Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

zuſchritt Andere vollte er

er vom

de konnte

44

de zu

ung nicht

ie Audienz ſcht, als Er mochte daß ſein ſei. Als beauftragt zu zeigen, erbaut

m auls der

wachſen

Maria.

ihn auf eine Viertelſtunde zu entſchuldigen und forderte ſeine Tochter auf, dem jungen Manne unterdeß Geſellſchaft zu leiſten.

Maria kam zunächſt der Weiſung des Vaters inſofern nach, als ſie ſich bemühte, dem Gaſte auch die weiteren Schönheiten des Garlens zu zeigen, wobei ſie durch ihre treffenden Bemerkungen wiederholt einen feinen Sinn für Schönheit und guten Geſchmack bekundete. Bald jedoch leitete ſie die Unterhaltung auch auf andere Gegenſtände, fragte Andreas, was die Stadt Warſchau für einen Eindruck auf ihn gemacht habe, wie ihm die Bauart der Häuſer und Paläſte gefalle und wie ihm der Volkscharakter erſchienen ſei, der wohl wenig Aehnlichkeit mit dem der Danziger beſitze. Ueber die Bauſtyle konnte Andreas ſeiner ſchönen Geſellſchafterin ſeine

Illuſtrirte Ch

ausführliche und wohlbegründete Anſicht darlegen, und da er aus dem zum Theil ſehr geſchmackvoll gebauten Danzig kam, ſo fiel ſein Urtheil für Warſchau nicht ganz günſtig aus. Als er dann ſeine Anſicht über die Bewohner der polniſchen Reſidenz äußern ſollte, gerieth er in einige Verlegenheit.

Seid nur ganz offen, bat da aber das Mädchen,faſt will es mich bedünken, als habet Ihr ſchon ſchlimme Erfahrungen ge⸗ macht. Wenn ich mich nicht geirrt habe, hattet Ihr bereits eine unerfreuliche Begegnung mit einem unſerer Verwandten, der aber bei Eurer Beurtheilung der Warſchauer keineswegs maßgebend ſein kann.

Es freut mich, wenn Ihr mich deſſen verſichert, verſetzte hierauf der junge Baumeiſter,denn ich muß allerdings bekennen, daß mich die Art und Weiſe, in welcher mich der junge Herr heute Vormittag an Eurer Hausthüre anredete, ſehr verletzte und ich un⸗ willkürlich Schlüſſe auf den Ton zog, der wohl hier herrſchen müſſe.

Dazu waret Ihr allerdings berechtigt, beſtätigte Maria,doch kann ich den guten Ruf meiner Landsleute noch retten; mein Vetter gehört glücklicherweiſe zu den Ausnahmen; im Allgemeinen iſt man in Warſchau höflich und zuvorkommend. Ich bedaure recht ſehr, daß Euch der Zufall gleich bei Eurem erſten Ausgange eine ſolche Bekanntſchaft zuführte, und ich bilte Cuch, Eure Mißſtimmung über das unliebſame Rencontre nicht auch bis auf das Bialonski'ſche Haus auszudehnen.

O, wie könnte ich das! rief Andreas.

Ein klein wenig Recht hättet Ihr ſchon dazu, entgegnete Sage mir, mit wem Du umgehſt, heißt es im Sprich⸗ Wort, und ich will Dir ſagen, wer Du biſt. Ihr könntet alſo an⸗ nehmen, daß Euch über kurz oder lang auch von unſerer Seite

Das zu denken wäre mir' nie eingefallen, verſicherte hier aber Andreas lebhaft.

Leider hegt mein Vater eine Vorliebe für den Kaſimir, Fhr das Mädchen fort,es kann ihm daher der Verkehr mit unſerem Hauſe nicht verwehrt werden; auch trägt ſich der Vater ſogar mit Plänen, an die ich nur mit ſchwerem Herzen denke. Freilich gehört der Vetter einer ſehr angeſehenen Familie an und wird wohl auch dermaleinſt Nachfolger ſeines Vaters, alf den aber kann ein hoher Rang allein das Glück des geben, iſt nicht vor Allem eine Sympathie der Seelen erfordernf Sie erröthete leicht; ſie war da unwillkürlich auf ein Thema ge⸗ kommen, das zwar ſeit Monaten ihr jugendliches Herz ängſtigte und quälte, mit dem ſie ſich unabläſſig beſchäftigte, ohne, außer der kränkelnden, ſchwachen und unter den Willen des Vaters gebeugten Mutter, eine Freundin, einen Freund zu haben, der ſie verſtand und ihr in ihrem Bangen mit Rath und That zur Seite ſtand.

