man mit ſeinen Grundanſichten völlig harmonirte, und Maria empfand außerdem noch mehr und mehr eine große Hochachtung vor den Kenntniſſen
4 und der reichen Bil⸗ dung, die Andreas beſaß. So entwickelte
(S. 460.)
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daß ſie ſich deſſen recht bewußt waren, eine innige Neigung für einander, die um ſo feſter Wur⸗ zel ſchlug, da ſie auf der edelſten gegenſeitigen Hoch⸗ achtung begründet war. Faſt inſtink⸗ tiv verbargen ſie ihre Liebe aber noch vor den Augen der Welt, mußte ja doch ein Bekanntwerden der⸗ ſelben einen ſchwe⸗ ren Konflikt mit der Wozinski'ſchen
Familie herbei⸗ (S. 460.) führen. Nach ſolchen
freundlich verlebten Sonntagen nahm Andreas Schlüter ſeine mühevolle Arbeit wieder mit erneutem Eifer und doppelter Luſt auf, und ſo ſchritt denn auch bald der Bau ſeiner Vollendung entgegen. Der junge Künſtler geſtand ſich ſelbſt mit freudig klopfen⸗ dem Herzen, daß das Werk äußerſt wohl gelungen war, daß alle
Verhältniſſe richtig, alle Linien ſchwungvoll und gefällig und daß
das ganze Gebäude ſeinem Zwecke vollſtändig entſprechen werde.
Der König ſowohl wie die Königin ſprachen bei ihren wiederholten Beſuchen ſtets ihre höchſte Zufriedenheit aus und auch verſchiedene hohe Herren vom Hofe und aus der Stadt kamen, das reizende Bau⸗
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