Andreas war durch die Worte des anmuthigen Mädchens ganz eigenartig berührt worden; faſt ſchüchtern und doch auch wieder mit glänzenden Augen blickte er ſie daher jetzt, da ſie ſchwieg, an. End⸗ lich ſagte er halblaut, als wolle er verhüten, daß noch ein Anderer ſeine Worte vernehme:

Das echte und rechte Glück kann durch nichts erſetzt werden, weder durch hohen Rang und Stand, noch durch Reichthum und koſtbare Schätze. Wir müſſen es in uns ſelbſt tragen unde unſer volles und ganzes Genüge in dem Herzen finden, dem wir uns für's ganze Leben hingegeben haben. Nur wenn dem ſo iſt, können wir hoffen, in edelſter Weiſe glücklich zu werden.

Mit ſteigender Erregung hatte Maria den Worten des jungen Mannes gelauſcht, ſprach er doch das in klaren ſchlichten Worten aus, was ſie ſeit Monaten nach manchem bangen Zweifel immer wieder als das Richtige empfunden hatte. Sie erblickte daher in ihm einen Geſinnungsgenoſſen, einen Mann von den edelſten Geund⸗ ſätzen, und empfand das beſeligende Gefühl, ſich nicht mehr mit ihren ſchwer errungenen Ueberzeugungen allein zu wiſſen, durfte wohl gar hoffen, daß er nöthigenfalls dem Vater gegenüber ſeine

und ihre Anſichten kräftig vertreten und ihr dadurch eine wirkſame

Stütze ſein werde. Habt Dank, habt herzlichen Dank, verſetzte ſie mit leiſe vibrirender Stimme,Eure Worte haben einen frohen Widerhall

o Schloßhauptmann wer⸗

451

ronik der Zeit.

in mir geſunden, ſie werden mir ein ſicherer Kompaß ſein für mein ſchwankendes Lebensſchifflein und ich denke, wenn einmal ein Sturm aufbraust, ſo wird Eure wegeskundige Hand auch einmal nach meinem Steuer greifen.

Andreas war durch dieſe Schlußfolgerung ſichtlich überraſcht, doch faßte er ſich ſchnell.

So ſoll es ſein, rief er, reichte ihr ſeine Hand dar, und als ſie die ihrige einſchlug, drückte er die zarten Finger leicht, worauf ſie ihm die Hand erröthend wieder entzog.

Kurz darauf wurde die Thüre des Hauſes geöffnet und eine Magd trat mit Kaffeegeſchirr in den Garten; bald folgte der Haus⸗ herr in Geſellſchaft des vorhin angemeldeten Geſchäftsfreundes, um nach ſeiner Gewohnheit den Kaffee in der Laube des Gartens ein⸗ zunehmen. Maria wußte nun ſofort was ihres Amtes war, raſch ſprang ſie herzu, ordnete Taſſen und Teller und bald ſaß die kleine Geſellſchaft, zu der natürlich in dieſem Falle auch Andreas Schlüter gehörte, vor dem aromatiſch duftenden Getränke, das in dem Bia⸗ lonski'ſchen Hauſe ſtets von beſonderer Güte war, und plauderte von Stadt- und Hofgeſchichten, wobei beſonders der Plan des Kö⸗ nigs, das Königsſchloß durch verſchiedene Bauten zu verſchönern und zu erweitern, lebhaft beſprochen wurde, und wobei Andreas von dem Geſchäftsfreunde des Herrn Bialonski, einem höheren Be⸗ amten, manche unſchätzbare Winke über den Geſchmack Johann So⸗ bieski's erhielt, die er dann noch am ſelben Tage bei ſeinen einſt⸗ weiligen Entwürfen zu verwerthen wußte.

Am anderen Morgen fand ſich Andreas Schlüter zu der vom Könige beſtimmten Zeit im Schloſſe ein, um ſich vom Schloßhaupt⸗ mann diejenige Stelle des Parkes zeigen zu laſſen, wo der Pavillon für die Königin erbaut werden ſollte. Er fand auch bereits ſeinen Führer, einen zwar ſchon ergrauten, aber noch immer ſehr ſtattlich ausſehenden und ziemlich korpulenten Mann, in einer Art Vorzimmer ſeiner harrend, und wurde von ihm, wenn auch freundlich, ſo doch herablaſſend und mit einer von großem Selbſtbewußtſein zeugenden Miene empfangen. Im Laufe des Geſpräches, welches ſich ſodann auf dem Wege nach der betreffenden Parkſtelle entwickelte, merkte der junge Baumeiſter ſehr bald, daß ſein Begleiter ein ſehr ſtolzer und auch wiederum mit einem ſehr ſcharfen Verſtande begabter Mann war. In der That beſaß Herr Nikolaus v. Wodzinski her⸗ vorragende Geiſtesgaben, die der König beſonders im Kriege ſchätzen gelernt hatte; dort hatte er ſtets die ſchlaueſten Manöver auszu⸗ führen gewußt und durch eine feine Liſt nicht ſelten einen weit über⸗ legenen Feind geſchlagen. Freilich war er dabei niemals wähleriſch in den Mitteln geweſen, ja er hatte bisweilen zu ſolchen gegriffen, die der König dann ernſt getadelt hatte aber der ſtets alles ver⸗ goldende Erfolg hatte die Mißſtimmung doch immer wieder ſchnell verwiſcht, und ſo war er denn auch ſchließlich nach dem Schluß des Krieges mit dem ehrenvollen und einträglichen Amte eines könig⸗ lichen Schloßhauptmanns betraut worden. Einer beſonderen Be⸗ liebtheit erfreute er ſich nicht, wiederholt hatte er in Intriguen ſich verwickelt und durch Winkelzüge ehrliche Leute geſchädigt, außerdem gar Manchen durch ſein herriſches, ſtolzes Weſen verletzt.

Andreas gegenüber traten dieſe Charakterfehler des Schloß⸗ hauptmanns zunächſt noch nicht unliebſam hervor, derſelbe ſuchte vielmehr den jungen Fremden mit den Verhältniſſen, in welche dieſer trat, genauer bekannt zu machen, ſprach von der Kränklichkeit der Kö⸗ nigin, deren Geſchmack und Neigungen und deren Vorliebe für die franzöſiſche Eleganz, betonte auch dabei, daß es keineswegs leicht ſei,

6 der hohen Frau herzuſtellen und

immer Alles nach den Wünſe herzurichten. Er ſelbſt könne Fas am eheſten ſagen, denn er habe beſonders früher dadurch manche Mühe und Amtslaſt gehabt; jetzt ſei er etwas beſſer geſtellt, da ihm ſein Sohn Kaſimir ſtets zur Seite ſtehe, der auch beſonders in Sachen des Geſchmackes eine viel feinere Bildung beſitze, als er alter Soldat.

Doch Ihr kennt ihn ja wohl, rief er plötzlich, gravitätiſch vor Schlüter ſtehen bleibend,er ſagte mir, daß er Euch vor dem Hauſe des Vetters Bialonski getroffen.

Jawohl, ich machte dort ſeiſke Bekanntſchaft, verſetzte Schlü⸗ ter turz.

Nicht wahr, ein Cavalier vom Kopf bis zu der Zehe, fuhr der Alte unbeirrt fort,verdreht allen Mädchen die Köpfe, behält aber doch dabei ſelbſt den Kopf oben und wird doch nur die Wahl treffen, die auch ſein Vater für die richtige hält.

Andreas erwiederte nichts auf dieſes väterliche Lob, und ſo wurde der Reſt des Weges ſchweigend zurückgelegt.

Das Terrain war bald beſichtigt, es erwies ſich als ein kleiner von einigen Linden beſchatteter Raſenplatz, der im Hintergrunde von einem kleinen Hügel aus Felsgeröll begrenzt wurde. Andreas nahm noch einige Meſſungen vor, entwarf auch flüchtig einen Plan des